RAG-Stiftung: Folgekosten für den Nachbergbau fallen höher aus

RAG-Stiftung legte Zahlen vor

Nachdem der aktive Stein-kohlenbergbau in Deutsch-land im Dez. 2018 nach über 200 Jahren beendet wurde, bleiben etliche Ewig-keitsaufgaben bestehen. So u. a. die Grubenwasser-haltung, der Polderbau, die Grundwasserprüfung, der Altbergbau sowie die Re-gulierung von Bergbau-folgeschäden. Die Kosten für diese Maßnahmen wurden bisher auf rd. 200 Mio. EUR pro Jahr veran-schlagt. Nach Einschätz-ung der RAG-Stiftung haben sich die Folgekosten in 2018 um 100 Mio. EUR erhöht. Die RAG-Stiftung sei aber finanziell gut auf-gestellt, erklärte der neue  RAG-Stiftungschef Bernd Tönjes bei einer Bilanz-pressekonferenz am 6.6. 2019 auf der Zeche Zoll-verein XII in Essen. In 2019 konnten weitere 912 Mio. EUR an Rückstellungen aus 2018 gebildet werden.

zukünftige zentrale Grubenwasserhaltungszeche Lohberg in Dinslaken- Illustration und Fotos: RAG

Die Rücklagen für die sog. Ewigkeitsauf-gaben belaufen sich mittlerweile auf 7,3 Mrd. EUR. Dieses Geld stammt aus Divi-denden des Chemiekonzerns Evonik u.a. Beteiligungen. Die RAG-Stiftung hält 64,4 % der Anteile an diesem Chemiekonzern. Weitere Anteile hält die Stiftung an dem Wohnungsbaukonzern Vivawest, der ehem. Treuhandanstalt für bergm. Wohn-ungsstätten (TWS). Hier konnte sich die Stiftung über eine Gewinnausschüttung von 36 Mio. EUR in 2018 freuen. Die Stift-ung wurde gegründet, damit der Steuer-zahler nicht für das Abpumpen des Grub-enwassers aufkommen muß.    

Das Grubenwasser wird in Zukunft an nur noch 6 Zechenstandorten gehoben. Es handelt sich dabei um die stillgelegten Zechen Walsum in Duisburg, Lohberg in Dinslaken, Heinrich III in Essen-Überruhr, Friedlicher Nachbar in Bochum-Linden, Robert-Müser in Bochum-Werne, Duhamel in Ensdorf und Haus Aden in Bergkamen (bis 2020). Die Hebung ist auf Ewigkeit notwendig, da sich das Sickerwasser in den ehem. Schächten und Strecken aller Altzechen ständig sammelt und dabei verschiedene salzhaltige Mineralien und Sedimente aus dem Gestein mitreisst. Ohne Hebung würde die rostbraune Brühe immer weiter steigen und ab 200 Meter unter Normal Null mit den trinkwasser-führenden Schichten in Berührung komm-en. (siehe Grafik links) Aus diesem Grund müssen jedes Jahr rd. 110 Mio. Kubik-meter Grubenwässer gehoben werden.   

Schema Grubenwasserhaltung im Hängepumpenbetrieb-Grafik: RAG

Quellenhinweise:

Pressemitteilung der RAG-Stiftung vom 6.6.2019;  RAG-Website; Süddeutsche Zeit-ung vom 6.6.2019; Wallstreet-Online.de vom 6.6.2019; WAZ vom 6.6.2019; Focus-Online vom 6.6.2019; Welt vom 6.6.2019; Rede des RAG-Stiftungsvorstandes, Bernd Tönjes, vom 6.6.2019 und RK-Redaktion vom 08.07.2019

Die Konzentrierung auf 6 Standorte wird in Zukunft nicht nur die Gewässer entlasten, sondern auch die Kasse der RAG-Stiftung. Denn der Hängepumpenbetrieb ist wesent-lich preiswerter als der untertägige Kreiselpumpenbetrieb. Die Standorte wurden so gewählt, dass das Gruben-wasser aus den Grubenbauen der rd. 170 ehem. Zechen im Revier zu den zentralen Grubenwasserzechen fließt. Dazu wurden z.T. kilometerlange Rohre unter Tage ver-legt. Die ehem. Abbaureviere wurden dabei in Wasserprovinzen eingeteilt und werden zentral auf Pluto in Herne überwacht. Dazu zählt die Überwachung der Fließge-schwindigkeit des Grubenwassers, der Anstieg des Grubenwassers, die Qualität des Wassers und die Prüfung von Schad-stoffen. Sollte eine Hängepumpe an einem der 6 Standorte einmal ausfallen, stehen einige weitere Zechen als Sicherungs-standorte zur Verfügung. Hierzu zählt künftig auch die bisherige zentrale Grub-enwasserhaltung auf Zollverein XII in Ess-en, die bisherige Grubenwasserhaltung auf Carolinenglück in Bochum und Fürst Leo-pold in Dorsten.

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