GW-Aufbereitung ohne Hängepumpenbetrieb
Was macht man mit einem Bergwerk, das seine letzte Kohle vor mehr als drei Jahrzehnten gefördert hat? Richtig geraten: Man lässt es sprudeln! Ganz ohne geologische Wellness-Absichten, aber mit ordentlich technischem Know-how – und genau darum geht es bei der Grubenwasseraufbereitung auf der 1990 stillgelegten Zeche Camphausen.
Vom Saarbergbau zur Wasserstrategie
Die Grube Camphausen im saarländischen Fischbach-Camphausen hat eine Bergbaugeschichte zum Staunen: Sie wurde 1871 geteuft, profitierte von einer innovativen Eisenbahnanbindung und bekam 1874 ihren Namen nach einem preußischen Staatsminister. Über Jahrzehnte prägte sie das Leben der Region, doch die Kohlengewinnung wurde aufgrund politischen Drucks im November 1990 endgültig eingestellt.
Heute steht von der einstigen Schachttechnik vor allem noch der Förderturm „Schacht IV“ als technisches Denkmal und Landmarke. Es handelt sich um einen der übrig gebliebenen Hammerkopftürme aus Eisenbeton, der mit leistungsstarken Maschinen beeindruckte und bis heute als Zeugnis ingenieurtechnischer Pionierarbeit gilt. Ein ähnlicher Förderturm befindet sich auf Heinrich-Robert in Hamm-Pelkum.
Das Wasser, das keiner wollte – wird jetzt genutzt
Wie überall im Saarbergbau ist nach der Stilllegung nicht Schluss mit der Wasserfrage: Bergwerke laufen voll, sobald die Pumpen abgeschaltet werden. Das Grubenwasser durchläuft als Niederschlagswasser den Gebirgskörper, reißt dabei Mineralien, Schwefel und Schwebstoffe mit sich und sammelt sich in den ehemaligen Sumpfstrecken und unterirdischen Hohlräumen. Insbesondere in sog. Muldensätteln. Dort steigt es nach jedem Niederschlag immer weiter an. Wenn es nicht regelmäßig über Pumpen hochgepumpt werden würde, würde das Grubenwasser irgendwann die Trinkwasserschicht erreichen und das Trinkwasser ungenießbar machen. Außerdem würde es in unkontrollierter Weise ganze Landstriche unter Wasser setzen und zu erheblichen Umweltschäden beitragen. Aus diesem Grunde muß das Grubenwassser ständig abgepumpt, gereinigt und in größere Flüsse eingeleitet werden. Im Ruhrgebiet werden das bis 2030 6 große Pumpbetriebe auf 6 Grubenwasserzechen übernehmen. Diese werden von der zentralen Grubenwasserleitwarte auf der ehem. Schachtanlage Pluto in Herne Tag und Nacht überwacht.
Auch auf der Grube Camphausen wird das Grubenwasser Tag und Nacht abgepumpt und gereinigt.
Grubenwasseraufbereitungsanlage Grube Camphausen im saarländischen Fischbach-Camphausen, Foto: Youtube-Screenshot
Ewigkeitsaufgabe der RAG Die Verantwortung bleibt
Im Maschinenraum der Wasserhaltung spielt sich das unsichtbare, aber energiereiche Leben von Camphausen ab: Hier befinden sich die Pumpen, Rohrleitungen, Steuer- und Regeltechnik, die das Grubenwasser aus teils hunderten Metern Tiefe an die Oberfläche bringen. Diese Technik ist robust, leistungsfähig und auf Dauerbetrieb ausgelegt – schließlich handelt es sich um eine der sogenannten Ewigkeitsaufgaben des Bergbaus: Die Wasserhaltung muss noch lange Jahre funktionieren, auch nachdem die letzten Förderkörbe schon lange aus dem Schacht geborgen wurden.
Die modernen Anlagen sind so ausgelegt, dass sie den – oft eisen- und schwefelhaltigen – Stoffmix im Wasser vorher behandeln oder aufbereiten, bevor er weitergegeben wird, etwa indem man Sedimente absetzt oder chemisch reagierende Komponenten neutralisiert.
Kein Hängepumpenbetrieb in Camphausen?
In den Bergwerken an Rhein und Ruhr wurden die Kreiselpumpen auf der letzten Sohle unter Tage installiert, damit die Bergleute nicht absoffen und damit das Grubenwasser aus benachbarten Grubenbauen ferngehalten werden konnte. Nach der Schließung der letzten beiden Zechen Anthrazit Ibbenbüren und Prosper-Haniel im Jahre 2018 benötigt man keine untertägige Grubenwasserhaltung mehr. Daher wird die Grubenwasserhaltung sukzessive auf Hängepumpenbetrieb mit Hilfe von Hüllrohren in halbverfüllten Schächten umgestellt.
Auch im Saarland setzt man auf die Brunnenwasserhaltungen mit modernen Tauchmotorkreiselpumpen.
Das hat mehrere Vorteile: Technik kann leichter gewartet werden, die Pumpen müssen nicht dauerhaft in die Schächte hinabgelassen werden, und durch die Hüllrohre lässt sich die Tiefe anpassen, aus der das Wasser angehoben wird.
wartungsfreundliche Anlagentechnik
Für Camphausen bedeutet das konkret: Statt klassischer Hängepumpen, die direkt im Schacht hängen und fest montiert sind, arbeitet man auf Camphausen mit adaptiven Systemen, die betrieblich mehr Flexibilität bieten und gleichzeitig die Kosten und Risiken beim Betrieb reduzieren. Dieses Prinzip ist in der heute gängigen Grubenwasserstrategie der RAG wichtiger als die klassische Variante – nicht zuletzt aus Gründen der Effizienz und Wartungsfreundlichkeit.
Zukunft im Blick: Wärmegewinnung aus Grubenwasser
Und als wäre das noch nicht genug Technik im Spiel, bekommt Camphausen jetzt noch ein energetisches Upgrade: Auf dem Gelände der ehemaligen Grube nutzt eine moderne Anlage die Abwärme des Grubenwassers zur klimafreundlichen Fernwärmeversorgung von Quierschied und Sulzbach – eine wunderbare Verbindung von Bergbau-Vergangenheit und Energiewende-Zukunft.
Warum es auf Camphausen keinen Hängepumpenbetrieb gibt
Das Grubenwasser steht auf einem Niveau, das es erlaubt,
über Stollen und Rohrleitungen drucklos (also ohne Förderdruck aus dem Schacht) zur Grubenwasseraufbereitungsanlage zu gelangen.Dadurch entfällt der Bedarf an im Schacht hängenden Pumpensträngen (Hängepumpenbetrieb), wie man sie aus aktiven Tiefbergwerken kennt.
Wird trotzdem noch gepumpt?
👉 Ja – aber nicht als Hängepumpenbetrieb.
Pumpen kommen erst oberirdisch bzw. anlagentechnisch zum Einsatz, zum Beispiel:
innerhalb der Aufbereitungsanlage,
zur Weiterleitung des gereinigten Wassers,
zur Regelung von Durchflussmengen oder Höhenunterschieden nach der Behandlung.
Diese Pumpen sind Teil der Prozess- und Anlagentechnik, nicht der klassischen Schachtwasserhaltung.
- Wieder etwas dazugelernt ? Prima ! Glückauf !
Quellenhinweise:
RAG-Pressemitteilung vom 26.01.2026;
Fotonachweise:
Header; KI-Grafik; Bergmann Bruno: RAG- ehem. Gesamtverband Steinkohle; Hintergrund: Grube Camphausen :Foto: Youtube-Screenshot; links darunter: Wasser: pixabay.com ; Rohrleitungen: fotolia-Kauf; alle Fotos darunter: Youtube-Screenshot.