UNTERWEGS FÜR DIE EWIGKEITSAUFGABEN
Wer im RuhrREVIER unterwegs ist, sieht sie regelmäßig: die Transporter der RAG AG, die durch Wohnquartiere fahren, an ehemaligen Zechenstandorten halten oder auf den ersten Blick unscheinbare Flächen ansteuern.
Was wie alltäglicher Betriebsverkehr wirkt, ist in Wahrheit ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Steinkohlenbergbau zwar seit 2018 beendet ist – seine Verantwortung jedoch bleibt weiterhin bestehen. Das belegen u.a. auch die Aktivitäten an der Bergbau-FH Georg Agricola in Bochum. Dort kann man seit einigen Jahren auch Ingenieur/in werden mit dem Schwerpunkt Nachbergbau.
Mit dem Ende der Förderung hat sich der Auftrag der RAG grundlegend gewandelt. Heute stehen die sogenannten Ewigkeitsaufgaben im Mittelpunkt aller Aktivitäten. Dazu zählen unter anderem die Grubenwasserhaltung, die Sicherung alter Schächte sowie der Schutz von Mensch, Umwelt und Infrastruktur vor bergbaulichen Altlasten. Die Prüfung der Trinkwasserqualität, die Sanierung alter Kokereistandorte u.a.
Genau für diese Aufgaben sind die Transporter täglich im Revier für Sie unterwegs.
PROTEGO UND CO MESSEN - prüfen - kontrollieren und reparieren
Ein zentrales Arbeitsfeld ist dabei die Kontrolle ehemaliger Schachtstandorte. Viele dieser Schächte sind heute mit sogenannten Protegohauben gesichert. Diese speziellen Schachtabdeckungen erfüllen eine doppelte Funktion: Sie schützen den dauerhaft gesicherten Schacht mechanisch und ermöglichen zugleich den kontrollierten Austritt von Grubengasen, ohne dass Gefahr für die Umgebung entsteht. Damit sind sie ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Gefahrenabwehr.
Die Kontrollen, die die Fachkräfte der RAG vor Ort durchführen, folgen klaren technischen Standards. Geprüft wird unter anderem der bauliche Zustand der Protegohaube: Sitzt sie fest, ist sie unbeschädigt, gibt es Korrosionserscheinungen oder äußere Einwirkungen durch Witterung, Vegetation oder Vandalismus? Ebenso wichtig ist die Funktionskontrolle der Gasführung. Dabei wird sichergestellt, dass Lüftungsöffnungen frei sind und Gase ordnungsgemäß entweichen können, ohne sich unkontrolliert im Untergrund oder an der Oberfläche anzusammeln.
Ergänzend erfolgen Sicht- und Umfeldkontrollen. Die Fachkräfte achten darauf, ob sich Veränderungen im Gelände ergeben haben – etwa Setzungen, Risse oder neue Bebauung in der Nähe des Schachts. Auch Hinweise von Anwohnerinnen und Anwohnern fließen in die Bewertung ein. Dokumentiert werden alle Ergebnisse digital, sodass Entwicklungen über Jahre hinweg nachvollziehbar bleiben.
Die Transporter der RAG dienen dabei als mobile Arbeitsbasis. Sie transportieren Messgeräte, Werkzeuge und Unterlagen und ermöglichen schnelle Reaktionen, falls Handlungsbedarf besteht. Gerade weil viele ehemalige Zechenstandorte heute in Wohngebieten, Parks oder Gewerbeflächen liegen, ist diese regelmäßige Präsenz entscheidend für die Sicherheit.
Gleichzeitig stehen die Fahrzeuge sinnbildlich für den Wandel des Ruhrgebiets. Wo früher Kohle gefördert wurde, sorgen heute Ingenieure, Techniker und Geologen dafür, dass die Folgen des Bergbaus dauerhaft beherrscht bleiben. Die regelmäßig fahrenden RAG-Transporter machen diese oft unsichtbare Arbeit sichtbar und schaffen Vertrauen.
So sind die Fahrzeuge der RAG weit mehr als reine Transportmittel. Sie verbinden Vergangenheit und Gegenwart und zeigen, dass die Verantwortung für das Ruhrrevier nicht mit der letzten Schicht endete, sondern täglich neu von den noch rd. 500 Mitarbeitern wahrgenommen wird.
Hinter der sichtbaren Präsenz der Transporter und der technischen Anlagen steckt nicht nur Fachwissen, sondern auch ein erheblicher finanzieller Aufwand. Das dauerhafte Management der sogenannten Ewigkeitsaufgaben, zu denen insbesondere die Grubenwasserhaltung gehört, ist kostenintensiv – und wird von der RAG-Stiftung getragen, die die Folgekosten des deutschen Steinkohlenbergbaus langfristig finanziert.
Allein im Jahr 2024 beliefen sich die gesamten Ausgaben für die Ewigkeitsaufgaben auf etwa 288 Millionen Euro – so viel wie nie zuvor seit dem Ende des Steinkohlenbergbaus. Der deutlich größte Teil entfiel dabei auf die Grubenwasserhaltung, das dauerhafte Abpumpen und das Management großer Wassermengen, um zu verhindern, dass sich das Grubenwasser unkontrolliert ausbreitet und Grund- oder Trinkwasser gefährdet. Überwacht und gesteuert werden diese Aktivitäten rund um die Uhr von der Grubenwasserleitwarte auf der ehem. Zeche Pluto in Herne.
Über mehrere Jahre betrachtet lagen die erforderlichen jährlichen Gesamtkosten für die Ewigkeitsaufgaben bislang in einer Größenordnung von rund 260 bis 300 Millionen Euro. Wie sich diese Kosten weiter entwickeln, hängt ab von der Entwicklung der Energiepreise, den technischen Anforderungen und den weiteren Effizienzmaßnahmen in den Grubenwasseranlagen.
Quellenhinweise:
RAG.de; RAG.Stiftung.de; bundesfinanzministerium.de (Monatsbericht Sep. 2022 zu den Ewigkeitskosten und deren Finanzierung durch die RAG-Stiftung); LWL.org.; fzn.thga.de ( Forschungszentrum Nachbergau an der Techn.-FH-Georg Agricola, Bochum)
Fotonachweise:
Header: Hintergrund: Revierkohle; Vordergrund: Sicherungsstandort Zeche Fürst Leopold, Dorsten: Revierkohle: Protegohaube Schacht 10, Graf Bismarck RK; VW-Transporter: RK; links: blaue Gasfackel: pixabay.com