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RAG: neue Grubenwasser-Leitwarte

Standort Pluto Wird AUSGEBAUT

Die neue RAG-Grubenwasser-Leitwarte geht 2019 in Betrieb

Ewigkeitsaufgabe wird optimiert

Am Standort der ehem. Zeche Pluto in Herne baut die RAG derzeit eine neue Leitwarte zur Überwachung der Grubenwasserzechen an Rhein und Ruhr , dem Saarland und Ibben-büren. Das Gebäude soll 2019 bezugsfertig sein und wird die alte Steuerleitwarte am Haupteingang der ehem. Zeche ablösen. Zu den Aufgaben der neuen Leitwarte  wird nicht nur die Überwachung der rd. 110 Mio. Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr gehören, sondern auch die Überwachung von Polder-maßnahmen und Grundwassersanierungen an sensiblen Standorten ehem. Zechen.

Neue Kabeltrassen auf Pluto - Foto: Revierkohle
Rohbau der neuen Grubenwasser-Leitwarte auf Pluto- Foto: Revierkohle

Überwachung der Wasserprovinzen

Unter der Tel.-Nr. 02325-593666 ist die Grubenwasserleitwarte in Herne rund um die Uhr zu erreichen. Dort kann man sich z.B. auch beschweren, wenn das Gruben-wasser  etwas mehr nach Schwefel riecht. Dann setzen Mitarbeiter der Betriebs-direktion Grubenwasserhaltung Wass-erstoffperoxid dem Grubenwasser zu. An jeder Grubenwassereinleitstelle stehen entsprechende Hinweisschilder. Die Grub-enwasser-Leitwarte überwacht den ge-planten Anstieg der Grubenwässer bis 2035 auf rd. -500 m NN, damit diese nicht mit dem Grundwasser in Berührung kommen. Denn Grubenwasser ist stark salzhaltig und würde das Grundwasser unbrauchbar machen. Die Leitwarte wird auch für die Instandhaltungs -und Personaleinsatz-planung zuständig sein. Die RAG unterhält für Untersuchungszwecke auf dem ehem. Zechengelände auch ein eigenes Labor. 

 

110 Mio. Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr

Eingang zur Grubenwehr und zur bisherigen Grubenwasser-Leitwarte (re.)auf dem Gelände der ehem. Zeche Pluto in Herne. Foto: Revierkohle

Wenn der Deutsche Steinkohlenbergbau Ende 2018 eingestellt wird, ist die RAG-Stiftung auf Zollverein für die Finanzierung der sog. Ewigkeitsaufgaben zuständig. Sie hat daher eine Rücklage von rd. 16 Mrd. EUR aufgebaut, um die Kosten der Gruben-wasserhaltung zu finanzieren . Die RAG rechnet mit jährlichen Kosten von rd. 220 Mio. EUR.  Mit diesem Geld wird nicht nur die Grubenwasserhaltung und der Polderbau finanziert, sondern auch die noch rd. 300 verbleibenden Bergleute, die für die Wartung der künftigen Hängepumpen auf den dann nur noch 6 zentralen Grubenwasserzechen im Revier, einer in Ibbenbüren (Schacht von Oyenhausen) und einer im Saarland ( Schacht Duhamel) zustöndig sein werd-en.  Wußten Sie übrigens, dass alle derzeit noch in Betrieb befindlichen Kreiselpumpen unter Tage soviel Strom verbrrauchen, wie 17.000 Haushalte in einem Jahr ? Auch ein Grund, waum die Gruben-wasserzechen opitmiert werden. Der Hängepump-enbetrieb ( wie z.B. auf Walsum in Duisburg oder Carolinenglück in Bochum) er-möglicht es, das Grubengebäude zu schließen. Und  damit fallen die Kosten für die Bewetterung, den Maschinisten und den Schachthauer weg. Die Schächte auf Carolin-englück, Zollverein XII, Fürst Leopold u.a. werden verfüllt und zum Sicherungsstandort umgebaut. Sollte wieder Erwarten das Grubenwasser steigen, dann kann der Sicherungsstdandort wieder eröffnet werden und die dort befindlichen Hängepumpen wieder in Betrieb gehen.    

alte Grubenleitwarte auf Pluto - Foto: RAG

Rückzugsprojekt Grubenwasserhaltung

Bis 2035 soll das Grubenwasser ansteigen und die Grubenwasserzechen von 11 auf 6 Standorte in NRW reduziert werden. Zur Vertiefung lesen Sie bitte unser Jahrbuch „Energiepolitik und Montankultur, Rückblick 2017, Ausgabe 2018

Dr. Michael Drobniewski

Betriebsdiektor Grubenwasserhaltung, Foto: RAG

Der Schutz des Grundwassers hat 

oberste Priorität bei der Grubenwasserhaltung

Grubenwasserzeche Duhamel Saarland, Skizzze: RAG

Wasser Marsch

Grubenwasserzechen in NRW, Skizze: RAG
Grubenwasserzeche von Oyenhausen 1/2/3 Ibbenbüren, Skizze: RAG

Quellenhinweise:

WAZ vom 1.1.2017; RAG-Presseinformation vom 17.11.2017; Roth, Markus: Das Grubenwasserkonzept der RAG, Vortrag im LWL-Industrie-Museum Zeche Nachtigall, Witten, vom 12.9.2017; WDR 1 vom 17.11.2017; WAZ vom 18.11.2016; Thyssen-Mining-Report 2014/15, S. 69 f sowie RK-Redaktion vom 2.2.2018

Header-Foto: Revierkohle

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Grubenwasser: Stiftung Forum Bergbau und Wasser gegründet

was passiert, wenn der Bergmann geht und das Wasser kommt ? neues Hängepumpenkonzept in der Grubenwasserhaltung. Auf der ehem. Schachtanlage Walsum in Duisburg wurde bereits der untertägige Pumpenbetrieb eingestellt und auf die neue Brunnenwasserhaltung umgestellt. Wir berichteten  darüber bereits in unserem letzten Jahrbuch 2016, Ausgabe 2017                  

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RAG-Stiftung: bestes Ergebnis seit 2010 erzielt

RAG-Stiftung besteht 10 Jahre

rag-stiftung

RAG-Stiftung hat anlässlich ihres 10jährigen Be-stehens im Mai 2017 eine positive Bilanz ihrer Arbeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Als die RAG-Stiftung im Jahre 2007 gegründet wurde, da betrug das eingebrachte Vermögen 6 Mrd. EUR. Bis heute hat sich der Vermögensstamm nach Angabe des Handelsblattes auf 17 Mrd. EUR erhöht. In 2016 konnten 393 Mio. EUR für die Ewigkeitslasten zu-rückgestellt werden. Dadurch erhöhte sich das Rückstellungsvolumen für die Grubenwasserhalt-ung auf 4,84 Mrd. EUR.

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Die RAG-Stiftung finanziert diese Kosten ab 2019 aus den Gewinnen verschiedener Firmen, deren Eigen-tümer oder Anteilseigner die Stiftung ist. Zu diesen Firmen gehört u.a. die RAG, RAG-Montan-Immobilien, Vivawest Immobilien (die ehem. Treuhandanstalt für Bergmännische Wohnstätten) und der Chemiekon-zern Evonik Industries AG , der aus der RAG und durch Aufkauf der ehem. Degussa hervorgegangen ist.  Ob die Kosten für die Ewigkeitslasten auch in 50 Jahren oder länger von der RAG-Stiftung gestemmt werden können, kann heute Niemand mit Bestimmtheit sagen. Aktuell sieht die Situation jedenfalls nach Angabe der Stiftung recht solide aus. Allerdings darf man auch nicht verkennen, das das Vermögen von derzeit rd. 17 Mrd. EUR durch die hohen Kosten für die Ewigkeitslasten schnell aufgezehrt werden kann, wenn nicht ständig die Gewinne aus den Beteiligung-en der Stiftung weiter sprudeln wie bisher. Evonik Industries AG stagniert z.B. derzeit und wegen der an-haltenden Niedrigzinsphase vermehrt sich das Ver-mögen ebenfalls nur langsam. Die jährlichen Kosten allein für die Grubenwasserhaltung für rd. 100 Mio. Kubikmeter abzupumpendes Grubenwasser belaufen sich auf geschätzte 200 Mio. EUR pro Jahr. Daher wird verständlich, warum die RAG den Pumpbetrieb auf Hängepumpenbetrieb  und auf die Zentralisierung der Grubenwasserhaltung auf 6 Schachtstandorte in den nächsten Jahren konzentrieren möchte.

RAG-Stiftungsvorstand

Architect at work

Nun werden Sie sich wahrscheinlich fragen, woher die ganze Kohle kommt. Die Antwort ist einfach. RAG-Stiftung wurde in 2007 mit dem Ziel gegründet, die Ewigkeitslasten des Bergbaus finanziell dauerhaft zu stemmen, ohne das nachfolgende Generationen durch den Auslauf des Bergbaus belastet werden soll-en. Dabei handelt es sich um Kosten für die Gruben-wasserhaltung (derzeit auf 13 Zechen, die auf 6 Zech-en mittels Hängepumpen zentralisiert werden sollen, siehe unser Jahrbuch 2016), Kosten für den Polder-bau, Kosten für die anteilige Unterhaltung des Pump-enbetriebs der Emschergenossenschaft, Kosten für den Altbergbau (Sanierung und Sicherung von rd. 2.200 Schächten, Hebungen an der Tagesoberfläche,  Bergsenkungsschäden etc.), die Grundwasserreini-gung und Kosten für die Montankulturbewahrung. ( Zuschüsse für Knappenvereine, Denkmäler, DBM etc.)

Quellenhinweise:

RAG-Stiftung, Pressemitteilung vom 30.05.2017, Jahrbuch für Energiepolitik und Montankultur-Rückblick 2016 ( Ausgab 2017, Revierkohle (Hrsg.), Handels-blatt vom 30.05.2012, WAZ vom 04.06.2014, PR-Online (NGZ-Online).de vom 20.07.2012; Kiefer-Media.de vom 20.07.2012 ( darin Verweis auf die o.g. KPMG-Studie vom 23.11.2006 ); Spektrum.de vom 04.02.2014 sowie RK-Redaktion vom 05.08.2017

Logo-RAG-Stiftungs-Entwurf: Revierkohle  

blicken zuversichtlich in die Kamera und in die Zukunft: (v.l.n.r.) der ehem. RAG-Chef und heutiger RAG-Stiftungsvorstand Dr. Werner Müller, Per-sonalvorstand Bärbel Bergerhoff-Wodopia und der Finanzvorstand Dr. Helmut Linssen                       Foto: RAG-Stiftung

Sollte allerdings die Bezirksregierung Arnsberg, ver-treten durch die Abtl. 6 Bergbau und Energie in NRW ( das frühere Oberbergamt in Dortmund) weiterhin auf die vollständige Eliminierung von gefundenen PCB-Schwebstoffen im Grubenwasser durch den Einbau von Viltrationsanlagen (Kohleaktivfilter) bestehen, dann würden sich die jährlichen Kosten nach Angabe von Fachleuten auf rd. 500 Mio. EUR pro Jahr erhöhen. Welches Kostenrisiko der Altbergbau (Bergsenkungs-schäden, Rekultivierung, etc.) darstellt, ist aktuell schwer abzuschätzen. Wahrscheinlich dürften die Kosten aber wesentlich höher ausfallen, als von der RAG-Stiftung prognostiziert. Im Auftrag der Bund-esanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bereits in 2006 die jährlichen Kosten auf 12,5 Mrd. bis 13,1 Mrd. EUR gutachterlich geschätzt.

Die RAG-Stiftung beteiligt sich laut Satzungsangabe auch an der Erhaltung der Montankultur. Wie hoch die Kosten für Zuschüsse z.B. für Denkmäler, das Deut-sche Bergbau-Museum in Bochum, das Weltkultur-erbe Zeche Zollverein in Essen oder die Kosten für das Programm „Glückauf Zukunft“ sind, wurde von der Stiftung nicht offengelegt. Hierbei geht es u.a um die Förderung von 5000 Jugendhilfeprojekten, der Quar-tiersentwicklung in ehem. Bergbausiedlungen, Ideen-wettbewerbe (weil die Politik nicht weiter weiß ?), Start-up-Unterstützungen und Kosten für sog. Zu-kunftsgutachten, da diese mehr düster als rosig aussieht. Insgesamt dürften es aber einige Mio. EUR sein, die unserer Ansicht nach aber kaum etwas be-wirken werden, da es der Politik nicht gelungen ist, Großkonzerne ins Ruhrgebiet zu locken, damit die rd. 100.000 Arbeitsplätze, die in den letzten 40 Jahen im Bergbau und in der Stahlindustrie unwiederruflich verloren gegangen sind, zu ersetzen und damit das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand wieder in Gang zu bringen. Der Strukturwandel bleibt daher eine Dauerbaustelle mit der Folge, das die junge Bevölkerung gezwungen sein wird, die Region zu ver-lassen. Sollte doch noch ein (politisches) Wunder ein-treten, lassen wir uns gerne eines Besseren belehren. Wie der RAG-Stiftungschef Dr. Müller die Zukunft im Revier selbst einschätzt, zeigt folgendes Video.

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Grubenwasser: Ministerium ordnet 3 PCB-Testanlagen an

Haus Aden 2, foto- Marko Kruse farbig

Zuständig für die Umsetzung ist die Abt. 6 Bergbau und Energie in NRW bei der Bezirksregierung Arns-berg (das frühere Oberbergamt in Dortmund). Für die Überwachung der Wasserqualität ist sowohl die RAG als auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Ver-braucherschutz NRW ( LANUV) zuständig. Der Streit zwischen Verdünnung und vollständiger Entfernung von PCB-Partikeln im Grubenwasser geht damit in eine neue Runde. Das Ministerium will nun absolute Klarheit und hat die Bezirksregierung angewiesen, die RAG zum Bau von drei Pilotanlagen zu verpflichten.

In unserem letzten Jahrbuch (Ausgabe 2017) berichteten wir ausführlich über das neue Gruben-wasseroptimierungskonzept der RAG. Das Ziel der Optimierung ist eine Entlastung von Flüssen und Bachläufen durch das Grubenwasser als auch eine Kostenreduzierung der Grubenwasserhaltung durch Anhebung der Grubenwässer mit Konzentration auf 6 Standorte. Die bisherigen 16 Grubenwasserzechen werden entweder abgeworfen oder als Sicherungs-standorte – wie z.B. Fürst Leopold in Dorsten – konserviert. Diese können bei Überforderung der neuen zentralen Wasserhaltungen zusätzlich zuge-schaltet werden. Zur Zeit sind erst zwei Tauchmotor-kreiselpumpen im Schacht Wilhelm 2 auf Walsum  eingehängt worden. Das Grubenwasser wird aus rd. 750 Meter Teufe mit 80 bar und 80 Kuikmeter pro Minute ans Tageslicht befördert. Über Steigrohre  werden jährlich gut 20 Mio. Kubikmeter Gruben-wasser  in den Rhein verklappt. Das erspart die Auf-rechterhaltung der untertägigen Infrastruktur ein-schließlich Schachthauer und Fördermaschinisten. Wir hatten auch darauf hingewiesen, das im Gruben-wasser PCB-Bestandteile gefunden wurden. Mittler-weile liegt ein Umweltgutachten der Fa. Spiekermann Consult Engineers GmbH vor, welches im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MKULNV) 2016 feststellte, das durch die beabsichtigte Anhebung der Grubenwässer die PCB- Konzentration durch Einbau von Filteranlagen zu 90 % reduziert werden kann. Das Ministerium hat daher jetzt den Bau von drei Testanlagen angeordnet, die die PCB-Partikel mit Hilfe von Enteisungsfiltern und Aktivkohle auch die in der Wasserphase gelösten PCB-Partikel entfernen soll.

Grubenwasserhaltung BW Reden Saarland- foto rag farbig

Die Bezirksregierung hatte aus diesem Grund die RAG-Verantwortlichen zu einem Gespräch am 9.5. 2017 eingeladen und über die Weisung des Minister-iums zur weiteren Reduzierung von PCB-Partikeln in Grubenwässern informiert. Die Behörde  prüft noch. Die 3 Testanlagen kosten rd. 550.000 EUR und sollen die PCB-Partikel zu 90 % eliminieren. Sollte der Ver-such erfolgreich verlaufen, müßten alle Grubenwass-erzechen mit großtechnischen Reinigungsanlagen ver-sehen werden. Damit würden die Kosten für die Ewig-keitsaufgabe um 13,5 Mio. EUR pro Jahr steigen. Diese Kosten müßten von der RAG-Stiftung getragen werd-en. Positiver Nebeneffekt: einige zusätzliche Mitarbeit-er hätten dann einen Dauerarbeitsplatz.

Die nicht brennbare Flüssigkeit PCB gilt als krebser-regend und wurde in früheren Jahren unter Tage so-wohl als Brandschutzmittel als auch in Hydraulikölen bei Fördermaschinen und Bandanlagen verwandt. Rund 15.000 T dieser Chemiekalie sollen sich noch unter Tage befinden.

Brunnenwasserhaltung foto rag farbig

oben: Prinzip der neuen Brunnenwasserhaltung. Die zentralen Brunnenwasserhaltungen werden bzw. sind auf den Schachtanlagen Walsum, Friedlicher Nachbar und demnächst auf Lohberg eingebaut. Von den der-zeit noch rd. 16 Grubenwasserzechen werden nach der Umstellung noch 6 Standorte übrig bleiben.

unten: die bisherigen untertägigen Grubenwasser-haltungen werden entweder bis 2030 abgeworfen oder als Sicherungsstandorte konserviert.

BezReg Arnsberg farbig

Das Ministerium verweist auf eine EU-Richtlinie, wo-nach Deutschland zur Vermeidung von PCB-Freisetz-ungen verpflichet ist. Die RAG stuft die Gefahren als  niedrig ein.  Sie verweist auf ein weiteres Gutachten, das die Landesregierung NRW in Auftrag gegeben hat und das belegt, das ein Anstieg der Grubenwässer und der darin enthaltenen geringen PCB-Partikel keine Gefahren durch die Einleitung in natürliche Ge-wässer heraufbeschwören würden. Durch den ge-planten Anstieg der Grubenwässer bleiben nach An-sicht der Gutachter mehr Schwebstoffe unter Tage und der Eintrag würde noch einmal deutlich reduziert. Auch der IG BCE-Vorsitzende Miachael Vassiliadis be-zeichnete die Ergebnisse des neuen Gutachtens als eindeutig. Mit anderen Worten: es gehe keine Ge-fahre für Mensch, Umwelt und Trinkwasser von den anzuhebenden Grubenwässern aus. Dennoch bleibt das Ministerium bei seiner Vorsichtshaltung und will auf Nummer sicher gehen.

Quellenhinweise:

vgl.hz. Pressemitteilung der Bezirskregierung Arnsberg vom 9.5.2017; Pressesmitteilung der RAG vom 7.3.2017; WAZ vom 15.6.2016; RP-Online vom 28.7.2016 und 5.5.2017; Der Spiegel vom 21.8.2015; WDR vom 5.5.2017; ZDF, Frontal 21 vom 5.7.2016; N.N: Gutachterliche Untersuchung- Recherche zu den technischen Möglichkeiten einer PCB-Elimination von Grubenwässern; Spiekermann Consulting Engineers im Auftrag des MKULNV vom 21.4.2016 sowie RK-Redaktion vom 14.06.2017

Fotos: Haus Aden, oben links: Mark Kruse, rechts darunter und Zeichnung: RAG, Grubenwasserzechen Saarland (Grube Reden, Grube Camphausen, Victoria 2 und Grube Duhamel: RAG);  Grubenwasserzechen NRW:  Revierkohle

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RAG : Grubenwasserhebung könnte teurer werden

oben: Grubenwasserzeche Victoria 2 in Fischbach, Saarland

Mitte: Grubenwasserzeche Concordia 6 mit Notbe- fahrungsschacht,  Oberhausen

unten rechts: Horizontalkreiselpumpen in 900 Meter Tiefe auf der Grubenwasserzeche Zollverein XII, Ess- en-Katernberg

Foto: oben: svet110, fotolia-Kauf ; Mitte: Revierkohle; unten links: Aral;  Wasserwelle: shyskha, fotolia-Kauf; rechts: Dietmar Klingenberg, RAG

Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 19.1. 2017, das die Gesundheit von Tausenden von Mensch en an Rhein und Ruhr durch PCB-belastetes Gruben-wasser gefährdet sei. Grund: in den Bergwerken wurd en in den 80er Jahren PCB-haltige Hydrauliköle ver- wandt, um den Explosionsschutz unter Tage zu er- höhen, da PCB nicht brennt. Erst Ende der 90er Jahre wurde bekannt, das polychlorierte Biphenyle (PCB) Krebs auslösen können. Seitdem werden die rd. 110 Mio. Ltr. gehobenen Grubenwässer pro Jahr auf den 13 Grubenwasserzechen im Revier sowie rd. 70 Mio. Ltr. Grubenwässer an der Saar sowie an 1.200 Mess- stellen an der Emscher u.a. Fließgewässern mehrmals im Jahr beprobt. In den Gruben im Revier sollen noch 10.000  Tonnen PCB-Stoffe lagern. Der Spiegel be- hauptet, das die nunmehr erneut gemessenen PCB- Konzentrationen den zulässigen Grenzwert weit über- schreiten. Sollte die geplante Anhebung des Gruben- wassers auf 500 Meter durchgeführt werden, dann erhöht sich das Risiko, das Schadstoffe in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Der grüne NRW- Umweltminister Johannes Remmel will die Einleitung von PCB-Schwebstoffen in Grubenwässern daher ge- nerell untersagen. 

In unserem Jahrbuch für Energiepolitik und Montan-kultur gehen wir auf das neue Grubenwasserhalt- ungskonzept der RAG bis 2035 und dem damit ver- bundenen Umgang mit Schadstoffen ausführlich ein. Im folgenden greifen wir daher nur punktuell einige Aspekte der Untersuchung auf, die das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, Na- tur- und Verbraucherschutz des Landes  NRW ( MKULNV) am 21.4.2016 in Auftrag gegeben hatte.    

Das MKULNV hat in Ermangelung anderer Daten die auf Haus Aden gefundenen niedrigen Grenzwerte, die alle unter der Umweltqualitätsnorm für Fließgewäss- er liegen, festgestellt, das diese Werte als repräsenta- tiv für alle 13 weiteren noch in Betrieb befindlichen Grubenwasserzechen zu betrachten sind. Trotzdem beharrt Minister Johannes Remmel wenige Monate vor der nächsten Landtagswahl auf ein neues Plan- feststellungsverfahren und auf eine dazugehörende Umweltverträglichkeitsprüfung. Sein Ziel ist es, die RAG zu verpflichten, das PCB vollständig aus dem Grubenwasser entfernt werden muß.

Das Gutachten kommt zum Ergebnis, das die Daten- lage insgesamt unsicher ist. PCB besteht aus 209 Kon- gemeren (chemischen Verbindungen), die untereinan- der in Beziehung stehen. Für diese PCB-Kongemere schreibt die Oberflächengewässerverordnung OGewV  vor, das die PCB-Konzentration in Oberflächenge- wässern 500 ng/m3 bzw. 0,5 ng/L und 20 mg in Schwebstoffen nicht überschreiten  darf, da sonst die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung bestehen könn- te. Im Hinblick auf eine PCB-Belastung wurde das Grubenwasser erneut an den Standorten Haus Aden in Bergkamen, Robert-Müser in Bochum und auf der noch aktiven Zeche Anthrazit-Ibbenbüren Ost in Ibb- enbüren, Kreis Steinfurt,  untersucht. Die Wasserpro- ben ergaben eine PCB-Konzentration von 0,15 und 0,2 ng/L. Der toxikologische Gefahrenwert liegt bei 200 ng/L. Das Gesundheitsamt Nürnberg z.B. geht davon aus, das bei einer Nachweisgrenze von 0,1 ng/Ltr. Blut niederchlorierte PCB-Belastungen keine gesundheit- lichen Störungen eintreten. Eine endgültige Bewert- ung will man allerdings erst nach Vorlage einer weit- eren Studie der Universität Erlangen-Nürnberg vor- nehmen.  Die Deutsche Montan-Technik GmbH (DMT) geht davon aus, das bei einem Anstieg der Gruben-wässer  auf 500 Meter die PCB-Schwebstoffe mittel-bis langfristig weiter absinken werden.

Quellenhinweise:

N.N. : Gutachterliche Untersuchung zu den techn. Möglichkeiten einer PCB-Elimination von Gruben-wässern,  AG Rheinisch-Westf. Institut für Wasser, Beratung und Entwicklungsgesellschaft im Auftrag des Minsteriums für Umwelt, Klima, Landwirtschaft-und Verbraucherschutz (MKULNV) vom 21.4.2016 sowie Gutachten der Fa. ahu AG , Aachen vom 13.1.2017; WDR vom 13.1.2017; ikz-Online vom 13.1.2017; MKULNV vom 13.1.2017 (umwelt.nrw.de) Der Spiegel vom 19.1.2017, RK-Jahrbuch für Energiepolitik  und Montkultur-Rückblick 2016, Ausgabe Hamburg, Jan. 2017, S. 26 ff  sowie RK-Redaktion vom 20.1.2017.  

Das könnte der RAG teuer zu stehen kommen. Denn dann müßten zunächst die Ergebnisse der neuen Um- weltverträglichkeitsprüfung abgewartet werden. Das kann mehr als 3 Jahre dauern. Bis dahin sind alle 13 Pumpbetriebe auf den Grubenwasserzechen weiter in Betrieb zu halten. Geplant war jedoch eine Reduzier- ung der Wasserhaltung auf 6 zentrale Anlagen bis 20 35. Zusätzlich müßten große Wasserrückhaltebecken gebaut, Aktivkohlefilteranlagen und Enteisenungs- filteranlagen für das eisenhaltige Grubenwasser er- richtet werden, um Eisen, Sulfat, Ammoniak und PCB- Stoffe  vollständig aus den Grubenwässern zu ent- fernen, bevor diese künftig ausschließlich in den Rhein geleitet werden können.  Die Arbeitsgemein-schaft Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Be- ratung u. Entwicklungsges. mbH sowie die Fa. Spieker- mann Consulting Engineers, die die Grubenwässer auf den o.g. Zechen im Auftrag des MKULNV untersucht haben, schätzen die Kosten für Haus Aden auf 7,2 bis 11,3 Mio. EUR sowie mit laufenden Betriebskosten von rd. 790.000 EUR pro Jahr. Für die Grubenwasser- zeche Robert-Müser in Bochum werden die Kosten auf 6,7 bis 10,0 Mio, EUR und die laufenden Betriebs-kosten auf 490.000 bis 800.000 EUR pro Jahr veran-schlagt. Für die noch aktive Zeche Ibbenbüren werd- en die Kosten der vollständigen PCB-Enternung aus den Grubenwässern von Ibbenbüren Ost auf 6,9 bis 7,3 Mio EUR sowie für den laufenden Betrieb auf 510.000 bis 600.000 EUR pro Jahr geschätzt. Nach Schließung der Zeche Ibbenbüren Ende 2018 wird mit einem Kostenanstieg auf 1,2 bis 1,3 Mio. EUR ge- rechnet. Zwar hat die RAG-Stiftung für die Ewigkeits-lasten rd. 16 Mrd. EUR auf der hohen Kante liegen, sollte der Minister sich jedoch durchsetzen, könnte es in wenigen Jahren eng werden. Denn die dann fälligen Investitionskosten von rd. 50 Mio. EUR für nur drei Anlagen sind kein Pappenstiel. Die Gutachter der Firma ahu AG Wasser-Boden-Geomatik aus Aachen, die am 13.1.2017 ein weiteres Gutachten dem MKU LNV vorgelegt haben, kommen zu dem Schluß, das die auf Haus Aden gefundenen geringen PCB-Eintrag- ungen im Grubenwasser auch durch das Anheben von Grubenwässern weiter reduziert werden können. Ein Sprecher des Wirtschaftsministers von NRW, Garell Duin, betonte, das keine unmittelbare Gefahr wegen der geringen Werte bestehe.

Wir setzen das Thema fort. Lesen Sie hierzu bitte unser nächstes Jahrbuch, welches Anfang 2018 zum Preis von 8,00 EUR erscheinen wird.

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