RWE: Kraftwerke Ibbenbüren und Westfalen gingen vom Netz

und wieder geht ein Stück Versorgungssicherheit verloren

Der Energiekonzern RWE hat am 8.7.2021 die Steinkohlekraftwerke Ibbenbüren in Ibbenbüren und Westfalen in Hamm endgültig vom Netz genommen. Damit geht wieder ein Stück Versorgungs-sicherheit verloren.

Im Dezember 2020 hat RWE durch die Bundesnetzagentur eine Stilllegungsprämie in Höhe von 216 Mio. EUR als Entschädigung für die Abschaltung erhalten. Damit darf seitdem keine Kohle mehr ver-feuert werden.

Betriebsbedingte Kündigungen für die 88 Mitarbeiter am Standort Ibbenbüren und die 166 Mitarbeiter am Standort Westfalen in Hamm soll es nicht geben. Noch in diesem Jahr sollen insgesamt 11 Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 4 Gigawatt vom Netz gehen.

Vorerst werden die Kraftwerke nicht abgerissen, da sie für die Stabilität des Stromnetzes in kritischen Situationen wieder ange-fahren werden sollen. Diese Option wird derzeit von der Bundes-netzagentur geprüft. Der Generator des Kraftwerks Westfalen wird zu einem Phasenschieber umgerüstet.

Phasenschieber-Kraftwerke erzeugen keine elektrische Energie für das synchron arbeitende Verbundnetzwerk, sondern erzeugen aus-schließlich Blindleistung zur Stabilisierung des Stromnetzes. Mit der Blindleistung werden Motoren, Generatoren und Transfor-matoren im Kraftwerk gespeist. Dabei pendelt der Blindstrom zwischen Erzeuger und Verbraucher verlustfrei hin und her. Auf diese Weise wird der Netzknoten belastet und die notwendige Spannung im Netz aufrecht erhalten. 

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD !!) sowie die Grünen bezeichneten den Ausstieg als gute Nachricht für die Energiewende und den Klimaschutz. Jetzt wird Platz gemacht für die Zukunftstechnologie, frohlockte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer im Bundestag.  Wenn sich beide da nicht mal täuschen.

Denn die von den Grünen beschworenen Zukunftstechnologien Wasserstoff, Wind-und Sonnenkraft sind weder  wirtschaftlich rentabel zu betreiben, noch sichern sie unsere Stromversorgung zuverlässig und vor allem preiswert  Tag und Nacht, wie das unsere Kohlekraftwerke bisher tun.

Auch fehlt der Baustoffindustrie der aus der Entschwefelungsan-lage durch Kalkmilch gewonnene Gips als Nebenprodukt.

Bis 2038 sollen alle Kraftwerke vom Netz gehen, um die sog. Klima-neutralität zu erreichen. Ein absurdes Ziel und wissenschaftlich nicht begründet. RWE und der Braunkohlenfirma LEAG in Ost-deutschland soll es egal sein. Denn RWE erhält von der Bundesre-gierung rd. 2,6 Mrd. und LEAG rd. 1,75 Mrd. EUR an Entschädigung bis 2027 für die Stilllegungen. Ab 2027 werden keine Entschädi-gungszahlungen mehr geleistet. Dann kann auch ohne Entschädi-gung ein Kraftwerk zwangsweise abgeschaltet werden.

ZUR GESCHICHTE DER KRAFTWERKE IBBENBÜREN UND WESTFALEN

Das Kraftwerk Ibbenbüren stand in Sichtweite neben der 2018 stillgelegten Schachtanlage Anthrazit-Ibbenbüren. Die Zeche versorgte bis dahin das Kraftwerk zuverlässig mit bester niederflüchtiger Anthrazitkohle. Das 838-Megawatt große Kraftwerk ging am 19.6.1985 in Betrieb und war mit umfangreichen Anlagen zur Rauchgasreinigung, mit Elektrofiltern zur Entstaubung mit einer Entschwefelungsanlage  zur Stickoxidreduzierung ausgestattet. Die Aschepartikel aus den Rauchgasen wurden abgeschieden und als Flugstaub in die Schmelzkammer zurückgeführt und eingeschmolzen. Das dabei entstandene Granulat wurde als Baustoff verwendet. Also alles vom Feinsten und Modernsten. Nun ist das Dampfkraftwerk leider Geschichte. 

Das Kraftwerk Westfalen in Hamm im Stadtbezirk Hamm-Uentrop gehörte mit den Blöcken A und B ebenfalls zu den modernsten Kraftwerken seiner Art und wurde 1963 in Betrieb genommen. Das Kraftwerk erbrachte eine Leistung von 765 Megawatt und verfügte ebenalls über Elektrofilter, Rauchgasentschwefelung-und Entstickungsanlagen.

Die Blöcke C und D wurden bereits stillgelegt. Zuletzt lief noch der neue Block E mit einer Leistung von 800 MW (brutto). Der Wirkungsgrad lag bei stolzen 46 %. Das ist im Vergleichsmaßstab mehr als doppelt so viel wie die üblichen 23 bis 28 % bei älteren Anlagen.

Um später die Versorgung mit Fernwärme oder Prozessdampfnutzung aus Betrieben zu ermöglichen, ist im Block E die Installation eines Dampfauskopplers vorgesehen. Dafür soll Petrolkoks eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um kohlenstoffreiche Rückstände aus der Mineralölindustrie. Petrolkoks verfügt wie Kohle über einen hohen Heizwert. Damit kann man flexibel auf Stromschwankungen reagieren. Soweit die Mineralölindustrie in Deutschland überleben sollte.  

Quellenhinweise:

RWE.com: Steinkohlekraftwerk Westfalen, Daten, Zahlen, Fakten; Steinkohlekraftwerk Ibbenbüren, Daten, Zahlen, Fakten o.J.; Wikipedia.org; Westfälische-Nachrichten vom 02.12.2020; t-online.de vom 08.07. 2021; Dirk-Hottmann.com vom 30.5.2020; (Infos aus der Energiewirtschaft)  Frank-furter Allgemeine vom 08.07.2021 sowie RK-Redaktion vom 12.07.2021

Fotonachweise:

Header: RWE; links darunter: STBR, GNU, CC-BY-SA.2.5, wikimedia commons; 

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