Thyssen-Krupp: Aufzugssparte verkloppt

der kriselnde Stahlriese braucht dringend Geld

Angesichts der bereits seit 2016 bestehend-en schwierigen wirtschaftlichen Situation und einem Verlust von 304 Mio. EUR will der Stahlkonzern ThyssenKrupp möglicherweise mehr als 6000 Arbeitsplätze abbauen. „Wir werden nun jeden Stein zweimal umdrehen“, so berichtete die neue Vorstandsvorsitzende, Martina Merz, bereits im Dez. 2019 ( siehe unseren Beitrag vom 07.12.2019)  Als Be-gründung für diese drastischen Maßnahmen werden zu geringe Auslastungen der Band-strassen, Überkapazitäten, hohe Rohstoff-preise und eine maue Konjunkturlage ge-nannt. Bochums Oberbürgermeister Eiskirch machte aber auch die ehem. Vorstandsvor-sitzenden Cromme und Schulz persönlich für die Misere verantwortlich, da sie es über 10 Jahre lang versäumt hätten, in ausreichender Weise in den Duisburger Standort zu investieren. 

Aus diesem Grunde hat sich der  Thyssen-Krupp-Vorstand dazu durchgerungen, wert-volles Tafelsilber zu verkaufen. Der Verkauf der lukrativen Aufzugssparte mit rd. 50.000 Mitarbeitern ist besiegelt. 17,2 Mrd. EUR blätterten die Investoren Advent, Cincen und RAG-Stiftung auf den Tisch des Stahlbarons. Der Erlös lag damit um 2,2 Mrd. EUR höher, als der finnische Konkurrent Kone geboten hatte. Weltweit tummeln sich im Aufzugs-markt nur vier Firmen. Thyssen-Krupp ist neben der OTIS-Gruppe, Schindler und Kone die Nummer 4 im globalen Geschäft.  

Martina Merz, neue Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp, Foto: Thyssen-Krupp,TK- Logo: Revierkohle

Im Mai d.J. soll darüber entschieden werden, wie das Geld zur Begleichung der  Schulden verteilt werden soll. Den Konzern drücken u.a. Pensionsverplichtungen i.H.v. 9 Mrd. EUR. Die Finanzschulden am Kapitalmarkt belaufen sich auf rd. 7,1 Mrd. EUR. Trotz des Verkaufs der Aufzugssparte wird es in 2020 aber keine Dividende geben, da die Stahlge-schäfte nach wie vor nicht gut laufen und für die Standortsicherung in diesem Jahr wieder mehr als eine Mrd. EUR ausgegeben werden muß. Und eine schnelle Besserung ist auch wegen des Corona-Virus nicht in Sicht. 

Mit dem Verkauf verliert Thyssen-Krupp fast ein Drittel seiner rd. 160.000 Mitarbeiter. Die gute Nachricht: der bisherige Hautpsitz soll erhalten bleiben. Man fühle sich mit den starken Wurzeln und der 200 Jahre alten Tra-dition des Unternehmens verbunden, so RAG-Stiftungschef Bernd Tönjes. Dafür droht aber dem unrentablen Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim die Schließung. 

Konzernumbau geht weiter

Thyssen-Krupp soll wieder wettbewerbsfähig werden. Aus diesem Grunde wird der Konzern auf allen Ebenen und in allen Bereichen umstrukturiert. Der Stahlbereich soll aber die tragende Säule bleiben. Rund 800 Mio. EUR will der Vorstand in die Modernisierung von Hochöfen und Hüttenwerke investieren. Die Führungsgesellschaften „Industrial Solutions“ und „Components Technology“ sollen aufgelöst werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum Frühjahr 2027 ausgeschlossen. Alle Standorte bleiben in Deutschland erhalten, so die IG Metall nach Abschluss einer ArbN-Schutzvereinbarung.

Quellenhinweise:

Wirtschaftswoche vom 09.10.2019; FAZ vom 27.02.2020 und 28.02.2020; Handels-blatt vom 28.02.2020 und RK-Redaktion vom 11.03.2020

Fotonachweise:

oben links: Fahr-stuhl s/w: Wolfgang 1663, pixabay.com; unten: Thyssen-Krupp-Verwaltung in Essen: Hans-Peter Schröer, klein-es Fotos darunter (li): Fahrstuhlriem-enscheibe: Public Domain Pictures

Diesen Beitrag teilen