BOOM: 500 Jahre Bergbau in Sachsen

4. Landesausstellung im Bergbau-Museum Oelsnitz-Lugau

Brot der Industrie Die Kohle in Sachsen

Nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch in Sachsen war die Kohle der Schrittmacher der Industriealisierung. Welche Bedeutung das schwarze Gold schon lange vor der ehemaligen DDR und das heutige Bundesland Sachsen hatte und hat, zeigt die Landesausstellung „BOOM: 500 Jahre Industriekultur.“ Ein wahrhafter Lecker bissen erwartet die Besucher im Berg-baumuseum Oelsnitz. Das Besucher-bergwerk ist eines von mehreren BOOM-Standorten.

In den Gebäuden des ehemaligen Karl-Liebknecht-Schachtes an der Pflocken-strasse 28 in Oelsnitz befindet sich nicht nur eine wunderschöne Dampfförder-maschine mit 1800 PS  aus dem Jahre 1932, sondern auch eine erhaltene Turm-fördermaschine aus dem Jahre 1923 so-wie vor der Haustür eine Kohlenlokomoti-ve sowie viele Grubenhunde und eine Mannschaftsbahn. Nicht nur Kinder sind von dieser Kulisse immer wieder schwer beeindruckt. Seit 1986 haben das Berg-baumuseum über 1 Million Menschen schon besucht. 

Neben all den Bergbaumaschinen, Aus-rüstungsgegenständen, Bildern und vielen weiteren Exponaten geht es Museums-leiter Jan Färber aber nicht nur um die Bewahrung des technischen Erbes in der seit dem 11.3.1971 auf Anordnung des DDR-Ministerrates stillgelegten Schacht-anlage, sondern um die Herausarbeitung sozial-und kulturgeschichtlicher Entwick-lungen, die ohne den  Steinkohlenbergbau so nicht verlaufen wären.

Beispielhaft wird daher u.a. an den Berg-mann Adolf Hennecke erinnert, der 1948 die vorgegebene Förderleistung um 387 % übererfüllte. Die DDR ernannte ihn daraufhin zum „Held und Aktivisten der Arbeit.“ 1869 wurde im Oelnitzer Revier die erste Bergarbeitergewerkschaft ge-gründet. Aber auch an die Grubenunglücke 1867, 1869 und 1960 aufgrund schlagend-er Wetter wird in der Ausstellung erinnert.  

Neben Adolf Hennecke fungiert in dem ehem. sozialistischen VEB-Betrieb natür-lich auch Karl Marx als Leitfigur der Aus-stellung. Allerdings passt das nicht so ganz zum Namen der Schachtanlage. Denn Karl Liebknecht war in zentralen Fragen völlig anderer Meinung als Karl Marx.      

Deutlich wird an diesen Beispielen aber, das Museumleiter Färber damit aber ein ähnliches Konzept verfolgt, wie es bereits seit Jahren auf der ehemaligen Schacht-anlage Zollverein XII in Essen und auch wissenschaftlich begleitet im Deutschen-Bergbau-Museum in Bochum erfolgreich praktiziert wird. So schafft man eine Beziehung zur damaligen Zeit und heute.

Die Klammer dieser Beziehung stellt die erbrachte Leistung und die unter Berg-leuten ausgeprägte Solidarität dar, die diese Leistung überhaupt erst ermög-lichte. Grundlage dafür wiederum bildete der religiös motivierte Knappschafts-geist.  Das erklärt übrigens auch, warum viele Stollen-und Zechenbetriebe in früher-er Zeit mit einem Heiligennamen versehen wurden. Das beeindruckt auch heute noch die Menschen.     

Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Sachsen reicht nachweislich bis in das 12. Jahrhundert zurück. Entlang des sog. erzgebirgischen Beckens befanden sich zwischen Zwickau und Dresden acht Lagerstätten.

Die Ausstellung im Bergbaumuseum Oelsnitz ist noch bis 31.12.2020 geöffnet und ist Teil der 4. Landesausstellung BOOM. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen.

Die Zentralausstellung befindet sich im Audi-Bau in Zwickau aus dem Jahre 1938. In der ehem. Industriehalle neben dem Gebäude des ehem. VEB-Betriebs Sachs-enring wird die Mobiltität und ihr Einfluss auf das Alltagsleben der Menschen her-vorgehoben.

Auch Gegenstand der Ausstellung: der moderne Körperkult, die Entstehung der Demokratie und der Parteien sowie die Rolle der Frau in der Massenkultur.

Weitere Schauplätze der Landesausstell-ung sind das  August-Horch-Museum in Zwickau, das Industriemuseum Chemnitz, das Eisenbahn-Museum Chemitz-Hilbersdorf, die ehem. Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau und das ehem. Silberbergwerk in Freiberg. 

 

Dr. jur.Karl Liebknecht - 13.8.1871 - 15.1.1919: Ölgemälde, Bearbeitung und Freistellung: Revierkohle, Foto: G.G. Bain, wikimedia commons

warum Karl-Liebknecht-Schacht ?

Vor der Gründung der DDR im Jahre 1946 gehörte die Schachtanlage der Gewerk-schaft Gottes Segen und wurde unter dem Namen „Kaiserin-Augusta-Schacht“ ge-führt. Nach der Enteignung gehörte die Schachtanlage dem volkseigenen Betrieb (VEB) Steinkohlenwerk Karl Liebknecht. Die Schachtanlage wurde nach dem Gründer der KPD und überzeugten Komm-unisten Karl Liebknecht benannt. Auf Befehl des Hauptmanns Waldemar Pabst wurde Liebknecht von Marineoffizieren am 15.1.1919 erschossen. Liebknecht vertrat einen allumfassenden Humanismus und ist wegen seiner Überzeugungen ermordet worden. Die Schachtanlage erinnert auch an dieses Vermächtnis.

Quellenhinweise:

Spring, Thomas: Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen, Presseinfo; MDR vom 15.07.2020; Färber, Jan: Vom Bergwerk zum Museum. 30 Jahre Berg-werksmuseum Oelsnitz/Erzgebirge., in: Ergeb. Heimatblätter, Hft. 4/2016, S. 12-15, Kulturbund e.V. (Hrsg.), LV Sachsen, Marienberg; RAG vom 30.07.2020 sowie RK-Redaktion vom 14.08.2020

Fotonachweise:

Header: youtube, künstlerische Veränderung: Revierkohle;

Mitte: Loren: Menschen: youtube; Kohlenhände: fotolia-Kauf

unten links: Karl Liebknecht: G.G. Bain, wikimedia commons, gemeinfrei 

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