Die Knappschaft feierte im Jahre 2010 ihr 750 jähriges Bestehen. Foto: Youtube-Screenshot

der ehemalige Bergmann und ehemaliger Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm ließ es sich nicht nehmen, eine Laudatio auf die Knappschaft zu halten. 

Die traditionsreiche Knappschaft steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Was über Jahrzehnte als soziale Heimat der Bergleute und ihrer Familien galt, soll im Rahmen einer Neuausrichtung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) offenbar deutlich verschlankt werden. Geplante Stellenstreichungen in der Verwaltung, Einsparungen bei Werbung und Neukundengewinnung sowie eine mögliche Reduzierung medizinischer Strukturen werfen dabei eine grundsätzliche Frage auf: Baut die Knappschaft derzeit an ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit?

Die Zahlen sind beeindruckend. Noch immer verfügt die Knappschaft über ein bundesweites Netz von 13 Krankenhäusern mit mehr als 4.500 Betten. Rund 1.500 Knappschaftsärzte stehen für die medizinische Versorgung zur Verfügung. Damit gehört die Knappschaft zu den wenigen Krankenkassen in Deutschland, die über eine eigene und historisch gewachsene Versorgungsstruktur verfügen.

Doch gleichzeitig schrumpft die Versichertenzahl. Heute zählt die Krankenversicherung der Knappschaft nur noch rund 1,15 Millionen Versicherte. Angesichts dieser Entwicklung sollen nun Verwaltungsstrukturen überprüft und offenbar auch ärztliche Kapazitäten reduziert werden. Betriebswirtschaftlich mag dies nachvollziehbar erscheinen. Gesellschaftspolitisch und sozial stellt sich jedoch die Frage, welche Zukunftsperspektive hinter diesen Maßnahmen steht.

 

Kosten über alles ?

Knappschaft zieht rote Linien

Besonders kritisch erscheint die Ankündigung, bei Werbung und Neukundengewinnung sparen zu wollen. Während nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen um neue Mitglieder werben und versuchen, ihre Marktposition auszubauen, scheint die Knappschaft den entgegengesetzten Weg einzuschlagen. Wer keine neuen Kunden gewinnen will, darf sich nicht wundern, wenn die Versichertenzahlen weiter sinken. Die Strategie wirkt daher widersprüchlich: Einerseits wird die geringe Mitgliederzahl als Begründung für Einsparungen angeführt, andererseits verzichtet man offenbar auf Maßnahmen, die genau dieser Entwicklung entgegenwirken könnten.

Hinzu kommt die finanzielle Belastung der Versicherten. Mit einem Zusatzbeitrag von 4,3 Prozent gehört die Knappschaft mittlerweile zu den teuersten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands. Viele langjährige Mitglieder stellen sich deshalb die Frage, welchen Mehrwert sie für diesen hohen Beitrag erhalten. Wenn gleichzeitig Leistungen, Strukturen und Personal reduziert werden, droht ein gefährlicher Vertrauensverlust.

  • der ewige Bergmann vor der Knappschaftsverwaltung in Bochum

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älteste organisierte Solidargemeinschaft in Deutschland

OP-Saal eines Knappschafts-Krankenhauses um 1921, Foto: Youtube-Screenshot

Die Knappschaft war einst weit mehr als eine gewöhnliche Krankenkasse. Sie war Ausdruck bergmännischer Solidarität und Teil einer einzigartigen Sozialgeschichte. Über Generationen hinweg bot sie den Beschäftigten des Bergbaus und ihren Familien Sicherheit, medizinische Versorgung und soziale Geborgenheit. Gerade in den ehemaligen Bergbauregionen besitzt die Knappschaft bis heute einen hohen Identifikationswert.

Die Knappschaft hat alles überlebt, was geschichtlich in den letzten 750 Jahren bedeutsam war. Sie hat den 30 jährigen Krieg überlebt, den 1. und 2. Weltkrieg überlebt. Sie war schon vor Schiller, Goethe und Kopernikus da. Sie war schon da, bevor Kolumbus Amerika entdeckte und sie ist älter als der Buchdruck. Unglaublich, aber wahr !

Vor diesem Hintergrund löst die angekündigte Neuausrichtung der Knappschaft-Bahn-See erhebliche Sorgen aus. Erfahrungen aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes zeigen, dass organisatorische Reformen häufig auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Rationalisierung, Personalabbau und Arbeitsverdichtung sind oft die unmittelbaren Folgen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über Jahre hinweg die Leistungsfähigkeit der Organisation gesichert haben, werden dabei nicht selten zu den Leidtragenden von Sparprogrammen.

Natürlich muss sich auch die Knappschaft wirtschaftlichen Realitäten stellen. Sinkende Mitgliederzahlen, steigende Gesundheitskosten und ein sich wandelndes Gesundheitssystem lassen Reformen unvermeidbar erscheinen. Doch Reformen benötigen eine klare Zukunftsvision. Wer lediglich Strukturen abbaut, ohne neue Perspektiven zu entwickeln, riskiert einen schleichenden Bedeutungsverlust.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie viele Stellen gestrichen oder wie viele Abteilungen zusammengelegt werden können. Die entscheidende Frage lautet: Welche Rolle soll die Knappschaft in zehn oder zwanzig Jahren noch spielen?

Soll sie weiterhin eine eigenständige, traditionsreiche Krankenversicherung mit besonderen Versorgungsstrukturen bleiben? Oder wird sie schrittweise auf eine gewöhnliche Verwaltungseinheit reduziert, deren historische Wurzeln zunehmend verblassen? Das wäre mehr als schade. 

Die IGBCE-Vize-Chefin und ehrenamtlicher Vorstand der KBS, Birgit Biermann, hält sich zur Zukunft der Knappschaft bedeckt. Das ist auffällig. Ihr liegt lediglich am Herzen, das der Umbau und Abbau von Personal bitte schön sozialverträglich über die Bühne gehen möge. Und das es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen darf. Das klingt nicht nach Zukunftssicherung.  

die sog. Brüderhäuser der Bergmanns-Bruderschaften bildeten die Vorläufer der Knappschaft, Foto: Yotube-Screenshot

Quellenhinweise: 

WAZ vom 13.03.2026 und 14.03.2026; ad-hoc-news.de vom 10.03.2026; jobs-bei-der-krankenkasse.de vom 15.03.2026; esf.de; bergbaumuseum.de; aschendorff-buchverlag.de ( Auf breiten Schultern – 750 Jahre Knappschaft); kbs.de/Geschichte und RK-Redaktion vom 14.06.2026

Fotonachweise: 

Header: Hintergrund: Revierkohle; Vordergrund: stockdreams-ai; Montage: Revierkohle; links darunter: Youtube-Screenshot; rechts darunter (Bergmannsskulptur): Youtube-Screenshot; Freistellung: Revierkohle   

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