Netzbetreiber: gefährliche Zustände im deutschen Stromnetz

Anfang Juni stand das Stromnetz vor dem Zusammenbruch

Hochspannungsmast mit Einspeisetrafo- Foto: Erich Westendarp (hpgruesen), pixabay.com

Allen Verantwortlichen in der Energie-wirtschaft ist eigentlich klar, dass die ge-sicherte Leistung von regenerativen Ener-gieträgern, mit Ausnahme der Wasser-kraft, gleich Null ist. Um die Stromver-sorgung ständig zu gewährleisten, müss-en die Elektrizitätsunternehmen daher Regelenergie bereitstellen. Diese wird von den Grundlastkraftwerken geliefert. Sie sorgen dafür, das die ständig schwank-enden regenerativen Energieträger inner-halb von Minuten aufgefangen werden, um einen Netzzusammenbruch zu verhindern. Damit solche durch Wind- und Sonnen-kraftwerke verursachten Schwankungen sich nicht auf die Stabilität des gesamten Stromnetzes auswirken, halten die Netz-betreiber immer eine bestimmte Menge an Reservestrom bereit, die sog. Minuten-reserve. Anfang Juni gaben die vier Netz-betreiber zu: die Stromversorgung war ernsthaft durch Unterspeisung gefährdet und konnte nur mit Hilfe von ausländisch-en Partner gemeistert werden.

chaotische Zustände nehmen zu

Die Situation kam dadurch zustande, dass an drei Tagen im  Juni 2019 weniger Strom zur Verfügung stand als benötigt wurde. Das Defizit führte zu einer Ab-senkung der Netzfrequenz im gesamt- europäischen Raum. Die Häufung ekla-tanter Notfälle gibt durchaus Anlass zur Sorge, dass das gesamte Netz bei weit-erem Ausbau regenerativer Energieträger vollständig zusammenbrechen könnte. Das sich die Probleme im Stromnetz ver-schärft haben, sieht auch der Bundes-rechnunghof. Er sieht allerdings den Grund nicht in den regenerativen und damit schwankenden Energieträgern, sondern darin, das der Netzausbau mit dem Zubau von Wind-und Photovoltaikanlagen nicht Schritt halten würde. 

So verweist er in seinem Bericht darauf, dass von dem in 2009  erlassenen Ener-gieleitungsausbau-Gesetz genannten 1. 800 neuen Streckenkilometern nicht mal die Hälfte bisher  fertiggestellt wurde. Bis 2050 müssten über 35.000 Kilometer an neuen Stromkabeln ausgebaut oder verstärkt werden. Die Kosten dafür summieren sich allein bis 2035 auf bis zu 85 Mrd. EUR. Der Bundesrechnungshof zweifelt daher nicht nur den von der Bundesregierung gesetzten Termin an, er hat auch Zweifel daran, ob der Netz-ausbau unter diesen Prämissen über-haupt wirtschaftlich zu erfüllen ist.     

Als Konsequenz aus dem Beinahe-Zu-sammenbruch des Stromnetzes Anfang Juni verdoppelten die Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50 Hertz und Transnet BW die vorgehaltenen Minutenreserven auf 2000 Megawatt, damit Engpässe künftig nicht mehr so schnell entstehen. Allerdings drohen den Stromkunden durch diese Maßnahme erhebliche höh-ere Stromkosten. Die Regelenergiekosten sind Anfang Juni aufgrund der Netztur-bulenzen an der EEX-Strombörse regel-recht explodiert. Kostete die Megawatt-stunde Strom Ende Mai gerade einmal 10 EUR, schlug das Pendel am 29.6.2019 auf unglaubliche 37.856 EUR pro Mega-wattstunde aus. Die Netzbetreiber mußt-en für drei Tage insgesamt fast 17 Mio. EUR auf den Börsentisch legen. Die Preise sind zwar zwischenzeitlich wieder auf rd. 400,00 EUR pro Megawattstunde Strom gesunken, es ist aber immer noch ein hoher Preis. Sie als Endverbraucher werden das wohl wieder mal bezahlen müssen. Dank der Energiewende.

Quellenhinweise:

Der Spiegel vom 2.7.2019; Neue Presse vom 2.7.2019; FAZ vom 2.7.2019; Nachrichtenagentur Dernewsticker.de vom 3.7.2019 (BRH-Meldung); Deutschlandfunk vom 2.7.2019; und RK-Redaktion vom 4.7.2019.

Foto unten (Kreisobjekt): fotolia-Kauf.

Diesen Beitrag teilen