Beiträge

Haus Risphorst, Ölgemälde

RVR: Heimat in der Kolonie

ARBEITERSIEDLUNGEN IM REVIER

REGIONALVERBAND RUHR

Emscher Landschaftspark Oberhausen

OriginalModified

Heimat in der Kolonie - 18.02.2020 bis 22.03.2020

Haus Ripshorst
Haus Ripshorst, RVR

Haus Ripshorst in Oberhausen

Foto: RVR

Siedlung OBH-Eisenheim- Foto- Wolfgang Staiger
LWR-Museum Siedlung Eisenheim oberhausen

LWR-Museum Siedlung Eisenheim in Oberhausen

Foto: Wolgang Staiger, Merian

Revierkohle Icon

 < wisch mit dem Cursor

Graf Bismarck, Siedlung Uechtingstr., Rudolf Uthoff
Zechensiedlung Üchtingstr. in Gelsenkirchen-Erle der Zeche Graf Bismarck in den 60er Jahren Foto: Hans-Rudolf Uthoff

Im RVR-Besucherzentrum des ehemaligen Bauernhofes „Haus Ripshorst“ in Oberhausen stellt der passionierte Ruhrgebiets-fotograf Ludger Staudinger 18 wunderschöne Ruhrgebietsfotos aus, die das Leben in den Bergarbeitersiedlungen zeigen. Die Aus-stellung wird thematisch ergänzt aus der neuen App der Route der Industriekultur und trägt den Namen „Perspektivwechsel.“  Die App ist im digitalen Guide mit Audio-Geschichten versehen worden, damit Sie das Abenteuer Ruhrrevier auf neue und spannende Weise erleben können.  Der „Perspektivwechsel“ beschäftigt sich auch mit dem Steinkohlenbergbau und seinem Ende. 

kleiner Plausch in der Kolonie der 60er Jahre, Foto: Hans-Rudolf Uthoff
Graf Moltke Phönixstr. Hinterhof
der Hühner und Kaninchenstall nebst Kohlenverschlag im Hinterhof war typisch in den 60er Jahren im Revier, Foto: Revierkohle

Mit dem Zechensterben wurden in den 70er Jahren nicht nur viele Zechen ab-gerissen, sondern im Zuge einer neuen Stadtplanar-chitektur auch viele Zech-ensiedlungen dem Erdbod-en gleichgemacht. Bau-hausarchitekten wie unser Mitglied, Prof. Dr. Roland Günter, leisteten mit Stu-denten der FH Bielefeld er-bitterten Widerstand gegen weitere Abrisspläne. Unter dem Motto „Rettet Eisen-heim“ stellte sich unser Mitglied demonstrativ geg-en den Abriss der alten Bergarbeiterhäuser in Ober-hausen-Eisenheim. Die Eis-enheimer Bewegung er-schütterte ab 1974 das ganze Revier. Überall ent-standen Inititativen, die sich gegen den Abriss der etwa 2400 Bergarbeiter-häuser im Revier wehrten.

Graf Moltke Phönixstr. Steigerhaus
Steigerhaus in der Zechensiedlung Graf Motlke, Galdbeck, Foto: Revierkohle

Bald waren es mehr als 40 Initiativen, die sich um den Erhalt der Siedlungen mit allen Kräften bemühten. Mit Erfolg. Und so konnten die Bergarbeitersiedlungen Flöz Dickebank in Gelsenkirchen, Rheinpreußen in Duisburg, Felicitas und Tremonia in Dortmund, Beisenkamp in Datteln, Dunkelschlag in Oberhausen, Halbmond in Bochum und Mausegatt in Mülheim vor dem Abriss bewahrt werden. Architekten, Stadtplaner und Sozialwissenschaftler be-schäftigten sich ausführlich mit der Bergarbeiter-und Siedlungs-kultur.

In dern 70er Jahren schlossen sich etliche Koloniebewohner zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen und gaben die Zeitung „Ruhr-Volksblatt“ heraus. In dieser kamen auch viele Fachleute zu Wort, die sich über den Sinn der gewachsenen sozialen und kommuni-kativen Strukturen in den rd. 30 Siedlungen ihre Gedanken macht-en. Davon ließ sich auch der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann beeindrucken. Er lobte die Bergarbeitersiedlung Eisen-heim nach ihrer Rettung als ein mustergültiges Beispiel für soziale Architetktur im Gegensatz zu rein technisch-wirtschaftlichen Lösungen, wie sie heute üblich sind.      

er hatte in den 50er Jahren noch gut lachen, Foto: RAG
Hinterhof in der Bergarbeitersieldung der Zeche Westerholt, Herten, Foto: Revierkohle

RVR-Besucherzentrum

Haus Ripshorst

Ripshorster Str. 306    46117 Oberhausen
 
geöffnet:
Die bis So von 10.00 h bis 17.00 h

Durch die kleinteilig-urbane und niedrige Bauweise mit Hinterhofgarten, Stall und Taubenschlag konnte auch eine besondere Lebens-qualität gedeihen, die heute fast schon Seltenheits-charakter hat. Unter wie über Tage  galt: man bildet eine Gemeinschaft und man hält zusammen. Ver-einsamung, Entfremdung und Isolierung – die klassi-schen Probleme von Hoch-hausgemeinschaften und modernen Städtebewohn-ern – waren Fremdworte. Und was man auch nicht vergessen darf: die Mieten waren für jeden erschwing-lich. Dafür sorgten die Zech en- und Stahlbarone. Und architektonisch reizvoll sind die Häuser bis heute und daher aus unserer Sicht absolut schutzwürd-ig.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild ! 

Quellenhinweise:

RVR-Pressemitteilung vom Jan. 2020; Pressemitteilung des Umwelt bundesamtes vom Jan.2020; Klein, Stefan: Eisenheim und Flöz Dicke-bank, in: Merian-Ruhrgebiet, Aus-gabe von 1970, S. 42 ff; Uhtoff, Hans-Rudolf: Tief im Westen, 1. Auflg., Essen 2010; Hermann, Wil-helm und Gertrude: die alten Zech-en an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein im Taunus 2008, S. 105 ff sowie RK-Redaktion vom 20.01.2020
 
Header-Ölgemälde: Revierkohle, Ursprungsfoto: RVR
Diesen Beitrag teilen

RVR : Route Industriekultur

Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat Anfang Dez. 2016 beschlossen, die Verträge mit dem Land NRW für die Route der Industriekultur und den Emscher Landschaftspark zu verlängern und für weitere 10 Jahre zukunfsfähig zu machen. Da- mit können 25 sog. Ankerpunkte (ehem. Zechen, Fabriken, Schienen wege etc.), 17 Aussichtspunkte auf ehem. Industrierealen und 13 Zechensiedlungen sowie 700 km Radwege erhalen, gesichert und weiterhin gepflegt werden. Für die Sicherung der Industriekultur nebst Landschaftspflege wird der RVR in den nächsten 10 Jahren 3,9 Mio. EUR sowie das Land NRW 5,6 Mio. EUR bereitstellen. Die Stand- orte selbst müssen allerdings auch einen Eigenbeitrag in Höhe von 2,5 Mio. EUR erbringen.

Zu den Pflegeobjekten des RVR   ge hört auch die ehem. Union-Brau- erei in Dortmund mit dem weithin sichtbaren großen U. Die Brauerei produzierte zur Hochzeit von Kohle und Stahl über 2 Mio. Hektoliter Bier. (1973). 1994 verlegte die Brauerei ihren Sitz an den Stadt- rand. Die Gebäude wurden 2004 bis auf den 70 Meter hohen Gär- und Lagerturm abgerissen. Das Dortmunder Union-Bier wird heute bei der Dortmund Actien Brauerei abgefüllt. Anmeldung erforderlich.

Ein High-Light der Industriekultur ist das Eisenbahn-Museum in Bochum-Dahlhausen, welches immer wieder auch Fahrten mit Dampflokomotiven anbietet. Die Sammlung alter Eisenbahnen mit dem dazugehörden Ambiente ver- mittelt ab eigenem Bahnsteig ganz schnell das Gefühl, das die Zeit stehen bleiben kann. Zumindest- ens für 2 Stunden.

Eine Kostbarkeit der Route der Industriekultur stellt die ehem. Zeche Minister Stein in Dortmund- Eving mit ihrem markanten Hamm- erkopfturm dar.

Ein Kleinod der Montankultur bildet die Museums-Zeche Zollern 2/4 in Dortmund-Bövinghausen. Sie ist eine von acht Museums- standorten des Landschaftsver-bandes Westfalen-Lippe.

Ein Hingucker unter den Industrie-Museen bildet die ehem. Zinkfa- brik Altenberg in Oberhausen. Sie war 130 Jahre in Betrieb und stellte u.a. Bleche für den Baubereich her. Heute ist das Museum auch Sitz der LWL-Verwaltung.

Zwei weitere Routen sind derzeit in Planung.

Fotos:  Union-Brauerei, Mbdortmund, wikimedia commons; Dampflokomotiven: Hans-Henning Pietsch; Minister Stein: Mario Fischer, wikimedia commons, Zinkfabrik Altenberg: Daniel Ullrich, Threedots; Zollern 2/4: LWL

Diesen Beitrag teilen