Neue Zeche Westerholt

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Seit Ende 2008 stehen die Förderräder auf der Zeche Westerholt (BW Lippe) still. Seit dieser Zeit wird das Ge-  lände in Herten bewacht und seit dieser Zeit sind zahlreiche Maschinen ausgebaut und durch die RAG- Tochter RAG Mining Solution ins Ausland verkauft worden. Am 30.4.2014 stellte Revierkohle den Antrag auf vorläufige Unterschutzstellung von Übertagegebäuden der Schachtanlage gem. §§ 2 u. 4 DschG NRW bei der unteren Denkmalbehörde in Gelsenkirchen. Mit Schreiben vom 19.8.2015 teilte uns die Stadt mit, dass die notwendigen Schritte  für eine Unterschutzstellung eingeleitet worden sind. Im Juli 2016 hat die Stadt Herten erste Pläne zur Umstrukturierung der alten Zeche bekanntgegeben. Und im April 2017 wurde der Öffentlichkeit das Stadter- neuerungskonzept „Hassel.Bertlich.Westerholt“ im Umweltministerium in Berlin vorgestellt. Ein Baustein dieses Konzeptes ist die Errichtung einer Energiezentrale auf der Zeche Westerholt.

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Der Masterplan sieht vor, das möglichst viele alte Gebäude der Zeche erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Trotzdem wird der Funktionszusammenhang nicht erhalten, weil auf dem Gelände ein Wohn-und Arbeitsquartier für rd. 1000 Menschen entstehen soll. Dadurch geht der Charakter der Zeche, wie er oben auf dem Foto noch zu sehen ist, unwiederruflich verloren. Das ist der Preis von Kompromissen.

So soll die Zeche zu einer Energiezentrale nebst Wohn-und Arbeitsquartier umgebaut werden. Durch das Gelände soll eine Allee des Wandel(n)s angelegt werden. Das bereits seit 2012 in Betrieb befindliche Grubengas-Blockheizkraftwerk wird demnächst an das Nahfernwärmenetz angeschlossen. Über dieses wird dann die gegenüber der Zeche liegende „Meist-ersiedlung“ beliefert. Durch die Grubengasverwert- ung werden bis zu 3, 6 Megawatt Wärme ins Fern- wärmenetz überführt. Die Menge reicht aus, um rd. 2000 Einfamilienhäuser zu versorgen. Nach dem Ver- siegen des Grubengases soll Grubenwasserwärme die Grundlage für die Wärmeversorgung der naheliegend- en Siedlung bilden. Das ist dann auch das Ende der Deputatkohlelieferungen in die ehem. Zechensied- lung. Auf der ehem. Bergehalde soll ein Wohnquartier um einen grünen Anger entstehen. Der ehem. Schacht 3 soll zu einem Aussichtsturm mit Gastronomie umge- baut werden.  Die Sanierung wird voraussichtlich rd. 280.000 EUR kosten. Die ursprünglich geplanten Ab- risskosten sollen dafür eingesetzt werden.

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Der Bestand von Schacht 3 der Zeche Westerholt ist allerdings weiterhin bedroht. Er soll eigentlich ab- gerissen werden. Das Argument war und ist immer das gleiche: die Erhaltung ist dem Unterhaltsver-pflichteten wirtschaftlich nicht zuzumuten. So steht es im Denkmalschutzgesetz drin. Es ist die immer gleiche Kostenleier, die wie ein Totschlagargument daher- kommt und noch nie dazu beigetragen hat, ein wert- volles Denkmalobjekt als ein bedeutsames Baudenk- mal anzusehen. Bedeutsames reicht immer über die reine Kostenfrage hinaus, weil Kostbares nie in Geld aufgewogen werden kann. Wer ein offenes Herz und einen wachen Verstand hat, den werden Sachzwänge nie einengen. Wir appellieren daher an die Verant-wortlichen von RAG, Stadt Gelsenkirchen und Stadt Herten: erhaltet den Förderturm und macht aus ihm ein lebendiges Objekt der Erinnerungskultur. Die Bürgerinnen und Bürger werden es später einmal zu schätzen wissen.

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Als erstes wurde auf BW Lippe die Anschließung des Grubengas-Blockheizkraftwerkes an das Nahfern- wärmenetz durch die beteiligten Akteure Fritz Henjes (Uniper Gmbh, v.l.n.r.), OB Frank Baronowski (Stadt Gelsenkirchen), Gerd Wagner (Mingas GmbH), Fred Topiak (Bürgermeister von Herten) und Volker Lindner (Stadtbaurat von Herten) gefeiert. Gegen Herrn Lind- ner hatten  wir übrigens in 2013 wegen des Ver- dachts der Interessenkollision  Strafanzeige und ein Diszplinarverfahren über unsere Kanzlei Abraham, Ebert & Kollegen aus Lüneburg wegen des Abrisses der Schachtanlage Schlägel & Eisen, Schacht 5, an- gestrengt. Zusätzlich hatten wir den Rechnungshof über Falschberechnungen im Zusammenhang mit den Abrisskosten versus Erhalt des Denkmalschutzes in- formiert. Drei Architekten aus Herten hatten hierzu ein umfangreiches Gutachten erstellt. Leider verliefen unsere Bemühungen erfolglos. Auf dem heutigen S & E-Gelände herrscht Tristesse, da nur noch eine Protegohaube und eine halbe Seilscheibe neben einer Parkbank  an den ehem. Schacht nebst seiner mar- kanten Wagenumlaufhalle erinnert. Auch dort wurde das Gesamtensemble unwiderruflich zerstört. Wir befürchten, das auch auf der Zeche Westerholt sowohl die Arbeitsatmosphäre als auch der Charakter des Bergwerks ebenfalls verloren gehen wird. Spätestens dann, wenn sich zahlreiche Gewerbe-betriebe und ein Gastronomiebetrieb im ehem. Schacht 3 niedergelassen haben. Kein Mensch wird sich in einigen Jahrzehnten dann noch daran erinnern, wie es einmal war und wer Garant für den Wohlstand und die Versorgungssicherheit in Herten war, da die Bedeutung der Gebäude sich ändern wird. Für die Erhaltung eines von uns als sehr wichtig angesehenen Geschichtsbewußtseins ermöglichen bedeutungsvolle Gebäude viel besser eine lebendige Rückbesinnung als nur Fotos oder Filme. Wenn Geschichte nicht mehr „greifbar“ ist, geht sie irgendwann verloren und wird bedeutungslos. Damit das nicht geschieht, müssen auch die interessierten Bürgerinnen und Bürger ein- gebunden werden, die mithelfen, das Geschichtsbe-wußtsein zu bewahren und dieses an die jüngeren Menschen weitergeben. Bisher leisten diese wichtige Erinnerungskulturarbeit unsere zahlreichen Knappen-vereine. Doch die ehemaligen Bergleute werden älter und sterben aus. Daher ist es wichtig, das auch „Berg-fremde“ mit der Bergmanns-und Bergbaukultur systematisch vertraut gemacht werden. Denn wenn die Geschichtsfackel und die Leidenschaft erlischt, dann ist in der Tat alles nur noch eine Frage von Kost- en und Nutzen. Bewahren wir uns daher „kommerzfreie Zonen.“

Nutzungskonzept Zeche Lippe

Auch das BW-Lippe-Umbaukonzept wird wie so viele ehem. Schachtstandorte aus dem KfW-Programm „energetische Stadtsanierung“  und aus dem EFRE – Förderprogramm 2 der EU mit finanziert. Insgesamt wurden bisher rd. 140 Projekte gefördert. Der von dem Architektenbüro Bob Gysin & Partner aus Zürich konzipierte Masterplan geht für die Umgestaltung der Zeche von Gesamtkosten in Höhe von mehr als 40 Mio. EUR aus, die überwiegend aus öffentlichen Fördertöpfen bezahlt werden sollen. Wie die Architektentruppe ans Werk geht, kann man sich an der neue HafenCity in Hamburg anschauen. Von der ruhrpotttypischen kleinteiligen Urbanität und Gemütlichkeit dürfte demnach wenig übrig bleiben. So ist unser Eindruck jedenfalls.

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oben: das Gleisbett mit den entfernten Schienen in Gelsenkirchen-Buer-Hassel bildete den Verkehrsweg der ehem. Grubenbahn RAG-Bahn-und Hafen (BuH), der zur Zeche Westerholt führte. Die grünen Rohre links sind Bestandteil der mittlerweile abgerissenen Kokerei Hassel.                                                                  Foto: Revierkohle

Quellenhinweise: Masterplan Neue Zeche Westerholt, Pressemitteilung der Stadt Herten vom 7.7.2016; skyscrapercity.com vom 16.4.2017; WAZ vom 11.4.2017; Schreiben der Stadt Gelsenkirchen an Revierkohle aus 2013 und 2015 sowie RK-Redaktion vom 19.4.2017 

Fotos: oben und links unten: Revierkohle; daneben: WAZ, Funke-Medien-Service; darunter: Schacht 3, Revierkohle; Masterplan: Bob Gysin + Partner, Zürich 2016; 

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