Nach monatelangem Tauziehen und einem endlos erscheinenden Nervenkrieg für die Belegschaft scheint endlich Klarheit bei den angeschlagenen Hüttenwerken Krupp-Mannesmann (HKM) aufzukommen. Der Standort ist gerettet. Die Belegschaft kann vorübergehend wieder aufatmen. Ausnahmsweise gab es für einen Vorstandsvorsitzenden Beifall für die Rettung des Traditionsunternehmens in Duisburg. Gunnar Groebler hatte die Verhandlungen zusammen mit der IG-Metall geführt.
Die Stahlproduktion in Duisburg wird von der Salzgitter AG fortgeführt. Sie übernimmt nicht nur die rd. 3000 Beschäftigten, sondern auch die Anteile der bisherigen Mitgesellschafter. Der Vertrag wurde bereits am 08.07.2026 unterzeichnet. Das ist ein besonderer Erfolg, wenn man bedenkt, das die bisherigen Anteilseigner, die Thyssen-Krupp Steel Euope und die Fa. Vallourec die komplette Schließung des Stahlstandortes zur Diskussion stellten.
Die Salzgitter AG hat ausdrücklich erklärt, das sie die Zukunft von HKM sichern und auch frisches Geld in den Stahlstandort stecken möchte. Allerdings sprach Salzgitter auch von einem Transformationskonzept, zu dem u.a. auch die Errichtung eines Elektroklichtbogensofens gehört, der die Co2-Emissionen um bis zu 90 % reduzieren soll. Vorausgesetzt, es wird grüner Strom eingesetzt.
Warum dann ohne Not schon vorab die Koksofenbatterie 2 in Duisburg stillgelegt werden soll, bleibt schwer verstehbar.Transformation heißt aber auch, das die Arbeitsprozesse und die Arbeitsplätze genau durchleuchtet werden. Das wird unweigerlich zu einem weiteren Abbau der Belegschaft führen. Denn anders kann man die Ankündigung nicht interpretieren, das die Produktion an zukünftige Marktanforderungen angepasst werden soll. Damit ist auch ein erheblicher Personalabbau bis 2028 Gegenstand weiterer Auseinandersetzungen zwischen dem Salzgitter-und dem IG-Metall-Vorstand.
Wie üblich bei solchen Anpassungsprozessen geht es neben noch einzuleitenden Qualifizierungsmaßnahmen auch um eine sozialverträgliche Lösung für diejenigen Stahlarbeiter, die nicht an Bord bleiben können. Und das sollen immerhin zweidrittel der Belegschaft sein. Salzgitter plant, die Mannschaft von 3000 auf 1000 Mann zu reduzieren. Das ist mehr als eine harmlose Transformation.
Ob man mit diesen Maßnahmen die Industriearbeitsplätze auf Dauer sichern kann, bleibt abzuwarten. Sollte die Produktion vollständig auf die neue Elektro-Lichtbogenofentechnik mit grünem Strom umgestellt werden, dann dürfte es mit der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit aus unserer Sicht problematisch werden, da die Kosten wesentlich höher liegen als die bisherige traditionelle Produktion mit Hilfe von Kokskohle.
Gegen die chinesische Konkurrenz hat auch Salzgitter wenig Chancen. Und die Chinesen produzieren ihren Stahl immer noch traditionell mit Hilfe von Kohle plus staatlicher Subventionen sowie mit niedrigeren Löhnen ihrer Arbeiter .
Und auf Dauer kann man nicht den Steuerzahler zur Kasse bitten, um den Preis wettbewerbsfähig zu halten. Möglicherweise verläuft der Sterbeprozess für die deutsche Stahlindustrie sukzessive genau so traurig ab wie die skukzessive Schließung unserer ehemals 134 Zechen. Die letzten wurden auf politischen Druck und ohne Not geschlossen. Dabei hatte die Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie jahrelang davor gewarnt, sich nicht zu 100 % abhängig zu machen vom Ausland.
Erst durch den Überfall Russlands auf die Ukraine und die Blockade der Meerenge von Hormus und Bab al Mandab in Folge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran sowie die Drohnenangriffe auf Teile der kritischen Infrastruktur in Deutschland wird die Politik langsam wach.
Die verantwortlichen politischen Akteure sollten endlich begreifen, das das Thema Versorgungssicherheit nicht ohne fossile Energieträger buchstabiert werden kann. Das sagen wir Übrigens auch schon seit über 30 Jahre ! Bisher hatten wir jedenfalls Recht behalten.
Glückauf !
FÜR HKM SIND DIE WÜRFEL SIND GEFALLEN
Quellenhinweise:
Handelsblatt.com vom 09.07.2026; marketsteel.de vom 18.09.2026; www1.wdr.de vom 06.02.2026; salzgitter-ag.com vom 09.07.2026; radioduisburg.de vom 09.07.2026; nordrhein-westfalen.igmetall.de vom 13.07.2026 sowie RK-Redaktion vom 21.09.2026
Fotonachweise:
Header: Hintergrund: fotolia-Kauf; Vordergrund: Youtube-Screenshot: Gestaltung: Revierkohle; links darunter: HKM-Duisburg: Foto: Youtube-Screenshot

