Nachbergbau: Wärmeversorgung mit Grubenwasser

Seit Dezember 2018 ist der Deutsche Steinkohlenbergbau Geschichte. Dennoch gibt es den Nachbergbau, weil es Ewigkeitsaufgaben gibt, die bewältigt werden müssen. Neben dem verschließen von Altschächten, Sanierung von Kokereistandorten, der Trinkwasserqualitätssicherung, dem Polderbau und der Wartung von rd. 2000 Pumpen zählen zu diesen auch die Grubenwasserhaltung. Jährlich werden auf zur Zeit noch 13 untertägigen Kreiselpumpenanlagen rd. 110. Mio. Kubikmeter Grubenwasser gefördert.

Bis 2030 wird die Grubenwasserhaltung optimiert und auf übertägigen Hängepumpenbetrieb umgestellt. Die Zahl der Anlagen wird von 13 auf 6 reduziert. 

Nun hat das Grubenwasser die angenehme Eigenschaft, dass es bis zu 25 Grad warm ist. Da stellt sich sogleich die Frage, warum man das Gruben-wasser nicht auch zum heizen nutzen sollte.

Gesagt, getan. Die RAG richtete schon 2016 auf der Grubenwasserzeche Robert Müser am Schacht Arnold in Bochum mit den Stadtwerken Bochum zusammen ein Blockheizkraftwerk sowie eine Wärmepumpenstation ein, um das 18 Grad warme Wasser auf 55 Grad zu erwärmen. Sodann wird dieses unterirdisch zu Heizanlagen der Feuerwehr und einer Grundschule weiter-geleitet. Auf diese Weise kann ein  Teil der rd. 10 Mio. Kubikmeketer Gruben-wässer, die jährlich auf Robert-Müser in den Harpener Klärteich hochgepumpt werden, sinnvoll genutzt werden. 

Nunmehr hat sich auch Prof. Dr. Hermann-Josef Wagner vom Lehrstuhl Ener-giesysteme der Ruhr-Uni-Bochum  mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeit-ern im Projekt „Grubenwasser Ruhr“  des Themas angenommen. Zur Zeit untersucht das Team, an welchen Grubenwasser-Pumpstandorten sich das Grubenwasser als umweltfreundliches Heizwasser verwenden läßt.

Grubenwasserwärme

drei ideale Standorte

Aus Sicht der Ruhr-Uni Bochum eignen sich die Grubenwasserzechen Haus Aden 2  in Bergkamen, Robert Müser, Schacht Arnold in Bochum und Sälzer-Amalie, Schacht Marie in Essen besonders gut für die Hebung und Nutzung warmen Grubenwassers. Unterstützt wird das Projekt von der RAG als Eigentümerin sowie von der Deutschen Montantechnologie (DMT), die für die technischen Planungsarbeiten verantwortlich zeichnet.   

Grubenwasserzeche Robert-Müser, Schacht Arnold von 1928, vollwandiges deutsches Strebengerüst in Bochum-Werne
Robert-Müser, Schacht Gustav von 1881 (neben Robert-Müser), Von-Waldhausen-Str. 77, Bochum-Werne
Grubenwasserzeche Haus Aden 2, Bergkamen (Fördergerüst wurde in 2021 abgerissen. Dieses wird durch ein neues Pumphebewerk ersetzt)
Schacht Marie neben Schacht Amalie, Essen
Grubenwasserzeche Sälzer-Amalie, Strebengerüst in Vollwandbauweise von 1936, Helenenstr., Essen-Altendorf

Aufgrund der abnehmenden Wärmeleistung kann das warme Gruben-wasser leider nur in einem engen Umkreis der Grubenwasserzeche genutzt werden. Wenn aber im umliegenden Stadtquartier Wohnhäuser mit einer Niedertemperaturflächenheizung versorgt werden, dann könnte das Grubenwasser eine bessere Heizleistung im Umkreis von rund 5 Kilo-metern liefern, so Prof. Wagner. Und die Kosten würden unter den derzeit hohen Gaspreisen liegen. Das hören wir gerne.

Bis es soweit ist, werden allerdings noch rund 4 Jahre vergehen. Diese Zeit benötigt man, um ein wissenschaftliches Monitoring aufzubauen. Schließlich ist das warme Grubenwasser nicht nur für das Revier interessant, sondern auch für Bergbaustädte weltweit.  

Der Schachtstandort Zeche Amalie eignet sich aus Sicht der Uni-Planer für die Nutzung des Grubenwassers besonders gut, da die Gruben-wasserwärme in Systeme mit mehreren Wärmequellen eingebunden werden kann. Das ist deswegen interessant, weil auf dem umliegenden Zechengelände, das zur Zeit noch brach liegt, das Stadtquartier Essen 51 entstehen soll. Es sollen mehrere Erdwärmequellen aus einer Tiefe von 850 bis 1000 m erschlossen werden, da das Grubenwasser allein für die Versorgung der in Planung befindlichen Bebauungsfläche nicht ausreicht.

Im Schacht Amalie soll auf der 8.Sohle ein Wärmetauscher eingebaut werden. Der Schacht wird kohäsiv teilverfüllt und mit 2 Füllrohren ver-sehen. In diesen wird ein Trägermedium ständig zirkulieren, welches das rd. 26 Grad warme Grubenwasser zu Tage fördern soll. Da Amalie zum Sicherungsstandort umgebaut werden soll, können bei einem Grubenwasserstau zwei Hängepumpen im Notfall eingebaut werden. Die Einbauvorrichtungen werden vorinstalliert und verbleiben am Schachtstandort. 

Zur Geschichte der Zeche Sälzer-Amalie

1904 begann die Zeche Vereinigte Helene & Amalie mit den Teufarbeiten zu Schacht Amalie II. Er wurde 1911 in Schacht Marie umbenannt. 1927 wurde Schacht Marie an das Bergwerk Amalie abgetreten.

1934 erwarb die Fa. Friedrich Krupp AG mehrere Bergwerke im Ruhr-gebiet. Auch damals wurde auf den Zechen schon kräftig rationalisiert. Das hatte zur Folge, dass die damals noch selbständigen Zechen Vereinigte Sälzer & Neuack sowie Zeche Amalie 1937 zu einer neuen Großzeche verbunden wurden. Unter dem Namen Sälzer-Amalie gingen die Schachtanlagen Amalie/Marie, Barbara, Huyssen/Schmits sowie eine Brikettfabrik in den Verbund ein.

1943 wurden die Zechen Wolfsbank und Christian Levin übernommen. Die Kokerei Sälzer-Amalie wurde 1944 durch Bombenangriff zerstört. Sie wurde 1947 wieder aufgebaut. Als Hauptförderschacht fungierte Schacht Amalie.

Alsbald erreichte die Zeche eine Jahresförderung von 950.000 t Fett-und Esskohle und beschäftigte rd. 2600 Bergleute. Anfang der 60er Jahre steigerte sich die Kohlenproduktion auf 1,2 Mio t pro Jahr. Zu dieser Zeit waren auf Amalie 3.935 Bergleute angelegt gewesen. 

1962 erfolgte die Anmeldung zur Stilllegung beim Bergamt in Essen durch den damals noch aktiven Rationalisierungsverband für den Stein-kohlenbergbau, da die Anlage nicht mehr wirtschaftlich arbeitete. Zu viele Kohlen lagen auf Halde. Es war der Beginn des großen Zechensterbens an Rhein und Ruhr. Zu dieser Zeit gab es die Ruhrkohle noch nicht. Sie wurde erst 1968 gegründet, um weitere Zechenstilllegungen sozialver- träglich abzufedern.
 

1966 kam das endgültige Aus. Der Grubenbetrieb auf Amalie wurde still-gelegt. Die Schächte Amalie und Marie blieben allerdings zur Gruben-wasserhaltung offen. Das ist bis heute (2022) so.

Quellenhinweise:

Hermann, Gertrude und Wilhelm: Die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein im Taunus 2008, S. 200 f; Ruhr-Uni-Bochum: Grubenwasser-Ruhrprojekt, news.rub.de, RAG.de; WAZ vom  15.04.2016 sowie RK-Redaktion vom 14.02.2022

Fotonachweise:

Header: Grubenwasserzeche Reden, Schiffweiler: Michael Knoll; links darunter (Clip): RAG; links darunter (Robert Müser) RAG; daneben: (Haus Aden): RAG; rechts daneben: Schacht Marie: Andre´Müller; CC, wikimedia commons; links darunter: Schacht Gustav ( Robert Müser): RAG; rechts daneben: Zeche Amalie: wiki05, CC, wikimedia commons commons   

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