RAG: Schachthalle Pluto Wilhelm 3 wird abgerissen

Wagenumlaufhalle auf Pluto Schacht Wilhelm 3 ist einsturzgefährdet

Seit rund 4 Jahren bemühen wir uns um die Erhaltung der Schachtanlage Pluto in Herne. Die RAG hatte am 19.4.2016 bei der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Herne einen Antrag auf Abriss des Fördergerüstes Wilhelm 3 nebst Wagenumlaufhalle und Maschinenhalle be-antragt. Dagegen hatten wir protestiert. Die Ratsfraktion der SPD in Herne hatte sich ebenfalls für den Erhalt des aus dem Jahre 1953 stammenden Doppelstrebengerüstes nach den Plänen der Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer eingesetzt.

Seit der Stilllegung im Jahre 1976 ist auf der Anlage nicht viel passiert. Vor allem hat die RAG es unterlassen, dass seit 1999 unter Denkmalschutz stehende Ensemble zu sanieren. Und so wurde die Wagenumlaufhalle um den Förderturm herum immer maroder und mußte zur Absicherung dann mit einem grünen Sicherungsnetz verhüllt werden. Der Förderturm rostet vor sich hin. 

Als wenn das nicht alles traurig genug wäre, verkündete die RAG am 24.9.2020, dass Anfang Okt. 2020 mit dem Abriss der mittlerweile einsturzgefährdeten Schachtalle um den Doppelbock-Förderturm begonnen wird. Das 25 Meter hohe Gebäude erstreckt sich unter dem 56 Meter hohen Förderturm über 63 Meter Länge und 19 Meter Breite. Den Rückbau führt das Bauunternehmen Heitkamp durch, welches viele Jahrzehnte lang für die RAG gearbeitet hat. Heitkamp will am Standort Pluto eine neue Firmenzentrale bauen. Und unter dem Förderturm soll eine neue Strasse zum dahinterliegenden Gewerbegebiet Glückauf gebaut werden. Auch Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda sieht den Abriss mit einem weinenden Auge, sah sich aber trotz unserer mehrfachen Nachfragen nicht in der Lage, Fördermittel für den Erhalt bereit zu stellen. Ebenso blieb auch das Land NRW untätig. Das Baudenkmäler Kraftquellen der Landeskultur sind, hat sich offenbar noch nicht bei allen Entscheidungsträgern herumgesprochen.

Immerhin handelt es sich bei Pluto um die letzte Herner Zeche, die als kollektive Erinnerung für die ganze Emscherregion steht und mit der Zechensiedlung “Hühnerleiter” einen städte-baulichen Funktionszusammenhang bildet, mit dem man nicht leichtfertig umgehen sollte. Schon gar nicht dürfen reine Kostenargumente das ausschlagebende Argument sein.

In letzter Minute sah das die Stadt Herne offenbar wohl doch noch ein und stimmte dem Abriss nur unter der Bedingung zu, dass der Förderturm Puto Wihelm 3 erhalten bleibt. Die RAG stimmte dieser Auflage zu. Und so bleibt wenigstens das Fördergerüst als Landmarke erhalten. Wer für die Sanierungskosten aufkommt, ist noch nicht entschieden.   

Traditionsstandort Pluto

Auf Pluto 2/3/7 wurde von 1873 bis 1976  mit bis zu 4.650 Bergleuten jedes Jahr rd. 1 Mio. Tonnen Gas-und Fettkohle gefördert. 1931 wurde das Baufeld Alma der Zeche Rheinelbe übernommen. Das Fördergerüst über Schacht 3 (Wilhelm) wurde 1953 nach dem Vorbild des 1930 errichteten Doppelstrebengerüstes über Schacht 12 des Bergwerks Zollverein in Essen errichtet. 1964 waren 5 Schächte in Betrieb. 1971 ist Pluto mit der Schachtanlage Consoli-dation 3/4/9 in Gelsenkirchen-Bismarck kon-solidiert worden. 

Die Schachtanlage an der Wilhelmstrasse 8 in Herne ist charaktersiert durch die Symmetrie der Anlage und die für die 1930er Jahre typische Monumentalarchitektur. Schachthalle, Maschinenhalle mit elektrischer Förder-maschine sowie das Fördergerüst stehen daher seit 1999 unter Denkmalschutz. Die RAG war am Standort mit zahlreichen Konzern-einheiten vertreten. So befand sich am StaO Pluto das Grubenrettungswesen, das Zentral-archiv und das Kohlelabor Ruhranalytik. Heute befindet sich der sozialmedizinische Dienst sowie die neue Grubenwasserleitwarte der RAG auf Pluto.   

Pluto, Schacht Wilhelm 3 aus dem Jahre 1953, Foto: Revierkohle
Fördergerüst über Schacht 3 des ehem. Bergwerks Pluto in Herne, Foto: Revierkohle

Aufwändige Arbeiten

Die umfangreichen Abrissarbeiten beginnen zunächst mit viel Handarbeit. Denn die roten Ziegel des Mauerwerks werden von einer gondelähnlichen Arbeitsplattform mit Muskelkraft ent-fernt. Danach erfolgt der Rückbau der Stahlkonstruktion der Halle inklusive Betondach. Dabei kommt ein 32 Meter hoher so genannter Longfrontbagger zum Einsatz. Danach wird das im Doppelbock integrierte Führungsgerüst für den Förderkorb demontiert. Aufgrund der Filigranarbeit wird der Abriss erst im April 2021 beendet sein.

Flyer Pluto Rückseite
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Flyer Pluto Rückseite

Quellenhinweise:

RAG-Pressemitteilung vom 24.09.2020; WDR vom 23.09.2020; inherne.net vom 09.05.2018 ; Hermann, Gertrude und Wil-helm: die alten Zechen an der Ruhr, 5. Auflage, Königstein/Taunus 2008, S. 260  sowie RK-Redaktion vom 12.10.2020

Fotonachweis:

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