Auf Mont-Cenis strömt wieder Grubengas

Stadtwerke Herne steckten 750.000 EUR in die Wiederinbetriebnahme

Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Mont-Cenis in Herne betreiben die Stadtwerke seit 1997 drei Blockheizkraftwerks-Module mit Grubengas, die eine elektrische Leistung von insgesamt 1,5 MW erreichen. Diese erzeugen Strom und Wärme mit dem Gas, das sonst ungenutzt über eine Prote- gohaube in die Atmosphäre entweichen würde.

Am Trimbuschhof in Herne wo Erdgas in einer Gasentspannungsanlage expandiert wird, würden nor malerweise 1,2 Millionen Normkubikmeter Erdgas für die Vorwärmung verbraucht werden. Dort sind zwei BHKWs installiert, die seit 2002 aus Grubengas Strom und Wärme erzeugen. 790 Meter tief wurde gebohrt, um aus den „Grubenbauen“ der ehemaligen Zechen „Mont-Cenis“ und „Friedrich der Große“ Gas zu för- dern. Die beiden grubengasbetriebenen Blockheiz- kraftwerke  erzeugten bis 2012 pro Jahr 5 Mio. kWh Strom und 6 Mio. kWh Wärme.

Grubengasabsauganlage auf dem stillgelegten Bergwerk Hugo 1/4 in Gelsen- kirchen-Buer,                                                                                                 Foto:RAG

Hintergrund:

Bei hoher Methankonzentration in einem zum Abbau hergerichteten Streb wird das Gas zur Vermeidung einer gefährlichen explosionsfähigen Konzentration in den Wettern aus den Flözen durch Anlegen eines Unt- erdrucks abgesaugt. Daneben werden auch nicht mehr genutzte und durch Dämme abgetrennte Streck- en an die Absaugung angeschlossen, um die Diffusion in offene Strecken zu verringern. Dieses abgesaugte Gas wird als Grubengas bezeichnet. Da die Bohrung- en, Abdämmungen und auch die Rohrleitungsverbind- ungen nur bedingt dicht zur bewetterten Strecke ab- getrennt sind, wird immer ein erheblicher Luftanteil mit angesaugt. Daher hat das Grubengas aus aktiven Bergwerken immer einen hohen Luftgehalt; das Ver- hältnis von Sauerstoff und Stickstoff entspricht der Zusammensetzung der Atmosphäre. Die zulässige Untergrenze des Methangehaltes liegt bei der Gruben  gasausaugung bei 22 Vol-%; bei geringeren Werten er- folgt die Abschaltung der Absaugung. Damit soll ver- mieden werden, dass die obere Explosionsgrenze  von Methan (15 Vol.-%) unterschritten und damit ein explo sionsfähiges Gasgemisch gefördert würde. Diese Form der Gasabsaugung wird als Starkgasabsaugung bezeichnet, da die Konzentration des Methans über der oberen Explosionsgrenze liegt.

Auf der 1978 stillgelegten Schachtanlage Mont-Cenis mußte die Grubengasförderung  2012 eingestellt werd en, da Schacht 3 wegen des gestiegenen Grubenwass- ers abgesoffen war. Mitte Mai 2016 gingen die beiden Gasmotoren wieder in Betrieb. Die Stadtwerke steckt- en eine dreiviertel Million EUR in das Projekt, um die Grubengasförderung wieder zu reaktivieren. Da die Zeche als besonders gashaltig galt, stieß das Bohr- team der Fa. Daldrup alsbald in 300 Meter Teufe an der Kreuzung zwischen zwei ehemaligen Strecken in einen weitreichenden Hohlraum mit 27 % Methange- halt. Das ist ein brauchbarer Wert. Mit einer Leistung von einem Megawatt soll die Grubengasabsauganlage Strom und Wärme für 72 Einfamilienhäuser, 200 Wohnungen, einem Altenheim, einer Kita und für die Fortbildungs-Akademie-Halle des Landes NRW für viele Jahre liefern. An kalten Wintertagen muss aller- dings über ein Kohlekraftwerk zugeheizt werden.

Schematischer Aufriss Grubengasabsaugung in einem aktiven Bergwerk.          Foto: A.Müller, wikimedia commons

Projektleiter Stephan Becker ist sich sicher, das der derzeitige Methan-Gehalt von 27 % noch steigerbar ist. Um die Genehmigung für die Bohrung zu erhalten, bedurfte es eines vierjährigen Antragsverfahrens. Erst dann gab die Abt.6 Bergbau und Energie in NRW der Bezirksregierung Arnsberg grünes Licht. Von den ehe- maligen Zechen Mont Cenis und Friedrich der Große ist nicht viel übrig geblieben. Nur die Verwaltung der ehem. Zeche Friedrich der Große, die Maschinenhalle von Schacht 1 sowie einige Protegohauben von Mont- Cenis und Friedrich der Große erinnern noch an ein starkes Stück deutscher Industriegeschichte.

vgl.hz.a.Minegas.de, WAZ vom 3.3.2015 und 24.4.2016 sowie RK-Redaktion vom 21.5.2016, Methan-Kreativschrift: Grazy Cloud, fotolia-Kauf

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