man hätte es wissen müssen
Es klang nach Zukunft, nach Aufbruch und nach Strukturwandel mit grünem Anstrich: Auf dem Gelände des stillgelegten Kraftwerks Fenne im saarländischen Völklingen sollte eines der größten Wasserstoffprojekte Südwestdeutschlands entstehen. Ab 2027 wollte die ehemalige RAG-Tochter STEAG, heute Iqony, dort jährlich rund 8.200 Tonnen „grünen“ Wasserstoff produzieren. Die Politik war begeistert, Fördergelder in Höhe von 102 Mio. Euro standen bereit, der Standort schien symbolträchtig.
Heute ist das Projekt Geschichte. Gescheitert. Und bei nüchterner Betrachtung muss man sagen: Es konnte kaum anders kommen.
Ein Projekt gegen die Physik und die Ökonomie
Der zentrale Denkfehler liegt im Produktionsprinzip selbst. Grüner Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse – also durch die Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mithilfe von Strom. Viel Strom ! Dieser Prozess ist teuer, energieintensiv und verlustreich. Bereits bei der Umwandlung gehen große Teile der eingesetzten Energie wieder verloren. Wer den Wasserstoff später wieder in Strom oder Wärme zurückverwandeln will, verliert erneut wertvolle Energie. Am Ende bleibt eine ernüchternde Bilanz: viel Aufwand, wenig nutzbare Energie.
wieder grüne Blase zerplatzt und das ist weder die erste noch die letzte
Die Vorstellung, überschüssigen Windstrom einfach in Wasserstoff „zu speichern“, klingt charmant, hält aber der Realität nicht stand. Überschüsse gibt es unregelmäßig, regional begrenzt und oft dann, wenn Netze ohnehin überlastet sind. Eine Industrieanlage, die planbar Tausende Tonnen Wasserstoff liefern soll, braucht jedoch kontinuierliche, preiswerte und verfügbare Energie. Diese Voraussetzung war in Fenne nie gegeben.
Und nicht nur dort, wie die oben aufgeführten Großprojekte zeigen. Technisch zwar machbar, aber wirtschaftlich hochriskant. Selbst da, wo der Windstrom günstiger erzeugt werden kann. Das zeigt das scheitern der RWE-Projekte in Saarlouis und in Namibia und das scheitern des französischen Projekts der Fa. Lhyve in Perl.
Auch im Ruhrgebiet ist das Wasserstoff-Projekt auf der ehemaligen Schachtanlage Ewald in Herten schon vor einigen Jahren gescheitert.
Der Markt fehlte – und fehlt
Hinzu kam ein weiteres Problem: der fehlende Absatzmarkt. Großabnehmer für grünen Wasserstoff konnten bisher nicht verlässlich gewonnen werden. Kein Wunder, denn importierter Wasserstoff aus sonnen- oder windreichen Regionen der Welt ist perspektivisch deutlich günstiger. Dennoch bleibt der hohe Umwandlungsverlust.
Ohne langfristige Abnahmeverträge aber gibt es keinen belastbaren Business Case. Das Projekt bleibt daher vorerst ein Planspiel auf PowerPoint-Folien.
102 Millionen Euro versenkt und wieder ohne Ergebnis
Rund 102 Millionen Euro an Fördermitteln standen im Raum. Auch wenn nicht jeder Euro tatsächlich ausgezahlt wurde, bleibt der politische Schaden enorm. Seit 2019 war bekannt, wie fragil die Grundlagen dieses Projekts sind. Trotzdem wurde geplant, angekündigt, Hoffnung geweckt – und am Ende nichts umgesetzt.
Man hätte es wissen müssen. Die Risiken waren offenkundig: hohe Strompreise, unsichere Energieversorgung, ineffiziente Umwandlung, fehlende Kunden. Dass das Projekt dennoch jahrelang verfolgt wurde, ist weniger ein technisches Versagen als ein politisches. Wie die gesamte verfehlte Energiepolitik.
Glückauf !
Quellenhinweise:
Eike.de vom 18.01.2026; ingenieur.de vom 16.01.2026; taz.de vom 26.01.2026; Saarbrücker-Zeitung vom 15.01.2026; SR.de vom 08.09.2025 sowie RK-Redaktion vom 14.02.2026
Fotonachweise:
Header: H2-Fabrik: KI-generiert; Hintergrund: Kraftwerk Fenne; Youtube-Screenshot; Hintergrund: pixabay.com ; links unten: pixabay.com