Vallourec schließt Werke in Mülheim und Düsseldorf

Walzstrasse in Mülheim, Ursprungsfoto: IG Metall, künstl. Veränderung: Revierkohle

Noch vor wenigen Jahrzehnten bildeten Kohle und Stahl im Ruhrrevier eine Einheit. Hunderttausende von Beschäftigten hatten eine scheinbar sichere Zukunft. Aber leider nur scheinbar. Aufgrund des billigen Öl-Imports begann Anfang der 60er Jahre das große Zechensterben. Und mit dem Zechensterben schloß auch ein Stahlwerk nach dem anderen seine Tore für immer. Heute ist nur noch in Duisburg die Stahlproduktion zu Hause. Aber der Weltmarkt ist angespannt. Es gibt Überkapazitäten. 

Und nun kam der nächste Paukenschlag. Der französische Röhren-konzern Vallourec will seine Werke in Düsseldorf und Mülheim Ende 2023 schließen. 2400 Arbeitsplätze wären von der Schließung betroffen. Dementsprechend groß ist die Wut und die Angst unter den Beschäftigt-en. 

Die IG Metall rief zum Protest auf. BR-Vorsitzender Vilson Gegic stellte klar, dass es ein gutes Fortführungskonzept geben würde und viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten könnten. Das sieht der Vallourec-Vorstand allerdings anders. 

glühendes Stahlrohr im Werk Düsseldorf, Foto: Ursprungsfoto :IG Metall, künstl. Veränderung acryl-deckend: Revierkohle

Schließungen UNAUSWEICHLICH ?

FORTFÜHRUNGSKONZEPT ANGEBLICH NICHT TRAGFÄHIG

Das sagte jedenfalls der Arbeitsdirektor von Vallourec, Dr. Herbert Schaaff gegenüber der Presse am 18.5.2022 im Rahmen einer Bilanzpresse-konferenz. Es gab auch Kaufangebote, so Schaaff, die seien aber enttäuschend gewesen. Auch andere Industriekonzerne seien nicht zur Übernahme bereit gewesen. 

Das Geschäft mit Röhren für den Gas-und Ölbereich soll nach Brasilien verlagert werden. 

Die beiden Standorte in Mülheim und Düsseldorf gehörten früher den Mannesmann Röhrenwerken. Vorstandschef Philippe Guillemot erklärte, das die Produktion nahtloser Stahlrohre wirtschaftlich nicht mehr darstellbar wäre. Der Auftragsmangel sei eklatant. Hinzu kommt die Ölkrise, Strafzölle aus China, die Corona-Ausfallzeiten sowie der seit Febr. 2022 tobende Ukraine-Krieg. Das alles hätte für  dramatische Auswirkungen bei den Vormaterialeinkäufen und bei den Energiepreisen gesorgt. Die Notbremse mußte daher gezogen werden.   

Hüttenwerke Krupp-Mannesmann, Duisburg-Hüttenheim, Foto: Stefan Arendt
Strangussanlage um 1900. Illustration: Gordon Johnson

Quellenhinweise: 

Lokalklick.eu vom 14.12.2021; Lokalkompass Duisburg vom 08.12.2020; Produktion vom 20.05.2022; Handelsblatt vom 18.05.2022; Düsseldorf Aktuell (ddorf-aktuell.de) vom 18.05.2022; Bild-Zeitung vom 19.05.2022; RP-Online.de vom 01.06.2022; Blechnet.com vom 25.05.2022 sowie RK-Redaktion vom 14.06.2022

Fotonachweise: Header: IG-Metall, Hintergrund (Röhren): pixabay.com ;  links darunter: Vallourec Mülheim: IG Metall, links darunter: IG Metall 

Bereits in 2020 hatte Vallourec ein weiteres Röhrenwerk in Düsseldorf-Reisholz geschlossen. Damals blieben 1.400 Mitarbeiter/innen auf der Strecke. Auch an diesem Standort konnte keine Kostendeckung erzielt werden. 

Allerdings will Vallourec einen fairen Sozialplan mit dem Betriebsrat und der IG Metall aushandeln. Auch ist von der Gründung einer Transfer-gesellschaft die Rede. 85 % der Belegschaftsmitglieder seien hoch-qualifizierte Facharbeiter oder haben studiert. Nur 400 Mitarbeiter kämen für eine Anpassungsregelung in Betracht. 

Schwerer zu Buche schlägt dagegen für die beiden Städte der dauernde Verlust von qualifzierten Arbeitsplätzen. Der Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dr. Stephan Keller, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme daher auch tief betroffen. Die Entscheidung des Konzerns stelle für Düsseldorf eine Zäsur dar. Die SPD Düsseldorf will sich für den weiteren Erhalt des Standortes als Industriestandort einsetzen.  

Die geplanten Schließungen der beiden Röhrenwerke nach 123 Jahren hat aber auch Auswirkungen auf andere Betriebe. So z.B. auf den Duisburger Zulieferer Hüttenwerke Krupp-Mannesmann. (HKM) HKM liefert das Vormaterial von Brammen und Rundstrangguss an Vallourec. HKM unterhält am Standort Duisburg-Hüttenheim außerdem eine Kokerei, zwei Hochöfen, ein Kraftwerk und eine Sinteranlage. Vallource ist mit 20 % an HKM beteiligt. 

Gesellschafter von Vallource ist aber auch die Salzgitter AG mit 30 % Anteilen sowie Thyssen-Krupp mit 50 % Anteilen. Wie sich der Rückzug auf diese Stahlkonzerne auswirken wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Thyssen-Krupp-Stahl (tks) geht es ebenfalls nicht gut. Im November 2019 kündigte der damalige MinPräs. Armin Laschet finanzielle Hilfen für den angeschlagenen Konzern in Millionenhöhe an. Die Belegschaft mußte einige Zeit lang bereits Kurzarbeit beantragen. 

Es verwundert daher nicht, dass auch die SPD in Duisburg die Pläne von Vallourec aufs Schärfste kritisierte, die beiden Walzwerke zu schließen. Der dortige SPD-Chef Mahmut Özdemir kritisierte, dass man ein Werk nicht sofort schließen dürfe, nur weil der Gewinn vorübergehend einmal ausbleiben würde. Das wäre Raubtierkapitalismus. 

Özdemir träumt wie auch andere Stahlkonzerne von einer Stahlproduktion in wenigen Jahren, die ausschließlich mit grünem Wasserstoff anstatt Kohle über Pipelines betrieben wird. 

Dieser Traum wird vorläufig aber nur ein Traum bleiben, da es eine preiswerte und dauerhaft gesicherte grüne Wasserstoffproduktion ohne staatliche Subventionen nicht geben wird. Denn um Wasserstoff herzustellen, ist  ein enormer Stromeinsatz beim  Elektrolyseverfahren erforderlich, um Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. 

70 % der eingesetzten Energie gehen bei diesem Prozess verloren. Das ist mehr als unwirtschaftlich. Etwas preiswerter ist die Gewinnung von Wasserstoff mit Hilfe der sog. Dampfreformation. Hier wird traditionell Erdgas eingesetzt. Aber das will die Politik ebenfalls nicht, weil es ein fossiler Energieträger ist. 

China beoachtet diese Entwicklung sicherlich mit einem höhnischen Lächeln.    

      

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