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Kokerei Prosper: wieder positive Umweltbilanz

Benzo(a)pyren-Grenzwerte werden eingehalten

Seit 2016 hat die zum ArcelorMittal-Konzern gehörende ehemalige RAG-Kokerei Prosper in Bottrop ein Problem: der bei der Kokser-zeugung freigesetzte Schadstoffausstoß überschreitet seit Jahren die zulässigen Grenzwerte gem. TA-Luft. Insbesondere werden seit Jahren die zulässigen Grenzwerte für die als krebserregend geltenden sog. polyzyklischen aromathischen Kohlenwasserstoffe (PAK) überschritten.

So lag der Grenzwert der PAK nach Angaben des NRW-Landes-amtes für Naturschutz, Umwelt-und Verbraucherschutz (LANUV) mit 500 Mikrogramm pro kg  in Bottrop-Welheim um das zwanzig-fache über der sog. Hintergrundbelastung. Auch die Benzo(a)pyren-Werte, die zur chemischen Gruppe der PAK gehören, lag mit 3,5 Mikrogramm pro kg über dem Faktor 10 der Hintergrundbelastung. Diese Stoffe entstehen durch die nicht vollständige Verbrennung der Kokskohle und können sich in der Umwelt anreichern.

Grund für die erhöhte Freisetzung war das seit 2016 bestehende Problem nicht vollständig schließender Koksofentüren. Aus diesem Grund wurde die Bevölkerung gewarnt, Blattgemüse aus dem heimischen Garten in Welheim und Batenbrock nicht zu verzehren.

Da die zuständige Bezirksregierung Münster als Aufsichtsbehörde sich lange Zeit nicht in der Lage sah, schärfere Auflagen anzu-ordnen und die Werte sich weiterhin über den Grenzwerten bewegten, beschwerten sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger über die Belastungen. Einige klagten gegen die Kokereileitung. Die Grünen forderten gar die Stilllegung der Kokerei.

Dann endlich bewegte sich der Konzern und nahm 2019 rd. 20 Mio. Euro in die Hand, um die undichten Ofentüren zu ersetzen und Filteranlagen zu erneuern. Für die 292 Ofentüren wurde darüber hinaus ein neues System zur automatischen Positionierung der Ofenbedienmaschinen eingeführt und die Türheber modernisiert. Außerdem wurden die Brennkammern sandgestrahlt, um die Absaugleistung zu erhöhen.  2020 erfolgte dann die Erneuerung der Endköpfe am Ofenmauerwerk, wofür der Konzern nochmals 2,5 Mio. Euro investierte, um die Dichtigkeit der Anlage weiter zu steigern.

Diese Verbesserungen trugen nun zu einer erheblichen Absenkung der Schadstoffbelastungen bei.  

Kokerei-Werksleiter Dr. Thomas Degen, Foto: ArcelorMittal, Freistellung und Neuformatierung: Revierkohle
Blick auf die Kokerei Prosper in Bottrop-Welheim- Foto: ARD-Mediathek

was ist Benzo(a)pyren (BP) und was sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ?

BP ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Die Substanz ist milchig-gelb und kommt im Wasser und im Boden vor. Sie entsteht bei der Verbrennug pflanzlicher Materialien. (Kohlen waren mal Planzen). Der Stoff ist in Abgasen und im Rauch nachweisbar und kann Krebs auslösen. 

Bei den PAK handelt es sich um eine Gruppe von rd. 200 chemischen Verbindungen, die ähnlich strukturiert und ebenfalls giftig sind. BP ist eine Teilverbindung der PAK.

Diese beiden Stoffe sind auch auf der Kokerei Prosper nicht er-wünscht. Erwünscht sind dagegen die rd. 450 weiteren Stoffe, die als Nebenprodukte bei der Verkokung anfallen und an Industrie-kunden verkauft werden. Hierzu zählen u.a. Teer, Rohbenzol, Ammoniak und Starkgas.  

So verwies der Werksleiter der Kokerei Prosper, Dr. Thomas Deger darauf, dass die Analysen des LANUV zeigen, dass der Jahres-mittelwert für Benzo(a)pyren im Umfeld der Kokerei auf 1,13 Nanogramm abgesenkt werden konnte. Darüber wäre man sehr froh. Und das ist in der Tat ein Fortschritt der zeigt, dass die techn. Maßnahmen greifen.

Schließlich lag der Mittelwert in 2019 noch bei 2,3 Nanogramm pro Kubikmeter Luft ( Hinweis: 1,13 Nanogramm entspricht 0,00113 Mikrogramm).

Und im Zeitraum Februar 2020 bis Februar 2021 konnte die Benzo(a)pyren-Belastung trotz steigender Winde im Jahresmittel-wert auf 0,98 Nanogramm pro Kubikmeter Luft abgesenkt werden. Damit lag der Wert erstmals wieder unter dem Zielwert von 1,0 Nanogramm. (weiter: unten links)

Dennoch hat die Bezirksregierung eine strenge Überwachung bis Juni 2021 angeordnet, weil die Werte für die polyzklischen aroma-tischen Kohlenwasserstoffe seit 2019 im Mittelwert mit 1,7 Nano-gramm pro Kubikmeter Luft im Verhältnis zu 2018 mit 1,47 Nano-gramm immer noch zu hoch sind. 

Die Werksleitung begründet dies immer wieder mit widrigen Wind-verhältnissen. Dieses Argument wird von den Grünen und der DKP in Bottrop als verharmlosend zurückgewiesen. Schließlich befänd-en sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kokerei ein Schul-zentrum und die Gartenstadt Welheim, wo viele ehem. Bergarbeiter wohnen und einen Kleingarten besitzen. Sie wären auf das Gemüse aus dem eigenen Garten angewiesen, so die Argumentation.

Um die Bevölkerung über die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten, hat die Kokerei mehr Transparenz versprochen. Unter der e-Mail-Anschrift „nachbarn.bottrop@arcelormittal.com“ können sich die Welheimer Bürgerinnen und Bürger jetzt über die aktuellen Messwerte und Umweltaktivitäten der Kokerei informieren.

Erfreulich ist, dass auch die Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxide an allen 124 Messtandorten in NRW unter dem gesetzlich vorge-schriebenen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft aktuell liegen. Noch in 2018 lagen 27 Ruhrgebietsstädte mit 59 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft deutlich darüber. Mit anderen Worten: auch die Luftqualität in NRW hat sich deutlich gebessert.    

Eine Frage beibt aber noch in Bezug auf die Kokerei Prosper unbeantwortet:  warum wurden die Ofentüren erst so spät repariert und erneuert ? Die Werksleitung wird sicherlich auch auf diese Frage eine Antwort parat haben. 

Zur Geschichte der Kokerei Prosper

Die Kokerei Prosper wurde 1928 als Zentralkokerei der Schachtanlage Prosper-Haniel in Bottrop mit 45 Ofenbatterien in Betrieb genommen. 1930 wurde die Anlage um drei weitere Öfen erweitert. Damit war man in der Lage, täglich 5000 t Koks zu produzieren. Im 2. Weltkrieg wurde die Kokerei im Nov. 1944 stark beschädigt.

Zwischen 1982 und 1989 wurden die Koksbatterien komplett durch moderne Technik ersetzt. Die sog. weiße Seite wurde durch eine Gasentschwefelungsanlage und 1998 durch eine neue Entbenzol-ungsanlage auf den neuesten Stand der Technik hochgerüstet.

Im Zuge des Rückzugs des Deutschen Steinkohlenbergbaus verkaufte die RAG die Kokerei im Juni 2011 an den Stahlkonzern ArcelorMittal, um die Arbeitsplätze zu retten. 

Die Kokerei produziert heute für den Arcelor-Stahlstandort Bremen. Sie ist eine der letzten drei Kokereien im Ruhrgebiet, die noch in Betrieb ist. In den 1960er Jahren waren noch 30 Kokereien in Betrieb. Auf der Anlage arbeiten 480 Mitarbeiter. Diese produzieren in den 156 Ofenkammern rd. 5000 t Koks pro Tag.    

Quellenhinweise:

WAZ vom 27.04.2017; 22.03.2019; 04.10. 2020 und 02.05.2021; Dorstener Zeitung vom 04.03.2020; t-online.de vom 05.06. 2020; dkp-bottrop.de vom 11.05.2021; Bottroper-Zeitung vom 05.03.2021; Bund-esamt für Verbraucherschutz und Lebens-mittelsicherheit ( Erläuterung zu PAK und BP); LANUV-Pressemitteilung vom 12.03. 2021; ArcelorMittal-Pressemitteilung vom 26.02.2021 sowie RK-Redaktion vom 14.05.2020

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