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Netzbetreiber einig: Kohlekraftwerke sind weiterhin erforderlich

Ergebnis einer neuen Netzanalyse

Kohlekraftwerk Werdohl in Werdohl-Elverlingsen der Fa. Mark-E; Foto: Dr. G. Schmitz, CC-BY-SH 3.0, wikimedia commons

Das am 14.08.2020 in Kraft getretene Gesetz zur Reduzierung und Beendigung der Kohle-verstromung verpflichtet die Übertragungsnetzbetreiber bis 2038 alle 2 Jahre die Ergebnisse einer langfristigen Netzanalyse dem BM für Wirtschaft und Energie und der Bundesnetzagentur vorzulegen. Dieser Verpflichtung sind die 4 Netzbetreiber Ende 2020 nachgekommen. 

Gegenstand der Prüfung war und ist die Frage, mit welchen möglichen Netzengpässen und mit welchen Auswirkungen auf die Freqenz-und Spannungshaltung bei Abschaltung von Kohlekraftwerken zu rechnen ist und welche Alternativen zur Verfügung stehen.

Dabei kommen die Netzbetreiber zu dem Ergebnis, dass in den nächsten Jahren mit bedeutsamen zusätzlichen Laststeigerungen zu rechnen ist. Und hier insbesondere in den laststarken Regionen des Ruhrgebietes und der Rhein-Main-Region. Ursache wäre die Zunahme von Rechenzentren mit ihrem enormen Stromverbrauch sowie die fortschreitende Digitalisierung.

Durch die beschlossene Stilllegung von Kohlekraftwerken könnte es daher mit steigender Transportentfernung zu Ungleichgewichten bei der Wirkleistung, bei der Bereitstellung von Kurzschlussstrom sowie bei der regional verfügbaren Momentanreserve kommen.

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GEFÄHRDUNGSPOTENTIAL IST EXISTENT

Handlungsbedarf sehen die Netzbetreiber auch innerhalb des europäischen Synchronverbundes. Bei hohen Spannungsab-weichungen und falscher Phasenlage sind Netzzusammenbrüche nicht ausschließbar. Sie  empfehlen daher die Einführung zusätzlicher Regelschleifen, den Netzausbau und zur Erhöhung der sog. Spannungssteifigkeit den Einbau von Phasenschiebern. Damit könnte der überschüsssige, weil nicht gebrauchte Öko-Strom, nicht so einfach ins Ausland mehr entsorgt werden.   

Nach Ansicht der Netzbetreiber ist eine Gefährdung der Netz-stabilität in den nächsten Jahren existent, da es bei hoher Betriebs-mittelauslastung und gleichzeitiger Abschaltung von Synchron-generatoren in den Kraftwerken zu Instabilitäten im Übergang bis zur Abschaltung aller Kraftwerke kommen kann. 

Lastgangentwicklung April 2021- Statistik: Rolf Schuster, Datenquelle: Entso-E

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Dann aber werden die Netzbetreiber in ihrer Analyse 2020 widersprüchlich. Einerseits hätte die Abschaltung von Kohle-kraftwerken keine Auswirkungen auf die Netzstabilität, weil genügend Alternativen zur Verfügung stehen würden. Welche das sind, die jederzeit abrufbar zur Verfügung stehen, führen die Netzbetreiber in ihrem Bericht allerdings nicht auf. Sie führen lediglich aus, das zur Zeit rd. 20 GW an Windstrom aus dem Aus-land nach Deutschland pro Jahr importiert werden.   

Andererseits halten sie die Vorhaltung von Kohlekraftwerken für die Bewirtschaftung von Engpässen und die Aufrechterhaltung der Spannungsstabillität weiterhin für erforderlich, da es keinen gleich-wertigen Ersatz für große steuerbare Erzeugungsanlagen geben würde. So erklärten die Netzbetreiber noch im März 2021 die Kohlekraftwerke Walsum 9 in Duisburg, das KW Heyden 4 bei Minden und das KW Hamm in Westfalen vorläufig für system-relevant. Diese Kraftwerke werden daher nicht sofort, sondern erst im Spätsommer stillgelegt.

Dabei verschweigen die Netzbetreiber in ihrem Bericht allerdings, dass diese Engpässe jeden Monat durchgehend auftreten. Die Lastgangkurve von Entso-E für April 2021 belegt das deutlich. (links) Die braun-zackigen Kuvenverläufe zeigen den tatsächlichen Bedarf, die blauen Kurven den tatsächlich zur Verfügung gestellten Windstrom. Die Deckungslücke wird demnach fast jeden Tag durch Kohlekraftwerke ausgeglichen.

Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Netzbetreiber bis 2027 mit einem Anstieg des Strombedarfs von rd. 630 Terra-wattstunden (TWh) ausgehen, also rd. 40 % mehr als von der Bundesregierung angenommen, dann stellt sich schon die Frage, wieso die Netzbetreiber der Ansicht frönen, dass mit einem Ausbau der Netze und der Windkraftanlagen die Netzstabilität dennoch gesichert werden kann. 

Quellenhinweise:

Vennegeerts. Hendrik, Shewarega, Fekadu, Denecke, Jens, Graeve, Carsten: System-sicherheits-u. Stabilitätsaspekte im Rahmen der Langfristanalysen gem. § 34 (1) des KVBG, Universität Duisburg-Essen, FB Elektr. Energiesystem, (Hrsg.) Duisburg 2000; N.N.: Executive Summary lang-fristige Netzanalyse 2020 (T +8), Über-tragungsnetzbetreiber (Hrsg.), in: netz-transparenz.de; N.N.: Kohlekraftwerke für die Sicherheit und Stabilität der Netze weiterhin erforderlich, Bundesverband Braunkohle (Hrsg.) Nr. 02/21; WAZ vom 03.03.2021 sowie RK-Redaktion vom 11. 05.2021

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