Das Wasserstoffauto galt einst als technische Revolution. Emissionsfrei fahren, in wenigen Minuten tanken und anschließend lautlos in die Zukunft gleiten. So jedenfalls lautete das Versprechen. Heute wirkt die Realität eher wie ein exklusiver Club, dessen Mitgliedsbeitrag erst nach vielen Jahren so richtig zur Geltung kommt.

Denn kaum ein Detail wird so selten erwähnt wie die Hochdrucktanks. Diese Hightech-Behälter arbeiten mit bis zu 700 bar Betriebsdruck und gehören zu den aufwendigsten Bauteilen des gesamten Fahrzeugs. Je nach Fahrzeug und Hersteller bewegen sich die Ersatzteilkosten schnell in einer Größenordnung zwischen 10.000 und 30.000 Euro – wohlgemerkt ohne Garantie, dass anschließend gleich das ganze Fahrzeug einen entsprechenden Marktwert besitzt.

Besonders charmant ist dabei die gesetzliche Regelung: Die Tanks besitzen keine unbegrenzte Zulassung. Nach derzeit geltenden Vorschriften (genauer: nach der EU-Regelung 79/2009 Nr. 134) endet ihre zugelassene Nutzungsdauer nach 15 Jahren. Nicht etwa, weil der Tank in jedem Fall kaputt wäre, sondern weil die Betriebsgenehmigung ausläuft.

Für Besitzer älterer Fahrzeuge bedeutet das unter Umständen eine Rechnung, die den Restwert des gesamten Autos mühelos übersteigen kann. Das dürfte selbst überzeugte Freunde nachhaltiger Mobilität ins Grübeln bringen.

Noch interessanter wird die Angelegenheit, wenn man den Markt betrachtet. Die Produktion von 700-bar-Hochdruckbehältern ist ein hochspezialisiertes Nischengeschäft. Kleine Stückzahlen, aufwendige Fertigung und hohe Zertifizierungsanforderungen sorgen dafür, dass sich dieses Geschäft für viele Hersteller wirtschaftlich immer weniger lohnt. Ersatzteile für eine ohnehin kleine Fahrzeugflotte langfristig vorzuhalten, ist schließlich kein Geschäftsmodell, das Investoren regelmäßig in Begeisterungsstürme versetzt.

Brennstoffzellen-PKW

die automobile Zukunft mit eingebautem Verfallsdatum

Hinzu kommt ein physikalischer Begleiter, den Marketingbroschüren eher selten erwähnen: die Wasserstoff-Permeation. Wasserstoff besitzt die kleinsten Moleküle aller Gase. Deshalb diffundieren geringe Mengen des Gases im Laufe der Zeit selbst durch die Wand des Tank-Innenbehälters. Dieses Phänomen ist seit Langem bekannt und wird bei der Konstruktion berücksichtigt. Es ist kein Sicherheitsmangel, sondern eine physikalische Eigenschaft des Elements. Trotzdem zeigt sie eindrucksvoll, mit welchen Besonderheiten die Speicherung von Wasserstoff grundsätzlich verbunden ist.

Und von den energetischen Kosten der Wasserstoff-herstellung mittels Elektrolyse wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Dazu verweisen wir gerne auf unser umfangreiches Archiv, in dem wir die Wirkungsgradverluste entlang der gesamten Prozesskette bereits ausführlich beleuchtet haben. >>>

Bleibt am Ende die Frage, wer sich auf dem Gebraucht wagenmarkt freiwillig ein Fahrzeug anschafft, bei dem nach Ablauf der Tankzulassung Investitionen im fünfstelligen Bereich drohen können. Während Besitzer klassischer Fahrzeuge über Zahnriemen, Kupplungen oder Batterien diskutieren, steht beim Wasserstoffauto unter Umständen ein Bauteil auf der Rechnung, dessen Austausch den Fahrzeugwert locker übertrifft.

Vielleicht ist genau das die wahre Innovation der Wasserstoffmobilität: Nicht das emissionsfreie Fahren, sondern die Erfindung des ersten Automobils, dessen wertvollstes Verschleißteil irgendwann teurer werden kann als das gesamte Auto. Das muss man erst einmal schaffen.

So ein kapitaler Bock wie BMW lässt sich von solchen Kleinigkeiten aber nicht abschrecken. Für die zahlungskräftige Klientel plant BMW zum Markstart 2028 den iX5-Hydrogen-Wagen mit sieben miteiander verbundenen Hochdruckbehältern. Diese Behälter sollen eine Lebensdauer von 25 Jahren besitzen. Na denn. 

Quellenhinweise: 

Auto-Motor-Sport vom 11.06.2026; Revierkohle.de vom 21.08.2019; 02.07.2020; 14.01.2023 und 14.06.2024; merkur.de vom 14.06.2024; adac.de vom 05.03.2025, frauenhofer.de von 2026 sowie RK-Redaktion vom 14.07.2026

Fotonachweise:

Header: Hintergrund: pixabay, Vordergrund- Wasserstoffmoleküle mit Windrkaftanlagen: Maria Maltzewa auf pixabay.com; H2O-Auto: pixabay.com; Montage und Freistellung: Revierkohle; links darunter: H2O-Wasserstoff-Tafel: pixabay.com   

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