Datteln 4: Todgesagte leben länger

das Kohlekraftwerk geht nun endlich doch noch ans Netz

Steinkohlekraftwerk Datteln 4 bei Nacht- Foto: E-ON (Altbetreiber) neu. uniper
Über Monate hatte der Betreiber Uniper Gespräche mit dem Wirt-schaftsministerium geführt. Jetzt endlich wurde die Ampel auf grün gestellt.
 
Das hochmoderne Steinkohle-kraftwerk Datteln 4 kann im Sommer 2020 endlich ans Netz gehen.
 
Dies sollte zwar schon 2012 ge-schehen, aber aufgrund erbitt-erter Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern, den Grün-en, anderen Umweltaktivisten, technischen Problemen und ein-em vorübergehenden Stop durch Gerichtsbeschluß verzögerte sich die Inbetriebnahme um mehrere Jahre. Es bestand zeit-weilig sogar die Gefahr, dass das  1,5 Mrd. EUR teure Kraftwerk überhaupt nicht ans Netz gehen würde.   

Datteln 4

grösstes Steinkohlekraftwerk in Deutschland

Nun hat die Vernunft offensichtlich doch noch gesiegt. Mit einer installierten Erzeugungskapazität von 1.100 Megawatt wird Datteln 4 das größte und technisch modernste Steinkohlenkraftwerk Deutschlands werd-en. Es wird genauso C02-arm betrieben, wie das ebenfalls neue Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg. Die Anlage wird nicht nur die 34.000 Einwohner der ehem. Bergbaustadt Datteln mit Strom und Wärme versorgen, sondern auch die Deutsche Bahn mit dem dringend benötigten Bahnstrom. Die Bahnstromleistung wird 413 MW betragen. (16,7 Hz anstatt normal 50 Hz )

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Funktionsweise eines Kraftwerks: bitte mit dem Cursor wischen
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David Bryson, ehem. Vorstand uniper

Mit dem Standort Datteln 4 können Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden

Andreas Schierenbeck, CEO

Für Datteln 4 gehen 3 Steinkohlekraftwerskblöcke außer Betrieb

Marko Goltz, Schichtführer

Ich bin auf Datteln 4 für die Wasserdampf-Kreislauftechnik zuständig. Wenn alles läuft, geht bei mir das Herz auf.

Für die Versorgungssicherheit rund um die Uhr werden 450 Mitarbeiter zuständig sein. Rein rechnerisch kann das neue Kraftwerk 100.000 Haus-halte mit Strom und rd. 15.000 Haushalte mit Wärme versorg-en. Durch die Anwendung der Kraft-Wärme-Kopplungstechnik mit Hilfe von Dampfdruck konnte der Brennstoffausnutz-ungsgrad auf 60 % und der Nettowirkungsgrad bei Strom auf 45 %  gesteigert werden. Diesen hohen Wirkungsgrad er-zielen in der Welt nur wenige Kraftwerke. Neben einer mod-ernen Entstickungs, Entstaub-ungs-und Rauchgasentschwef-elungsanlage trägt der hohe Wirkungsgrad auch zu einer erheblichen Minderung von C02-Emissionen bei.

Aufgrund des von uns kritisier-ten Kohleausstiegsbeschluss-es bis 2038 gehen als Aus-gleichsmaßnahme die Kraft-werksblöcke in Gelsenkirchen-Scholven sowie das Kraftwerk Wilhelmshaven mit einer Ge-samtleistung von 1.500 Mega-watt bis 2022 vom Netz. 2025 sollen auch die Kraftwerke Staudingen und Heyden mit einer Gesamtleistung von wei-teren 1.400 MW vom Netz gehen.

Bisher wurden schon von Uniper die Kraftwerke Datteln (alte Meiler 1-3), Knepper, Velt-heim und Shamrock auf dem Gelände der gleichnamigen ehemaligen Zeche in Herne außer Betrieb genommen. Dadurch konnten zwar rd. 18 Mio. T. C02 eingespart werden, dafür steigt aber das Risiko eines Blackouts (siehe unser THW-Beitrag).

In Gelsenkirchen-Scholven soll ein neues Gaskraftwerk ent-stehen, welches das alte Kraftwerk ersetzen soll. Das Gas soll per Pipeline geliefert werden.

von der Planung bis zur Inbetriebnahme ist es ein langer Weg. Und wie im Bergbau gilt dabei: ohne Teamarbeit geht nichts. Foto: fotolia-Kauf

Derweil hat NRW-Minister An-dreas Pinkwart, Bundeswirt-schaftsminister Peter Altmaier sowie Vertreter aus den Bund-esländern Niedersachsen und Saarland  Nachbesserungen am Gesetz zum Kohleausstieg gefordert. Steinkohlekraft-werke dürften nicht ab 2027 zwangsweise und ohne Ent-schädigung abgeschaltet werd en, während die Braunkohl-enkraftwerksbetreiber ent-schädigt werden. Auch wären die möglichen Entschädi-gungen zu niedrig angesetzt, betonen die Politiker.

Ist das das Hauptproblem ?

Erstaunlich bei der ganzen Dis-kussion ist, das keiner der politisch verantwortlichen Akt-eure heute sagen kann, wie die Versorgungssicherheit in 18 Jahren nur auf der Basis von Windkraftanlagen-und Gas- kraftwerken sichergestellt werden soll. Wir sprechen hier immerhin von einem jährlichen Bedarf von rd. 640 Mrd. kWh. Ein Blick auf die monatlichen Lastgänge sollte ausreichen, um zu erkennen, dass das nicht funktionieren kann.

Und trotzdem soll das neue so-wie alle anderen Kraftwerke bis spätestens 2038 wieder abge-schaltet werden, da ansonsten die von der EU und der Bundes-regierung beschlossene Redu-zierung von C02-Emissionen auf Null nicht zu erreichen ist.  Warum diese Notwendigkeit besteht, wird zwar seit 2000 landauf und landab fast täglich behauptet, wirklich belegt wurde die Notwendigkeit je-doch bisher nicht.

Quellenhinweise:

Manager-Magazin vom 08.05. 2018; 16.01.2020; Der Spiegel vom 28.11.2019; WAZ vom 08.08.2019; 30.10.2019; 2.2. 2020 und 14.02.2020;  WDR-Nachrichten vom 24.1.2020; FAZ vom 26.11.2019; Ludwigs-burger Kreiszeitung vom 15.2. 2020; Focus-Online vom 4.2. 2020; Aachener Zeitung vom 4.2.2020; Reuters vom 30.10. 2019; Deutschlandfunk vom 30.10.2019; Finanztreff.de vom 08.01.2020; Uniper-Pressemit-teilungen vom 30.01.2020 und 06.02.2020 sowie RK-Redaktion vom 17.02.2020

Headerfoto: E-ON (alt)  

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