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Watt meinze ? – Sprache im Bergbau

heiterer Sprachquiz auf Zollern II/IV in Dortmund

Bergleute machten früher die Kohle mit Schläegel & Eisen los. Beazhlt wurde im Akkord. (Gedinge) 1 Lachter entsprach 1,82m (eine Armlänge), Foto: fotolia-Kauf

Sa.,14.Sept.2019

Zeche Zollern, Schacht IV in Dortmund-Bövinghausen- Foto: KarinKarin, pixabay.com. Panoramafoto: Ehrenhof mit Verwaltungsgebäude, Zollern II/IV, LWL

Der Sprachsound im Ruhrrevier – man hat ihn zweifelsohne eher laut als leise im Ohr. Wo einst Industrielärm die Kulisse bildete, fand Gedämpftes nur schwer Gehör. Der Ton im Revier ist rauh, aber herzlich. Die Sprache und Denke des Reviers brachte 1961 der Schauspieler Adolf Tegtmeier mit seiner Kultserie „Mensch bleib-en!“ auch all denen nahe, die mit dem Revier nicht so viel „am Kopp“ hatten. Sprüche wie “ die Roswitha geht inne Schule und die Elvira geht mit ein Gastarbeiter!“ oder “ die Untat tut mir sehr, wie gesagt, näh und das ich versuchen werde durch ein schönes Leben, durch meine Hände Arbeit die menschliche Gesellschaft wieder einzu-dringen, dat dat wieder alles am Klappen kommt“ sind fester Be-standteil des Ruhrpott-Slangs. Herbert Knebel bildet heute den würdigen Nachfolger von Adolf Tegtmeier und kultiviert den ruhr-gebietstypischen Mutterwitz und den schrägen Sprachstil weiter. Mundart und Sprachgefühl haben im Ruhrrevier ihren Ursprung im Bergbau. Bedingt durch den vielen Lärm, den die Kohlen-und Stahl-betriebe täglich erzeugten und durch die vielen Einwanderer unter-schiedlicher Nationen entwickelte sich im Laufe der Jahre ein spe-zieller Verständigungsstil, der aus Prinzip offenbar Genetiv und Dativ nicht auseinanderhalten kann und oft im Halbsatz stecken bleibt. Trotzdem wissen alle, was gemeint ist. Zumindestens im Ruhrpott. Die Bergmannsprache hat aber darüber hinaus noch ganz eigene Fachbegriffe, die z.T. ebenfalls in den Sprachschatz des Ruhrreviers eingeflossen sind.       

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Glückauf !

Bergmann Blach

Bergmann

So war dat !

strahlender Bergmann

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hier wird das Liegende in der Strecke begradigt. Alles klar ?

der ehem. Bergmechaniker auf Zollern I/III, Harald Verhoolen, Foto: LWL; darunter: Blick in die Maschinenhalle auf Zollern II/IV, Foto: olafpictures, pixabay.com

Die heutige Museumszeche des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen lädt zur Pflege der Bergmannssprache am Samstag, den 14.09.2019 um 15.00 h zu einem heiteren Quiz mit Harald Verhoolen rund um die Sprache im Bergbau ein. Moderator Verhoolen ist ehem. Bergmechaniker und war auf Zollern I/III angelegt gewesen und wird knifflige Fragen zur Alltags-und Bergmannssprache stellen. Dabei wird schnell klar-werden, dass der Bergbau in der Umgangssprache auch heute noch viele Spuren hinterlassen hat. Die ersten Glossare der Bergmanns-sprache lassen sich übrigens bis zum Jahre 1518 zurückdatieren. Ein gewisser Ulrich Rülein von Calw brachte das erste Berg-büchlein unter das Volk. Besondere Bedeutung kommt bis heute den Schriften Georgius Agricolas zu, dessen Abhandlung „Gespräch vom Bergwesen“ von 1528 unter anderem eine Liste von 76 bergm. Fachtermini enthält. Noch ein Wort zum Ort des Geschehens:

Die Zeche Zollern gilt als eine der schönsten Zechen, die jemals gebaut wurden. Die wunderschöne Anlage wird daher auch nicht ohne Stolz „Schloss der Arbeit“ genannt. Die Hauptattraktion bildet die ehem. Maschinenhalle mit dem eindrucksvollen Jugendstil-portal. Zollern II/IV förderte von 1903 bis 1955 Kohle. Die Neben-anlage Zollern I/III war von 1873 bis 1971 in Betrieb. Die Schächte wurden 1968 verfüllt. Aufgrund von Bürgerprotesten wurde der geplante Abriss der Anlagen unterlassen. Bis 1980 döste Zollern II/IV in einer Art Dornröschenschlaf dahin. Erst 1981 wurde die Anlage vom LWL übernommen und saniert. Da die Originalförd-ergerüste nach der Verfüllung der Schächte abgerissen wurden, errichtete man die Fördergerüste der stillgelegten Zechen Friedrich der Große aus Bochum und Wilhelmine Victoria aus Gelsenkirchen über den alten Schächten wieder neu auf.

Adresse:

LWL-Industriemuseum, Zeche Zollern I/IV, Grubenweg 5, 44388 Dortmund

Termin: Samstag, 14.09.2019, 15.00 h  

Wer sich mit dem Ruhrrevier, seiner Kultur und seiner Sprache näher beschäftigen möchte, dem empfehlen wir das „Kultbuch Ruhrgebiet“ von Patrick Bierther, Komet-Verlag, Köln, ISBN: 978-3-89836-900-8 und das Buch „Schauplatz Revier – Blick ins pralle Leben“ von Holger Jenrich (Hrsg.), Klartext-Verlag, ISBN: 3-88474-170-5. 

Fotos: Bergleute oben: v.l.n.r.: fotolia-Kauf, Revierkohle; RAG  

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Bergbau: RAG will alle Bergehalden verkaufen

Das Schicksal des Rückzugs vollzieht sich weiter

Halde Duhamel des ehem. Bergwerks Saar in Ensdorf, Foto: RAG-Montan-Immobilien
Halde Brinkfortsheide der ehem. Zeche Auguste-Victoria in Marl- Foto: RAG Monant Immobilien
Halde Gotthelf der ehem. Zeche Glückauf Tiefbau in Dortmund-Hombruch - Foto: Gerda Sökeland, RK

unsere Heimat

Sie gehören zum Stimmungsbild des Reviers: unsere Bergehalden. Viele von Ihnen sind nach der Stilllegung der Zechen renaturiert und als Landschaftsbauwerke hergerichtet worden, die heute zum wandern einladen und auf denen man einen herrlichen Blick auf die Revierstädte hat. Nun will die RAG die letzten 23 Halden loswerden. 

 

 

 

 

 

 

Die Halden erinnern an eine Zeit, wo im Revier 1000 Feuer glühten, die Indu-striealsierung und die Zechen den Wohlstand brachten, Generationen von Bergleuten gelebt haben und die Menschen eine stabile Zukunft hatt-en. Die Halden er-innern aber auch an die zahlreichen Zechen, die es Re-vier einmal gab. Graf Moltke in Glad-beck, Halde Brass-ert in Gelsenk.-Buer, Halde Pattberg in Moers, Halde Ewald in Herten, Rheinelbe in Gelsenkirchen, Halde Blumenthal in Oer-Erkenschwick und die noch aktive Haldenbewirtschaft-ung auf Prosper in Bottrop. Sie und viele weitere Hald-en  sind Zeugen einer wundervollen Epoche.  

In diesem Jahr sollen nun 23 Halden mit 2100 Hektar verkauft werden. Die RAG-Tochter RAG Montan-Immobilien GmbH verfügt derzeit noch über 8750 Hektar ehem. Bergbauflächen. Darunter viele Wälder. Für die Sanierung der Flächen hat RAG Montan-Immobilien allein in 2018 rd. 120 Mio. EUR ausgegeben. Um die Halden fit für eine Folgenutzung zu machen, müssen Entwässerungs-systeme angelegt und bindige Böden auf-getragen werden, damit weniger Sau-erstoff durch die Halden aufgenommen wird, da diese im Inneren immer noch über hohe Kohleanteile verfügen, die im Sommer leicht kokeln können. Damit steigt die Brandgefahr. Darüber hinaus müssen die  Flanken der Halden  stabi-lisiert und Fußwege kreisartig neu an-gelegt werden. Das alles hat allein in 2018 rd. 120 Mio. EUR an Kosten ver-ursacht. Von diesen Belastungen will man sich offensichtlich nun trennen. 

Solange allerdings die Bergehalden noch  unter Bergaufsicht stehen, muss die RAG-Tochter diese bewachen und hat die Verkehrssicherungs-und Ordnungspflicht en zu erfüllen. 

In den letzten 30 Jahren hat der Regionalverband Ruhr (RVR) 35 Wasch-berge ( bergm. Begriff für taubes Ge-stein) von der RAG übernommen und zu naturnahen Erholungsräumen umge-staltet.

Bergehalde Oberscholven der ehem. Zeche Bergmannsglück in Gelsenk.-Buer- Hassel -Foto: Lupo Curtius, GFDL-Lizenz creative commons

Quellenhinweise:

Pressemitteilung der RAG-Montan-Immo-bilien GmbH zum Geschäftsjahr vom 09.04.2019; Saarbrücker-Zeitung vom 28.03.2018; Radio Emscher-Lippe vom 10.04.2019; Wallstreet-Journal vom 09.04.2019; WAZ vom 09.04.2019; Lokalkompass.de vom 07.03.2018 sowie RK-Redaktion vom 28.04.2019

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Buchempfehlung: Mein Ruhrgebiet

von unserem Mitglied Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier

Titelbild Mein Ruhrgebiet

Mein Ruhrgebiet 2

Norbert Meier vom Arbeitskreis Dortmund des Fördervereins Berg-bauhistorischer Stätten Ruhrrevier ist es zu verdanken, das die durch den Hobbyfotografen Peter Rau-werda gemachten Aufnahmen des Ruhrgebietes aus den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhund-erts nicht in der Versenkung ver-schwunden sind. Er bereitete die alten Fotos mit erheblichem Auf-wand auf und versah diese mit Geschichten zu den jeweiligen Zechen und Industrieanlagen. Jed-em Ruhrgebiets-Enthusiasten dürf-te beim Anblick dieser z.T. unver-öffentlicher Fotos das Herz über-gehen.

Mein Ruhrgebiet 3

Einerseits war diese Zeit durch viel Staub, grauem Himmel, Lärm und nachtrotem Himmel gekenn-zeichnet und andererseits befand sich das Revier bereits seit 1957 in einer Strukturkrise aufgrund billig-er werdenen Öls. In dieser Zeit wurden zahlreiche Zechen ge-schlossen und abgerissen. Peter Rauwerda hat mit einer Kleinbild-kamera diese untergegangene Industriekultur vor und während des Abrisses dokumuntiert und somit als Zeugnis für die Nachwelt bewahrt.  Diese Zeit war aber nicht nur durch seine besondere Indu-strieästhetik geprägt, sondern auch durch den sprichwörtlichen Mutterwitz unter den Kumpels, das Bedürfnis nach Zusammenhalt unter und über Tage und die wie selbstverständlich geführten „Quetschen“ über Fußball und die Welt.  Aber natürlich auch durch die Bodenständigkeit und die klare Sprache der Menschen im Revier. Das kann vereinzelt auch heute noch in den ehem. Bergbausied-lungen erleben.

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Kurzum: das Leben war hart, aber schön. Und von dieser Schönheit zeugen die zahlreichen Fotos in dem Bildband „Mein Ruhrgebiet“, welches wir Ihnen wärmstens empfehlen möchten. Die Seltenheit der Fotos, die von den alten Zech-en und Stahlhochofenbetrieben gemacht wurden, erklären sich durch den Umstand, als das in den 60er und 70er Jahren es kaum je-mand für nötig befunden hatte, diese Zeitzeugen der Geschichte abzulichten. Man hielt sie für nicht wertvoll. Als fast schon alle Zechen abgerissen waren, trat Prof. Karl  Ganser mit seiner IBA-Emscher-Idee auf den Plan, um wenigstens 19 Objekte vor der Abrissbirne zu bewahren. Es gelang ihm, die Poli-tik zu überzeugen. Heute  stehen diese Monumente der Zechen-kultur unter Denkmalschutz und werden durch den LWL betreut.

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Das Buch beginnt mit der in Bochum Mitte ehemals gelegenen Zechen und Stahlbetrieben. Da-nach geht es weiter in Richtung Süden, wo die ersten Zechen standen, dann nach Osten und von dort zu den nördlichen Zechenbe-trieben, wo die letzte Zeche, Prosper-Haniel in Bottrop, noch bis Ende 2018 in Betrieb ist.

Fotoveröffentlichung mit freundlicher Genehmi-gung des Arbeitskreises Dortmund im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.  

Layout und Retusche: Revierkohle

Logo historische Ruhrstätten

Unser Mitglied, der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruihr-revier e.V. hat das 320 Seiten starke Buch mit Förderung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 2017 herausgegeben.

Das Buch kann zum Preis von 26,95 EUR unter der ISBN-Nr. 978-3-00-056226-6 bezogen werd-en.

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oben: die Schachtgerüste der Zeche Holland 4 (rechts) und 6 (links) im Jahre 1968. Die ehem. Verwaltung, die Lohnhalle und Schacht 4 sowie die Malakowtürme von Holland 1/2 in Gelsenkirchen-Ückendorf blieben erhalten. Die Zeche wurde nach Durchschlag mit der Zeche Zollverein am 15.1. 1974 stillgelegt. Bis zur Stillegung der Zeche Zollverein in Essen im Jahre 1986 diente Holland Schacht 6 noch zur Wetterführung und bis 1997 noch zur Wasserhaltung. Da-nach wurde Schacht 6 verfüllt.

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