Braunkohle: Klimaalarmisten stürmten Jänschwalde und Welzow-Süd

Bergleute diskutierten trotzdem mit Klimaaktivisten

Ende Gelände ? Nein, danke !

Ende-Gelände-Aktivisten stürmten den Tagebau Jänschwalde trotz großen Polizeiaufgebots – Künstl. Gemälde: Revierkohle

Im Tagebau Vereinigtes Schleenhain der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) kam es im Nov. 2019 zu einer Besetzung durch rd. 1.200 Teilnehmer des Aktionsbündnisses „Ende Gelände.“  Die Teilnehmer blockierten einen Kohlebagger. Die MIBRAG stellte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch. Weitere 400 Aktivisten blockierten die Gleise des Tagebaus Jänschwalde im Landkreis Brandenburg.

 

Danach stürmten diese den Tagebau Jänschwalde. 500 weitere Aktivisten be-setzten den Tagebau Welzow Süd der Lau-sitzer Braunkohlegesellschaft LEAG.  Bei der Auseinandersetzung mit der Polizei wur-den 3 Polizisten verletzt. Die Polizei ver-hinderte die Besetzung des Braunkohle-kraftwerks Jänschwalde mit einem Groß-aufgebot von Beamten.

Ende-Gelände    Sprecher Jonny Parks be-tonte, dass die  Aktion sich gegen die weit-ere Verfeuerung der klimaschädlichen Kohle und nicht gegen die Bergleute richten wür-de. Man wäre ansonsten friedlich. Die Poli-zei konnte die Friedfertigkeit allerdings nicht bestätigen.  Die Besetzer forderten einen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohle-förderung.      

Reaktion der Bergleute

Wir leben von der kohle... und nicht von grünen märchen

Mit 20 Mahnwachen an unterschiedlichen Orten wehrten sich die Bergleute gegen die Besetzung Ihrer Arbeitsplätze und gegen die Verunglimpfung der Kohle. Der Verein Pro Lausitzer Braunkohle rief zur Demonstration gegen Vandalismus und Gewalt auf,  die unter dem Deck-mantel des zivilen Unge-horsams begangen werde.

Protestaufruf des Vereins Pro Lausitzer Braunkohle
Braunkohle-Veredelungswerk Deuben - Foto: MIBRAG

Und wohin dieser Strukturwandel führen wird, kann man am Ruhrgebiet seit Jahrzehnten ab-lesen. Schon lange vor  dem Auslauf  des Stein-kohlenbergbaus strukturwandelte sich das Ruhrrevier zu Tode. Zwar erzielte man hier und dort einige Fortschritte durch Ansiedlung von Logistikunternehmen, aber an vielen Orten sieht es mittlerweise so aus, wie in der DDR 1982. 

Auf den ehemaligen Zechengeländen sind kaum neue Arbeitsplätze entstanden, dafür aber seit 1950 bis heute rd. 600. 000 weggefall-en. Falls die Stahlindustrie in Duisburg auch noch wegbrechen sollte, kommen noch einmal rd. 30.000  hinzu. Verständlich, das die Mensch-en in den Lausitzer und Leipziger Revieren Angst vor einer solchen Entwicklung haben und sich dagegen wehren.  

Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren

Bereits im Vorfeld der Besetzungen wurde der Verein aktiv und sammelte mehr als 68.000 Unterschriften im Be-teiligungsverfahren für eine Fortsetz-ung des Tagebaus Welzow-Süd. 67 % der betroffenen Bürger sprachen sich für eine Zukunft der Braunkohle aus.

        Das ist nachvollziehbar

Denn in der Lausitz wird seit mehr als 100 Jahren Kohle abgebaut. Wohl-stand und Lebensqualität sowie Zehn tausende gut bezahlter Arbeitsplätze hängen von der Kohleproduktion ab. Ein Ad-hoc-Ausstieg aus der Braun-kohle würde die gesamte Region in eine absolute Perspektivlosigkeit stürzen, da es derzeit keine Alternativ-en Beschäftigungsmöglichkeiten in der Lausitz gibt.

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Fragwürdige Subventionen für den Umbau

Der von der Bundesregierung für 2038 geplante vollständige Ausstieg aus der Braunkohle soll mit rd. 60 Mrd. EUR aus Steuermitteln ge-stemmt werden, um diesen sozial-verträglich zu gestalten. Ob mit dies-em Geld tatsächlich gut bezahlte Ersatzarbeitsplätze geschaffen werd-en können, bleibt abzuwarten. Wir haben da so unsere Zweifel. Denn die rd. 20.000 Bergleute in den Lausitzer und Leipziger Revieren werden wohl kaum alle zu IT-Spezialisten umge-schult werden können.  Die Bergleute im Ruhrrevier waren da etwas besser dran, da die Steinkohleproduktion über 50 Jahre lang kontinuierlich zu-rückgefahren wurde. Die Bergleute gingen nach der Schließung einer Zeche entweder zur nächsten Zeche. oder sie gingen in die Anpassung. Auf diese Weise wurde ein Strukturbruch verhindert.  Die  geplante Verlagerung von Bundesbehörden und Instituten  in die Lausitz schafft jedoch  weder neue Arbeitsplätze noch wird dadurch die Produktivität erhöht. Und die An-legung von weiteren Seenlandschaft-en in den ausgekohlten Revieren kurbelt auch nicht unbedingt den Massentourismus an.

Und was völlig ungeklärt ist: woher soll der Strom und die Wärme komm-en, wenn es keine Kraftwerke mehr gibt und Windkraft nur gelegentlich zur Verfügung steht ?      

Die Leitwarte-Mannschaften hatten alles im Griff

plan of action

Ausbau, Ausbau, Ausbau

Mibrag-GF Armin Eichholz will den Kohleausstieg ohne Jobverluste schaffen- Foto: MIBRAG

MIBRAG-Chef Eichholz will dem Kohleausstieg nicht tatenlos zusehen. Ihn treibt schon lange die Frage um, was mit dem Unternehmen nach dem Auslauf gescheh-en soll. Eine Komplettab-wicklung will er verhindern, denn es gebe bergbaunahe Betätigungsfelder, die man ausbauen könnte. Dazu zählt der Garten-und Land-schaftsbau, aber auch die Bohrwirtschaft und der Brunnenbau.  Aber auch IT-und Personaldienstleist-ungen könne man anbiet- en, so Eichholz. Wie  andere Bergbau-und Stromkonzer-ne investiert die MIBRAG auch in Windräder und So-larparks. Das alles soll dazu führen, dass das Unter-nehmen nach 2038 in den alternativen Geschäftsfeld-ern mit der gleichen Mann-schaftsstärke fortgeführt werden kann. Einem vor-zeitigen Ausstieg aus der Braunkohle erteilte er eine klare Absage, da der Ver-brauch von Kohle nicht zu-rückgegangen, sondern ge-stiegen sei.   

Lausitzer Energie Bergbau AG

Welzow-Süd darf nicht gefährdet werden

Die neue brandenburgische Landesregierung stellt den gültigen Braunkohleplan für die Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd  in Frage.

LEAG-Vorstandschef Hemar Rendez wandte sich entschied-en gegen ein solches Ansinnen, da das Unternehmen Planungs-sicherheit brauche. Schießlich habe man bereits für die Erweit-erung entsprechende Investit-ionen getätigt. Auch Rendez be-tonte, dass die Braunkohle der-zeit die einzige wirtschaftlich gesicherte Leistung darstelle, um die ostdeutsche Stromversorg-ung aufrecht erhalten zu können.

Bergleute diskutierten mit Klimaaktivisten

  • wer aussteigt, muss sagen, wo er einsteigt.
  • statt propagandistischer Großkrieg wurde eine sach-liche Diskussion gefordert
  • FFF-Aktivisten, Bergleute und Pro-Lausitz e.V. diskutierten gemeinsam in der TU Cott-bus über Speicherprobleme, Versorgungssicherheit, Preis-anstieg, CCS und Arbeits-plätze
  • Vereinbart wurden weitere Gespräche
Prof. Dr. Ing. Harald Schwarz
Prof. Dr.-Ing. Harald Schwarz - Foto: TU Cottbus

Es wird zunehmend schwieriger, die Sicherheit der Stromversorgung aufrecht zu erhalt-en und den Energie-bedarf zu decken, da Batterien nur 0,05 GW Strom speichern können.

 
Prof. Dr. Harald Schwarz, technische Universität Cottbus, FB Energie-verteilung und Hoch-spannungstechnik
 

Diese Leistungen sind gefährdet:

  • Tagebau Jänsch-walde mit 9,1 Mio. T Kohleproduktion in 2018
  • Welzow-Süd mit 22,8 Mio T Kohle-produktion
  • Tagebau Nochten mit 16,3 Mio. T Kohleproduktion
  • Tagebau Reich-walde mit 13,5 Mio. T Kohle-produktion/Jahr

Diese Kraftwerke sind gefährdet:

  • KW Jänschwalde mit 3000 MW-Leist ung
  • Schwarze Pumpe mit 1600 MW-Leist ung
  • Boxberg mit 2575 MW Leistung
  • Lippendorf mit 1840 MW Leistung

Quellenhinweise:

Der Spiegel vom 29.11.2019; Lausitzer Rundschau vom 30.11.2019; Bundestags-Ausschuss, Anhörungen, Inhalt vom 16.10. 2019 zum Kohleaustieg; Bild vom 30.11. 2019; Pro Lausitzer Braunkohle e.V., Web-site; MDR vom 30.11.2019; MIBRAG-Pressemitteilung vom 30.11.2019; LEAG-Website; DEBRIV-Mitteilung vom 25.11. 2019; Spiegel.de vom 30.11.2019 sowie RK-Redaktion vom 15.12.2019

Headerfoto oben: Mibrag-Pressefoto

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