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DER PREIS : 2000 ARBEITSPLÄTZE FALLEN WEG

Nach monatelangem ringen um die Zukunft des Duisburger Hüttenwerkes Krupp-Mannesmann (HKM) steht nun fest: es wird weiter Stahl gekocht. Allerdings nicht mehr unter der Führung von ThyssenKrupp, sondern unter dem Dach der Salzgitter AG.

Damit geht für die Beschäftigten von HKM eine lange Zitterpartie zu Ende. Zwar hat man sich im Rahmen des Verkaufs darauf geeinigt, sich an einer sozialverträglichen Lösung finanziell zu beteiligen, aber der Preis ist trotzdem hoch. Von den derzeit rd. 3000 Arbeitsplätzen sollen bei HKM nur noch 1000 Arbeitsplätze übrigbleiben.

Außerdem will man die konventionelle Stahlproduktion mit Hilfe von Kohle auf Lichtbogenofentechnik umrüsten.  Ein Hochofen soll schrittweise ganz geschlossen werden. Salzgitter will so den ersten „grünen Stahl“ in Duisburg produzieren. Wir wollen die Entscheidung im Folgenden einmal sauber einordnen.   

HKM-Stahlbrammen-Lager in Duisburg-Süd, Foto: Youtube-Screenshot

2.5 Mio. Tonnen STahl pro jahr

mit einem neuen Lichtbogenofen riskanter Schritt ?

Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) haben Pläne vorgestellt, den klassischen Hochofenprozess teilweise durch einen Elektro‑Lichtbogenofen (EAF) zu ersetzen. Diese Modernisierung ist Teil der sogenannten grünen Transformation, unterstützt durch Bund und Land mit rund 200 Millionen € – unter anderem für den Bau des „größten deutschen Elektro‑Lichtbogenofens“ zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion

Ein Lichtbogenofen (Electric Arc Furnace, EAF) nutzt elektrische Energie, um Metall – meist Stahlschrott, aber auch direktreduziertes Eisen – durch einen zwischen Elektroden erzeugten elektrischen Lichtbogen zu schmelzen. Die Temperaturen in einem EAF können bis über 3.000 °C steigen, um das Material effizient aufzuschmelzen.

Typische Merkmale des Lichtbogenofen‑Verfahrens sind:

  • Elektrisch betrieben: Strom erzeugt die Schmelztemperatur über Lichtbögen zwischen Elektroden und dem Einsatzmaterial.

  • Flexibler Rohstoffeinsatz: Vor allem Schrott, aber auch Eisenschwamm oder Roheisen können verarbeitet werden.

  • Relativ schnelle Produktionszyklen: Anlagen lassen sich schneller starten und stoppen als klassische Hochöfen.

  • Direktreduziertes Eisen entsteht, wenn man Eisenerz bei einer Temperatur von 800 bis 1.050 Grad reduziert. Der dabei entstehende Reduktionsstoff ist Synthesegas, welches aus Erdgas (Kohlenmonoxid = CO2) hergestellt wird. 

Beim traditionellen Hochofenprozess wird Eisenerz zusammen mit Koks (aus Kohle) erhitzt, um Roheisen zu erzeugen. Kohlestoff aus dem Koks reagiert mit dem Eisenoxid und reduziert es zum metallischen Eisen. Dieser Prozess ist kon­ti­nuierlich und hochgradig skaliert, was ihn wirtschaftlich sehr effizient für große Mengen Stahl macht. 

Die Stahlindustrie will nunmehr auf der Basis des Klimarettungsglaubens ihre Emissionen drastisch reduzieren. Projekte wie beim Nachbarn Thyssenkrupp setzen auf Direktreduktionsanlagen mit Wasserstoff, kombiniert mit Lichtbogenöfen, um klimaneutralen Stahl zu erzeugen. Diese Kombination könnte theoretisch CO₂‑Emissionen stark senken.

Grüner Wasserstoff entsteht dabei allerdings nur durch energieintensive und verlustreiche Elektrolyse von Wasser mit erneuerbarem Strom. In der Theorie produziert man so Stahl ohne fossile Emissionen.

Aber hier liegen zwei große Risiken:

  1. Volatilität erneuerbarer Energie: Wind‑ und Solarstrom sind tageszeit‑ und wetterabhängig. Ohne große Energiespeicher oder ergänzende verlässliche Energiequellen ist die Versorgungssicherheit eines EAF‑betriebenen Werks gefährdet, vor allem im großen Maßstab. Und es gibt noch keine Batteriespeicher, die in der Lage wären, eine Flaute von 1-2 Wochen zu überbrücken. Es können lediglich Schwankungen von 1 bis 2 Stunden überbrückt werden. 

  2. Hohe Strompreise: Selbst mit staatlicher Förderung ist erneuerbarer Strom wesentlich  teurer  als fossile Energie, was die Kosten der Stahlproduktion erhöht und die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Zudem hat es bereits Fälle gegeben, wo große Unternehmen EAF‑Projekte wegen wirtschaftlicher Herausforderungen gestoppt oder umgestaltet haben – ein Hinweis, dass die Idee zwar technisch plausibel, aber wirtschaftlich nicht trivial ist.

warum setzen die meisten Stahlhersteller in der Welt weiter auf Kokskohle ?

die Faktenlage

4 gute Gründe für die Kohle

  • Koks/Hochofenstahl ist extrem preiswert, vor allem bei großen Mengen.

    • Hochöfen laufen kontinuierlich, produzieren mehrere tausend Tonnen Stahl pro Tag.

    • Die Kosten pro Tonne Stahl aus Hochofen und Kokskohle liegen heute oft bei unter 500 €/t.

  • Grüner Stahl (DRI + EAF mit Wasserstoff) ist aktuell deutlich teurer:

    • Stromkosten für EAF sind hoch (350–400 kWh/Tonne Stahl)

    • Grüner Wasserstoff ist noch teuer (5–10 €/kg) → 0,5–1 t H₂ pro Tonne Stahl nötig

    • Gesamtproduktionskosten können 100–200 % höher sein als bei klassischen Verfahren

    • Die meisten Länder setzen weiter auf Kohle, weil Kohle günstig, zuverlässig, lagerfähig und für Hochöfen optimiert ist. Grüner Stahl ist technisch machbar, aber teuer, energieabhängig, volatil und noch nicht in industriellem Maßstab wirtschaftlich konkurrenzfähig. Daher setzt HKM und Salzgitter auf Subventionen. Auf Dauer kann so keine Wettbewerbsfähigkeit hergestellt werden. Aber da sagen wir Ihnen sicherlich nichts Neues. 
    • Glücklauf !    

während in Deutschland ein Kraftwerk nach dem anderen niedeglegt wird, wie hier das Kraftwerk Ibbenbüren,werden weltweit ständig neue Kohlekraftwerke gebaut.

Quellenhinweise: 

WAZ vom 07.02.2026; home-of-steel.de vom 06.02.2026; igmetall-mk.de vom 22.01.2026; dielinkebt.de vom 06.02.2026; deutschlandfunk.de vom 06.02.2026; Spiegel.de vom 06.02.2026; Süddeutsche Zeitung vom 06.02.2026 sowie RK-Redaktion vom 14.03.2026 

Fotonachweise. 

Header: stockdreams.ai; Hintergrund: pixabay.com, links darunter: HKM-Stahlbrammenproduktion: Youtube-Screenshot; links darunter: Stahlbrammenlager HKM: Youtube-Screenshot; links darunter: Sprenung von Kühlturm und Schornstein des KW Ibbenbüren; Youtube-Screenshot

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HKM Stilllegung abgewendet
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