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EEG: Ausbau der Windkraftanlagen soll forciert werden

Naturschutz und Einwände soll zurückgestellt werden

Offensichtlich will die Bundesregierung den unsinnigen Ausbau der Windkraftan-lagen nicht nur von 30.000 auf 90.000 Anlagen mit Hilfe des  sog. Investitionsbe-schleunigungsgesetzes bis 2030 hoch-jubeln, sondern auch alle Genehmigungs-hindernisse die sich aus dem BNatSchG und aus den Naturschutzgesetzen der Länder ergeben, schleifen.

Die Einwände von Bürgern sollen schnell-er  erledigt werden und der Preis für eine Tonne C02 soll in mehreren Schritten steigen. Ab 2021 um 25 EUR für Sprit, Heizöl und Gas. (siehe unser ausführlicher Bericht vom 11.Okt. 2020 >hier)

Und als wäre sich die Bundesregierung nicht ganz sicher, ob sie das gesteckte Ziel, bis 2030 die C02-Emissionen um 55 % abzusenken, erreichen kann, wollte sie nunmehr die Windkraftanlagen auch noch in den Rang des öffentlichen Interesses heben.

Windkraftanlagen sollten gem. der EEG-Novelle ab 1.1. 2021 der öffentlichen Sich-erheit dienen. Im Vorfeld der parlament-arischen Debatte hatte die Bundesini-tiative Vernunftkraft e.V. ein Rechtsgut-achten erstellen lassen.

Die beauftragte Kanzlei Caemmerer-Lenz aus Karlsruhe kam zu dem Ergebnis, die Windkraftanlagen als  Erfordernis der öff-entlichen Sicherheit zu deklarieren, rechts-widrig und unhaltbar ist.  Dieser Auffass-ung hat sich auch der CDU-MdB-Abge-ordnete Albert Weiler angeschlossen. 

Im letzten Augenblick hat die Bundesreg-ierung am 17.12.2020 aufgrund zahlreich-er Proteste den Absatz 5 in  § 1 der EEG-Novelle 2021 wieder gestrichen. Wind-kraftanlagen dienen damit weiterhin nicht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

 

Im Interesse öffentlicher Sicherheit

was hätte das bedeutet ?

Für die Einwänder hätte das nix Gutes bedeutet. Denn deren Klagen hätten künftig keine aufschiebende Wirkung mehr vor den  Gerichten entfaltet.  Das heißt, der Betreiber der Anlage hätte vollendete Tatsachen schaffen können. Diese Kuh ist Gott sei Dank nun vom Tisch.  

Wurden bisher die Einwände von Naturschützern oder die Ein-wände von Bürgern, die wegen der nicht eingehaltenen Abstands-regeln zu bebauten Wohnflächen von den Gerichten angenommen, so durfte die Anlage bis zu einem Urteil nicht gebaut werden. Das verzögerte den Ausbau bundes-weit. Und genau das war der Bundesregierung und den Investoren ein Dorn im Auge.

Einwände von betroffenen Bürger-innen und Bürger hätten künftig nur noch dann eine aufschieben-de Wirkung entfaltet, wenn die Versorgungssicherheit gem. Art. 19 und 20 a GG gefährdet wäre. 

Solange der Atom-und Kohle-strom aber aus dem Ausland gesichert ist, wird es so schnell wahrscheinlich keinen Blackout geben. Und so hätte man mit dem Argument der öffentlichen Sicher-heit alle Bedenken mit einem Federstrich auf den St. Nimmer-leins-Tag verschieben können.

Die Beton-Versiegelung der Natur-schutzflächen und Wälder mit monströsen Windkraftanlagen, die im Oneshore-Bereich gerade ein-mal mit 7 % zur Versorungssich-erheit und mit 0 % zur C02-Absenkung beitragen, wird zwar weitergehen, aber die Bürger und Bürgerinnen können diesen unge-sunden Prozess weiterhin ab-mildern. Und das ist auch gut so.    

 

EEG, § 1, Abs. 5

Die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien liegt im öffentlichen Interesse und dient der öffentlichen Sicherheit.

ein bizarrer Satz wurde am 17.12.2020 wieder gestrichen

Quellenhinweise:

Stellungnahme zur EEG-Novelle 2021 der RA-Kanzlei Caemmerer-Lenz vom 04.11.2020 gegenüber Herrn Dr. Nikolai Ziegler, Bundesinitiative Vernunftkraft e.V., Berlin; FAZ vom 01.11.2020; Ost-thüringer Zeitung vom 03.11.2020; Göhring, Axel-Robert: Woher kommt der Strom? in: Eike.de vom 04.06.2020, Revierkohle Redaktionsbeitrag vom 11.10.2020; Maslaton.de, Rechtsanwaltsges. mbH vom 18.12. 2020 sowie RK-Redaktion vom 18.12. 2020

Fotonachweise:

Header: Entwurf und Layout: Revierkohle; links darunter: BRD-Fahne und Hütchen  rechts darunter: pixa-bay.com, links darunter (WKA-Grafik): pixabay.cm

nehmen wir mal an, die Bevölkerung würde murren

Wenn die Bevölkerung in den nächsten Jahren mitbekommen sollte, dass die C02-Emmissionen nach Abschaltung aller Atom-und Kohlekraftwerke gerade einmal um 1 % gesunken sind, dafür aber der Strompreis sich nochmals um 165 % erhöht hat (2000 bis 2020) und die Versorgungssicherheit mehrmals im Jahr durch Blackouts unterbrochen wird, dann dürfte diese möglicherweise murren.

Und großflächiges murren könnte der Politik signalisieren: es besteht kein öffentliches Interesse an einem weiteren Ausbau der Windkraftenergie

Und wenn dann noch der deutsche Michel zufällig mitbekommen sollte, dass er Jahrzehnte lang mit falschen Zahlen, mit unsinnigen Hiobsbotschaften und Klimakatastrophen-Szenarien selbst von Fachleuten manipuliert wurde, die keineswegs den Stand der Wissenschaft wiedergaben, dann könnte er möglicherweise wach werden und er könnte Fragen stellen. Zum Beispiel danach, warum ohne Not demokratische Rechte zu Gunsten einer kleinen Clique von Windkraftlobbyisten fundamental beschnitten wurden und warum der Natur-und Artenschutz bis zur Unkenntlichkeit zurückgefahren wurde. Diese Frage wird man möglicherweise auch dem NABU stellen, der sich für die Aussetzung des Artenschutzes in ausgewiesenen Flächen gegenüber der Bundesregierung ausge-sprochen hat.  

Und wenn durch die Energiewende weitere  100.000 Arbeitsplätze wegfallen werden, dann wäre endlich der Zeitpunkt erreicht, an dem die Energiewende und ihre angebliche Notwendigkeit erstmals ernsthaft in Frage gestellt werden würde. Dies um so mehr, als das sich die Mär vom Kipppunkt der Kimaerwärmung über 2 Grad, als das herausstellen würde, was es immer schon war: fauler Zauber. 

Dann wäre die Energiewende endlich am Ende und man würde möglicherweise wieder auf Fachleute hören, die auf einen realistischen Energiemix oder auf Techniken setzen, die eine tatsächliche Alternative zu fossilen Energieträgern darstellen. Das alles müßte natürlich nachhaltig, preiswert und wirtschaftlich darstellbar sein.

Die Wahrheit ist aber, dass man schon heute feststellen kann, das Windkraft-anlagen weder sauber, weder grün, noch nachhaltig sind.

Das einzige, was stimmt, ist die Tatsache, dass diese erneuerbar sind… und zwar spätestens alle 20 Jahre. Das sichert den Reibach… und zwar nachhaltig !

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Und nochmals: Wasserstoff löst keine Energieprobleme

warum grüner Wasserstoff ein teurer Flop wird

Anlässlich des Vattenfall-Beschlusses, Europas modernstes und umweltfreund-lichstes Steinkohlekraft Moorburg in Ham-burg im Frühjahr 2021 nach nur 8 Jahren Laufzeit stilllegen zu wollen und der Ham-burger Senat erklärt hat, auf dem Betriebs-gelände eine Elektrolyse-Anlage zur Her-stellung von Wasserstoff als Alternative zu errichten, möchten wir im Folgenden nochmals die Frage beantworten, ob Wasserstoff eine echte Alternative als Ersatz für fossile Kraftwerke ist und ob Wasserstoff künftig die Versorgungs-sicherheit gewährleisten kann.

Da wir dieses Thema bereits viermal thematisiert haben, möchten wir ergänz-end auf unsere u.g. Beiträge verweisen.

Lassen Sie uns die Frage (n) zunächst mit Radio Eriwan beantworten: im Prinzip ist Wasserstoff eine Alternative. Leider aber eine sehr teure.

Dieser Umstand ergibt sich aus der physikalischen Notwendigkeit, Wasser in in seine Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (02) mit Hilfe der Elektro-lyse zu zerlegen. Dabei wird elektrische Energie in chemische Energie umge-wandelt, um das farb-und geruchlose Gas bei -253 Grad in Flüssigform speichern zu können. In der Brennstoffzelle eines Autos wird die chemische Energie dann wieder in elektrische Energie zurückgewonnen.

Das ist nicht nur ein mehrfacher energie-aufwendiger, sondern auch ein sehr teurer Umwandlungsprozess.

Und wenn Wasser nicht auf der bisherigen Basis mit Strom aus fossilen Brennstoffen zerlegt, sondern auf der Basis regenerati-ver Energieträger gewonnen werden soll, dann steht dieser auch nur selten zur Verfügung. Denn wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, kann auch kein grüner Strom produziert werden.    

was ist H2O ?

Erläuterung

H20 aus grüner Energie ?
prinzipiell möglich, aber unwirtschaftlich und keineswegs zuverlässig

nähere Erläuterung

Kosten grüner Wasserstoffproduktion
die Bundesregierung informiert

hier

Hohe Reichweite - hohe Kosten

Die Bundesregierung betont in ihrer nationalen Wasserstoffstrategie, das Wasserstoff aus überschüssigem Wind-strom gewonnen werden soll, um somit die Stromnetze zu entlasten. Neun Milliarden Euro will die Bundesregierung für dieses Projekt zur Verfügung stellen. Kein Wunder, das die Nutznießer schon mit den Hufen scharren.

Mit der Subventionierung von Elektro-lyseuren kommt das Handelsblatt auf ein geschätztes Volumen von 12 Mrd. Euro. Das ist die teuerste Form der Bereitstellung von Energie.

lassen Sie uns das einmal konkret durchrechnen:

Um ein Norm-Kubikmeter  Wasserstoff zu produzieren, mit dem Sie 100 km weit fahren können, benötigt man 10 bis 13 Liter Wasser. (je nach Herstellungs-art auf der Grundlage von Methanol bzw. Dampfreformierung. Zu den Ver-fahren siehe unsere u.g. Beiträge) 

Soweit der Strom tatsächlich nur von einer Windkraftanlage stammt und die Elektrolyseanlage in unmittelbarer Nähe steht, würde man bis zum Transport zur Wasserstofftankstelle und der weiteren Umwandlung in der Brennstoffzelle rd. 70 Liter Wasser benötigen. Und das für nur ein Auto ! Und dann muss das Wasser auch noch vollständig entsalzt und demineralisiert sein, was einen zusätzlichen Energieaufwand not-wendig macht. Soviel Wasser wäre in der Bundesrepublik aber gar nicht vorhanden. 

Dann ist noch die Tatsache zu be-rücksichtigen, dass man für die Her-stellung von einem Kilogramm Wass-erstoff ( 1 kg W-Stoff entspricht der Energie von 2,8 kg Benzin) rund 55 kWh an Strom benötigt.

Ergo: Otto Normalverbraucher wird sich auch auf längere Sicht gesehen weder ein Auto mit Brennstoffzelle leisten können noch wird Wasserstoff in der Lage sein, das 1300 Megawattstarke Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moor-burg noch sonstwo in der Bundesre-publik zu ersetzen.

Die Kosten für grünen Wasserstoff sind einfach zu gigantisch. Denn diese liegen pro Kilowattstunde beim Drei- bis Vierfachen des Erdgaspreises. (2,58 US-Dollar je eine Million British Thermal Unit (MMBtu; =Wärmeeinheit; 1 Btu = 1.055 Joule, Börse-Online vom 10.12. 2020)

Und solange man rd. 80 % an Energie aufwenden muß, um 20 % an tat-sächlich zur Verfügung stehendem Wasserstoff  nutzen zu können, so lange bleibt Wasserstoff die unwirt-schaftlichste Lösung  überhaupt. Daher stellt die Bundesregierung wieder einmal den Subventionstopf auf, um vor der EU und Paris als Musterknabe in Sachen Energiewende darzustehen.

In der Zwischenzeit hofft die Bundes-regierung, Chile, Marokko, Südafrika und Brasilien mit dem Pilotprojekt H2 Global davon zu überzeugen, grünen Wasser-stoff möglichst preiswert in die Bundes-republik zu importieren. Mit Kobalt und Lithium klappt das ja schon ganz gut. Wenn auch auf Kosten von Mensch und Umwelt.

Und wenn z.B. Bolivien als Haupt-produzent von Lithium noch mehr Wasser verbraucht als bisher schon, dann sollten wir uns nicht wundern, das viele Menschen verdursten und weitere Fluchtbewegungen aufgrund einer solch disatrösen Politik ausgelöst werden könnten. Denn Bolivien ist ein wasser-armes Land.     

kommt sie diesmal wirklich die Wasserstoffwirtschaft ?


Wasserstoff-Tankstelle-1030x1030

Alle sind für Wasserstoff. Die Grünen sowieso. Greenpace Energy setzt auf die lokale Vollversorgung aus erneuerbaren Energien. Gasgrid Europe will das Geschäftsmodell um Wasserstoff erweitern. Siemens will Elektrolyseure im großen Stil verkaufen. BASF, Bayer, Thyssen-Krupp und Lufthansa sind ebenfalls Wasserstoff-Befürworter. Die Gasnetzbetreiber wollen Wasserstoff durch ihre 6000 Kilometer langen Leitungen transportieren. Die 1500 kommunalen Versorgungsunternehmen (VKU) haben ihr Interesse bekundet und die Stahlindustrie sieht ebenfalls im Wasserstoff eine Chance, um "klimaneutral" Stahl zu produzieren.


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Nicht nur wir haben da so unsere leisen Zweifel. Auch die Bundesnetzagentur zögert derzeit bei der Genehmigung der beantragten Großprojekte “Hybridge” und”Element 1″. Hinter Hybridge stehen die Netzbetreiber Amprion und der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe. Hinter dem Projekt Element 1 stehen die Netzbetreiber Tennet und Thyssengas.

Bei diesen Projekten geht es allerdings “nur” um 150 Mio. EUR. Hier prüft die Bundes-netzagentur zur Zeit, ob der regulatorische Rahmen geändert werden muß, weil mög-licherweise eine Wettbewerbsverzerrung vorliegen könnte. Denn alle Unternehmen erhalten gesetzlich garantierte Netznutzungsentgelte. Amprion hat seinen Investitionsantrag vorsorglich ruhend gestellt. Dennoch ist der Verteilungskampf um öffentliche Gelder voll entbrannt.

Wasserstoff könnte allerdings viel preiswerter hergestellt werden, wenn der Strom aus Kernkraftwerken der 4. Generation (z.B. Druckwasserreaktor) kommen würde. Dabei handelt es sich um eine Technik mit hoher Energiedichte, wenig Verlusten und die Brennelemente lassen sich wieder verwerten. Eine Kernschmelze ist bei diesem Reaktortyp ausgeschlossen. Politisch wird  die Kernenergie u.E.n. aber weiterhin ein Tabuthema bleiben.

Es bleibt daher vorerst bei folgender Erkenntnis: ein Paradigmenwechsel im Energiebereich muß auf physikalischen Fakten und technischen Erkenntnissen basieren, ansonsten bleibt es bei naivem Wunschdenken. Oder um es mit den Worten des Energieexperten Dr. Ulf Bossel zu sagen: “Die Wasserstoffwirtschaft ist Energiever-schwendung.”  

 

Quellenhinweise:

Bossel, Ulf: Wasserstoff löst keine Energieprobleme, in: Leibnitz-Institut.de vom 16.12.2010 sowie in Theorie und Praxis, Bd. 1 Nr. 15 von April 2006, S. 27 ff; Frey, Chris: Warum der grüne Wasser-stoff-Hype in Europa wahrscheinlich ein Flop wird, in: Eike.de vom 20.07.2020; Stobbe, Rüdiger; Die nationale Wasser-stoffstrategie, in: Eike.de. vom 08.11. 2020; Eike.de vom 23.10.2020; Hüser, Tobias: Wasserstoff aus der Erdgaleitung, in: Process.Vogel.de vom 06.04.2016; Handelsblatt vom 28.01. 2020; 14.07.2020; 14.11.2020 und 17.11.2020; PV-Maga-zine.de vom 08.05.2020; Ludwig, Torsten: Wieviel Wasser benötigt eigentlich Wasserstoff? in: soundless driving,  Youtube-Kanal sowie RK-Redaktion vom 11.12.2020

Fotonachweise:

alle Grafiken: pixabay.com

Headerentwurf: Revierkohle  

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thyssenkrupp: massiver Stellenabbau

Konzern kündigt weitere schmerzhafte Schritte an

Stahlwerk in Duisburg-Schwelgern

Es sieht weiterhin nicht gut aus um den angeschlagenen Stahlkonzern Thyssenkrupp in Essen. Fünf Milliard-en Euro Verlust zwingen den Vorstand zu radikalen Maßnahmen. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen 11.000 Arbeitsplätze wegfallen. Auch  be-triebsbedingte Kündigungen will Personalvorstand Oiver Burkhard nicht mehr ausschließen.

Nur dank des einmaligen Erlöses aus dem Verkauf des Aufzugsgeschäfts an die Fa. Elevator kam es 2019 zu einem Konzerngewinn von 10 Mrd. Euro. Dadurch konnten betriebs-bedingte Kündigungen verhindert werden. Doch nun ist auch das Tafelsilber weg. (siehe hierzu unser Beitrag vom 10.3. 2020)

Die Corona-Pandemie, das Stahlwerk-Engagement in Rio de Janeiro (Brasilien), welches mit 8 Mrd. Euro Minus dank Schrottstahl aus China (!) zu einem Flop wurde, Pensionsver-pflichtungen in Höhe von rd. 9 Mrd. Euro sowie Finanzschulden in Höhe von 7 Mrd. Euro machen dem stolzen Traditions-unternehmen schwer zu schaffen. Hinzu kommen zahlreiche Managementfehler aus der Vergang-enheit sowie unlautere Handels-praktiken der Chinesen und der Russen.

Letzteres führte bereits in 2016 zu der besorgten Frage von 7 Wirtschafts-ministern, ob die gesamte europäi-sche Stahlindustrie vor dem Zusamm-enbruch stehen würde. (siehe unser Beitrag vom 26.2.2016 > hier)  

In 2019 war noch die Rede von 6000 Arbeitsplätzen, die ohne betriebs-bedingte Kündigung aufgrund hoher Überkapazitäten wegfallen sollen. Dagegen protestierten die Mitarbeiter genau so wie bereits in 2016. (siehe hierzu unser Beitrag vom 07.12. 2019 > hier)

Die nächsten Schritte werden noch schmerzhafter, kündigte Konzern-chefin Martina Merz bei der Bilanz-pressekonferenz Ende 2020 an. Zur Zeit sondiere man verschiedene Maß-nahmen. Neben dem Personalabbau seien weitere Partnerschaften, Teil-oder sogar Komplettverkäufe denk-bar. 

Die IG Metall und auch Achim Truger vom Sachverständigenrat zur Begut-achtung der gesamtwirtschatlichen Entwicklung wirbt derzeit für einen kurzfristigen Staatseinstieg bei Thyss-enkrupp. Immerhin gehe es um rd. 160.000 Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region wie Duis-burg-Schwelgern. Ohnehin würde in vielen Ländern die Stahlindustrie subventioniert, was letztendlich auch zu Überkapazitäten und damit zum Preisverfall geführt hat.

ist das Ende denkbar ?

die einst stolzen Hochöfen und Hütten sind nunmehr eine offene Wunde

Mit der Corona-Pandemie und der politisch gewollten Absatzflaute von Automobilen mit Verbrennungsmotoren ist die Stahlbranche ins Rutschen geraten. Und ob die geplante Umstellung der Stahlerzeugung mit Hilfe von Wasserstoff auf der Basis von C02-freiem Ökostrom gelingen wird, dürfte unwahrscheinlich sein. Und wenn es tatsächlich versucht wird, wird das dem Konzern weitere Kosten in Höhe von Milliarden Euros bescheren, denn die Herstellung von Wasserstoff ist teuer und aufwendig. Die bisher eingesetzte Kokskohle mit ihrer hohen Energiedichte dagegen sehr preiswert. Aber hier hat offensichtlich auch Thyssenkrupp die ideologischen Scheuklappen auf und glaubt tatsächlich an die wissenschaftlich nicht haltbare These von der menschengemachten Klimaerwärmung durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe. In dieser Kombination könnte das den Tod dieses einst mächtigen Konzerns zur Folge haben.

Wege aus der Krise

Stahlpartnerschaften


IG-Metall-Vorstand Jürgern Kerner hält das Übernahme-angebot des britischen Stahlkonzerns  Liberty Steel für eine sinnvolle Option, um den Staat dazu zu bewegen, vorübergehend bei Thyssenkrupp einzusteigen.

Über Subventionen  wäre dann auch die Umstellung auf Öko-Stahl mit Hilfe von grünem Wasserstoff leichter möglich.

Wenn sich Herr Kerner und die anderen Klimaretter-Apostel da mal nicht täuschen. Der Staat versenkt schon seit 2000 auf der Grundlage des EEG jedes Jahr Milliarden von Euro an Steuergeldern in die nicht grundlastfähige und nicht wettbewerbsfähige Wind-und Solarenergie, ohne das die C02-Emissionen auch nur um 1 % gesunken wären. Der Strompreis ist dank des EEG von 13,94 Ct./kWh in 2000 auf 31,94 Ct./kWh in 2020 gestiegen.

Hinzu kommen die Corona-Wirtschaftshilfen in Höhe von rd. 600 Mrd. EUR sowie die geplante Umstellung der Automobilindustrie auf Elektromobilität, was ebenfalls Mrd. Euro kostet.

Und dann darf man nicht vergessen, dass rd. 6 Mio. Hartz-4-Empfänger ebenfalls subventioniert werden wie die Kurzarbeiter. 

Wie lange der Staatshaushalt das noch aushält und vor allem: wie lange die Mittelstandsbürger das aus ihrem zur Verfügung stehenden Einkommen noch bezahlen können, vermag seriöserweise Niemand derzeit zu sagen, aber lange dürfte das nicht mehr gutgehen. Und die nächste Bankenkrise wartet schon.  Daher sagen wir seit Jahren: die Energiewende wird scheitern. So oder so.  

Möglicherweise ist dann aber Thyssenkrupp sowie die Steinkohleproduktion schon lange “weg vom Fenster.”

Die Politik steckt also in einem richtigen Dilemma. Das ist gut so. Denn ein Dilemma zwingt zur Besinnung nach dem richtigen Weg. Und der ist nach wie vor auch in den nächsten Jahren ohne fossile Energieträger nicht denkbar.

Daher kann die Lösung u.E. auch  nicht in einer Staats-beteiligung liegen, sondern in einer Fusion mehrerer euro-päischer Stahlkonzerne, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlagen. 

Villa Hügel

Südlich von Essen thront die Villa Hügel herrschaftlich über dem Ruhrtal. 1870 bis 1873 als Sitz der Industriellenfamilie Krupp errichtet, ist sie mit ihrer einzigartigen Architektur, den Kunstschätzen und dem großzügigen Park heute der Allgemeinheit zugänglich. Der einstige Identifikations- und Repräsentationsort des Unternehmens Krupp mit seinen 269 Zimmern und 8.100 qm Wohn- und Nutzfläche zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Ruhrgebiet, ist Ankerpunkt der Route der Industriekultur und wartet darauf, von Euch entdeckt zu werden.

hier geht es zur Villa Hügel auf dem Ruhrtal-Radweg.

 

Wie mächtig der Krupp-Konzern einst war, kann man heute noch erspüren, wenn man durch die 269 Räume der Villa Hügel am Baldeney-See in Essen wandelt.

In der 1873 erbauten Villa lebte der Unternehmens-gründer Alfried Krupp mit seiner Familie bis 1945. Heute befindet sich das Archiv der Fa. Krupp in der Villa und steht der Öffentlichkeit zum Besuch offen. Eigentümerin ist die Alfried Krupp von Bohlen-und Halbach-Stiftung. Die Stiftung mischt auch bei Thyssenkrupp noch mit. 

Quellenhinweise:

ntv.de vom 19.11.2020; WAZ vom 19.11. 2020; Bild vom 19.11.2020; RP-Online vom 19.11.2020; FAZ vom 19.11.2020; Wirt-schaftswoche vom 19.und 20.10.2020 so-wie RK-Redaktion vom 10.12.2020

Fotonachweise:

Header: Andreas Poznanski, pixabay.com; links darunter: thyssenkrupp-HV in Essen: Hans-Peter Schröer, künstl. Veränderung: Revierkohle; rechts darunter: Kokslösch-turm: Olle August, pixabay.com; rechts darunter: Villa Hügel Luftbild: Werner Griesbach, pixabay.com

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Sophia-Jacoba: Schacht 3 erstrahlt in neuem Glanz

Industriedenkmalstiftung NRW investierte 3 Mio. EUR

per Knopfdruck wurde die Beleuchtung von Schacht 3 des ehem. BW Sophia-Jacoba an der Sophiastr. 30 in Hückelhoven in Betrieb genommen: v.l.n.r. : Min. Ina Scharrenbach, Detlef Stab, 1. Vors. des Fördervereins S 3 sowie Bürgermeister Bernd Jansen, Foto: Markus Bollen u. Stiftung Industriedenkmalpflege u. Geschichtskultur

Der 27.März 1997 war für die Mitarbeiter der Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven ein rabenschwarzer Tag. Nach 83 Jahren wurde die letzte Kohle zu Tage gefördert.

Dabei zählte Sophia-Jacoba von 1960 bis 1997 zu den modernsten Steinkohlenzechen Europas. Noch 1991 wollte die Werksleitung weitere Strecken mit einem neuen Schacht zwischen Lövenich und Tenholt auffahren, weil sich dort bis heute noch rd. 150 Mio. T. hochwertige und unverritzte Anthrazit-Kohlenflöze mit einer Mächtigkeit von fast vier Metern befinden. Rechnet man die im West-Nordfeld nicht mehr geförderte Kohle von rd. 50 Mio. T hinzu, dann befinden sich noch gut 200 Mio. T. Edelanthrazit-Kohle in der Erde um Hückelhoven herum. Gefördert wurden bis 1997 rd. 80 Mio. T Kohle.

Die Politik jedoch, namentlich die FDP unter Herrn Jürgen Möllemann, forderten eine Ende der Kohlesubventionen. Dagegen und gegen die beabsichtigte Stilllegung protestierten die Bergleute 1990 und 1991 heftig. Aber es nutzte alles nichts. Der Aufsichtsrat der RAG beschloss am 11.11.1991 die Schließung der Zeche zum 30.Juni 1997.

3500 Bergleute wurden auf andere Zechen verlegt. SJ war die letzte Zeche im Aachener Revier. Dann kam der Deckel drauf. 211.537 Tonnen Sand und Zement füllten die Schächte nach den Raubarbeiten. 

Die Übertageanlagen wurden anschließend bis auf Schacht 3 und das zecheneigene Fernwärmekraftwerk niedergelegt. Die unter Denkmalschutz stehende Verwalt-ung mußte wegen Bergschäden 2007 abgerissen werden. Die zum Bergwerk gehörende Steinkohlenbrikettfrabrik wurde am 31.3.2008 stillgelegt. Die Gebäude wurden an-schließend gesprengt. So traurig kann Bergbau sein. 

Stahlbetonförderturm mit Wagenumlaufhalle über Schacht 4 aus dem Jahre 1959. Zu dieser Zeit arbeiteten auf Sophia-Jacoba 5.669 Mitarbeiter

Schächte 1/2/3

Sophia-Jacoba in Hückelhoven um 1950

satte 49 Meter hoch erstreckt sich die Lichtlandmarke Sophia-Jacoba, Schacht 3 in den Himmel, was den Rotton besonders zur Geltung bringt. Foto: Stiftung Industriedenkmal-pflege u. Geschichtskultur

Das der Förderturm über Schacht 3 sowie die dazugehörende MaschH nicht auch noch abgerissen wurde, ist dem Förderverein Schacht 3 und seinen Mannen zu verdanken.

Liebevoll haben die Kumpels Erinn-erungsstücke sowie ein Anschau-ungsbergwerk in der MaschH aufge-stellt. Man kann einen 150 m langen Streckenausbau begehen sowie einen funktionsfähigen Hobel und eine funktionsfähige EHB-Bahn besichtigen. Auf dem Außengelände befinden sich Loks und Waggons, mit den früher die Kohle trans-portiert wurde. 

Heute befindet sich Schacht 3 im Besitz der Stiftung Industriedenk-malpflege und Geschichtskultur. Und die hat in den letzten beiden Jahren nicht gekleckert, sondern geklotzt, um das Denkmal zukunftsfähig zu machen.  

Rund drei Millionen Euro flossen aus dem Programm der Städtebauförd-erung des Bundes und des Landes in die Sanierung von Schacht 3.  Per Knopfdruck ließ die NRW-Ministerien für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach,  im Nov.d.J. den Förderturm bei Anbruch der Dunkelheit in einem strahlenden Rot aufleuchten. 30 LED-Leucht-körper wurden dafür verbaut.

Wo wir in der Vergangenheit bei unserem Einsatz für die Erhaltung von Fördergerüsten fast immer nur das Todschlagargument “finanziell nicht darstellbar, zu teuer, nicht zumutbar” etc. von der RAG oder von der Gemeinde zu hören bekamen, da tut es richtig gut, wenn Ministerien Scharrenbach anlässlich der Ab-schlußarbeiten ausdrücklich davon sprach, dass Sophia-Jacoba (SJ) mit Schacht 3 wichtig für die Erinn-erungskultur sei.

Sie nannte Schacht 3 ein starkes Denkmal, welches in der Stadtge-schichte von Hückelhoven fest ver-ankert sei. Auch der Bürgermeister von Hückelhoven, Bernd Jansen, wurde richtig schwärmerisch, als er von der fantastischen Illumination und von einem Highlight der Industriekultur im ehem. Aachener Revier sprach.      

wir sind begeistert


So äußerte sich der Vorsitzende des 1997 gegründeten Förder-vereins Schacht 3 e.V., Detlef Stab, anlässlich der umfangreichen Sanierungsarbeiten auf Sophia-Jacoba.

Denn seit dieser Zeit sind außer ein paar kleinere Reparatur-arbeiten keine größeren Arbeiten auf SJ durch-geführt worden.

Dementsprechend nagte an den Gebäuden und am Fördergerüst der Zahn der Zeit.

Das zweigeschossige Deutsche Strebengerüst mußte vollständig mit einem Korrosionsschutz und einem mehrmaligen Farbanstrich versehen werden. Zahlreiche schadhafte Stahlkon-struktionen mußten überprüft, ausgetauscht und sogar rekonstruiert werden.

Das galt auch für die Überprüfung des mar-kanten Tonnendaches.

Außerdem wurde das Verblendwerk um die Schacht-und Maschin-enhalle wiederherge-stellt und altes Mauer-werk neu verfugt. 

SJ Schacht 3 wurde 1996 in die Denkmalliste eingetragen und steht seit 2001 unter Denk-malschutz.

  • ehem. Aachener Tuchfabrik
  • SJ Chronik einer Zeche

Noch ein Wort zur Stiftung Industriedenk-malpflege und Geschichtskultur:

Die Stiftung wurde 1995 vom Land NRW und von der RAG mit dem Ziel begründet, hochrangige Zeugnisse des Industriezeit-alters durch Übernahme vor dem Abriss zu bewahren. Das ist bisher an 13 Standorten in NRW gelungen.Wir hoffen sehr, das in Zukunft weitere Anlagen des Bergbaus hinzukommen werden.

Quellenhinweise:

Stiftung Industriedenkmalpflege, Presse-Info vom 10.11.2020; RAG-Pressemitteil-ung vom 16.11.2020; Schacht-3.de o.J.; RP-Online vom 25.03.2017

Fotonachweise:

Header: NRW-Stiftung; links darunter (Fördermaschine): Stiftung Industriedenk-malpflege; Animation: Revierkohle; rechts darunter ( SJ 1-3): Paul Knippertz, CC, wikipedia, Einfärbung: Revierkohle

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