E-Scooter: umweltfreundlich hoch Drei ?

live better -be better -on two wheels ?

Besser Leben-Besser Sein auf 2 Rädern

Elektroroller das umstrittene neue Verkehrsmittel

Nachhaltig geht anders.

Die Städte sollen von Autos befreit werden und für die sog. letzte Meile soll man auch nicht mehr seine Füße wundscheuern. Die E-Scooter sind seit Juni 2019 der neueste Bequemlichkeitsschrei. Sie sind seit nach Meinung der Anbieter leise, umwelt-freundlich und schnell. Und selbstverständlich bemüht man sich, nur Öko-Strom für die Aufladung der Akkus zu verwenden. Wir haben uns mit der Herstellung der schönen neuen E-Scooter-Welt beschäftigt und kommen zu dem Ergebnis: E-Scooter sind keineswegs umweltfreundlich. Stattdessen verdrängen sie eher Fahrräder und schaffen neue prekäre Beschäftigungsverhältnisse  als Einsammler. Die Juicer, Hunters,Chargers oder gerne auch mal Ranger genannt, brausen nachts mit ihren Diesel-Transportern durch die Strassen und sammeln die achtlos am Straßenrand liegen-gelassenen E-Scooters ein, um sie dann für wenig Geld wieder aufzuladen. 

Illustration: Revierkohle, Rollerfahrer: Peggy u. Marco Lachmann-Anke, pixabay.com
E-Scooter -Lenkrad- Foto: Kristof Topolewski, pixabay.com

Und mit 100 % Öko-Strom fährt kein einziger Roller, da der Windstromanteil im Primärenergiemix bei gerade einmal 13 % liegt. Strom kommt darüber hinaus immer vom nächstgelegenen Kraft-werk und nicht direkt von der Windkraftanlage. Ansonsten könnten die Dinger nur stündchenweise verliehen werden. Dabei sind die Verleiher mit dem kühnen Ziel angetreten, die Städte leiser, sau-berer und umweltfreundlicher zu machen. Aber wie vieles in diesen klimahysterischen Zeiten verbirgt sich hinter der C02-freien Werb-ung eine fette Ökolüge. Neben der Tatsache, dass die E-Scooter nicht mit Ökostrom aufgeladen werden können, müssen diese auch noch im ganzen Stadtgebiet wieder eingesammelt werden, um dann von den Juicers, Hunters und Rangers für wenige Cent pro Roller wieder aufgeladen zu werden. Um möglichst viele E-Scooter einzusammeln, benutzen die Einsammler daher Sprinters, die in der Regel mit Benzin oder Diesel fahren.  

Ähnlich wie bei E-Autos werden auch bei der Produktion der E-Scooter-Batterie viele Ress-ourcen eingesetzt, die C02 ver-brauchen. Das Umweltbundes-amt geht von 22 bis 30 Kg C02 pro Rollerbatterie aus. In einer kürzlich vorgelegten Studie von Wissenschaftlern der North Carolina State University, die Anfang August im Fachjournal „Environment Research Letter“ veröffentlicht wurde, verwiesen die Forscher auf die sehr kurze Lebenszeit von 2 Jahren auf-grund schlechter Verarbeitung, Vandalismus und kurzen Inno-vationszyklen.  50 % der Emi-ssionen entfallen durch den Verbrauch von  Roh-, Hilfs-und Betriebsstoffen, die meistens in China produziert werden. Dort ist die Fa. Ninebot Limited der Hauptproduzent von E-Scootern. Die Fa. verwendet wie alle Batt-eriehersteller Lithium, Kobalt oder Nickel, deren Gewinnung i.d.R. eine starke Umweltbe-lastung mit sich bringt. Die Men-schen im Kongo können ein leid-volles Lied davon singen. In der Gesamtschau würde ein E-Scoo-ter mehr C02 pro Meile erzeug-en, als ein gut besetzter Diesel-bus.  

die Ausnahme: ordentlich aufgestellte E-Scooter in der Stadt -Foto: Thomas Wolter, pixabay.com, Retusche: RK

Interessant an dieser Studie ist auch, dass zwei Drittel der Be-fragten im Normfall den Bus, das Fahrrad oder das Zufuß-gehen gewählt hätten, wenn sie keine e-Scooter-Nutzungs-möglichkeit gehabt hätten. Das HH-Beratungsunternehmen Ci-vivity hat die Nutzungsdaten der Verleiher Lime, Tier und VOI aus-gewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Rollerfahrer die E-Scooter im Schnitt nur 2 km bewegen und das hauptsächlich auch noch im Innenstadtbereich von Ham-burg, wo das öffentl. Nahver-kehrsnetz ohnehin sehr dicht getaktet ist. E-Scooter sind also  etwas für Lauffaule und ver-drängen eher das Fahrrad als das Auto. Obschon verboten, sind sie auch mittlerweile für viele Fußgänger ein Ärgernis, da sie auf den selbigen Wegen kurven und dann achtlos liegen-gelassen werden, wenn der Akku leer ist.  Auch aufgrund des fehlenden Stauraums sind sie keine Auto-oder Fahrrad-alternative. Und im Verhältnis zum letzteren auch keine ge-sündere. Und noch ein letztes Wort zu den Einsammlern: diese sind i.d.R. Studenten und geben sich mit 4,00 EUR pro aufge-ladenem E-Scooter zufrieden. Sprit und Strom müssen sie selbst bezahlen. Und wer die E-Scooter nicht vollgeladen am frühen Morgen bis zu einer be-stimmten Zeit aufgestellt hat,  muß mit Abzügen rechnen. Die Vergütung sei aber marktüblich, so Josefine Gräbe, Sprecherin des E-Scooter-Verleihers Lime. Die Gewerkschaften hören das bestimmt gerne. 

Quellenhinweise:

WDR vom 15.07.2019 und 05.08.2019 (Quarks-Send-ung); Der Standard vom 03.08.2019; Die Welt vom 15.05.2019, CareElite.de vom 23.08.2019: Code-check.de vom 09.07.2019; t3n.de vom 10.08.2019; Zeit-Online.de vom 30.07. 2019; Stern vom 29.08. 2019 und RK-Redaktion vom 08.10.2019 

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