neu: der Öko-Strom der Telekom

beim Strom der Telekom sparen Sie, aber nicht auf Kosten Ihrer Enkel


wenn Magenta


Während die Breitband-Ausbaupläne der Telekom flächendeckend noch nicht ganz die 100 % Marke erreicht haben, steuert der halbstaatliche Konzern die nächste 100 % Marke an. Ab sofort vermitteln die Telekomiker jetzt auch 100 % Öko-Strom. Woher sie den beziehen, bleibt trotz Recherche schleierhaft.

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Retusche und Layout: Revierkohle.  Fotos oben: pixabay.com. Mitte links: deweh, fotolia-Kauf ,T-Logo: Revierkohkle

 

Die seriöse Telekom wird doch nicht etwa lügen, oder ? Doch, leider!  Wahrscheinlich hat sie sich das lukra-tive Öko-Geschäft von der Bahn abgeguckt. Wie wir in unserem Newsletter vom 1.7.2017 berichteten, wird dort ebenfalls getrickst, das sich die Balken biegen. Die Lüge ist aber ganz legal. Denn sie kommt wie bei der Bahn, bei Greenpace, Lichtblick, Stadtwerken, RWE, E-ON und den vielen anderen Wahrheitsver-drehern im Gewande eines Zertifikate-Schwindels  daher, der es in Zukunft auch der Telekom erlaubt, zu behaupten, sie würden 100 % Öko-Strom anbieten.

Und dieser Trick funktioniert so: der Energieanbieter kauft im Ausland, z.B. in Norwegen, Zertifikate von den dort ansässigen Wasserkraftwerken auf und tauscht diese gegen Kohlezertifikate ein. Physikalisch fließt aber keine einzige Kilowattstunde Öko-Strom durch die Leitungen, da das erstens nicht geht und zweitens die dafür erforderlichen Hochspannungs-gleichstrom-Übertragungsleitungen noch gar nicht gebaut wurden. Um diese begehrten Zertifikate zu erhalten, muß der konventionelle Stromanbieter natürlich tief in die Tasche greifen. Macht aber nichts, denn die Mehrkosten darf er nach dem EEG dem Ver-braucher wieder aufs Auge drücken. Um das Öko-Label zu erhalten, meldet er beim Bundesumwelt-ministerium den Kauf an und geht dann zum TÜV, der ihm dann gerne bescheinigt, das 100 % Wasserkraft eingekauft wurde. Ohne wenn und aber. Greenpace wirbt in diesem Zusammenhang mit einem imaginär-en Stromsee, der zwar durch fossil erzeugten Strom „verschmutzt“ sei, den der gutgläubige Verbraucher aber mit Hilfe eines Wechselauftrages sauberer machen kann. Das muß offensichtlich auch die Tele-kom-Oberen begeistert haben.

Leider hat das ganze aber mit der Realität nichts zu tun. Erstens ist fossiler Strom nicht schmutzig und zweitens nicht grün und drittens gibt es auch keinen Stromsee. Denn der Strom, den Sie aus der Steck-dose beziehen, kommt immer aus dem nächstge-legenen konventionellen Kraftwerk. Egal, was in ihrem Vertrag steht. Solche Art von Verheißung wird normal- erweise als irreführende Werbung bezeichnet und ist nach § 5 UWG strafbar. Danach handelt derjenige un-lauter, wer eine geschäftliche Handlung vornimmt, die geeignet ist, den Verbraucher zu veranlassen, eine geschäftliche Entscheidung vorzunehmen, die er ohne die Täuschung nicht getroffen hätte. Der Gesetzgeber listet eine Reihe von Tatbestandsmerkmalen auf, die eine solche Irreführung darstellen. So ist z.B. auch ein falsches Garantieversprechen eine Täuschung, wenn das Versprechen de fakto gar nicht eingehalten werd-en kann. Da es aber um den ganz großen Wurf in der Energiewende geht, wird die Öko-Stromlüge nicht be-straft, weil es sich beim Kauf von Ökostrom-Zertifi-katen formaljuristisch um ein „buchhalterisches Öko-strom-Äquivalent“ handelt, das keineswegs als Täuschungsmanöver zu interpretieren ist. Das haben wir auch erst nicht glauben wollen. Aber als wir die Wohnungsgenossenschaft von 1904 e.G. in Hamburg und die Stadtwerke Rostock wegen dieser Irreführung gerichtlich belangen wollten, erläuterte die von uns beauftragte Kanzlei den Rechtssachverhalt. Da dieser Trick also völlig legal ist, hätten wir den Prozess ver-loren. Lüge bleibt aber trotzdem Lüge. Auch in Zu-kunft wird man Öko-Strom nicht speichern können, da Strom in dem Augenblick verbraucht werden muß, wie der Bedarf entsteht. Gezielte Leistungsanpassungen aufgrund von Schwankungen ( sog. volativer Wind-kraftstrom) können nur durch konventionell arbeit-ende Grundlastkraftwerke ausgeglichen werden. Das haben wir mehr als einmal deutlich gemacht. Daher trägt Öko-Strom nicht zu einem mehr an Sicherheit und Sauberkeit bei. Wir verweisen in diesem Zu-sammenhang auf unseren Flyer “ warum Windkraft keine Alternative ist“ hin.

Zumindestens an der Telekom-Basis scheint man das zu ahnen. Denn intern äußern sich die Telekom-Mit-arbeiter stellenweise durchaus kritisch zu dieser neuen Geschäftsidee. Da die Telekom aber auch ihre Mitarbeiter als „Kunden“ bezeichnet, werden diese selbstverständlich genau so hinters trübe Öko-Licht gezogen, wie der richtige Kunde. Da wird von zertifi-ziertem Strom aus erneuerbaren Energien gefaselt, der vom TüV zertifiziert und mit dem ok-power plus-Label versehen sei. Oder man versteigt sich gar zu der Behauptung, man würde an einer besseren Welt ar-beiten und daher in die Zukunft investieren. Bei solch hochkompetenten Antworten werden sich doch wohl nicht etwa weitere Fragen einstellen, oder ?

Wir jedenfalls können nur hoffen, das die Telekom ihren eigenen Strom für ihr Netz weiterhin über konventionelle Kraftwerke bezieht, weil ansonsten die Digitalisierung ebenfalls nur schwankend voran-kommt.

Wie unseriös die Werbung mit dem 100 % Öko-Strom ist, zeigt die unten stehende Grafik. Aus dem Verteil-kungskuchen ergibt sich, das der Aneil der regenera-tiven Energieträger am Primärenergieverbrauch in 2016 gerade einmal bei 12, 6 % lag. Davon lag der Anteil aus Strom, der von Windkraftanlagen produ-ziert wurde, bei verschwindend geringen 2,1 %.

Wie schon gesagt, für uns ist es schleierhaft, wie die Telekom da auf 100 % Ökostrom kommen will.  Aber selig sind ja bekannermaßen diejeinigen, die nicht wissen, aber dennoch glauben.

Primärenergieverbrauch 2016