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Max-Planck: neue Azubis im Kohleforschungsinstitut

hochmoderne Labors befinden sich im Neubautrakt des MPI in Mülheim, Foto: pixabay.com
die Ursprungsbauten aus dem Jahre 1911 werden auch heute noch genutzt, Foto: Ruesterstaude, CC-BY-SA-3.0, wikimedia commons

Bereits im September d.J. starteten 7 neue Azubis für diverse Laborberufe im altehrwürdigen Max-Planck-Kohleforschungsinstitut in Mülheim. „Altehr-würdig“ deshalb, weil das Institut bereits 1912 gegründet wurde. Als Namenspate stand bei der Eröffnung Kaiser-Wilhelm II persönlich vor Ort zur Verfügung. Daher bis 1948 der Name „Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlen-forschung.“

In Zeiten des Klimawandels, der Klimakrise und FFF ist es schon erstaunlich, dass sich junge Menschen mit dem Thema Kohle beruflich beschäftigen möchten. Das finden wir lobenswert. Zumal das Institut im Stillen auf wissenschaftlich hohem Niveau unermüdlich dazu beiträgt, den Wert der Kohle zu betonen. Dies gilt vor allem den Kohlen-Sekundärstoffen.

Originäre Aufgabe war und ist die Erforschung von Prozessen, wie man  auf wirtschaftliche Weise flüssige Brennstoffe aus Kohle herstellen kann. Seit der Eröffnung im Jahre 1914 konnte das Kohleforschungsinstitut große wissen-schaftliche Erfolge erringen. Dazu gehörte u.a. die Erfindung des sog. Fisch-er-Tropsch-Verfahrens, ein Großverfahren zur Gewinnung von Kohlenwasser-stoffen aus Synthegasen, die Verwendung von Katalysatoren für die Um-wandlung der Kohle in Benzin und Diesel, die Möglichkeit der Polymerisation zur Gewinnung von Ethylen und, man glaubt es kaum, die Erfindung des Nickel-Effekts zum entkoffeinieren von grünen Kaffeebohnen. 

Heute sind im Max-Planck-Institut für Kohlenforschung rund 350 Mitarbeiter beschäftigt. Diese widmen sich weiterhin der chemischen Grundlagenforsch-ung auf dem Gebiet der Katalyse. 

Die angehenden Chemie-und Physiklaboranten und Industriemechaniker werden im Institut erlernen, wie man Versuche, Synthesen und Analysen durchführt. Dazu werden sie den Umgang mit Zentrifugen, mit der Spektral-technik, mit Analysegeräten und Computern erlernen. Aber auch der Umgang mit der Hydraulik, Pneumatik und Elektronik gehört zum Ausbildungspro-gramm dazu. Und wie im Bergbau steht das Thema Sicherheit ganz oben auf der Agenda.

Das hört sich nicht nur schwierig an. Es ist es auch. Darauf deutet schon die überlange Ausbildungszeit von 3, 5 Jahren hin. Dafür aber brauchen sich die Azubis über ihre Zukunft keine großen Gedanken machen. Solche Fachkräfte sucht man händeringend überall in der Wirtschaft.

Ben List erhält Nobelpreis für Chemie

Prof. Dr.Ben List, MPI für Kohlenforschung, Foto: Frank Vinken für MPI, Freistellung: Revierkohle

Der Direktor des MPI-Kohlenforschungsinstitus in Mülheim wurde im Okt. 2021 für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der sog. asymmetrischen Organkatalyse gemeinsam mit David W.C. MacMillan von der Universität Princeton, New Jersey, USA,  mit dem Nobelpreis für Chemie ausge-zeichnet.

Die beiden Forscher wurden ausgezeichnet, weil sie entdeckt haben, das auch organische Moleküle chemische Reaktionen auslösen. Das war bisher unbekannt. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass aus-schließlich Enzyme und Metalle chemische Reaktionen beschleunigen und in eine gewünschte Richtung lenken können.

Ben List fand heraus, dass auch kleine organische Moleküle in der Lage sind, katalytische Prozesse zu bewirken. Sie eignen sich auch für die asymmetrische Synthese.  

Unter einer asymmetrischen Synthese versteht man eine Reaktion oder eine Reaktionsfolge, bei der aus einer achiralen — zumeist prochiralen — Verbindung die enantiomeren Produkte in ungleichen Mengen entstehen. Man erhält also ein enantiomerenangereichertes oder enantiomeren-reines ungiftiges Produkt. Bei den Enantiomeren handelt es sich um chemische Verbindungen,  die in ihrer Konstitution übereinstimmen. Das heißt, sie verhalten sich wie ein rechter und linker Schuh spiegelbildlich gleich.

Solche Moleküle spielen auch als medizinischer Wirkstoff eine wichtige Rolle. List gelang es, die Organkatalysatoren zu enzymähnlichen Verbind-ungen weiterzuentwickeln. Die Folge: weniger Nebenprodukte, verkürzte Synthesewege und damit können die Verbindungen energieeffizienter gewonnen werden.

im Versuchslabor, Foto: fotolia-Kauf

Prof. Dr. Ben List wurde 1968 in Frankfurt geboren. List studierte Chemie an der Freien Universität Berlin und promovierte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt. 2003 wechselte er vom Sripps Research-Institut in Lal Jolla, USA zum MPI. Seit 2005 ist List Direktor der Abteil-ung homogene Katalyse. Er heimste bereits mehrere wissenschaftliche Auszeichnungen ein. Darunter den Gottfried-Wilhelm-Leibnitz-Preis und den Arthur C. Cope Scholar-Award.

Wer mehr über das MPI-Kohlenforschungsinstut wissen möchte, wird hier fündig.

Quellenhinweise:

Pressemitteilung MPI f. Kohlenforschung vom 07.10.2021; MPI-Ausbildungsflyer; MPI vom 02.09.2021, Karl-Heinz Hellwig: Stereo-Chemie, Springer-Verlag. 2002, Einführung, wikipedia.org und RK-Redaktion vom 14.12.2021

Header-Fotonachweis: MPI f. Kohlenforschung, Haupteingang: kofo.mpg

 

Blick auf das Rathaus der Stadt Mülheim, Foto: Eugene H., pixabay.com
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