Gazprom: aus der Traum

Träumten die Grünen im Wahlkampf noch von der Klimarettung durch Wind und Sonne, näherte sich dieser Tage der Obergrüne und Bundeswirtschafts-minister Robert Habeck langsam der Realität. Der Ukraine-Krieg hat es möglich gemacht.

Es ist gerade vier Monate her, da wollte  die neue Ampelkoaltion aus SPD, Grüne und FDP Deutschland in eine klima-neutrale Zukunft führen. Als Über-gangslösung sollte das Gas aus Russland dienen, wenn wieder mal nicht genug Wind und Sonne zur Verfügung stehen. Also fast jeden Monat im Monat.

Nach dem der Agressor Putin und seine russische Armee die Ukraine am 24.02.022 überfiel, mußte die Bundesregierung eilends einen Plan aus dem Hut zaubern, wie man  schnellstmöglichst von Gazprom unabhängig werden könnte. Denn Deutschland unterstützt den Ukraine-Krieg jeden Tag mit rd. 1 Mrd. EUR. Soviel kostet das russische Gas. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn Deutschland bezieht 55 % Gas aus Russland. Daneben noch Kohle und Öl.

Eine solch hohe Abhängigkeit will der Bundeswirtschaftsminister durch eine genau so hohe Abhängigkeit von Flüssiggas aus dem Emirat Katar ersetzen. Ausgerechnet ein Grüner verbeugt sich in devoter Haltung vor dem lupen-reinen Demokraten Scheich Hamad Al Thani. Die Menschenrechte und die Demokratie kennt dieser Dispot nur vom Hörensagen. Aber in der Not frisst der Teufel eben auch Fliegen. Da muß die grüne Glaubwürdigkeit schon mal auf der Strecke bleiben. Und das ist in diesem Fall auch richtig so.

Besser wäre es allerdings gewesen, man hätte auf uns gehört. Dann wären heute noch zwei Zechen offen und wir hätten einen realistischen Energiemix, der uns schon immer unabhängiger vom Ausland gemacht hat. Den Preis für diese Sicherheit zahlten die Bürgerinnen und Bürger mit dem sog. Kohle-pfennig. Die Kosten dafür lagen erheblich niedriger als die heutigen Kosten für die Energiewende.  

Und der Bezug von Flüssiggas (LNG) aus Katar wird dreimal so teuer wie das russische Gas. Das wird also die Wirtschaft teuer zu stehen kommen. Und wenn die aufheult, wird es wahrscheinlich vom Steuerzahler ausgeglichen. Sicherer wird die Energieversorgung dadurch keineswegs.

IST EIN EMBARGO ERFOLGREICH ?

Mehr als 35 % der russischen Staatseinnahmen kommen aus dem Geschäft mit Öl und Gas. Ein Gas-Embargo würde sicherlich dazu beitragen, dass der Krieg in der Ukraine ein Ende finden könnte. Aber bestimmt nicht schnell.

Denn der russische Staat verfügt über mehr als 600 Mrd. Dollar an Devisen und Goldreserven. Die Auslansschulden sind auf 478 Mrd. Dollar gefallen. Die vollständige Kappung des Zugangs zu diesen Reserven wäre eine Möglichkeit, Russland unter starken Druck zu setzen. Die Folgen für die deutsche Wirtschaft wären allerdings auch gravierend.

Experten gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um 3 bis 5 % sinken könnte. Das würde eine enorme Zunahme von Kurzarbeit und Firmenpleiten zur Folge haben. Kalte Wohnstuben im Winter wären nur ein relativ harmloser Belgeiteffekt, da wir in unseren Breitengraden keine sibirischen Temperaturen haben. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange man dieses Embargo schadlos überstehen kann.

Zwei  Jahre 3G-Corona-Regeln und schon sind die Bürgerinnen und Bürger „Maskenmüde.“ Bei einem Embargo müßten sie aber noch viel mehr Einschränkungen in Kauf nehmen. Und diese wären auch sehr viel unangenehmer. Und dann stellt sich noch die ganz große Frage: was machen wir, wenn Putin den Krieg trotzdem nicht beendet ?

Andererseits sterben jeden Tag unschuldige Menschen, weil sich die EU zu einem Embargo aus wirtschaftlichen Gründen nicht durchringen kann.  

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DIE MACHT DES FAKTISCHEN

Wir halten den Umstieg auf Gas als Überbrückungstechnologie nicht für zielführend, da Gaskraftwerke bisher nur für die Abdeckung von Spitzenlasten eingesetzt wurden. Und das aus gutem Grund: Gas ist dreimal so teuer wie Kohle. Außerdem führt der Gastransport über Pipelines zu vielen Leckagen und zu einer hohen Abhängigkeit. Und dann kommt noch der Klimaaspekt hinzu. Gas verursacht zwar weniger CO2 bei der Verbrennung als Kohle, dafür sind aber die Methan-Emissionen bei der Förderung erheblich höher. 

Es macht auch wenig Sinn, den Despoten zu wechseln und zu glauben, man wäre dann auf der sicheren Seite. Der forcierte weitere Ausbau von Wind-und Sonnenkraftwerken wird nicht dazu führen, dass dieser volative Öko-Strom in den nächsten Jahren durch Großspeicher aufgefangen und für eine Dunkel-flaute von rd. 3 Wochen Deutschland mit Strom versorgen könnte. Das wird nicht passieren. Ebenso können Windkraftanlagen keine Wärme produzieren. Die Abhängigkeit von fossilen Energien wird also weiter bestehen bleiben. 

Norwegen und Holland

es wird nicht noch mehr Gas geliefert Punkt

Im Angesicht der Zwickmühle, in die Deutschland selbstver-schuldet hineingeraten ist, haben Norwegen und Holland bereits Mitte März 2022 der Bundesregierung klargemacht, dass sie im Falle eines Gasembargos nicht noch mehr Gas nach Deutschland liefern werden, da sie ihren eigenen Bedarf kaum decken könnten. Und der beabsichtigte Bau von weiteren NLG- Terminals lässt sich auch nicht mal über Nacht bewerkstelligen. Die LNG-Tanker steuern im Übrigen immer den Hafen an, wo der höchste Preis gezahlt wird.

Das hätte wahrscheinlich zur Folge, dass der Bezug von Gas im Rahmen eines Notfallplans nach Haushalten priorisiert werden müßte. Bezugsscheine hatten wir ja schon mal. Gas ist mittlerweile so teuer geworden, dass z. B. die Stadtwerke Leipzig ihre Gas-und Dampfturbinenanlage nicht mehr mit Gas, sondern mit Öl auf Trab halten, um Strom zu produzieren.

Unter diesen Bedingungen können wir froh sein, wenn der nächste Winter nicht allzu kalt wird. Davor bewahren uns unsere Reserve-Kohle-Kraftwerke. Sie stehen noch „Gewehr bei Fuß.“ 

Quellenhinweise:

Handelsblatt vom 21.03.2022; Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 27.02.2022; Der Spiegel vom 27.02.2022; Neue Züricher Zeitung vom 18.03.2022; FAZ vom 10.03.2022; Leipziger Volkszeitung vom 01.03.2022 sowie RK-Redaktion vom 14.04.2022

Fotonachweise:

Header oben links: Peter H., pixabay.com, Veränderung: Revierkohle; Mitte rechts: Stefan Koller, pixabay.com; Veränderung Revierkohle; unten links: Montage: Revierkohle; BM für Wirtschaft und Energie Robert Habeck: Youtube-Screenshot, Freistellung und künstl. Veränderung: Revierkohle , ganz unten rechts: pixabay.com  

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