RAG : Grubenwasserhebung könnte teurer werden

oben: Grubenwasserzeche Victoria 2 in Fischbach, Saarland

Mitte: Grubenwasserzeche Concordia 6 mit Notbe- fahrungsschacht,  Oberhausen

unten rechts: Horizontalkreiselpumpen in 900 Meter Tiefe auf der Grubenwasserzeche Zollverein XII, Ess- en-Katernberg

Foto: oben: svet110, fotolia-Kauf ; Mitte: Revierkohle; unten links: Aral;  Wasserwelle: shyskha, fotolia-Kauf; rechts: Dietmar Klingenberg, RAG

Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 19.1. 2017, das die Gesundheit von Tausenden von Mensch en an Rhein und Ruhr durch PCB-belastetes Gruben-wasser gefährdet sei. Grund: in den Bergwerken wurd en in den 80er Jahren PCB-haltige Hydrauliköle ver- wandt, um den Explosionsschutz unter Tage zu er- höhen, da PCB nicht brennt. Erst Ende der 90er Jahre wurde bekannt, das polychlorierte Biphenyle (PCB) Krebs auslösen können. Seitdem werden die rd. 110 Mio. Ltr. gehobenen Grubenwässer pro Jahr auf den 13 Grubenwasserzechen im Revier sowie rd. 70 Mio. Ltr. Grubenwässer an der Saar sowie an 1.200 Mess- stellen an der Emscher u.a. Fließgewässern mehrmals im Jahr beprobt. In den Gruben im Revier sollen noch 10.000  Tonnen PCB-Stoffe lagern. Der Spiegel be- hauptet, das die nunmehr erneut gemessenen PCB- Konzentrationen den zulässigen Grenzwert weit über- schreiten. Sollte die geplante Anhebung des Gruben- wassers auf 500 Meter durchgeführt werden, dann erhöht sich das Risiko, das Schadstoffe in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Der grüne NRW- Umweltminister Johannes Remmel will die Einleitung von PCB-Schwebstoffen in Grubenwässern daher ge- nerell untersagen. 

In unserem Jahrbuch für Energiepolitik und Montan-kultur gehen wir auf das neue Grubenwasserhalt- ungskonzept der RAG bis 2035 und dem damit ver- bundenen Umgang mit Schadstoffen ausführlich ein. Im folgenden greifen wir daher nur punktuell einige Aspekte der Untersuchung auf, die das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, Na- tur- und Verbraucherschutz des Landes  NRW ( MKULNV) am 21.4.2016 in Auftrag gegeben hatte.    

Das MKULNV hat in Ermangelung anderer Daten die auf Haus Aden gefundenen niedrigen Grenzwerte, die alle unter der Umweltqualitätsnorm für Fließgewäss- er liegen, festgestellt, das diese Werte als repräsenta- tiv für alle 13 weiteren noch in Betrieb befindlichen Grubenwasserzechen zu betrachten sind. Trotzdem beharrt Minister Johannes Remmel wenige Monate vor der nächsten Landtagswahl auf ein neues Plan- feststellungsverfahren und auf eine dazugehörende Umweltverträglichkeitsprüfung. Sein Ziel ist es, die RAG zu verpflichten, das PCB vollständig aus dem Grubenwasser entfernt werden muß.

Das Gutachten kommt zum Ergebnis, das die Daten- lage insgesamt unsicher ist. PCB besteht aus 209 Kon- gemeren (chemischen Verbindungen), die untereinan- der in Beziehung stehen. Für diese PCB-Kongemere schreibt die Oberflächengewässerverordnung OGewV  vor, das die PCB-Konzentration in Oberflächenge- wässern 500 ng/m3 bzw. 0,5 ng/L und 20 mg in Schwebstoffen nicht überschreiten  darf, da sonst die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung bestehen könn- te. Im Hinblick auf eine PCB-Belastung wurde das Grubenwasser erneut an den Standorten Haus Aden in Bergkamen, Robert-Müser in Bochum und auf der noch aktiven Zeche Anthrazit-Ibbenbüren Ost in Ibb- enbüren, Kreis Steinfurt,  untersucht. Die Wasserpro- ben ergaben eine PCB-Konzentration von 0,15 und 0,2 ng/L. Der toxikologische Gefahrenwert liegt bei 200 ng/L. Das Gesundheitsamt Nürnberg z.B. geht davon aus, das bei einer Nachweisgrenze von 0,1 ng/Ltr. Blut niederchlorierte PCB-Belastungen keine gesundheit- lichen Störungen eintreten. Eine endgültige Bewert- ung will man allerdings erst nach Vorlage einer weit- eren Studie der Universität Erlangen-Nürnberg vor- nehmen.  Die Deutsche Montan-Technik GmbH (DMT) geht davon aus, das bei einem Anstieg der Gruben-wässer  auf 500 Meter die PCB-Schwebstoffe mittel-bis langfristig weiter absinken werden.

Quellenhinweise:

N.N. : Gutachterliche Untersuchung zu den techn. Möglichkeiten einer PCB-Elimination von Gruben-wässern,  AG Rheinisch-Westf. Institut für Wasser, Beratung und Entwicklungsgesellschaft im Auftrag des Minsteriums für Umwelt, Klima, Landwirtschaft-und Verbraucherschutz (MKULNV) vom 21.4.2016 sowie Gutachten der Fa. ahu AG , Aachen vom 13.1.2017; WDR vom 13.1.2017; ikz-Online vom 13.1.2017; MKULNV vom 13.1.2017 (umwelt.nrw.de) Der Spiegel vom 19.1.2017, RK-Jahrbuch für Energiepolitik  und Montkultur-Rückblick 2016, Ausgabe Hamburg, Jan. 2017, S. 26 ff  sowie RK-Redaktion vom 20.1.2017.  

Das könnte der RAG teuer zu stehen kommen. Denn dann müßten zunächst die Ergebnisse der neuen Um- weltverträglichkeitsprüfung abgewartet werden. Das kann mehr als 3 Jahre dauern. Bis dahin sind alle 13 Pumpbetriebe auf den Grubenwasserzechen weiter in Betrieb zu halten. Geplant war jedoch eine Reduzier- ung der Wasserhaltung auf 6 zentrale Anlagen bis 20 35. Zusätzlich müßten große Wasserrückhaltebecken gebaut, Aktivkohlefilteranlagen und Enteisenungs- filteranlagen für das eisenhaltige Grubenwasser er- richtet werden, um Eisen, Sulfat, Ammoniak und PCB- Stoffe  vollständig aus den Grubenwässern zu ent- fernen, bevor diese künftig ausschließlich in den Rhein geleitet werden können.  Die Arbeitsgemein-schaft Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Be- ratung u. Entwicklungsges. mbH sowie die Fa. Spieker- mann Consulting Engineers, die die Grubenwässer auf den o.g. Zechen im Auftrag des MKULNV untersucht haben, schätzen die Kosten für Haus Aden auf 7,2 bis 11,3 Mio. EUR sowie mit laufenden Betriebskosten von rd. 790.000 EUR pro Jahr. Für die Grubenwasser- zeche Robert-Müser in Bochum werden die Kosten auf 6,7 bis 10,0 Mio, EUR und die laufenden Betriebs-kosten auf 490.000 bis 800.000 EUR pro Jahr veran-schlagt. Für die noch aktive Zeche Ibbenbüren werd- en die Kosten der vollständigen PCB-Enternung aus den Grubenwässern von Ibbenbüren Ost auf 6,9 bis 7,3 Mio EUR sowie für den laufenden Betrieb auf 510.000 bis 600.000 EUR pro Jahr geschätzt. Nach Schließung der Zeche Ibbenbüren Ende 2018 wird mit einem Kostenanstieg auf 1,2 bis 1,3 Mio. EUR ge- rechnet. Zwar hat die RAG-Stiftung für die Ewigkeits-lasten rd. 16 Mrd. EUR auf der hohen Kante liegen, sollte der Minister sich jedoch durchsetzen, könnte es in wenigen Jahren eng werden. Denn die dann fälligen Investitionskosten von rd. 50 Mio. EUR für nur drei Anlagen sind kein Pappenstiel. Die Gutachter der Firma ahu AG Wasser-Boden-Geomatik aus Aachen, die am 13.1.2017 ein weiteres Gutachten dem MKU LNV vorgelegt haben, kommen zu dem Schluß, das die auf Haus Aden gefundenen geringen PCB-Eintrag- ungen im Grubenwasser auch durch das Anheben von Grubenwässern weiter reduziert werden können. Ein Sprecher des Wirtschaftsministers von NRW, Garell Duin, betonte, das keine unmittelbare Gefahr wegen der geringen Werte bestehe.

Wir setzen das Thema fort. Lesen Sie hierzu bitte unser nächstes Jahrbuch, welches Anfang 2018 zum Preis von 8,00 EUR erscheinen wird.

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