Mythos und Realität
Warum die Debatte über erneuerbare Energien ehrlicher geführt werden muss
Kaum eine Aussage wird in der energiepolitischen Diskussion so häufig wiederholt wie diese: Erneuerbare Energien liefern den billigsten Strom. Windkraft und Photovoltaik gelten vielen inzwischen als nahezu unschlagbar günstig. Die Botschaft klingt einfach, modern und beruhigend. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich: Diese Rechnung ist oft nur deshalb so attraktiv, weil entscheidende Kosten ausgeblendet werden.
Denn die Realität des Stromsystems ist komplizierter als politische Werbeslogans und Hochglanzgrafiken vermuten lassen.
Tatsächlich beziehen sich viele Berechnungen der angeblich niedrigen Kosten erneuerbarer Energien lediglich auf die sogenannten „Stromgestehungskosten“ einzelner Anlagen. Dabei wird oft nur betrachtet, was eine Kilowattstunde direkt an der Windkraftanlage oder am Solarpark kostet. Nicht berücksichtigt werden jedoch zahlreiche Folgekosten, die erst durch die volatile Einspeisung entstehen: Netzausbau, Speichertechnik, Reservekraftwerke, Redispatch-Maßnahmen, Zwangsabschaltungen und milliardenschwere Subventionen.
Genau hier beginnt die eigentliche Debatte.
Der Fisch stinkt vom Kopf aus die Kosten
steigen von 3 Mrd. Euro in 2000
und steigen auf 77,8 Mrd. in 2026
Wind- und Solaranlagen produzieren Strom nicht dann, wenn er gebraucht wird, sondern dann, wenn das Wetter es erlaubt. Bei starkem Wind oder intensiver Sonneneinstrahlung entstehen regelmäßig Überkapazitäten. Das Netz kann diese Mengen oft gar nicht aufnehmen. Die Folge: Anlagen werden abgeschaltet – erhalten aber dennoch Entschädigungszahlungen. Der Verbraucher bezahlt also Strom, der nie geliefert wird.
Gleichzeitig entstehen in windarmen oder dunklen Zeiten erhebliche Versorgungslücken. Besonders im Winter zeigen sogenannte „Dunkelflauten“, wie verletzlich ein stark wetterabhängiges Energiesystem ist. Dann liefern tausende Windräder und Solaranlagen plötzlich nur noch einen Bruchteil ihrer Nennleistung. Genau in diesen Momenten werden konventionelle Kraftwerke unverzichtbar.
und damit wird ein grundlegender Widerspruch sichtbar
Selbst ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien macht grundlastfähige Kraftwerke bislang nicht überflüssig. Kohle-oder Gaskraftwerke müssen weiterhin bereitstehen, um die Versorgungssicherheit zu garantieren. Sie laufen künftig zwar oft nur noch als Reserve – verursachen aber dennoch hohe Investitions-, Wartungs- und Personalkosten.
Das bedeutet: Man bezahlt am Ende zwei Systeme gleichzeitig. Ein wetterabhängiges Erzeugungssystem plus eine vollständige konventionelle Sicherheitsstruktur im Hintergrund. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt wird: die Energiedichte.
Ein modernes Kohlekraftwerk erzeugt auf vergleichsweise kleiner Fläche enorme Energiemengen – Tag und Nacht, unabhängig vom Wetter. Im Schnitt hat ein modernes Kohlekraftwerk eine Leistung 1200 MW. Mit dieser Leistung können im Jahresdurchschnitt 8,4 TWh an Strom produziert werden. Um dieselbe kontinuierliche Leistung durch Windkraft zu ersetzen, werden 530 Anlagen a 6 MW an Leistung benötigt. Verteilt über riesige Landschaftsflächen, Wälder und Höhenzügen. Das landwirtschaftliche Erscheinungsbild wird dadurch dauerhaft verändert, verursacht Infraschall und tötet jedes Jahr viele Vögel.
Die physikalischen Unterschiede sind erheblich. Fossile Energieträger besitzen eine sehr hohe Energiedichte. Wind hingegen ist diffus. Deshalb braucht Windenergie enorme Rotorflächen, große Abstände zwischen den Anlagen sowie kilometerlange Netzanbindungen. Die oft beschworene „grüne Energie“ hat also durchaus einen massiven Landschafts- und Flächenverbrauch.
Besonders problematisch wird dies dort, wo Natur- und Artenschutz mit energiepolitischen Ausbauzielen kollidieren. Immer häufiger geraten Wälder, Wasserschutzgebiete und sensible Lebensräume unter Druck. Die Frage, wie viel Landschaft eine Gesellschaft bereit ist zu industrialisieren, wird bislang erstaunlich selten offen diskutiert.
Auch wirtschaftlich bleibt das System widersprüchlich. Viele Betreiber erneuerbarer Anlagen tragen kaum Markt- oder Absatzrisiken. Dank garantierter Einspeisevergütungen oder staatlicher Fördermodelle lohnt sich die Produktion oft selbst dann, wenn der Strommarkt bereits übersättigt ist. Negative Strompreise – also Situationen, in denen Deutschland für die Abnahme seines Stroms zahlen muss – sind längst keine Ausnahme mehr. Die Kosten verschwinden dabei nicht. Sie werden lediglich umverteilt: auf Netzentgelte, Umlagen, Steuerzahler und Verbraucher.
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Pssst! >>> mitdenken erlaubt !
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Und ob die erneuerbaren Energien in Zukunft in der Lage sind, eine stabile Versorgungssicherheit zu garantieren, steht auch in den Sternen. Dazu müssten erstmal die notwendigen „Batterie-Rassen“ gezüchtet werden, die in der Lage sind, den Bedarf für Mio. von Haushalten im Flautefall für mehrere Tage sicherzustellen. Wer also behauptet, Wind- und Solarstrom seien „die billigste Energieform“, unterschlägt wesentliche Teile der Realität.
Eine ehrliche Energiedebatte müsste deshalb nicht nur über Erzeugungskosten sprechen, sondern über Systemkosten. Über Versorgungssicherheit. Über Speicherprobleme. Über Flächenverbrauch. Über Subventionen. Und über die Frage, wer am Ende tatsächlich bezahlt. Bisher war es ausschließlich der deutsche Michel bzw. die deutsche Micheline.
Denn billig ist Strom nur dann, wenn man alle Kosten mitrechnet.
Glückauf !
Quellenhinweise:
Eike.de vom 31.03.2026 und 07.04.2026; Lichtblick.de (Werbung für Erneuerbare); mdr.de vom 12.08.2024; Tagesschau.de vom 15.09.2025; frauenhofer.de (Frauenhofer-Studie) vom Juli 2024; oekorenta.de vom 13.05.2026; bund-naturschutz.de : sind erneuerbare Energien zu teuer ?, o.J. sowie RK-Redaktion vom 15.05.2026
Fotonachweise:
Header: stockdreams.ai, Hand und Windkraftanlage: pixabay.com, Montage und Freistellung: Revierkohle; Hintergrund: pixabay.com; links darunter: pixabay.com, Freistellung: Revierkohle
