Anthrazit Ibbenbüren: Nordschacht wurde verfüllt

die Restmannschaft hat das Licht endgültig ausgemacht

Am 09.Juni 2020 holte Förder-maschinist Miroslaw Biedal gegen 8.00 h Morgens die letzte Mannschaft des Bergwerks Anthrazit-Ibbenbüren am Nord-schacht in Mettingen aus 1545 Meter Tiefe herauf. Dann schrillte noch einmal die Schachtglocke. Das Rollgitter ging hoch und zwanzig Berg-leute traten aus dem Förderkorb heraus. Zum scherzen war Nie-mandem zu Mute.

Stillschweigend legte die Mann-schaft  daraufhin wegen der Corona-Krise einen Mundschutz  an und posierte für den RAG-Fotografen vor der Rasenhänge bank zum allerletzten Mal. „Scheiß Gefühl“ kann ich nur sagen, kommentierte einer von ihnen.  

Wir können das nachvollziehen. Schließlich wurde noch am gleichen Tag mit der Verfüllung des Nordschachtes begonnen. Wer vor Ort war, spürte die gedrückte Stimmung. Jedem war klar, dass mit der Einstellung der Kohlenförderung die Ära des Deutschen Stein-kohlenbergbaus aus rein poli-tisch-ideologischen Gründen bereits am 04.12.2018 unwider-ruflich zu Ende gegangen war.

Das erklärt auch die Fass-ungslosigkeit, die Projektleiter Lothar Loose auch in 2020 noch immer nicht losgelassen hat mit den Worten: “ mit der Verfüllung des Nordschachtes ist es jetzt für alle sichtbar. Die Grube ist von nun an verschlossen und verloren.“  

Der Nordschacht hatte eine Ausziehlänge von 1.545 Meter und ging am 9.7.1956 in Förderung. Er wurde als Person-en und Materialförderschacht genutzt.

in 194 Meter Teufe erfolgte die

Teilverfüllung

Da die Raub-und Rückzugsarbeiten bereits mit der Einstellung der Kohlenförderung am 17.08.2018 in der Bauhöhe 9/10, Flöz 53 begannen, schlossen diese nun untertägig am Nordschacht durch das Abstellen der Pumpen und deren Demontage ab.  Das Restgruben-gebäude mit einer Strecke von 12,8 km (von einst über 100 km !) war Anfang Juli 2020 besenrein. Vorher wurde noch die Wasserwegigkeit hergestellt und eine Schal-ungsbühne in 194 Meter Teufe eingebaut. Unter dieser Schalungsbühne wurde der Nordschacht nicht verfüllt, weil die Schachtsäule noch für die Grubenwasserhaltung benötigt wird. Um ein eingelassenes Hüllrohr wurden dann 5.400 Kubikmeter Beton eingebracht. Für das Grubenwasser wird ein neuer Grubenwasserkanal bis zur Kläranlage Gravenhorst gebaut. Das Grubenwasser aus dem Nord-und Westfeld wird dann über eine neue Aufbereitungsanlage gereinigt und dann in die Ibben-bürener Aa eingeleitet. Bis dahin soll das Grubenwasser in den nächsten drei bis fünf Jahren bis auf 63 Meter NN steigen.

von-Oeynhausen-Schacht des Bergwerks Anthrazit Ibbenbüren i.R., Zeichnung: Revierkohle
die rd. 120 Meter langer Aufbereitungsanlage des BW Anthrazit-Ibbenbürenn aus dem Jahre 1927wird bis zum Herbst abgerissen, Foto: Revierkohle

Nun steht noch die Verfüllung des von-Oeynhausen-Schachtes in Ibbenbüren an. Der Wetterschacht Theodor wurde bereits im Mai 2019 verfüllt. In den nächsten Monaten wird die Sieberei, die Werk-stätten, die Schweißerei, die Schreinerei,  die Dreherei und die Auf-bereitung aus dem Jahre 1927 komplett abgerissen. In die ehemalige Verwaltung werden die Stadtwerke von Ibbenbüren einziehen. In der Ausbildungswerkstatt soll ein Batterieforsch-ungszentrum heimisch werden. 

Das Bergwerk Anthrazit-Ibbenbüren war neben der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop eines der letzten aktiven Steinkohlenzechen. Die Verbundenheit der Menschen im Tecklenburger Land mit ihrem Pütt war hoch. Schließlich hat das Bergwerk eine lange Geschichte und viele Menschen über Jahrzehnte in Lohn und Brot gebracht.

Es ging aus einem Zusammenschluss der Gruben Glücksburg und Schafberg im Jahre 1846 hervor. In jener Zeit gehörte auch noch der Morgenstern-und der Beustschacht zum Bergwerk. 1869 begann man mit den Abteufarbeiten zum von-Oeynhausen-Schacht 1. Bis 1924 war es im preußischen Staatsbesitz. Dann übernahm die Preussag AG das Zepter. 1999 wurde das Bergwerk von der DSK übernommen und 2008 in RAG Anthrazit-Ibbenbüren GmbH umbenannt. Auf Ibbenbüren waren rd. 2.200 Bergleute angelegt gewesen. Diese förderten im Jahresdurchschnitt 1,9 Mio T ver-wertbare Kohle. Subventionsfrei ! Ingesamt förderte das Bergwerk ca. 120 Mio. T Anthrazit-Kohle.     

MASTERPLAN: WOHN-UND GEWERBEQUARTIER

Nordschacht Mettingen

Auf dem Gelände des Nordschachtes soll ein Wohn-und Gewerbequartier entstehen. Der sog. Masterplan Mettingen schwelgt, wie alle Masterpläne, die bisher für die Nachnutzung von Bergwerksgeländen entwickelt wurden, in Superlativen.

Da diese in der Realität aber bis auf wenige Ausnahmen bisher kaum erfolgreich umgesetzt wurden, ist man im Hinblick auf „echte Beschäftigungsperspektiven mit enormem Zukunftspotential“ und dergleichen Schwadroniererei  mittlerweile etwas bescheidener geworden. Nun wird nur noch von  normalen Handwerksbetrieben und dem Bau von neuen Wohnungen gesprochen. Man hebt statt dessen die landschaftlich reizvolle Lage mit Waldessaum hervor und geht offensichtlich davon aus, das man mit der Neuansiedlung von großen Industriebetrieben nicht mehr rechnet.   

Damit die Mettinger darüber aber leichter hinwegkommen, will man die Zechengeschichte ein Stückchen konservieren. So soll der von-Oeynhausen und der Nordschacht als sinnstiftende Landmarke mit Besteigungsmöglichkeit für die Jugend erhalten bleiben.

So ganz geht die RAG allerdings noch nicht. Im ehemaligen Betriebsmittellager wird zur Zeit das RAG-Standortquartier neu eingerichtet. Dieses wird für die Vermarktung der Zechengelände im Nord-und Westfeld zuständig sein.

Quellenhinweise:

WDR vom 09.06.2020; RAG vom 22.07.2020; Westfäli-sche Nachrichten vom 04.12.2019; Hermann, Wil-helm und Gertrude: Die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein /Tau-nus 2008; Blach, Bernhard: Das Ende des Bergwerks Anthrazit-Ibbenbüren, in: Jahrbuch für Energiepolitik und Montankultur, Revier-kohle (Hrsg.) , Hamburg 2019, S. 24 ff; Wikipedia (BW Ibbenbüren) sowie RK-Redaktion vom 12.08.2020

Fotonachweise:

oben links: RAG; Mitte: Revierkohle; rechts: RAG;

Mitte: Zeichnung links: Revierkohle

darunter: Rentner-Panora-ma: Revierkohle

ganz unten rechts: Revier-kohle

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