Methan auf dem Meeresgrund heizt das Klima nicht auf

      Stickstoff und Sauerstoff durchdringen die Methanblasen auf dem Weg zur Meeresoberfläche 

Jens Greinert vom Helmholtz-Zentrum in Kiel erläutert diesen Umstand damit, dass das Meerwasser ähnlich wie Luft reichlich Stickstoff und Sauerstoff sowie weitere Gase enthält. Auf dem Weg vom Meeresboden zur Meeresoberfläche werden die Methanblasen durch den Stickstoff und den Sauerstoff durchdrungen und neutralisieren damit den größten Teil des Methangases in der Blase. Das Methan selbst wird durch Mikroorganismen erzeugt, die infolge eines Zersetzungsprozesses von verstorbenen Lebewesen Methan produzieren. Das Gas sammelt sich im Untergrund und steigt dann langsam durch Blasenbildung zur Meeresoberfläche auf.

Methan

Seit den 90 er Jahren haben Meeresforscher immer wieder davor gewarnt, dass der ständig stattfindende Klimawandel große Mengen von Methangas freisetzen könnte, der auf den Meeresböden lagert. Im Nord-polarmeer vor der Küste von Spitzbergen hat ein Forschungsschiff des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung jetzt eine verblüffende Erkenntnis mit nach Hause nehmen dürfen. Obschon die Forscher die zehnfache Menge an Methangas im Nord-Polarmeer in einigen hundert Metern Tiefe als andernorts gemessen haben, entwich aus den Methanblasen, die vom Meeresgrund an die Meeresoberfläche ankamen, nur sehr wenig Methan in die Atmosphäre. Die Forscher waren verblüfft. Doch Sie können dieses Phänomen auf natürliche Ursachen zurückführen.

Helmar Hansen

Forschungsschiff „Helmar Hanssen“ vor Spitzberg-en am Nordpolarmeer     

Foto: Randall Hyman, Veränderung: Revierkohle

Nach Ansicht der Helmholtz-Forscher soll das so aufgenommene Kohlendioxid die Klimaerwärmung deutlich stärker bremsen, als sie durch das vom Grund aufsteigende Methan angefacht wird. Aus tieferen Quellen wird praktisch kein Methan an die Wasseroberfläche gespült. Damit scheint die (ange-nommene) Gefahr für das Klima durch zusätzliche Methangasaustritte vom Meeresgrund überschätzt worden zu sein, so Prof. Dr. Jens Greinert vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozean-Forschung in Kiel.

Geomar Helmholtz Zentrum

oben: Karbonkrusten in 385 Metern Wassertiefe. Karbonate benötigen zur Bildung mehrere Hundert Jahre                                        Foto: GEOMAR

Freigesetztes Methan, das in die Luft gerät, trägt normalerweise zu einem Treibhaus-Effekt und damit zum Klimawandel bei.  Allerdings ist diese Hypothese in der Fachwelt durchaus umstritten. Die Forscher auf dem Forschungsschiff „Helmer Hanssen“  konnten nämlich auch einen gegenteiligen Effekt mit Hilfe der sog. Kohlenstoffisotopen-Analyse feststellen. Die obersten Meeresschichten nehmen in den Gebieten mit aufquellendem Wasser doppelt so viel Kohlen-dioxid aus der Luft auf wie in angrenzenden Regionen, in denen kein kaltes Wasser aus der Tiefe aufsteigt. Des weiteren werden mit der kalten Strömung viele Nährstoffe vom Meeresgrund hochgespült. Diese wiederum kurbeln das Wachstum von Algen an der  Meeresoberfläche an. Grössere Organismen ernähren sich von diesen Algen. Sterben diese, sinken  sie zum Meeresgrund und nehmen das aufgenommene Kohlendioxid mit in die Tiefe.

Die Forschungsmannschaft vom Helmholtz-Zentrum und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, die auf der Forschungsreise dabei waren,  nahm auch Messungen in grösseren Tiefen vor. Dabei stellte sie fest, das praktisch kein Methan an die Wasseroberfläche gelangt. Und das Paradoxe: ausgerechnet direkt über den Methanquellen absorbierte der Ozean 2.000 mal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als Methan umgekeht in die Atmosphäre gelangte.  Damit scheint die Gefahr für das Klima durch zusätzliche Methanaustritte vom Meeresgrund, insbesondere aus den Permafrostböden der Arktis bei Erwärmung des Klimas  bisher überschätzt worden zu sein, so die Forscher um Jens Greinert. Und das der Methangasaustritt aus den Gashydratlagerstätten kaum etwas mit der Klimaerwärmung zu tun hat, wies Dr. Tom Feseker vom Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften nach. Er fand an den Methanaustrittsstellen am Meeresboden Karbonate. Dies sei ein deutlicher Indikator, dass die Ausgasungen schon sehr lange stattfinden. Mithin natürlichen Ursprungs sind. Allerdings will Dr. Feseker diese Feststellung nicht als Entwarnung verstanden wissen, weil man nicht wisse, welche Folgen eine mögliche Erwärmung des tiefen Ozeans durch Freisetzung großer Methangasmengen in die Atmosphäre und damit auf das Klima haben könnte.

Wer es genauer wissen möchte, den verweisen wir auf die Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of Amerika.“ (PNAS)

Quellenhinweise:

vgl.hz.a. N.N.: Methanhydrate und Klimaerwärmung, in: Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel vom 02.01.2014; N.N.: Methanquellen vor Spitzbergen verringern Treibhauseffekt, derslb. vom 08.05.2017; Tagesspiegel vom 22.05.2017 und RK-Redaktion vom 04.07.2017

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