Silikose: indische Bergarbeiter leiden auch heute noch

indischer Tempel- Foto: jpeter2, pixabay.de

DIESE ARBEIT MUSS GESTOPPT WERDEN

Es ist schon mehr als 60 Jahre her, da wurde die Kohle in Deutschland noch mit dem Flottmann-Bohrhammer abgebaut, Holzstempel mit der Hand gesetzt und die abgebaute Kohle nach Metern bezahlt. Beim hereinholen der Kohle wurde auch taubes Gestein gelöst. Der auffliegende Steinstaub verursachte die Krankheit Steinstaublunge oder auch Silikose genannt. Viele Tausende Bergleute sind in der Folge frühzeitig verrentet worden oder starben einen qualvollen Erstickungstod. Gott sei Dank sind diese Zeiten dank flächendeckender Wassersuspensionslösung-en, die heutzutage in den Kohlestoss vor dem Abbau infundiert werden, vorbei, aber dennoch versinken Tausende von indischen Bergarbeitern, Frauen und Kindern heute immer noch in indischen Steinbrüchen im Staub. Jedes Jahr werden rd. 50.000 Tonnen Granit nach Deutschland importiert. Der Großteil davon wurde von Kindern in indischen Steinbrüchen bearbeitet, so Benjamin Pütter vom Kath. Hilfswerk Misereor. Die Lebenserwartung eines indischen Arbeiters, wenn er mit 16 Jahren im Steinbruch anfängt, beträgt rd. 40 Jahre. Und obschon klar ist, das Silikose einen tödlichen Verlauf annimmt und daher im deutschen Steinkohlen-bergbau schon frühzeitig als Berufskrankheit anerkannt wurde, ist die Silikose in Indien nicht als Berufskrankheit anerkannt.

indische Frau im Steinbruch von Budhpura - Foto: sonamabed, pixabay.de, Steinbruch: agentred, pixabay.de.

SIE MACHEN IHR LEBEN NICHTS ANDERES: STEINEKLOPFEN

Budhpura-Grey ist auch in Deutschland ein beliebter Naturstein

Kinderarbeit ist in Indien immer noch Alltag- Foto: billycm, pixabay.de

Budhpura ist ein Zentrum der indischen Sandsteinindustrie und liegt im nordindi-schen Bundesstaat Rajasthan. Viele Arbeiter sterben, weil sie beim Abbau Steinstaub einatmen. Durch das einatm-en der quarzhaltigen Staubpartikel bilden sich in der Lunge bindegewebige Knöt-chen, die sich entzünden, vernarben und verhärten. Der Staub der Steine ver-wandelt die Lunge auf Dauer quasi langsam selbst zum Stein. Atemlosigkeit  bis hin zum Erstickungstod ist die Folge. Aber das ficht die Minenbesitzer nicht an. Denn die Arbeiter sind billig und die Frauen und Kinder, die zum steineklopfen eingesetzt werden, sind es auch. Die Kosten für den Schiffstransport sind ebenfalls lächerlich gering. Und so ist eine hohe Marge für Minenbetreiber und Händler garantiert.

In Freiburg wurde deswegen der Verein „Xertifix“ gegründet. Dieser Verein bietet ein Gütesiegel für Steine an, die nicht von Kindern bearbeitet wurden. Das Hilfswerk Misereor möchte, das die Kinder aus den Steinbrüchen herausgeholt werden und Schulen besuchen können, damit diese eine Zukunftsperspektive erhalten. Denn die meisten Kinder müssen für die Schulden Ihrer Eltern schuften und machen ihr Leben lang nichts anderes als Steine klopfen. Wer in einem deutschen Baumarkt Granitplatten kauft, sollte daher immer fragen, woher die Steine kommen. Die meisten Händler wissen das ganz genau. Denn jeder Stein ist wie ein Fingerabdruck. Es gibt keine zwei geologisch gleichen Granitstein-brüche. Jeder Berg ist einzigartig. Ein anderes Label nennt sich „Indo-German Export Promotion Program „(IGEP) und garantiert ebenfalls fair produzierte Steine ohne Kinderarbeit. Aber was weiterhin fehlt, sind ordentliche Arbeits-verträge, damit die Arbeiter Ansprüche geltend machen können. Silikose ist zwar auch in Indien meldepflichtig, aber die Ärzte diagnostizieren häufig nur eine interstitielle Lungenerkrankung (ILD), da diese nicht meldepflichtig ist, um sich den Ärger mit der Bürokratrie, der Er-stellung von Gutachten und Aussagen vor Gericht gegen die Minenbesitzer zu ersparen. In den Jahren 2010 bis 2013 wurden rd. 150 Filteranlagen aufgebaut, um den Staub zu reduzieren, aber da andere indische Bundesstaaten diesem Beispiel nicht folgten, wurde die Filter-produktion wieder eingestellt.  Nicht ohne Grund nennt man daher Dörfer wie Budhpura daher auch Witwendörfer.

 

vgl.hz.a. Der Spiegel Nr. 1 vom 30.12.2017; S. 58; Deutschlandfunk Kultur vom 08.04.2018; N.N.: Indien: Kinder, die im Steinbruch schuften, in: katholisch-informiert.ch vom 7.6.2011;Sorge, Petra: Im Staub versunken, in: Welt-Sichten.org vom 24.01.2018 sowie RK-Redaktion vom 14.04.2018

KINDERARBEIT IN INDISCHEN STEINBRÜCHEN