ein erfrischender Realismus breitet sich in der Klimadebatte aus
einatmen, ausatmen, nachdenken
Manchmal beginnt Fortschritt nicht mit noch mehr Tempo, sondern mit einem bewussten Schritt zurück. Genau einen solchen Schritt schlägt nun das Essener RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung vor: Die politisch beschlossenen deutschen Klimaziele nicht weiter auf maximale Beschleunigung zu trimmen, sondern zeitlich bis 2050 zu strecken. Zwar betont das RWI, dies wäre kein Ausstieg aus dem Klimaschutz – sondern ein Einstieg in mehr Realismus. Diesem Realismus folgen bereits auch die USA, Ungarn und Tschechien.
Wir behaupten: das RWI tastet sich nach vorne und die Politik wird folgen. Schritt für Schritt folgt dann hoffentlich der endgültige Ausstieg aus dieser unsäglichen Seifenoper, für die der Steuerzahler unglaublich viele Mrd. Euro seit 2000 bisher bezahlt hat und weiter bezahlt.
Der Hintergrund ist nüchtern, fast schon ernüchternd: Deutschland ist heute für rund 1,2 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Weltweit werden jedes Jahr über 30 Milliarden Tonnen CO₂ ausgestoßen – Tendenz vor allem außerhalb Europas steigend. Wer diese Zahlen kennt, versteht, warum die Frage erlaubt sein muss: Wie viel globale Wirkung entfaltet nationale Selbstüberforderung?
Wirkung vor Symbolik
Der Vorstoß des RWI ist kein Plädoyer für Stillstand, sondern für Wirksamkeit statt Symbolpolitik. Klimaschutz funktioniert nicht im nationalen Alleingang, sondern nur als internationales Gemeinschaftsprojekt. Und hier müßte man sich auch ehrlich machen. Es müßte vielmehr „Umweltschutz“ heißen und nicht Klimaschutz. Denn das Klima kann man nicht schützen. Schon gar nicht mit dem unbrauchbaren Ziel „CO2-Neutralität.
Wer sich wirtschaftlich schwächt, verliert am Ende genau das, was man für echten Umweltschutz braucht: Innovationskraft, Vermeidung von Plastikmüll, Entsiegelung von Flächen, weniger Menschen auf der Welt, Investitionsspielräume und gesellschaftliche Akzeptanz.
Die Verschiebung der Zielmarke auf 2050 bedeutet mehr Zeit für kluge Lösungen: für Technologien, die global skalierbar sind, für Anpassung statt Überforderung – und für einen Kurs, den die Bevölkerung mitträgt. Wer Wohlstand will, kommt um die Nutzung fossiler Energieträger nicht herum, denn mit den erneuerbaren Energien können Sie nur zeitweise Strom erzeugen, aber keine Prozesswärme.
Das sich das Klima schon immer geändert hat, ist Fakt. Die Strategie muß daher Anpassung sein und nicht CO2-Neutralität. Der Grund ist ganz einfach: der Anteil des Spurengases in der Atmosphäre beträgt ganze 0,04 %, ist schwerer als Luft und ist im Verhältnis zum Wasserdampf und dem Sonnenstrahlungswinkel auf die Erde zu vernachlässigen.
Das zeigt die Entwicklung während der Corona-Pandemie: die Produktion in den Industriebetrieben ging massiv zurück. Trotzdem stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre. Komisch, nicht wahr ?
CO₂: Kein Feind, sondern Voraussetzung des Lebens
In der seit Jahren aufgeheizten und von den Medien und den Grünen einseitig geschürten Debatte gerät zudem ein elementarer Punkt oft in Vergessenheit: CO₂ ist kein Schadstoff im klassischen Sinne, sondern ein lebensnotwendiges Spurengas. Ohne Kohlendioxid keine Photosynthese. Ohne Photosynthese keine Pflanzen. Und ohne Pflanzen keinen Sauerstoff. Kurz gesagt: ohne CO₂ gäbe es kein Leben auf der Erde – und uns schon gar nicht.
Das heißt selbstverständlich nicht, dass unbegrenzte Emissionen harmlos wären. Aber es bedeutet, dass Maß, Kontext und Verhältnismäßigkeit wieder Teil der Diskussion werden sollten. Umweltpolitik braucht Physik, Chemie, Biologie – und Ökonomie. Mit Moral kommen wir nicht weiter.
Hitzetote-Klimakatastrophen und Co.
SCHLUSS MIT DER INDOKTRINATION
Der Vorschlag des RWI ist damit mehr als eine technische Anpassung eines Datums. Er ist ein erster sinnvoller Rückzug von einem falsch eingeschlagenen Weg, auf dem Tempo mit Fortschritt verwechselt wurde. Wer innehält, kann neu justieren. Wer neu justiert, kann weiterkommen.
Vielleicht ist genau das der Moment, in dem die deutsche Klimadebatte erwachsen wird: weniger Alarm, mehr Analyse. Weniger Symbol, mehr Substanz.
Und vor allem: Umweltschutz mit Augenmaß – damit am Ende nicht nur die Umwelt, sondern auch Wohlstand, Industrie und der gesellschaftliche Zusammenhalt geschützt werden.
Keine Nachahmer
Der RWI-Experte Prof. Manuel Fondel weist in dem RWI-Papier darauf hin, das Deutschland in Sachen Klimaschutz zwar eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen würde, jedoch gibt es keine Nachahmer. Und global betrachtet hat Deutschland keine Vorbildfunktion. Insofern bleibt es bei einem teuren Alleingang
C02 neutral heißt
Wer CO2-Neutralität will, muß sich darüber im klaren sein, das es dann weder Kohle-noch Gaskraftwerke geben kann. Und die Gaskraftwerke, die rd. 41 Mio. Menschen in der BRD mit Erdgas versorgen, müßten für viel Geld auf Wasserstoff umgerüstet werden, was noch mehr Geld verschlingen würde. Außerdem gehen 75 % des Wasserstoffs bei der Umwandlung wieder verloren. Darüber hinaus müßten alle Verbrenner-Autos verschrottet werden und durch umweltschädliche E-Autos ersetzt werden. Ohne weitere Subventionen wird das nicht gehen.
Verlagerung von Betrieben
Da die fossilen Energien weltweit wesentlich preiswerter sind als die erneuerbaren Energien und eine hohe Verfügbarkeit besitzen, könnte die ungebremste Klimapolitik der Bundesregierung dazu führen, das immer mehr Unternehmen der produzierenden Industrie ins Ausland abwandern werden. Mittlerweile ist daher sogar auch die SPD wachgeworden, die die Klimaziele jahrelang sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat. Die SPD-Landtagsfraktion in NRW befürchtet nun den Abbau von rd. 300.000 Arbeitsplätzen in der chemischen Industrie wegen der verfolgten Klimapolitik. Diese Erkenntnis kommt allerdings reichlich spät.
Quellenhinweise:
rwi-essen.de, Pressemitteilung vom 19.01.2026; WAZ vom 21.01.2026 sowie Leserbriefe in der WAZ vom 24.01.2026; Westfälische Nachrichten vom 21.01.2026 sowie RK-Redaktion vom 14.02.2026
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