gefodert wurde eine verlässliche Kraftwerksstrategie

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IGBCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis

"es droht ein massiver Wettbewerbsverlust für die energieintensive Industrie. Wir brauchen daher eine kluge Energiepolitik"

Nicht nur die Deutsche Braunkohle, sondern auch die deutsche Wirtschaft sorgt sich zunehmend um die Wettbewerbsfähigkeit angesichts der weiter einseitig vorangetriebenen Energiewende. Eine solche gewünschte Transformation muß bezahlbar bleiben und wettbewerbsfähig gestaltet werden. Das war die einhellige Meinung auf dem Braunkohletag Anfang Juni 2026 in Köln. Unsinniger Weise versteht sich der Deutsche Braunkohlen-Industrieverein (DEBRIV e.v.) aber dennoch als aktiver Gestalter der Energiewende. Denn wenn man, wie der DEBRIV-Vorsitzende Jörg Waniek, im Auditorium hinwies, immer auf eine gesicherte Leistung angewiesen sei, um das System im Bedarfsfall zu stabilisieren, dann kann man eigentlich nicht gleichzeitig aktiver Unterstützer der Energiewende sein. Das ist kontraproduktiv. 

Vernünftig waren daher die Vorschläge von Prof. Dr. Justus Haucap von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Er plädierte genau so wie der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis für eine Kraftwerksstrategie mit dauerhaft verlässlichen Kapazitäten zwecks Erhöhung der Planungssicherheit für die hiesigen Braun-, Steinkohle-und Gaskraftwerke. Eine Stärkung der heimischen Rohstoffgewinnung kann Deutschland resillienter gegenüber Importabhängigkeiten machen. 

Das ist eigentlich keine neue Botschaft. Die „IGBE“ forderte dies schon vor 40 Jahren und trotzdem wurde die Energiewende 2000 rücksichtslos durchgeboxt und bis heute fortgeführt, obschon es witschaftlich und auch umweltpolitisch betrachtet keinen einzigen vernünftigen Grund gibt, der für den Ausbau der Windkraftanlagen sprechen könnte. Das Standargument “ wegen des CO2″ ist schon längst als Klimatreiber wiederlegt. Wir verweisen hier auf unser umfangreiches Archiv zu diesem Thema.   

 

Die Braunkohle-Cover

Braunkohle nur noch für eine Übergangsphase ?

Beim Braunkohletag am 3. Juni 2026 in Köln präsentierte sich der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein (DEBRIV) als konstruktiver Partner der Energiewende. Gleichzeitig betonten die Vertreter der Branche die Notwendigkeit gesicherter und planbarer Kraftwerkskapazitäten für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Dieser Spagat mag politisch opportun erscheinen. Er offenbart jedoch einen grundlegenden Widerspruch.

Einerseits unterstützt der DEBRIV die politischen Ziele einer vollständigen Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien. Andererseits fordert er, fossile Kraftwerke so lange vorzuhalten, bis eine vollständige Versorgungssicherheit auf Basis von grünem Strom gewährleistet ist. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich eine bemerkenswerte Vorannahme: dass ein Stromsystem auf Basis von 100 Prozent erneuerbaren Energien künftig tatsächlich dieselbe Versorgungssicherheit gewährleisten kann wie ein System mit steuerbaren Kraftwerken.

Genau an diesem Punkt beginnt die Diskussion. Denn Wind- und Solarenergie sind naturgemäß volatil. Sie liefern Strom, wenn Wind weht oder die Sonne scheint – nicht zwingend dann, wenn Industrie, Gewerbe und Haushalte ihn benötigen. Batteriespeicher können kurzfristige Schwankungen ausgleichen, doch die Herausforderung saisonaler Dunkelflauten bleibt bestehen. Die Vorstellung, ein ausschließlich auf wetterabhängiger Stromerzeugung beruhendes System könne dauerhaft sekundengenau und jederzeit bedarfsgerecht Energie bereitstellen, ist keineswegs bewiesen. Sie bleibt vielmehr eine energiepolitische Hypothese.

Bemerkenswert war daher, dass auf dem Braunkohletag zwar intensiv über Versorgungssicherheit gesprochen wurde, die grundsätzlichen physikalischen Grenzen eines vollständig erneuerbaren Stromsystems jedoch kaum hinterfragt wurden. Stattdessen entstand der Eindruck, als sei das Gelingen der Energiewende bereits ausgemacht und als müssten fossile Kraftwerke lediglich eine zeitlich begrenzte Brückenfunktion übernehmen.

Dabei wird häufig übersehen, dass die Bedeutung fossiler Energieträger weit über die Stromerzeugung hinausgeht. Windkraftanlagen können elektrische Energie liefern, aber keine Prozesswärme in den für viele Industrieprozesse erforderlichen Temperaturbereichen. Ebenso wenig ersetzen sie die Vielzahl fossiler Rohstoffe, die als Ausgangsmaterialien der chemischen und petrochemischen Industrie dienen. Kunststoffe, Lösungsmittel, Düngemittel, Pharmaprodukte und zahlreiche industrielle Vorprodukte basieren bis heute auf Kohlenwasserstoffen. Über diese stoffliche Nutzung fossiler Ressourcen wurde in Köln zwar gesprochen – allerdings nur am Rande.

Das genügt nicht. Wer über die Zukunft der Energieversorgung diskutiert, muss auch über die Zukunft der industriellen Wertschöpfung sprechen. Die Energiewende ist nicht allein eine Frage der Stromproduktion, sondern ebenso eine Frage der Rohstoffversorgung, der Prozessenergie und der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.

Der Braunkohletag 2026 hat gezeigt, dass selbst die Vertreter der Braunkohlenindustrie inzwischen die politischen Ziele der Energiewende weitgehend akzeptieren. Offen blieb jedoch die entscheidende Frage: Was geschieht, wenn sich herausstellt, dass ein vollständig erneuerbares Energiesystem die Anforderungen einer hochindustrialisierten Volkswirtschaft nicht in allen Bereichen erfüllen kann?

Eine ehrliche Debatte über Versorgungssicherheit müsste genau dort beginnen. Stattdessen scheint sich auch der DEBRIV zunehmend einer politischen Erzählung anzuschließen, deren technische und wirtschaftliche Voraussetzungen noch längst nicht abschließend geklärt sind.

Glückauf ! 

Quellenhinweise: 

Pressemitteilung des Deutschen Braunkohle-Industrievereins (DEBRIV) vom 03.06.2026; Frankfurter Rundschau.de vom 17.05.2013; LMBV.de vom 01.06.2026; Verbaende.com vom 01.06.2026; BezReg-koeln.de ( Braunkohleplanung) sowie RK-Redaktion vom 14.06.2026 

Fotonachweise: 

Header: Hintergrundgrafik: pixabay.com; Vordergrund: pixabay.com; Gestaltung: Revierkohle; links darunter (Vassiliadis): stockdreams.ai; darunter (Mitte): Herbert Aust auf pixabay.com   

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