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Klima-oder Geistesnotstand ?

In vielen Ländern hat sich in den vergangenen Jahren der Begriff des „Klimanotstands“ zu einem festen Bestandteil der politischen und medialen Debatte entwickelt. Städte, Parlamente und Institutionen erklären symbolisch einen Notstand, um die Dringlichkeit klimapolitischer Maßnahmen zu unterstreichen. Doch gerade weil der Begriff eine außergewöhnliche Lage suggeriert, stellt sich die Frage, ob der wissenschaftliche Kenntnisstand tatsächlich eine so eindeutige Interpretation erlaubt, wie sie häufig kommuniziert wird. Wir hatten das in den vergangenen Jahren immer wieder in Frage gestellt. (siehe > hier; -> hier und >hier

Ein Beispiel für die fortdauernde wissenschaftliche Kontroverse liefert eine neue Studie des Klimaforschers Prof. Nicola Scafetta von der Universität Haifa in Israel. Darin weist Scafetta darauf hin, dass ein Teil der gemessenen Temperaturanstiege durch sogenannte Wärmeinseleffekte in urbanisierten Regionen beeinflusst sein könnte. Städte und dicht besiedelte Gebiete speichern und erzeugen mehr Wärme als ländliche Umgebungen, etwa durch versiegelte Flächen, Verkehr und Gebäude. Wird dieser Effekt nicht ausreichend berücksichtigt, können Temperaturreihen einen zusätzlichen Anstieg zeigen, der nicht unmittelbar auf großräumige klimatische Veränderungen zurückzuführen ist.

Prof. Dr. Nicola Scafetta

Universität Haifa, Israel

Nicola Scafetta-Studie

Erkennung, Zuordnung und Modellierung des Klimawandels

Darüber hinaus verweist die Studie auf eine in den Oberflächendaten beobachtete Phase verlangsamter Erwärmung zwischen etwa 2000 und 2014. Diese sogenannte „Hiatus“-Periode wurde auch vom Weltklimarat IPCC thematisiert. Zwar wurde sie später durch weiterführende Analysen teilweise relativiert, doch bleibt sie ein Beispiel dafür, dass die Entwicklung der globalen Temperatur nicht strikt linear verläuft, sondern von kurzfristigen Schwankungen geprägt sein kann.

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Art und Weise, wie globale Temperaturdatensätze erstellt werden. Moderne Klimarekonstruktionen basieren auf komplexen statistischen Verfahren, bei denen verschiedene Einflüsse – etwa Urbanisierung, instrumentelle Änderungen, methodische Anpassungen sowie tatsächliche Klimasignale – in homogenisierten Datensätzen zusammengeführt werden. Diese Vorgehensweise ist in der Klimaforschung üblich und soll Vergleichbarkeit schaffen. Kritiker argumentieren jedoch, dass dadurch unterschiedliche Effekte in einer einzigen Kurve verschmelzen, was eine klare Trennung der Ursachen erschwert. Aus dieser Perspektive wäre eine noch transparentere und differenziertere Analyse einzelner Einflussfaktoren notwendig.

 Die Schlussfolgerungen der Studie stehen teilweise im Kontrast zu den Ergebnissen globaler Klimamodelle des Coupled Model Intercomparison Project (CMIP). Diese Modellfamilie bildet die Grundlage vieler Projektionen, die auch in den Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) verwendet werden. In zahlreichen Modellanalysen wird angenommen, dass der überwiegende Teil der seit dem 19. Jahrhundert beobachteten Erwärmung – häufig mit nahezu 100 Prozent angegeben – auf menschliche Einflüsse zurückzuführen ist, insbesondere auf die Emission von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Energieträger.

Scafetta und andere Forscher vertreten hingegen die Ansicht, dass natürliche Klimavariabilitäten – etwa langfristige ozeanische Zyklen, solare Schwankungen oder interne Dynamiken des Klimasystems – möglicherweise stärker zum beobachteten Temperaturverlauf beitragen, als viele Modelle derzeit abbilden. Sie argumentieren, dass einige dieser Faktoren in Modellrechnungen nur begrenzt berücksichtigt oder in ihrer Wirkung unterschätzt werden könnten. Das war und ist bis heute allerdings auch politisch so gewollt. Der IPCC ist keine wissenschaftliche Einrichtung und wurde gegründet, um „wissenschaftlich“ nachzuweisen, das das Treibhausgas CO2, welches vom Menschen verursacht wird, ausschließlich für die Erderwärmung verantwortlich zeichnet. Das war von Anfang in Fachkreisen höchst umstritten und ist es auch heute noch.   

Gerade deshalb sollte die öffentliche Diskussion vorsichtig mit stark zugespitzten Begriffen umgehen. Der Ausdruck „Klimanotstand“ ist politisch wirksam, kann aber den Eindruck erwecken, die wissenschaftliche Lage sei vollständig geklärt und frei von offenen Fragen. Wissenschaft lebt jedoch von kontinuierlicher Überprüfung, neuen Daten und kritischer Diskussion.

Auch das sollte unseren Leserinnen und Lesern bekannt vorkommen.  Misstrauen Sie daher auch weiterhin den lautstarken Boulevardmedien, die gerne Prognosedaten und tatsächliche Messdaten gleichsetzen. Misstrauen Sie auch allen Quaksalbern, die behaupten, es gebe eine einzige Hauptvariable, die an der Erderwärmung schuld sei. So etwas gibt es im komplexen klimatischen Geschehen nicht. Denn wenn man nicht mal das Wetter für 3 Wochen vorhersagen kann, dann kann man das auch nicht bis 2045. Prognostizieren kann man allerdings alles, wenn man möchte. Bewiesen wird allerdings dadurch gar nichts.

Glückauf !   

Quellenhinweise: 

doi.org/10.1016/j.gr.2025.05.001 (Nicola Scafetta-Studienabstrakt); Eike.de vom 22.20.2026; scienedirect.com vom 01.05.2026; Eike.de vom 27.05.2025; springer.com vom 10.10.2012 (Ökonometrische Analyse der Temperaturvariabilität); Revierkohle.de vom 05.10.2021, umweltbundesamt.de sowie dwd.de ( zur Definition des Stadtklimas und des Wärmeinseleffekts); stadtklima-stuttgart.de sowie RK-Redaktion vom 14.04.2026

Fotonachweise: 

Header: Hintergrund: stockdreams.ai; Vordergrund: brennende Bäume: stockdreams.ai, Thermometer: pixabay.de, links darunter: pixabay.com; Statistik darunter: Deutscher Wetterdienst DWD; links darunter: Nicola Scafetta: Youtube-Screenshot, Freistellung: Revierkohle;  

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