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Prosper-Haniel: Schacht Franz wird verfüllt

Die Schachthalle ist hell erleuchtet. Alle Kameras sind auf die Beton-mischanlage mit ihrem Zuführungsgurtband gerichtet, welches am ehem. Anschläger vorbei in den Schacht ragt. Dort wird es von einem Sicher-heitsgitter verdeckt.

RAG-Chef Peter Schrimpf auf Prosper-Haniel, Foto: youtube

Trotz der Geschäftigkeit und der brummenden Motoren täuscht die Situation: hier wird nicht neu gebaut, sondern verschlossen. Und zwar für immer. Die Stimmung ist betrübt, die Atmosphäre ernst. Hier und da wird zwar ein Pläuschken gehalten, aber so richtig Lust auf Klönschnack hat eigentlich Niemand von den Gästen. Dann tritt der RAG-Chef ans extra aufgestellte Rednerpult.

Sichtlich bewegt begrüßt RAG-Chef Peter Schrimpf Bottrops Oberbürger-meister Bernd Tischler, ehemalige Bergleute, RAG-Mitarbeiter sowie die zahlreich vertretenen Pressevertreter am Schacht Franz Haniel 1 und Haniel 2 auf Prosper-Haniel an der Fernewaldstr. in Bottrop, um den Startknopf der Betonmischmaschine zu drücken. Am 07.10.2021 war es soweit. Mit einer Fließgeschwindigkeit von 17 Metern pro Tag floß nach dem Start der Spezialbeton über ein Fließband in den 1.077 Meter tiefen Schacht. Damit wurde das Ende der letzten beiden Schächte auf Prosper-Haniel besiegelt. Schacht 1 wird ebenfalls verfüllt. Er hat eine Auszieh-länge von 600 Metern. 

Das Schächte, die nicht mehr benötigt werden, mit Beton verfüllt werden, gehört seit Jahrzehnten zum normalen Rückbaugeschäft der zahlreichen Zechen, die bereits für immer verschlossen wurden. Die Verfüllung von Schacht 1 und 2 auf Prosper-Haniel ist aber eine ganz besondere Ver-füllung. Denn es handelt sich um das allerletzte Bergwerk, dass Ende 2018 aus politisch-ideologischen Gründen stillgelegt werden mußte. 

TRAURIGE AUGENBLICKE

Bernd Tischler, Oberbürgermeister von Bottrop, Foto: youtube

Historie der Schachtanlage Franz-Haniel

Die Teufarbeiten zu Schacht Franz-Haniel 1 und 2 begannen bereits 1921 an der Fernewaldstr. in Bottrop-Königshardt. Aufgrund Wassereinbruchs im Jahre 1925 wurden die Arbeiten daraufhin gestundet. 1938 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. 1943 waren die Schächte standfest ausgebaut. 1946 erwarb die Oberhausener Gutehoffnungshütte das Eigentum an der Zeche Prosper-Haniel. 1952 ging dann Schacht Franz-Haniel 1 in Betrieb. Schacht 2 war bis zum Schluß mit einem kleineren Fördergerüst nur für die Notbefahrung eingerichtet worden. Franz-Haniel 1 mit dem markanten grünen Doppelstrebengerüst diente als Seilfahrt-, Material-und Wetterschacht.  

 

Quellenhinweise:

RAG-Pressemitteilung vom 11.10.2021; Zeit-Online vom 07.10.2021; ARD, Tagesschau vom 07.10.2021, 19:35 h; WDR vom 07.10.2021 sowie RK-Redaktion vom 01.11.2021

Fotonachweise: Screenshot, alle Yotube

 

Auch Jürgen Jakubeit, der letzte Bergmann, der am 21.12.2018 am Schacht Franz dem Bundespräsidenten Walter Steinmeier ein letztes Stück Kohle überreichte, war am Verfüllungstag dabei. Für ihn war es wieder ein trauriger Tag, weil der Deckel nach 160 Jahren für immer drauf gemacht wird, wie er der Presse mitteilte. Aber der Bergbau lässt ihn auch nach dem Abgang nicht los. Jakubeit arbeitet heute als ehrenamtl. Besuchsführer auf dem Trainingsbergwerk in Recklinghausen.

Bis Ende 2021 sollen die Verfüllungsarbeiten abgeschlossen sein. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf rd. 12 Mio. EUR, so der Pressesprecher der RAG, Christof Beike.

Obschon OB Bernd Tischler ein Befürworter der „klimaneutralen“ Stadt ist, will er sich für den Erhalt des Fördergerüstes über Schacht Franz als denkmalgeschützte Landmarke einsetzen. Eine gleichlautende Zusage haben wir auch von der SPD-und der CDU-Fraktion der Stadt Bottrop er-halten. Der Regionalverband Ruhr (RVR) prüft seit Monaten, ob das Fördergerüst unter vorläufigen Denkmalschutz gestellt werden kann.

Nach der standfesten Verfüllung sollen die Übertagegebäude auf dem Bergwerksgelände an der Fernewaldstrasse ebenfalls abgerissen werden und Platz machen für Neues. Auf dem 35 Hektar großen Gelände sollen Wohnhäuser gebaut und Gewerbebetriebe angesiedelt werden. Etwas Straßenbegleitgrün soll die zukünftige Tristesse auflockern. Fertig ist die richtungsweisende Zukunft.

Bis dahin muß das Gelände saniert und von Altlasten befreit werden. Die RAG beschäftigt daher und für die Grubenwasserhaltung immer noch rd. 120 Mitarbeiter sowie 120 Mitarbeiter von Subunternmehmen. (von ehe-mals über 300.000 Mitarbeiter in 1968 !) 

Ab sofort wird von Prosper-Haniel aus auch kein Grubenwasser mehr in die Emscher eingeleitet. Statt dessen fließt dieses nunmehr über extra angelegte Rohre unter Tage zur Grubenwasserzeche Lohberg in Dinslak-en. Wenn Lohberg im Jahre 2030 endgültig fertiggestellt ist, wird die Grubenwasserzeche die Grubenwässer der stillgelegten Bergwerke Auguste-Victoria in Marl, Fürst Leopold in Dorsten, Carolinenglück in Bochum, Zollverein in Essen-Katernberg und Amalie in Essen aufnehmen, über Hängepumpen zu Tage fördern und dann rd. 33 Mio. Kubikmeter Grubenwässer in den Rhein verbringen, so der Leiter der Grubenwasser-haltung, Dr. Michael Drobniewski, auf PH.

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