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seismische Erschütterungen

RAG: Einigung über Bergbauschäden

RAG bietet Anspruchsberechtigten Entschädigungen an

seismische Erschütterungen
Bergbaufolgen
Bergschadensschild
Bergschadensgebiet Sprockhövel, Foto: Morty, GNU-Version 1.2, CC-BY-SA.3.0, wikimedia commons
Friedrich-Heinrich-Gemälde
Bergwerk Friedrich-Heinrich i.A. (BW West),Kamp-Lintfort, Gemälde: Revierkohle
Heinrich-Robert det. Gemälde
Bergwerk Heinrich-Robert i.A. (BW Ost), Hamm-Pelkum, Gemälde: Revierkohle
PH 2 Gemälde
Bergwerk Prosper-Haniel i.A., Bottrop, Gemälde: Revierkohle
BW Lippe Gemälde
Bergwerk Westerholt i.A. (BW Lippe), Herten-Westerholt, Gemälde: Revierkohle
AV 3-7
Bergwerk Auguste-Victoria i.A., Marl, Gemälde: Reviekohle

Quellenhinweise:

Pressemitteilung der RAG vom 16.1.2020; VBHG-Nachrichten vom 13.01.2020; N-TV vom 29.11.2007 sowie RK-Redaktion vom 20.01.2020

Seit dem Bergbau betrieben wird, gibt es auch Bergsenkungsschäden. Zu den Schäden gehören Gebäudeschäden, Schäden an Verkehrsanlagen, Schäden an Vorflutern sowie Schäden an land-und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Durch den untertägigen Abbau von Lagerstätten wird das Hangende nach und nach freigelegt und bricht dann ein. Dadurch wird das vorher vorhandene physikalische Gleichgewicht des Gebirgskörpers beeinflusst. Infolge dessen wird die darüberliegende Gebirgsschicht in Bewegung ver-setzt. Diese Bewegungsvorgänge machen sich bis zur Tagesoberfläche bemerkbar. Der Gesetzgeber hat daher bestimmt, dass die durch den Bergbau entstandenen Berg-senkungsschäden gegenüber den Geschädigten finanziell auszugleichen sind. 

Der Gesetzgeber hat dabei ferner bestimmt, das der Eigentümer beweisplichtig ist. Er muß gegenüber der RAG nachweisen, dass es sich bei seinem Schaden um einen Bergschaden handelt. Die Verjährungsfrist liegt bei 3 Jahren. Die RAG erhält pro rd. 35.000 Schadensmeldungen. Die meisten davon aus NRW. Für die Regu-lierung von Bergschäden gem. dem Bundesberggesetz hat die RAG rd.2,5 Mrd.EUR zurückgestellt und ist noch rd. 30 Jahre für die Re-gulierung zuständig.  

Im Einzugsbereich der ehem.Bergwerke Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort, Heinrich-Robert in Hamm-Pelkum, Prosper-Haniel in Bottrop, Lippe (Westerholt) in Herten sowie Auguste-Victoria in Marl gab es im Zeitraum 2008 bis 2018 immer wieder Erschütt-erungen, die zu Schäden führten. Die RAG wurde  aufgrund eines Rechtsstreites mit dem Verband bergbaugeschädigter Haus-und Grundeigentümer e.V. (VBHG, Herten) gem. § 906 Abs. 2 BGB nun-mehr verpflichtet, Ausgleichszahlungen zwischen 200 bis 800 EUR pauschal  zu leisten. 

Dieser Verpflichtung wird die RAG gegenüber den Geschädigten nachkommen. Die Zahlungen richten sich dabei an den im Muster-prozess des VBHG ausgehandelten Pauschalbeträgen und werden einmalig pro Wohneinheit gezahlt. Die Zahlung ist als Abgeltung sämtlicher Beeinträchtigungen des Wohnwertes in der Vergangen-heit zu verstehen. Ansprüche, die durch Bergschäden vor 2008 ent-standen sind, gelten als verjährt. 

Entschädigungsanträge können ansonsten noch bis zum 31.12. 2020 gestellt werden. Das Online-Formular finden Sie hier:

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RAG: Haus Aden und Grimberg 2 werden verfüllt

Haus Aden bleibt Grubenwasserzeche

Geschichte der Grubenwehr

Obschon seit der Fördereinstellung im Jahre 2000 keine Kohle mehr auf Haus Aden in Bergkamen gefördert wird, war der Schacht bisher befahrbar. Rund 60 Berg-leute waren auf Haus Aden 2 weiterhin im Einsatz vor Ort, um die in Betrieb befind-lichen Pumpen und Leitungen sowie die Wetter-und Maschinentechnik in rd. 1000 Meter Teufe zu warten und zu reparieren. Alles lief bisher wie in einem kleinen Berg-werk, nur ohne Kohlenförderung.  

Doch damit ist nun Schluß. Im Rahmen des neuen Grubenwasserkonzeptes der RAG wird die Grubenwasserhaltung von unter-tägigem Kreiselpumpenbetrieb über Steig-rohre auf oberirdischen Hängepumpenbe-trieb umgestellt. Dazu wird das Gruben-gebäude verschlossen und die Förderung ausgebaut. Anschließend wird der Schacht bis auf 730 Meter Teufe verfüllt. Auf dieser Teufe wird sodann eine Schalungsbühne eingebaut. Auf dieser Bühne werden dann Hüllrohre aus korrosionsbeständigem Stahl installiert, die zu einem späteren Zeitpunkt die rd. 20 Meter hohen und mehrere Tonnen wiegenden  Tauchmotorkreiselpumpen auf-nehmen, die dann die rd. 13 Mio. Kubikmet-er Grubenwasser pro Jahr zu Tage pumpen und in die Lippe ableiten werden.   

Haus Aden 2

Seilfahrten sind Geschichte

Nachdem die Abt. 6 Bergbau u. Energie in NRW (das ehem. Oberbergamt) der Bezirksregierung Arnsberg den Abschlußbetriebsplan für Haus Aden 2 genehmigt hat, steht nun die Verfüllung des Schachtes an. Rückzugstechnisch wurden alle Ein-bauten vorher geraubt. In der Nacht zum 26.09. 2019 fuhr dann ein letztes Mal die Mannschaft der Grubenwehr zu Kontrollzwecken noch einmal auf Haus Aden ein. Anschließend wurde der Haupt-lüfter abgestellt und das Grubengebäude explo-sionssicher verschlossen. Für den Einbau der Hüll-rohre und der Tauchmotorkreiselpumpen wird ein halbes Jahr Arbeitszeit veranschlagt. Doch bevor die Pumpen erstmalig laufen, werden noch vier Jahre ins Land gehen. So lange braucht das Grub-enwasser, bis es eine Höhe von 730 Meter erreicht hat. In der Endstufe wird der Standort Haus Aden 2 einer von sechs Grubenwasserzechen sein, die zu-sammen über 100 Mio Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr über die neuen Hängepumpen zu Tage fördern werden.  

Zeche Haus Aden, Bergkamen

Haus Aden 2

Bergkamen

Grillo 1

BW Ost, Schacht Grimberg 2

Bergkamen

Haus Aden Hinweisschild

altes RAG-Schild

in Bergkamen

trauriger Bergmann

trauernder Bergmann

Im Gedenken an die 522 Todesopfer aufgrund von Schlagwetterexplosionen.
Grubenwasserzeche Haus Aden 2, Bergkamen des ehem. BW Ost (Heinrich-Robert), Foto: RAG, Montage: RK
Grimberg 2 mit Grubenlüfter der ehem. Zeche Monopol, Bergkamen, Foto: Revierkohle

Quellenhinweise:

Hermann, Getrude und Wilhelm: Die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein i.Taunus 2008, S. 138; Blach, Bernhard: Grimberg 1/2, Montankultur-Rückblick 2008, Revierkohle (Hrsg.) Hamburg 2009, S. 72 ff; Westfälische Allgemeine vom 30.01.2018, 04.02.2018 und 15.10.2019; Lokalkompass vom 30.03. 2019; Bild-Zeitung vom 28.03.2019 sowie RK-Redaktion vom 30.10. 2019

Fotos ganz oben: RAG; Montage: Revierkohle

Zur Geschichte und zur Zukunft von Haus Aden

Über 100 Jahre prägte der Bergbau die Stadt Bergkamen in NRW. 1874 wurde der erste Schacht der Zeche Monopol niedergebracht. Die Geschichte der Zeche Monopol ist eine lange Folge von Gründungen, Zusammenschlüssen und Umbenennungen.

1993 entstand durch den Verbund der Zechen Monopol und Haus Aden die Zeche Haus Aden/Monopol. 1994 wurde Monopol stillgelegt. Die Kohle wurde auf Haus Aden 1/2 gefördert. 1998 entstand durch den Verbund mit der Zeche Haus Aden/Monopol und Heinrich-Robert in Hamm-Pelkum die Zeche Bergwerk Ost.

Die Förderanlage Haus Aden 1/2 wurde im Jahre 2000 stillgelegt. Die Schächte wurden bis auf Haus Aden 2, Grimberg 2 und Grillo 1 verfüllt. Die Kohle wurde seither auf Heinrich-Robert (BW Ost) zu Tage gefördert. Das Grubenfeld umfasste 285 Quadratkilometer. Noch 2006 förderten 2.836 Bergleute zum Wohle des Landes 1,3 Mio. T Kohle. 2010 wurde auch das Bergwerk Ost aus politischen Gründen stillgelegt.   

Zeitgleich mit der Umstellung der Grubenwasserhaltung auf Haus Aden 2 entsteht auf dem 55 Hektar großen ehem. Betriebsgelände der Zeche die sog. Wasserstadt Bergkamen. Es handelt sich dabei um einen Mix aus 300 neuen Familienhäusern mit eigenem Boots-steg und schleusenfreiem Zugang zum parallel des Zechengeländ-es fließenden Datteln-Hamm-Kanals. Logisch, das die zukünftigen Skipper gut betucht sein sollten. Für Touristen wird ein Wellness-hotel gebaut. Daneben entstehen neue Bürohäuser, Gastronomie-betriebe u.die übliche Gewerbeansiedlung. (siehe Videoclip links)

Die Wasserstadt soll Hauptstandort der internationalen Garten-ausstellung IGA 2027 werden. Danach wird Bergkamen wie fast alle anderen ehem. Schachtstandorte wahrscheinlich wieder in die Be-deutungslosigkeit wie vor der Bergbauära zurückfallen. Erfreuen wird das dann vor allem die auf dem noch künstlich auf Höhe des Datteln-Hamm-Kanals anzulegenden See´s die Enten und Möwen sowie die auf der neuen Seepromenade dahinschlendernden Familien und Rentner. Arbeitssuchende junge Leute werden bis dahin schon längst die Koffer gepackt haben. Die anderen können dann ohne Ende spazieren gehen oder lesen.

Zum Beispiel das Buch von Norbert Meier “ Die Zechen Monopol und Haus Aden – der Steinkohlenbergbau in Kamen und Bergkamen“, dass der ehem. Bergmann im Okt. 2019 auf den Markt brachte. Das Buch kann in jeder Buchhandlung in Bergkamen sowie über unser Mitglied, dem „Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier„, Arbeitskreis Dortmund, erworben werden.

Zur Geschichte von Grimberg 2

Das Bergwerk Grimberg in Bergkamen nahm 1936 die Förderung auf. 1946 kamen aufgrund einer Schlagwetterexplosion 405 Berg-leute ums Leben. 1949 begann der Wiederaufbau. Die höchste Förderung verzeichnete Grimberg im Jahre 1973 mit 1,44 Mio. T Kohle. 1974 wurde Grimberg von Haus Aden übernommen. Fortan wurde die Kohle auf Haus Aden zu Tage gefördert. 1975 begann man mit den Arbeiten für die Errichtung des Bergwerks Neu-Mono-pol. Zu diesem Bergwerk gehörten die Schächte Grillo 1/4, Grimberg 1/2 sowie Schacht Werne 3.

Alle Anlagen förderten zu dieser Zeit rd. 9.000 T Kohle mit 3.900 Bergleuten täglich. Für die ländliche Kleinstadt Kamen mit ihren rd. 48.000 Einwohnern war das eine arbeits-und wirtschaftspolitisch betrachtet bedeutsame Zeit. 1985 wurde die Anlage wieder in „Bergwerk Monopol“ umbenannt. Die Schächte Grimberg 1 bis 4 wechselten zur Schachtanlage Heinrich-Robert in Hamm. Danach wurde die Zeche Monopol stillgelegt.

Der Standort Grimberg 1/2 blieb für die Zeche Heinrich-Robert (BW Ost) als Material-und Wetterschacht bis 2010 in Betrieb. Der 73 m hohe Förderturm über Schacht 2 wurde 1975 errichtet und gilt als eines der markantesten Stahlstrebengerüste im Ruhrrevier. Neben dem Fördergerüst ist noch ein Werkstattgebäude, die ehem. Verwaltung, ein Bahngleis und zwei Grubenlüfter erhalten geblieb-en. Zeitgleich mit Haus Aden 2 beginnen in Kürze auch auf Grimberg 2 die Verfüllungsarbeiten des Schachtes. Damit ist auch die von der Stadt Bergkamen ursprünglich angedachte Idee eines Besucherbergwerks mit Grubenfahrt ausgeträumt. Wie es dort heute aussieht, entnehmen Sie links dem Videoclip.       

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Bergwerk Westerholt: Abriss von 7 Gebäuden

Zielperspektive: Neue Zeche Westerholt mit Teilerhaltung und Neuansiedlungen

Nachdem bereits im Juli 2018 die Demontage der alten Kohleband brücke der Zeche Westerholt, die zur gegenüberliegenden ehem. Kokerei GE-Buer-Hassel führte, erfolgte, wurde Mitte Okt. 2019 da-mit begonnen, auf der 39 Hektar großen Betriebsfläche der am 19.12. 2008 stillgelegten Zeche Westerholt 1/2/3 in Gelsenkirchen-Hassel /Grenze Herten die altehrwürdigen Aufbereitungsanlagen an der Egonstr. abzureißen, um Platz für die Ansiedlung neuer Familienhäuser sowie für Dienstleistungs-und Gewerbebetriebe zu schaffen. Die aus dem Jahre 1956 stammende Aufbereitung diente der Trennung von Bergematerial und Kohle. In der Aufbereitung durchlief das geförderte Material Wasch-und Separationsprozesse, um die Kohle von taubem Gestein zu befreien. Anschließend wurde die Kohle in unterschiedlichen Qualitäten klassiert, um diese für den Absatzmarkt vorzubereiten.

Der oben sichtbare Komplex setzte sich aus verschiedenen Band-anlagen, Ecktürmen, Bahnverladungsanlage und einer Anlage zur Schlammbehandlung zusammen. Der Wagenumlauf am Schacht 3 aus dem Jahre 1959 wird ebenso abgerissen wie der Bergebunker und die Sieberei. Insgesamt werden 7 Gebäude niedergelegt. Ferner wird das gesamte Gelände dekontaminiert und von Altlasten be-freit. Die Rückbauarbeiten werden voraussichtlich in einem Zeit-raum von 21 Monaten durchgeführt. Die Torhäuser wurden bereits im Mai 2019 denkmalgerecht saniert. Elf weitere Gebäude stehen bereits unter Denkmalschutz.  

 

Seilfahrt-Siedlung-Schwielenhand

Erinnern gehört zum Abschied

oben: die Gleise der ehem. Zechenbahn RAG Bahn-u. Hafen (BuH) wurden entfernt. Sie führten zum Kraftwerk GE-Buer-Scholven.  Foto: Revierkohle
 
unten: der Abriss der Aufbereitungsanlagen von BW Lippe begann Ende Okt. 2019.     Beispielfoto: Gerhard Gellinger, pixabay.com

Zur Geschichte des Bergwerks Westerholt

1882 erfolgte die Teilung der Berechtsame Bergmannsglück in Bergmannsglück-Ost und West. Aus Bergmannsglück-Ost entstand  1911 die Zeche Westerholt. Die Förderaufnahme erfolgte 1910. 1912 begann man mit dem Bau einer eigenen Kokerei. Das Berg-werk hatte 8 Schächte. Hierzu zählten die Schächte  1/2/3, Fürst Leopold 1/2 in Dorsten, Polsum 1 und 2 sowie Schacht Altendorf. Die höchste Förderung wurde 1990 mit 2,47 Mio. T SKE erbracht. 1998 wurde die Zeche mit dem Bergwerk Fürst Leopold/Wulfen in Dorsten zusammengelegt. Schacht Wulfen wurde abgeworfen und verfüllt. Sie bildeten das Bergwerk Lippe, welches die Förderung Ende 2008 einstellte.

Aus den Anfangsjahren stammen zahlreiche repräsentative Back-steinbauten. So u.a. der Ehrenhof und das wunderschöne Kauen-gebäude mit geschweiften Giebeln, Erkern und abgesetztem Ge-simse. Der preußische Staat errichtete von 1902 bis 1922 4000 Wohnungen im Stile einer  vorbildlichen Gartenstadtsiedlung für die Beschäftigten gegenüber der Zeche, die heute noch exstistiert.  

Quellenhinweise:

  • zu den Arbeitslosenquoten: Statista, Arbeitslosenquote NRW von Okt. 2019; HartzIV.org.de, Berliner Zeitung vom 29.10.2019; Kreisverwaltung Recklinghausen vom Juni 2018; Arbeitsamt Gelsenkirchen, Okt. 2019; Zeit-Oneline vom 30.10.2019
  • Neue Zeche Westerholt.de:  Rückbau Kohlebandbrücke vom 31.07. 2018;  WAZ vom 15.09.2016 und 23.10.2019; Blach, Bernhard: Schicht am Schacht, Revierkohle-Montankultur-Rückblick 2008, S. 44 ff, Revierkohle (Hrsg.) Hamburg 2009; Neue Zeche Westerholt, de: Masterplan „Zielperspektive für die Entwicklung der neuen Zeche Westerholt“;  Projektbüro Bergbaustandorte Stadt Gelsenkirchen, Stadt Herten und RAG Montan Immobilien GmbH Essen (Hrsg.), Gelsenkirchen 2018; Die Zeche Westerholt, Pressemitteilung der Stadt Gelsenkirchen vom 11.07. 2019; Route-Industriekultur.ruhr.de; Hermann, Gertrude und Wilhelm: Die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflage, Königstein/Taunus 2008, S. 237 f sowie RK-Redaktion vom 31.10.2019   

Die neue Zeche Westerholt

Bereits in 2006 wurde die TU München von der Stadt Herten und der RAG Montan-Immobilien GmbH damit beauftragt, eine Mach-barkeitsstudie für die Nachnutzung des Zechengeländes zu er-arbeiten. Unter dem Projektnamen „Charette“ wurde ein Zwischen-nutzungskonzept entwickelt. Dies sah vor, dass die Schächte 1 und 3 zu einem Museum umgebaut werden sollten. In der Rasenhänge-bank am Schacht 3 sollte ein Konferenzhotel entstehen und die ehem. Kranwerkstatt sollte zu einer Sporthalle umgebaut werden. Die FH Gelsenkirchen sondierte ebenfalls das Gelände und unter-breitete Vorschläge. Aufgrund der Finanzmarktkrise Anfang Nov. 2008 zogen sich die Akteure und Banken aus dem Vorhaben wieder zurück. Die Anlage verfiel in eine Art Dornröschenschlaf. Dann er-folgte im Jahre 2014/15 eine neue Machbarkeitsstudie. Finanziert wurde diese aus Mitteln der europäischen Union (EFRE-Programm), der Städte Herten u. Gelsenkirchen sowie dem Land NRW.     

Der neue Masterplan sieht nun die Ansiedlung von Kunst-, Kreativ-und Handwerksbetrieben sowie die Schaffung von noch mehr Einzelhandelsgeschäften vor. Ebenso sollen Wohnangebote für Jung und Alt entlang einiger zu erhaltender Zechengebäude ent-stehen. Mittendrin soll eine „Allee des Wandels“ führen. Das Plan-ungsbüro faselt gar in Superlativen von „Labor des Wandels„, „Hybridquartier mit identitätsstiftender Kulisse“. Die Städte Gelsenkirchen und Herten wollen da nicht nachstehen und schwadronieren ebenfalls in Superlativen wie “ Quartiersmittel-punkt mit hoher Aufenthaltsqualität“, „enorme Chancen für neue Arbeitsplätze“, „optimaler Standort für Gewerbecluster“ und ähnliche PR-Geistesblitze, die bei jedem Masterplan, der bisher im Rahmen der Nachfolgenutzung ehemaliger Zechen vorgelegt wurde, abgesondert werden.     

Kritische Reflektion

Wir sehen die Entwicklung allerdings etwas nüchterner. Seit Beginn des Zechensterbens Anfang der 60er Jahre sind in Herten und Gelsenkirchen 17 Zechen geschlossen worden. 60.000 Arbeits-plätze sind seither weggefallen, ohne das diese durch Nachfolge-nutzungen auch nur annähernd wieder ersetzt werden konnten.

Die Zeche Westerholt war der wichtigste und größte Arbeitgeber in Herten. 1925 waren 4.165 Bergleute auf Westerholt angelegt ge-wesen. Noch 2003 arbeiteten 3.150 Mitarbeiter auf der Zeche. Diese entfalteten eine Kaufkraft von 45 Mio. EUR. 200 Lehrlinge bildete das Bergwerk jedes Jahr aus. Das Auftragsvolumen an die heimische Wirtschaft belief sich auf 100 Mio. EUR. Das waren schon echte Hausnummern !

Seit der Stilllegung im Jahre 2008 wurde dagegen nicht ein einziger neuer Arbeitsplatz (bis auf den wachhabenden Pförtner) geschaff-en. Die Arbeitslosenquote (ALG 1 !) in Gelsenkirchen liegt bei      strammen 12,1 %. Die Hartz-IV-Quote bei sagenhaften 24,9 %. Zum Vergleich: in Herten liegt die Arbeitslosenquote bei 10,4 %, in NRW bei 6,4 % und im Bundesdurchschnitt bei 4,8 % (ohne Hartz IV!) Und bei der neuen Allee des Wandels handelt es sich um einen neuen, mittlerweile aber in unendlicher Zahl vorhandenen, schlichten Wander-und Radweg.

Die neuen Betriebe werden ihre Mitarbeiter wahrscheinlich vom alten Standort gleich mitbringen. Vielleicht entstehen ein paar neue Büro-sowie Hotel-und Gaststättenjobs. Die Nachfrage wird das unseres Erachtens aber kaum beleben. Und so werden die Städte Gelsenkirchen und Herten auch weiterhin komatös am Tropf des Landeskrankenhauses NRW, Abteilung Finanzspritzen und Haushaltskontrolle, hängen bleiben.  

Lust auf eine Zechenführung ?

Dann melden Sie sich jetzt ganz schnell an. Am 04.12.2019 wird Sie Matthias Leh vom Stadtteilbüro Hassel-Westerholt von 14.00 h bis 16.00 h über das Zechengelände West-erholt führen und Ihnen die schöne neue Welt erläutern. Selbstvständlich dürfen Sie auch kritische Fragen stellen oder weitere Anregungen geben.

Treffpunkt: Bergwerk Lippe, Egonstr. 10, 45896 Gelsenkirchen  

ich will dabei sein

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Freiheit Emscher – eine perfekte neue Welt ?

nach Abschluss aller Rückbauarbeiten auf Prosper-Haniel bleibt fast nichts, wie es ist

Wenn Politiker von Freiheit schwadronieren, dann ist damit meistens die unternehmerische Freiheit gemeint. Und die soll nun mit Hilfe von RAG Montan-Immobilien, Stadt Bottrop und Stadt Essen ein Entfaltungspotential erhalten, welches alle bisher in der Region durchgeführten Infrastrukturmaßnahmen in den Schatten stellen wird. Gemeint ist die wirtschaftliche Erschließung und Sanierung ehem. Bergbauflächen. Bei den anstehenden Rück-und Umbau-maßnahmen handelt es sich um ein 1.700 Hektar großes Areal, welches sich vom Bottroper Süden bis hin zum Essener Norden mit dem Stadthafen erstreckt.

Bereits im Mai 2019 informierte die Stadt Essen die Öffentlichkeit über das größte Stadtentwicklungsprojekt in NRW. Noch in diesem Jahr werden die Bagger am ehem. Schachtstandort Emil Emscher anrücken und mit dem aufräumen, was der Bergbau hinterlassen hat.

Dem Masterplan „Freiheit Emscher“ liegt eine Vision zugrunde, die mit Freiheit recht wenig zu tun hat, mit Geld verdienen aber dafür umso mehr.

Echte Freiheit wäre, wenn die Bürger und Bürgerinnen entscheiden könnten, ob Sie den Abriss Ihrer Geschichte oder ob sie eine andere Nutzung der Bergbau-Hinterlassenschaften wünschen. Aber sie werden nicht gefragt, sondern nur formal-juristisch angehört. Wie schon bei anderen Masterplänen, wo es um die Umgestaltung ehem. Bergbaustandorte ging, hieß es stets voll-mundig, dass man die Region und die Fläche zu einem pulsierenden ökonomischen Zentrum entwickeln wolle. Gerne wurden solche Projekte auch mit dem Zusatz „Zukunft“ oder „klimafreundlich“ versehen. Stets versprach man Wohlfühloasen und neue Arbeitsplätze.

Wenn wir uns heute in der Region umsehen, müssen wir feststellen, dass von den Visionen in der Regel nicht viel übrig geblieben ist.

Auf den 10 ehemaligen Bergwerken, die seit 1999 geschlossen  wurden und auf denen rd. 12.000 Menschen mit anständiger Bezahlung vollzeitbeschäftigt waren, sind gerade einmal rd. 3000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Die meisten davon in mittelständischen Betrieben, die es vorher auch schon gab. Und die Bezahlung liegt ebenfalls i.d.R. weit unter dem Lohn, den die RAG ihren Beschäftigten zahlte. Und selbstverständlich sind auf den neuen Arbeitsplätzen auch etliche Menschen darunter, die teilzeit-oder befristet beschäftigt sind. (Beispiele: Supermärkte und Theaterbetrieb auf der ehem. Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck, Bäckerei, Theaterbetrieb, Handwerks und Logistikbetriebe auf der ehem. Zeche Ewad 3/4/9 in Herten)  

Bis 2027 sollen nun die Bergbauflächen am Rhein-Herne-Kanal einschließlich des Bergwerksge-ländes Prosper-Haniel in Bottrop vermarktet werden. Dazu muß das Gelände mit Straßen, Brücken, Leitungen etc. erschlossen werden. Einen dreistelligen Millionenbetrag haben die Plan-er dafür veranschlagt. Da eine solche Summe weder von der Stadt Bottrop, der Stadt Essen noch der RAG Montan-Immobilien als derzeitiger Noch-Eigentümer gestemmt werden kann, soll das Land NRW, der Bund und die EU Fördermittel für das strukturschwache Revier bereitstellen.

Wie trost-und geschichtslos eine solche Zukunft aussieht, kann man sich beispielhaft an der an-geblich musterhaften Sanierung der ehem. Bergbaufläche Graf Bismarck in Gelsenkichen ver-gegenwärtigen. Von der ehem. Schachtanlage , auf der bis 1966 immerhin über 6000 Bergleute beschäftigt waren, ist bis auf die ehem. Kaue nichts mehr zu sehen. Dafür stehen nun in Reih und Glied gleichförmige weiße Einfamilienhäuser mit 12 Quadratmeter großen einheitlichen Vorgärten direkt am Rhein-Herne Kanal. Neue Arbeitsplätze? Fehlanzeige.

Nicht ganz so geschichtslos sieht es auf dem ehem. Bergwerk Hugo 2/5/8 in Gelsenkichen-Buer aus. Immerhin wurde Schacht 2 und die ehem. Kaue privat saniert und es wurde  auf dem Gelände ein sog. Biomassepark angelegt. Neue Arbeitsplätze ? Ebenfalls Fehlanzeige. Das dort ansässige Forstamt hatte nach Schließung der Zeche im Jahr 2000 seine Mitarbeiter nur verlegt.

Und ein drittes Beispiel aus der gleichen Stadt verdeutlicht, wie wenig Zukunft mit wenig Phantasie und noch weniger neuen Arbeitsplätzen auf ehem. Bergwerksstandorten tatsächlich eingerichtet wurden. Am Standort Bergwerk Lippe (ehem. BW Westerholt) in Gelsenkirchen hat sich seit der Schließung der Zeche im Dez. 2008 bis heute fast nichts getan. Das Bergwerk befindet sich im Dornröschenschlaf. Neue Arbeitsplätze auf den Nebenanlagen Polsum 1/2; Altendorf, Wulfen 1/2, Baldur 1 sind ebenfalls nicht entstanden. Eine Ausnahme bildet das ehem. selbständige Bergwerk Fürst Leopold in Dorsten. Dort sind rd. 150 neue Arbeitsplätze entstanden. Hauptsächlich in der Gastronomie und im Kunstbereich. Das die  gezahlten Löhne kaum dazu beitragen können, die Nachfrage nennenswert zu stärken, versteht sich fast von selbst. Immerhin wird dafür auf Fürst Leopold wieder fröhlich gefeiert.

Oder nehmen wir das Beispiel Zeche Lohberg in Dinslaken. Auf dem im Dez. 2005 stillgelegten Bergwerk arbeiteten rd. 3000 Bergleute. Die Zeche war der größte Arbeitgeber in der Region. Bis auf das Verwaltungsgebäude, die Kaue, das ehem. sog. Ledigenheim und das Schachtgerüst ist von der Zeche trotz Widerstand aus der Bevölkerung fast nichts übrig geblieben.

Statt dessen wurde ein großer See mit steiniger Uferpromenade angelegt und das ganze als „Kreativ-Quartier-Lohberg“ ausgegeben. Es herrscht dort Tristesse und gähnende Langeweile.  Besonders kreativ glaubten die Macher zu sein, als sie proklamierten, das Gelände würde nur Öko-Strom erhalten. Sind denn wenigstens jede Menge neue Arbeitsplätze entstanden ? Leider auch Fehlanzeige.

Auf der ehem. Schachtanlage Auguste-Victoria in Marl sieht es dagegen etwas besser aus. Auf dem Gelände des 2015 stillgelegten Bergwerks sollen sich neue Gewerbe-und Logistikfirmen ansiedeln. Das Projekt nennt sich „gate.ruhr“ und soll rd. 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Das wäre dann im besten Fall jedoch auch nur ein Drittel der ehemals gut bezahlten 3000 Arbeitsplätze, die in Marl verloren gegangen sind.

Es ist daher zu befürchten, dass die Entwicklung auf Prosper-Haniel in Bottrop genau so abrisswütig, trost-, phantasie-und geschichtslos verlaufen wird, wie auf den anderen ehem. Schachtstandorten auch.

Aus der Sicht des freiheitlichen Unternehmertums sieht die Sache natürlich viel positiver aus. Kein Wunder bei den Summen, die zur Verfügung gestellt werden sollen.  

Bis zur vollständigen Erschließung der Schachtanlage im Jahre 2027 steht noch viel Arbeit an, bevor von den neuen Nutzern ordentlich kassiert werden kann.

Zunächst müssen die seit Sept. 2018 laufenden Rückbauarbeiten über und unter Tage auf dem Bergwerk Prosper-Haniel abge-schlossen werden, bevor die Schächte Anfang 2020 standfest ver-füllt werden können.

Das ursprünglich geplante Unterflur-Pumpspeicherkraftwerk am Schacht Franz wird aus Kostengründen nicht gebaut.

Immerhin hätten dadurch rd. 150 Bergleute ihren Arbeitsplatz be-halten können und die Stadt hätte sich das Logo „klimaneutral“  auf die Verwaltungsbrust heften können. Der unter Denkmalschutz stehende Malakowturm PH 2 wird künftig an der geplanten Um-welttrasse liegen. Dabei handelt es sich um einen schnöden und nun fast schon an jeder Ecke befindlichen Fuß-und Radweg im Revier,  auf dem sich die Ruhris mittlerweile zu Tode latschen können. Außer dem dann noch stehenden Malakowturm mit der alten Kaue gibt es beim vorbeilaufen allerdings dann nicht mehr viel zu sehen. Sämtliche Übertageanlagen sollen abgerissen werden. Ein Funktionszusammenhang wäre nicht mehr erkennbar. Möglicherweise bleibt aber das markante Fördergerüst über Schacht Franz für die Nachwelt erhalten. Einen Kahlschlag wird es dagegen am Schacht 9 und 10 geben. Dort sollen sich Start-ups niederlassen und es soll ein „Gewerbeboulevard“ für 5 Industrie-Handwerks-und Digitalbetriebe entstehen. Neue Wohnungen für zahlungskräftige Mieter bzw. Eigentümer sollen ebenfalls ge-schaffen werden. Und natürlich hört man von den Akteuren eilfertig, dass die neuen Quartiere „immense Chancen“ für die Schaffung neuer und moderner Arbeitsplätze bieten würden.

Prosper-Haniel 2

Malakowturm

PH - Schacht 10

PH - Schacht 9

PH - Wetterschacht Hünxe

Kohleaufbereitungsanlage

               alle Fotos: Revierkohle

Markus Masuth, RAG-Montan-Immobiien. Sieht in dem Projekt eine historisch einmalige Chance, den industriellen Dschungel zu lichten.
OB Thomas Kufen, Stadt Essen. Sieht in dem Projekt einen Nukleus mit Strahlkraft
OB Bernd Tischler, Stadt Bottrop. Sieht die Freiheit Emscher als großes Infrastrukturprojekt; Fotos: Stadt Bottrop

Freiheit Emscher

Strategen und Strategien

Das Projekt „Freiheit Emscher“ wird getragen von der RAG-Tochter RAG-Montan-Immobilien GmbH als bisheriger Eigentümerin der Bergbauflächen, der Stadt Bottrop und der Stadt Essen. Alle drei Akteure haben ein lebhaftes Interesse an der wirtschaftlichen Erschließung der Flächen. Die RAG Montan-Immobilien GmbH will Kohle machen, um die Sanierungs- und Herrichtungskosten der alten Brachflächen wieder hereinzuholen. Verständlich, denn aus Sicht der RAG sind Brachflächen totes Kapital. Die Städte Bottrop und Essen sind klamm und daher ebenfalls dringend auf Gewerbe- und Grundstückssteuereinnahmen angewiesen. Logisch, das daher nicht in erster Linie an der Schaffung von neuem sozialem Wohnungsbau gedacht werden kann.

Qullenhinweise:

Freiheit-Emscher.de (Projektvorstellung); WDR vom 28.11.2018; Recklinghäuser Zeitung vom 29.08.2019; Pressemitteilung Stadt Essen vom 6.5.2019; WAZ vom 17.01.2019 und RK-Redakt-ion vom 27.09.2019.

Fotos: ganz oben: Emscherfluss, pixabay; Ebenen-Veränderung: Revierkohle; Mitte: zerstörte Uhr: Markus Messmann, Prosper-Haniel-Transparenzhintergrund: Revierkohle; ganz unten links: Tetraider Bottrop: tigersite; Halde Haniel: Angela HB; Gasometer: Markus Lindner, Danke Kumpel: Revierkohle, Bergmann: RAG; ansonsten: pixabay.com

Jedenfalls steht u. E. n. eines fest: das neue Stadtgebiet „Freiheit Emscher“ das sich zwischen Welheimer Mark und Sturmshof in Bottrop sowie Hafen Coelln Neuessen und Emil-Emscher in Essen erstrecken wird, wird nicht mehr viel von dem vertrauten alten Ruhrgebiet übriglassen.
 
Ein oder zwei Fördertürme, die einsam in der dann völlig umgekrempelten Landschaft stehen werden, umgeben von einförmigen modernen Funktionsbauten, akkurat angelegten neuen Wegen und Straßen incl. neuer Autobahnanbindung für den LKW-und Durchgangsverkehr werden kaum in der Lage sein, den dort dann lebenden Menschen das verloren gehende  Heimatgefühl wieder zurückzugeben. Denn es wird die für das Ruhrgebiet typische urban-kleinteilige Siedlungskultur fehlen. Und ob in den neuen Geschäften und Gastronomiebetrieben so etwas wie eine neue Authentizität mit hohem Vertrautheitscharakter entstehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn was dann ebenfalls fehlen wird,  ist die gemeinsam gelebte Ge-schichte, dass, worauf man stolz war, dort und nur dort zu wohnen. Der Bergbau bildete die Klammer und das Verbindendende. Er war gemeinsames Thema. Die Region ist nun „Bergfrei.“  Ob sie dadurch auch liebens-und lebenswerter wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird es lange dauern.
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