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RAG: Schacht Lerche soll ebenfalls abgerissen werden

denkmalpflegerische Nutzung wird ausgeschlossen

in Berieb
außer Berieb

Erst soll Haus Aden 2 einem klobigen und funktionalem Gruben-wasserhebewerk weichen, dass sich an die neue “Wasserstadt” Bergkamen anpasst und nun soll bis Ende 2020 auch der markante Förderturm über Schacht Lerche in Hamm-Pelkum der Abrissbirne zum Opfer fallen.

Was da in den letzten Jahren als denkmalwürdige Erinnerung an den Bergbau aus dem öffentlichen Gedächtnis gerissen wurde, geht auf keine Kuhhaut mehr. Und die wenigen, weiträumig aus-einanderliegenden erhaltenen Fördertürme, stehen mehr oder weniger einsam in der Landschaft herum. Für die späteren Generationen bleibt die Funktion und die Bedeutung unklar, weil der Funktionszusammenhang mit anderen Betriebsgebäuden oft fehlt. 

Es ist daher eine Schande, wie gleichgültig man mit der Bergbau-geschichte und seinen Hinterlassenschaften umgegangen ist und umgeht. Das ewige Todschlagargument “die Kosten” kann doch nicht das Ende der Phantasiestange sein. Unsere  Bergleute haben wahrlich etwas Besseres verdient. Schließlich verdankt die Stadt Hamm sowohl ihre Existenz als auch ihren wirtschaftlichen Wohl-stand ausschließlich dem Bergwerk Heinrich-Robert (BW Ost).  Das sollten die Verantwortlichen der RAG, der Stadt und bei der Landesregierung von NRW  nicht vergessen. Rücksichtslosigkeit ist kein Ausdruck von Erfolg, sondern von Phantasielosigkeit und mangelndem Respekt.    

Rückblick

Inbetriebnahme Schacht Lerche

Als der ehem. 136 Tonnen schwere Förderturm Romberg, Schacht 7 des Bergwerks Königsborn in Werne-Langern nach dessen Schließung abgebaut und in Hamm-Pelkum als Schacht Lerche des Bergwerks Heinrich-Robert für 280 Mio. EUR als Wetter-, Material-und Seilfahrt-schacht wieder aufgebaut wurde und am 29.09.2002 in Betrieb ging, da schwärmte der damalige Finanzminister von NRW, Peer Stein-brück, noch überschwänglich von “einem Signal für die Zukunft des Bergbaus und des östlichen Ruhrgebiets.” Und der damalige DSK-Chef Bernd Tönjes sekundierte mit den Worten,  das Schacht Lerche “ein wichtiger Schritt sei, um das Bergwerk Ost zukunftsfähig zu halten. So können nun mehr als 30 Mio. Tonnen hoch-wertige Kokskohle erschlossen werden.”

Hamms Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann und der Bezirksleiter der IGBCE, Norbert Römer, untermauerten den arbeits-marktpolitischen Effekt. Viele Besucher fuhren anschließend zu einer Grubenfahrt in den 1.300 Meter tiefen Schacht ein. 

Nach einer weiteren Teufung auf 1400 Meter diente der Schacht hauptsächlich der Frisch-wetterversorgung und für die Anfahrt von rd. 800 Bergleuten täglich. Die übertägige 20 Megawatt-Kälteanlage hatte eine Leistung, die rd. 26.000 Kühlschränken entsprach. Es war die größte Kälteanlage Europas.

ehemaliger Fördermaschinisten-Stand Schacht Lerche, Hamm-Pelkum

Das traurige Ende

Die letzte offizielle Seilfahrt am Schacht Lerche wurde von der Nachtschicht-Mannschaft am 14.Juli 2011 verfahren. Das Bergwerk Heinrich-Robert (BW Ost) wurde nach 109 Jahren am 30.09.2010 stillgelegt.

Von den einst 17 ehemaligen stolzen Fördertürmen sind nur die Anlagen Haus Aden 2, Sandbochum und Lerche übrig geblieben. Der Schacht Sandbochum wurde im Frühjahr 2013 und die Schächte der Hauptförderanlage Heinrich und Robert im Spätsommer 2013 verfüllt. Schacht Lerche wurde im August 2011 verfüllt.  

Die RAG-Tochter RAG Mining Solution hat sich um den Verkauf der Kälteanlage sowie der Fördermaschine erfolgreich bemüht. Der Verkauf des Fördergerüstes misslang, da kein Investor gefunden werden konnte. Nach den Schächten Franz und Humbert ist der Schacht Lerche der dritte ehemalige Schacht des Bergwerks Ost, welcher Ende 2020 abgerissen werden soll.

Nach gerade einmal 9 Jahren Laufzeit wird, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird Schacht Lerche als das noch in 2002  größtes Zukunftsprojekt der DSK bezeichnete Bauwerk, nieder-gelegt und dann wohl auf kurzer oder lang in Vergessenheit geraten. Denn das Betriebsgelände soll bis 2022 ökologisch genutzt werden. Das wiederum wird aber wahrscheinlich Niemanden mehr interessieren.

Aufruf

Fordern Sie die Unter-schutzstellung von Schacht Lerche als Baudenkmal der Zeitgeschichte

Der markante Förderturm Schacht Lerche ist in seiner Golfschlägerform einzigartig und erinnert als letzter Zeitzeuge an den modernen Bergbau des 20. Jahrhunderts. Angestrahlt wirkt er insbesondere Nachts als weithin sichbare Landmarke mit hohem Wiedererkennungswert. Er ist insoweit ein Stück geronnene Hamm-Pelkumer Geschichte. Denn wenn man sich mit seiner Heimat identifiziert, dann geht das nicht ohne die bauliche Architektur. Erst sie ermöglicht zusammen mit Erinnerungen und Begegnungen eine Erinnerungskultur, die Verbundenheit in einer schnelllebigen Zeit schafft.

Das sieht auch der Gesetzgeber so. In § 2 des Denkmalschutzgesetzes von NRW werden Denkmäler als Sachen angesehen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Dies ist dann der Fall, wenn die Sache bedeutend für die Geschichte der Menschen, der Stadt oder für die Entwicklung der Arbeits-und Produktionsverhältnisse war. Für die Erhaltung müssen künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen.

Schacht Lerche war ein bedeutsamer Standort des Bergwerks Ost und spiegelt die bergmännischen Arbeitsverhältnisse in der Stadt wieder. Das Bergwerk Ost hat der Stadt Hamm und seinen Bewohnern einen enormen wirtschaftlichen Wohlstand beschert. Städtebaulich passt sich der Förderturm mit seiner markanten Form an das Landschaftsbild an und steht somit auch als Beispiel für nachhaltiges bauen. Auf Lerche wurde der Umweltschutz groß geschrieben.

Soweit Sie weitere städtebauliche oder volkskundliche Gründe haben, die geeignet sind, Schacht Lerche nach § 4 DSchG unter vorläufigen Schutz zu stellen, dann schreiben Sie bitte umgehend an

Stadt Hamm

untere Denkmalschutzbehörde

Herrn Ludger Ackfeld

Gustav-Heinemann-Str. 10

59065 Hamm

e-Mail: ackfeld@stadt.hamm.de

und an das

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau-und Gleichstellung

Abt. 5, Referat 515

Herrn Min.Rat Thomas Schürmann

Jürgensplatz 1

40219 Düsseldorf

e-Mail: denkmalpflege@mhkbg.nrw.de

 

Fotonachweise:

Headercollage: Revierkohle

links darunter: S Lerche-Zufahrt: rumhip-stern.de, rechts: Revierkohle 

rechts darunter: rumhipstern.de

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RAG: Haus Aden 2 soll niedergelegt werden

dafür entsteht ein neues Grubenwasserhebewerk

Grubenwasserzeche Haus Aden 2 in Bergkamen, Luftbild: RAG Montan Immobilien

Obschon die Schachtanlage Haus Aden in Bergkamen bereits Ende 2000 die Förderung einstellte, wurden die Schächte 1 und 2 noch als Wetter-und Materialschächte des Bergwerks Ost (Heinrich-Robert) bis zur Stilllegung von Heinrich-Robert am 30.09.2010 weit-er genutzt. Schacht 1 wurde 2005 gesprengt. 

Schacht 2 wurde und wird weiter als Grubenwasserzeche genutzt. Die letzte Grubenfahrt zur Wartung der untertägigen Kreiselpumpen in 1000 Meter Teufe wurde am 26.09.2019 verfahren. An diesem Tag befuhr die Grubenwehr ein letztes Mal die untertägige Strecke. 60 Bergleute fuhren bis dahin weiter auf Haus Aden regelmäßig ein.

Der Schacht wird nunmehr bis auf 730 Meter teilverfüllt und um den Schachttrumen herum mit Hüllrohren versehen . In diese werden ab 2022 12 Meter hohe Hängepumpen das Grubenwasser herauf-pumpen. Jedes Jahr werden auf Haus Aden 2 rd. 100 Mio. Kubikmeter Grubenwasser gehoben. Haus Aden wird als Neben-anlage das Grubenwasser ab 2030 zum Grubenwasserstandort Lohberg nach Dinslaken weiterleiten.  

nach der Stillegung im Jahre 2000 standen die Fördertürme Haus Aden 1/2 noch friedlich vereint nebeneinander am Datteln-Hamm-Kanal: Foto: Eberhard Kamm, wikimedia commons
bis dannn im Jahre 2005 das Fördergerüst gesprengt wurde. Foto: RAG

Förderbescheid liegt bereits vor

Derweil kann es den Verantwortlichen bei der RAG und der Stadt offensichtlich nicht schnell genug gehen, um Fakten zu schaffen.

So hat der Rat der Stadt Bergkamen bereits am 19.02.2020 in einer Sitzung dem Bau eines Grubenwasserhebewerks zugestimmt. Die RAG hat den Abriss des Fördergerüstes von Haus Aden 2 beantragt.

Seit Oktober 2020 liegt der Förderbescheid für das als “nationales Städtebauprojekt” bezeichnete Hebewerk vor. Mit der Anerkennung als nationaler Städtebau ist ein Zuschuss von 1,45 Mio. EUR ver-bunden. Die Stadt Bergkamen wird den Bau mit 722.000 EUR eben-falls bezuschussen. Die RAG braucht auf diese Weise nur die Kosten für die Pumpen und die Gebäudeummantelung tragen. Für die Verschönerung des Gebäudes soll bis 2021 ein Archtitektur-wettbewerb stattfinden. Somit werden Kosten von rd. 2,7 Mio. EUR anfallen. Das Grubenwasserhebewerk soll im Jahre 2024 in Betrieb gehen.

Das nennen wir einen sauberen Deal.

 

Nach den Vorstellungen der RAG soll das aus dem Jahre 1975 stammende markante Fördergerüst abgerissen werden. An seiner Stelle soll ein funktionales 25 Meter hohes Grubenwasserhebe-werk entstehen.

Nach Ansicht der RAG kann der Förderturm nicht stehenbleiben, da die hohen Gewichte des Pumpwerks sowie die 500 Tonnen Rohre die Statik des Förderturms beeinträchtigen würde. Auch ist die Fläche unter dem Fördergerüst für das geplante Hebewerk zu klein. Eine Versetzung des Förderschachtes, wie es zahlreiche ehemalige Bergleute fordern, sei aus finanziellen Gründen nicht machbar.

Zwar hat die Stadt Bergkamen gefordert, dass das neue Gruben-wasserhebewerk architektonisch so gestaltet werden muß, dass es einerseits an die Bergbaugeschichte von Haus Aden erinnern soll und andererseits sich der modernen sog. “Wasserstadt” auf dem ehemaligen Zechengelände am Rande des Datteln-Hamm-Kanals malerisch anpassen muß. Ob dieses Ansinnen Zustimmung erfahren wird, bleibt abzuwarten. 

Auf dem ehemaligen Bergwerksgelände sollen ab 2020  300 neue Familienhäuser der gehobenen Klasse mit eigenem Bootsstieg und schleusenfreier Zufahrt zum Datteln-Hamm-Kanal errichtet werden. Ein Wellness-Hotel soll die “Erinnerung” an den Bergbau ergänzen. 2027 soll die Wasserstadt dann den Mittelpunkt einer Gartenschau bilden. Zukünftig wird diese Hochwertigkeit noch durch das warme Grubenwasser von Haus Aden 2 im Rahmen eines Pilotprojektes abgerundet. Dann sollen die Gebäude mit geothermischer Energie nachhaltig versorgt werden.

Das empfinden viele Bergleute als empörend. Sie sind der Ansicht, dass der Bau eines neuen Hebewerks keine ausreichende Würdi-gung ihres mühevollen Schaffens für die Stadt und das Land sei. Unterstützt werden sie in ihrer Forderung nach Erhalt des Förder-turms mittlerweile auch von der SPD in Bergkamen. 

Wir sind der Ansicht, dass die Bergleute nicht unrecht haben. Geschichtshistorisch betrachtet eignet sich ein funktionales, 25 Meter hohes Hebewerk, genau so wenig als Landmarke wie die neu entstandene Wasserstadt.

Das Ziel, ein identifikationsstiftendes Ersatz-Bauwerk schaffen zu wollen, welches als städtebauliche Landmarke in die Analen der Stadtgeschichte von Bergkamen eingehen wird, ist genau so illusorisch wie die Annahme, dass mit dem Gebäude eine Brücke zwischen dem alten Bergwerk und dem Zeitgeist der erneubaren Energien geschlagen werden kann. Schon der Ausdruck “erneuerbare Energien” geht an der Sache vorbei. Ohne fossile Energieträger könnte nicht eine einzige Windkraftanlage gebaut werden. Und zuverlässig wie die Kohle sind diese Anlagen ebenfalls nicht.  

GESCHICHTE

Geschichte von Haus Aden

Die Abteufarbeiten zu Schacht 2 begannen 1938 und zu Schacht 1  1939. Der Name der Schachtanlage Haus Aden verweist auf die Gemarkungen Ober-und Niederaden. Sie wurde nahe am Datteln-Hamm-Kanal gebaut, um die Kohlenverladung per Schiff preisgünstig und schnell zu ermöglichen. 1955 wurde Schacht 3 als Wetterschacht niedergebracht. 1965 förderten rd. 2350 Bergleute bereits 1, 33 Mio. Tonnen Kohle pro Jahr. 1970 erfolgte der Anschluss der Schachtanlage Grimberg 3/4. Die Förderung stieg auf 2,99 Mio.Tonnen Kohle pro Jahr an. Das Bergwerk beschäftigte zu dieser Zeit 4.260 Mitarbeiter. Das Grubenfeld hatte nach einem weiteren Aufschluss zu den Feldern Victoria und Kurl eine Größe von 80 Quadratkilometern unter Tage.

1993 wurde das Bergwerk Haus Aden mit dem Bergwerk Monopol zusammengelegt. In diesem Jahr förderten 4.782 Mitarbeiter rd. 3,2 Mio. Tonnen Kohle pro Jahr.

1994 wurde das BW Monopol stillgelegt.

Die Förderung auf Haus Aden/Monopol wurde im Jahre 1998 eingestellt. Haus Aden wurde mit dem  Bergwerk Heinrich-Robert zum Verbundbergwerk Ost zusammengelegt. Die Kohle wurde seitdem nur noch auf Heinrich-Robert zu Tage gefördert. 

Das Bergwerk Ost wurde am 30.09.2010 stillgelegt.

Die Tagesanlagen von Haus Aden wurden bis auf Schacht 2 alle abgerissen. Schacht 1 wurde 2005 gesprengt.

Auf dem ehemaligen Betriebsgelände ist die sog. Wasserstadt Bergkamen entstanden.   

Bereits 1999 äußerten sich die Bergleute Wandel (von links), Petzhold, Fittinghoff, Tolkemit und Merzanizt besorgt über ihre Zukunft auf Haus Aden/Monopol gegenüber Revierkohle. Das Jahrbuch ist leider vergriffen.

Wer sich für die wundervolle  Geschichte der Zechen Monopol und Haus Aden weitergehend interessiert, den möchten wir auf das Buch von Norbert Meier verweisen. Das Buch kann im örtlichen Buchhandel unter der ISBN-Nr. 978-3-00-063166-5, im Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund und auf der Zeche Zollverein in Essen zum Preis von 29,95 EUR käuflich erworben.

Das Buch wurde von unserem Mitglied, dem Förderverein Bergbauhisto-rischer Stätten Ruhrrevier e.V. herausgegeben. 

Meinungen zum geplanten Abriss von Haus Aden 2

Trotz des geplanten Abrisses des Fördergerüstes Haus Aden 2 in Bergkamen kämpfen etliche ehemalige Bergleute um den Erhalt des Förderturms als Landmarke. Sie wollen kein  Grubenwasserhebewerk, welches architektonisch irgendwie an die ehemalige Zeche erinnern soll. Vielmehr plädieren sie für eine Versetzung bzw. für eine Drehung des Fördergerüstes, so dass das neue Grubenwasserhebewerk daneben stehen würde. Die RAG hält das für nicht bezahl-bar.    

Volker Wagner

Vors. IGBCE Oberaden

"Der geplante Abriss von Haus Aden 2 ist keine gute Idee, sondern vielmehr ein Schlag ins Gesicht"

Bernd Müller

ehem. Bergmann

"Eine Stadt begräbt seine Bergbaugeschichte. Warum begräbt man die Bergleute, die ein Teil von Haus Aden waren, nicht gleich mit ?"

Wolfgang Speicher

ehem. Bergmann

"Schämt Ihr Euch denn gar nicht? Generationen von Kumpels haben sich für Euch krumm gemacht. Zuerst wurde Haus Aden 1 still und leise abgerissen und nun auch noch Haus Aden 2. Den allerletzten Rest dieser einzigartigen Anlage. Was wäre Bergkamen ohne den Bergbau? Doch das wird schnell vergessen.  

geplanter Abriss: Ende 2020

Tage
Stunden
Minuten
Sekunden

Quellenhinweise:

Sitzungsprotokoll des Rates der Stadt Bergkamen vom 19.02.2020 (61 reu-na, Beschlussvorlage vom 26.08.2020 , gez. Dr. Ing. Peters); Westfalen Anzeiger vom 13.02.20 und 19.09.2020; RAG-Presse-mitteilung vom 26.10.2020; Hellweger An-zeiger vom 01.11.2020; Hermann, Wilhelm und Gertrude: Die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein im Taunus 2008, s. 138 sowie RK-Redaktion vom 10.11. 2020

Headerfoto: RAG, Montage und Gemälde-zeichnung: Revierkohle; unten links: Volker Wagner: IGBCE Ortsgruppe Oberaden, Fotos daneben: Symbolfotos, fotolia-Kauf und pixabay.com

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seismische Erschütterungen

RAG: Einigung über Bergbauschäden

RAG bietet Anspruchsberechtigten Entschädigungen an

seismische Erschütterungen
Bergbaufolgen
Bergschadensschild
Bergschadensgebiet Sprockhövel, Foto: Morty, GNU-Version 1.2, CC-BY-SA.3.0, wikimedia commons
Friedrich-Heinrich-Gemälde
Bergwerk Friedrich-Heinrich i.A. (BW West),Kamp-Lintfort, Gemälde: Revierkohle
Heinrich-Robert det. Gemälde
Bergwerk Heinrich-Robert i.A. (BW Ost), Hamm-Pelkum, Gemälde: Revierkohle
PH 2 Gemälde
Bergwerk Prosper-Haniel i.A., Bottrop, Gemälde: Revierkohle
BW Lippe Gemälde
Bergwerk Westerholt i.A. (BW Lippe), Herten-Westerholt, Gemälde: Revierkohle
AV 3-7
Bergwerk Auguste-Victoria i.A., Marl, Gemälde: Reviekohle

Quellenhinweise:

Pressemitteilung der RAG vom 16.1.2020; VBHG-Nachrichten vom 13.01.2020; N-TV vom 29.11.2007 sowie RK-Redaktion vom 20.01.2020

Seit dem Bergbau betrieben wird, gibt es auch Bergsenkungsschäden. Zu den Schäden gehören Gebäudeschäden, Schäden an Verkehrsanlagen, Schäden an Vorflutern sowie Schäden an land-und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Durch den untertägigen Abbau von Lagerstätten wird das Hangende nach und nach freigelegt und bricht dann ein. Dadurch wird das vorher vorhandene physikalische Gleichgewicht des Gebirgskörpers beeinflusst. Infolge dessen wird die darüberliegende Gebirgsschicht in Bewegung ver-setzt. Diese Bewegungsvorgänge machen sich bis zur Tagesoberfläche bemerkbar. Der Gesetzgeber hat daher bestimmt, dass die durch den Bergbau entstandenen Berg-senkungsschäden gegenüber den Geschädigten finanziell auszugleichen sind. 

Der Gesetzgeber hat dabei ferner bestimmt, das der Eigentümer beweisplichtig ist. Er muß gegenüber der RAG nachweisen, dass es sich bei seinem Schaden um einen Bergschaden handelt. Die Verjährungsfrist liegt bei 3 Jahren. Die RAG erhält pro rd. 35.000 Schadensmeldungen. Die meisten davon aus NRW. Für die Regu-lierung von Bergschäden gem. dem Bundesberggesetz hat die RAG rd.2,5 Mrd.EUR zurückgestellt und ist noch rd. 30 Jahre für die Re-gulierung zuständig.  

Im Einzugsbereich der ehem.Bergwerke Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort, Heinrich-Robert in Hamm-Pelkum, Prosper-Haniel in Bottrop, Lippe (Westerholt) in Herten sowie Auguste-Victoria in Marl gab es im Zeitraum 2008 bis 2018 immer wieder Erschütt-erungen, die zu Schäden führten. Die RAG wurde  aufgrund eines Rechtsstreites mit dem Verband bergbaugeschädigter Haus-und Grundeigentümer e.V. (VBHG, Herten) gem. § 906 Abs. 2 BGB nun-mehr verpflichtet, Ausgleichszahlungen zwischen 200 bis 800 EUR pauschal  zu leisten. 

Dieser Verpflichtung wird die RAG gegenüber den Geschädigten nachkommen. Die Zahlungen richten sich dabei an den im Muster-prozess des VBHG ausgehandelten Pauschalbeträgen und werden einmalig pro Wohneinheit gezahlt. Die Zahlung ist als Abgeltung sämtlicher Beeinträchtigungen des Wohnwertes in der Vergangen-heit zu verstehen. Ansprüche, die durch Bergschäden vor 2008 ent-standen sind, gelten als verjährt. 

Entschädigungsanträge können ansonsten noch bis zum 31.12. 2020 gestellt werden. Das Online-Formular finden Sie hier:

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RAG: Haus Aden und Grimberg 2 werden verfüllt

Haus Aden bleibt Grubenwasserzeche

Geschichte der Grubenwehr

Obschon seit der Fördereinstellung im Jahre 2000 keine Kohle mehr auf Haus Aden in Bergkamen gefördert wird, war der Schacht bisher befahrbar. Rund 60 Berg-leute waren auf Haus Aden 2 weiterhin im Einsatz vor Ort, um die in Betrieb befind-lichen Pumpen und Leitungen sowie die Wetter-und Maschinentechnik in rd. 1000 Meter Teufe zu warten und zu reparieren. Alles lief bisher wie in einem kleinen Berg-werk, nur ohne Kohlenförderung.  

Doch damit ist nun Schluß. Im Rahmen des neuen Grubenwasserkonzeptes der RAG wird die Grubenwasserhaltung von unter-tägigem Kreiselpumpenbetrieb über Steig-rohre auf oberirdischen Hängepumpenbe-trieb umgestellt. Dazu wird das Gruben-gebäude verschlossen und die Förderung ausgebaut. Anschließend wird der Schacht bis auf 730 Meter Teufe verfüllt. Auf dieser Teufe wird sodann eine Schalungsbühne eingebaut. Auf dieser Bühne werden dann Hüllrohre aus korrosionsbeständigem Stahl installiert, die zu einem späteren Zeitpunkt die rd. 20 Meter hohen und mehrere Tonnen wiegenden  Tauchmotorkreiselpumpen auf-nehmen, die dann die rd. 13 Mio. Kubikmet-er Grubenwasser pro Jahr zu Tage pumpen und in die Lippe ableiten werden.   

Haus Aden 2

Seilfahrten sind Geschichte

Nachdem die Abt. 6 Bergbau u. Energie in NRW (das ehem. Oberbergamt) der Bezirksregierung Arnsberg den Abschlußbetriebsplan für Haus Aden 2 genehmigt hat, steht nun die Verfüllung des Schachtes an. Rückzugstechnisch wurden alle Ein-bauten vorher geraubt. In der Nacht zum 26.09. 2019 fuhr dann ein letztes Mal die Mannschaft der Grubenwehr zu Kontrollzwecken noch einmal auf Haus Aden ein. Anschließend wurde der Haupt-lüfter abgestellt und das Grubengebäude explo-sionssicher verschlossen. Für den Einbau der Hüll-rohre und der Tauchmotorkreiselpumpen wird ein halbes Jahr Arbeitszeit veranschlagt. Doch bevor die Pumpen erstmalig laufen, werden noch vier Jahre ins Land gehen. So lange braucht das Grub-enwasser, bis es eine Höhe von 730 Meter erreicht hat. In der Endstufe wird der Standort Haus Aden 2 einer von sechs Grubenwasserzechen sein, die zu-sammen über 100 Mio Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr über die neuen Hängepumpen zu Tage fördern werden.  

Zeche Haus Aden, Bergkamen

Haus Aden 2

Bergkamen

Grillo 1

BW Ost, Schacht Grimberg 2

Bergkamen

Haus Aden Hinweisschild

altes RAG-Schild

in Bergkamen

trauriger Bergmann

trauernder Bergmann

Im Gedenken an die 522 Todesopfer aufgrund von Schlagwetterexplosionen.
Grubenwasserzeche Haus Aden 2, Bergkamen des ehem. BW Ost (Heinrich-Robert), Foto: RAG, Montage: RK
Grimberg 2 mit Grubenlüfter der ehem. Zeche Monopol, Bergkamen, Foto: Revierkohle

Quellenhinweise:

Hermann, Getrude und Wilhelm: Die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein i.Taunus 2008, S. 138; Blach, Bernhard: Grimberg 1/2, Montankultur-Rückblick 2008, Revierkohle (Hrsg.) Hamburg 2009, S. 72 ff; Westfälische Allgemeine vom 30.01.2018, 04.02.2018 und 15.10.2019; Lokalkompass vom 30.03. 2019; Bild-Zeitung vom 28.03.2019 sowie RK-Redaktion vom 30.10. 2019

Fotos ganz oben: RAG; Montage: Revierkohle

Zur Geschichte und zur Zukunft von Haus Aden

Über 100 Jahre prägte der Bergbau die Stadt Bergkamen in NRW. 1874 wurde der erste Schacht der Zeche Monopol niedergebracht. Die Geschichte der Zeche Monopol ist eine lange Folge von Gründungen, Zusammenschlüssen und Umbenennungen.

1993 entstand durch den Verbund der Zechen Monopol und Haus Aden die Zeche Haus Aden/Monopol. 1994 wurde Monopol stillgelegt. Die Kohle wurde auf Haus Aden 1/2 gefördert. 1998 entstand durch den Verbund mit der Zeche Haus Aden/Monopol und Heinrich-Robert in Hamm-Pelkum die Zeche Bergwerk Ost.

Die Förderanlage Haus Aden 1/2 wurde im Jahre 2000 stillgelegt. Die Schächte wurden bis auf Haus Aden 2, Grimberg 2 und Grillo 1 verfüllt. Die Kohle wurde seither auf Heinrich-Robert (BW Ost) zu Tage gefördert. Das Grubenfeld umfasste 285 Quadratkilometer. Noch 2006 förderten 2.836 Bergleute zum Wohle des Landes 1,3 Mio. T Kohle. 2010 wurde auch das Bergwerk Ost aus politischen Gründen stillgelegt.   

Zeitgleich mit der Umstellung der Grubenwasserhaltung auf Haus Aden 2 entsteht auf dem 55 Hektar großen ehem. Betriebsgelände der Zeche die sog. Wasserstadt Bergkamen. Es handelt sich dabei um einen Mix aus 300 neuen Familienhäusern mit eigenem Boots-steg und schleusenfreiem Zugang zum parallel des Zechengeländ-es fließenden Datteln-Hamm-Kanals. Logisch, das die zukünftigen Skipper gut betucht sein sollten. Für Touristen wird ein Wellness-hotel gebaut. Daneben entstehen neue Bürohäuser, Gastronomie-betriebe u.die übliche Gewerbeansiedlung. (siehe Videoclip links)

Die Wasserstadt soll Hauptstandort der internationalen Garten-ausstellung IGA 2027 werden. Danach wird Bergkamen wie fast alle anderen ehem. Schachtstandorte wahrscheinlich wieder in die Be-deutungslosigkeit wie vor der Bergbauära zurückfallen. Erfreuen wird das dann vor allem die auf dem noch künstlich auf Höhe des Datteln-Hamm-Kanals anzulegenden See´s die Enten und Möwen sowie die auf der neuen Seepromenade dahinschlendernden Familien und Rentner. Arbeitssuchende junge Leute werden bis dahin schon längst die Koffer gepackt haben. Die anderen können dann ohne Ende spazieren gehen oder lesen.

Zum Beispiel das Buch von Norbert Meier ” Die Zechen Monopol und Haus Aden – der Steinkohlenbergbau in Kamen und Bergkamen”, dass der ehem. Bergmann im Okt. 2019 auf den Markt brachte. Das Buch kann in jeder Buchhandlung in Bergkamen sowie über unser Mitglied, dem “Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier“, Arbeitskreis Dortmund, erworben werden.

Zur Geschichte von Grimberg 2

Das Bergwerk Grimberg in Bergkamen nahm 1936 die Förderung auf. 1946 kamen aufgrund einer Schlagwetterexplosion 405 Berg-leute ums Leben. 1949 begann der Wiederaufbau. Die höchste Förderung verzeichnete Grimberg im Jahre 1973 mit 1,44 Mio. T Kohle. 1974 wurde Grimberg von Haus Aden übernommen. Fortan wurde die Kohle auf Haus Aden zu Tage gefördert. 1975 begann man mit den Arbeiten für die Errichtung des Bergwerks Neu-Mono-pol. Zu diesem Bergwerk gehörten die Schächte Grillo 1/4, Grimberg 1/2 sowie Schacht Werne 3.

Alle Anlagen förderten zu dieser Zeit rd. 9.000 T Kohle mit 3.900 Bergleuten täglich. Für die ländliche Kleinstadt Kamen mit ihren rd. 48.000 Einwohnern war das eine arbeits-und wirtschaftspolitisch betrachtet bedeutsame Zeit. 1985 wurde die Anlage wieder in “Bergwerk Monopol” umbenannt. Die Schächte Grimberg 1 bis 4 wechselten zur Schachtanlage Heinrich-Robert in Hamm. Danach wurde die Zeche Monopol stillgelegt.

Der Standort Grimberg 1/2 blieb für die Zeche Heinrich-Robert (BW Ost) als Material-und Wetterschacht bis 2010 in Betrieb. Der 73 m hohe Förderturm über Schacht 2 wurde 1975 errichtet und gilt als eines der markantesten Stahlstrebengerüste im Ruhrrevier. Neben dem Fördergerüst ist noch ein Werkstattgebäude, die ehem. Verwaltung, ein Bahngleis und zwei Grubenlüfter erhalten geblieb-en. Zeitgleich mit Haus Aden 2 beginnen in Kürze auch auf Grimberg 2 die Verfüllungsarbeiten des Schachtes. Damit ist auch die von der Stadt Bergkamen ursprünglich angedachte Idee eines Besucherbergwerks mit Grubenfahrt ausgeträumt. Wie es dort heute aussieht, entnehmen Sie links dem Videoclip.       

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