Die Stromflaute droht

KW Bergkame, Britta Laser, fotolia 2

Kraftwerksbetreiber haben 69 Stilllegungen bei der Bundesnetzagentur beantragt

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Aufgrund der vom Gesetzgeber gewollten bevor-rechtigten Einspeisung von Strom aus regenerativen Energierträgern und der bestehenden Abnahmever-pflichtung durch die Netzbetreiber unabhängig vom Bedarf sowie der damit zusammenhängende Verfall der Strompreise an der EEX-Börse in Leipzig  wird der Betrieb von Gas-und Kohlekraftwerken immer unwirtschaftlicher. 69 Atom-, Kohle-und Gaskraft- werke haben die Versorger daher bei der Bun- desagentur für Elektrizität, Gas, Telekommuni- kation, Post und Eisenbahnen (BNetzA) für Ende 2017 zur Stilllegung angemeldet. Die BNetzA muss nun prüfen, inwieweit die Versorgungssicherheit durch die Abschaltung gefährdet wird. Der Bundes- verband der Energie- und Wasserwirtschaft hat jedenfalls schon einmal Alarm geschlagen und warnt wie unser Partner, das Europäische Institut für Klima und Energie (Eike), vor einem Versor- gungsengpass.

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Gaskraftwerk mit Hinweisschild

Quellenhinweise:

Weltwoche vom 19.3.2017, in: europäisches Institut für Klima und Energie (eike.de) vom 20.3.2017; FAZ vom 24.02.2017; OVB-Online vom 01.03.2017; Focus vom 09.02.2017; Kraftwerksstilllegungsanzeigenliste der Bundesnetzagentur mit Stand vom 20.02.2017 sowie RK-Redaktion vom 21.03.2017

Fotos: oben: Steinkohlekraft Bergkamen: Britta Laser, fotolia-Kauf; Bundesnetzagentur: wikimeda commons unten: Gaskraftwerk Irsching; Peter Maszler, fotolia- Kauf

 

Wenn immer mehr Windkraft-und Photovoltaikanlag- en gebaut werden, dann kommt es zu immer grösser- en Schwankungen  im Stromnetz, denn Wind und Sonne gibt es nicht rund um die Uhr, sondern nur Tage-oder Wochenweise und manchmal, wie z.B. am 24. Jan. d.J., eben fast gar nicht. An diesem Tag fiel der Windstrom auf fast unter 1 Gigawatt Leistung und die Leistung der Photovoltaik-Anlagen fiel auf 2,3 Giga- watt. Der Bedarf lag aber bei 75 Gigawatt.  Generell  gibt es im Winter immer zu wenig Wind und Sonne. Und speichern kann man diesen Strom auch nicht. Daher springen bisher unsere konventionellen Kraft- werke ein und stellen die Grundlast zuverlässig zu jeder Tages- und Nachtzeit bedarfsgerecht zur Ver- fügung. Wenn nun aber immer mehr Kraftwerke vom Netz gehen, stellt sich irgendwann die Frage, wann der Kipppunkt erreicht ist, an dem die noch bestehen- den Kraftwerke nicht mehr in der Lage sind, Schwank- ungen kurzfristig auszugleichen. Die Aufgabe der Bundesnetzagentur ist es dabei, zu prüfen, ob sie ein Kraftwerk trotz beantragter Stilllegung dennoch weit- er in Betrieb halten möchte, da dieses oder jenes Kraftwerk systemrelevant ist. Das Kraftwerk wird dann zum Reservekraftwerk.  Das aber wiederum ist genau so teuer, als würde man dieses unter Vollast weiter laufen lassen. Systemrelevant meint dabei, das die Kraftwerke dazu beitragen, die benötigte 50 Hertz-Spannung im Netz als Taktgeber aufrecht zu erhalten, da regenerative Energieträger dazu grundsätzlich nicht in der Lage sind. 6.300 sog. Re-Dispatchmaß- nahmen (das sind händische Eingriffe in das Netz durch die Kraftwerksmannschaften) allein in 2016 zeigen, das die Bedrohung langsam realer wird, da die Schwankungen immer stärker werden. Hinzu kommt, das allein in den letzten fünf Jahren dank dem EEG 90 konventionelle Stromerzeuger bereits vom Netz ge- gangen sind.  Das hat Folgen. Eine Analyse der 4 Netz- betreiber kommt zu dem Ergebnis, das nach der end- gültigen Abschaltung der Atomkraftwerke in Bayern die Versorgungsstabilität gefährdet sein könnte. Sie schlagen der Bayr. Landesregierung daher den Bau von neuen Gaskraftwerken mit einer Leistung von 2 Gigawatt vor. Außerdem wäre das Stromnetz in Nord- Süd-Richtung an seine technisch zulässige Grenze ge- raten. Und da der Netzausbau noch mindestens bis 2025 dauern wird, droht die Instabilität und damit die Stromflaute, da es für den Zeitraum 2020 (Abschalt- ung des letzten AKW in Bayern) und 2025 (geplante Fertigstellung neuer Netze ) bei einem Netzausfall in Bayern keine Auffanglösung gibt. Um dies zu verhind- ern, sollen in aller Eile neue Gaskraftwerke errichtet werden, um einen drohenden Ausfall zu verhindern. Die Zeche für diese verfehlte Energiepolitik wird dem Verbraucher daher gleich dreimal aufs Auge ge- drückt.  (EEG-Umlagen, Reservekraftwerksumlage und erhöhte Gaskosten)

Derweil wird das Kraftwerkssterben dennoch weiter- gehen, da die Bundesregierung ernst jüngst die Emi- ssionsgrenzen für konventionell arbeitende Kraft- werke wieder einmal erhöht hat. Weil das erhebliche Umbaukosten zur Folge haben dürfte, legt man die Anlagen verständlicherweise lieber gleich ganz still. Notwendige Investitionen in den Kraftwerksneubau haben die meisten Betreiber auf Eis gelegt. Offensicht- lich hat auch die Bundesregierung die damit verbund- enen Gefahren erkannt und will nun dagegen lenken. Allerdings mit völlig untauglichen Mitteln. So sollen z.B. Elektroautos und Stromspeicherheizungen als Stromspeicher dienen.

Das wir hier übrigens keine Angstmacherei zu Gunst- en der Kohle betreiben, zeigt das Beispiel der Schweiz. Das Land ist heute schon nicht mehr in der Lage, sich im Winter selbst zu versorgen und daher auf Importe dringend angewiesen.  Eine solche Importabhängig- keit wird auch in Deutschland nach Stilllegung weiter- er Kraftwerke sowie der Schließung der letzten Zech- en nach 2018 Realität werden. Und sollte der Strom dann im Winter knapp werden, wird er eben be- sonders teuer. Wie das funktioniert, kann man in England studieren. Das Land hat sich ebenfalls in den letzten Jahren von der Windenergie abhängig gemacht. Bei Flaute kostet der Strom dann gerne einmal das Hundertfache. Stromintensive Betriebe haben dann keine andere Wahl und müssen ihre Produktion zeitweise aussetzen. Willkommen in der verrückten neuen Stromwelt.