ENERGIEPARK STATT FOSSIL - TATSÄCHLICH ?

Nichts als heisses Wasser in einem 2000 Kubikmeter großen Heißwasserspeicher. Dazu ein paar Rohrleitungssysteme, die die Abwärme aus dem nahe gelegenen Hafen in das Nahwärmenetz einspeisen und schwupps sind rund 2000 Haushalte in Hamburg-Wilhelmsburg klimaneutral aufgestellt. So jedenfall stellt das der Betreiber des ehemaligen Flakbunkers aus dem 2. Weltkrieg, die Firma Hamburger Energiewerke, die fossilfreie Zukunft vor.

Wärmeversorgung neu denken, dachte sich auch die Wohnungsgenossenschaft von 1904 e.G. und baute bisher schon 600 Wohnungen in den vergangenen drei Jahren klimaneutral um und schloß sich an das Fernwärmenetz von Hamburg-Energie an. Das Ziel: bis Ende 2030 will man den C02-Ausstoß im Vergleich zu 1990 halbieren und wenn es nach dem Willen des Hamburger Senats geht, will man bis 2040 gem. Kohleausstiegsgesetz klimaneutral werden. Leider hat das ganze nicht nur einen Haken.    

Der Energiebunker Wilhelmsburg gehört zweifellos zu den spektakulärsten Bauwerken der Hamburger Energiewende. Aus einem ehemaligen Flakbunker von 1943 wurde ein Vorzeigeprojekt für angeblichen Klimaschutz und nachhaltige Wärmeversorgung. Die Botschaft ist klar: Aus den Relikten des Krieges entsteht die klimaneutrale Zukunft.

Zumindest auf dem Papier.

Technisch setzt das Projekt auf ein durchaus intelligentes Konzept. Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage am Borsigweg, industrielle Prozesswärme aus dem Hafen sowie Wärme aus dem Elbwasser sollen über Großwärmepumpen nutzbar gemacht und in das Nahwärmenetz eingespeist werden. Ein großer Wärmespeicher im Bunker sorgt dafür, dass die Energie nicht sofort verbraucht werden muss.

Das klingt nach einer perfekten Kreislaufwirtschaft. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Großwärmepumpen arbeiten schließlich nicht mit gutem Willen, sondern mit Strom. Und genau dieser steht als überschüssiger Ökostrom nun einmal nicht jederzeit zur Verfügung. Wind und Sonne kennen weder politische Zielvorgaben noch Koalitionsverträge. Wenn Flaute herrscht und der Himmel grau bleibt, müssen andere Energieträger einspringen.

Die Realität heißt deshalb auch weiterhin fossiles Erdgas.

Aus fossiler Energie wird dann sprachlich eine „energetische Transformation“. Das klingt deutlich moderner, als zuzugeben, dass die Wärmewende derzeit ohne Gas schlicht nicht auskommt. Die Physik zeigt sich eben bemerkenswert unbeeindruckt von politischen Pressemitteilungen.

Auch das oft bemühte Argument der kostenlosen Abwärme verdient einen zweiten Blick. Die Wärme selbst mag als Nebenprodukt entstehen – ihre Erfassung, Aufbereitung, Speicherung und Verteilung kosten jedoch erhebliche Summen. Leitungen müssen gebaut, Großwärmepumpen installiert, Speicher errichtet und Netze modernisiert werden. Kostenlos ist daran allenfalls die Werbebroschüre. Wegen der enorm hohen Kosten sind daher Ein-oder Zweifamilienhäuser auch nicht anschlussfähig.   

Besonders unerquicklich wird es für die angeschlossenen Verbraucher. Der Energiebunker versorgt derzeit rund 2.000 Haushalte über das Nahwärmenetz. Wer einmal angeschlossen ist, hat praktisch keine Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Während Stromkunden Preise vergleichen und ihren Lieferanten wechseln können, bleibt Fern- und Nahwärmekunden diese Freiheit verwehrt. Steigen die Preise, bleibt lediglich die Hoffnung auf milde Winter.

Bereits heute schlagen Preissteigerungen von rund 25 Euro pro Haushalt und Monat zusätzlich zu Buche. Für den einzelnen Haushalt mag das noch verkraftbar erscheinen. Doch es zeigt die Richtung, in die sich die Kosten entwickeln können. Wettbewerb als Preiskorrektiv existiert praktisch nicht.

Gleichzeitig plant Hamburg Energie bis zum Jahr 2029 Investitionen von rund drei Milliarden Euro, um künftig etwa 15.000 Mehrfamilienhäuser klimaneutral mit Fernwärme zu versorgen. Das ist zweifellos ein ambitioniertes Vorhaben und Ausdruck eines erheblichen politischen Gestaltungswillens.

Ob daraus allerdings dauerhaft bezahlbare Wärme entsteht, bleibt eine andere Frage.

 

Klimaneutral durch durch Luft, Liebe und Wärme

Denn die Energiewende wird häufig so dargestellt, als sei Klimaneutralität vor allem eine technische Herausforderung. Tatsächlich ist sie mindestens ebenso eine wirtschaftliche. Anlagen müssen finanziert, Netze unterhalten und Betriebskosten gedeckt werden. Diese Rechnung landet am Ende nicht im Rathaus, sondern im Briefkasten der Verbraucher.

Mit einer Wärmeleistung von rund 17 Megawatt ist der Energiebunker zudem kein Gigant der Energieversorgung, sondern eher ein wichtiger Baustein innerhalb eines deutlich größeren Wärmenetzes. Seine eigentliche Bedeutung liegt deshalb weniger in seiner Leistung als in seiner Symbolkraft.

Vielleicht ist genau das die größte Ironie dieses Projekts.

Aus einem ehemaligen Flakbunker wurde ein Symbol der Klimaneutralität. Früher sollte der Bunker vor Bomben schützen, heute schützt das Nahwärmenetz vor allem den Betreiber vor Konkurrenz. Denn wer einmal angeschlossen ist, bleibt Kunde – unabhängig davon, wie sich der Wärmepreis entwickelt.

Bleibt zu hoffen, dass die Hamburgerinnen und Hamburger am Ende nicht feststellen müssen, dass die teuerste Energie nicht die fossile, sondern die alternativlose ist. 

Und hoffentlich müssen sie dann nicht auch noch feststellen, das das Klima nicht neutralisiert werden kann und die C02-Emissionen unherblich sind, weil sie nur einen winzigen und kaum messbaren Einfluss auf die Erderwärmung  haben. Ahoi ! 

  • HEY! Click on the Sea Boat

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Quellenhinweise: 

N.N:. Im Maschinenraum der Energiewende, in: bei uns Sommer 2026, Seite 9, Wohnungsgenossenschaft von 1904 e.G. (Hrsg.);  Hamburger Abendblatt (abendblatt.de) vom 04.08.2020; hamburg.de/tourismus; internationale -bauausstellung-hamburg.de 2013; hamburger-energiewerke.de; NDR.de vom 10.10.2024; moinzukunft.hamburg.de; gedenkstaetten-in-hamburg.de sowie RK-Redaktion vom 14.07.2026

Fotonachweise: 

Haeder: Hintergrund: Flakbunker Wilhelmsburg: Youtube-Screenshot: Vordergrund: Youtube-Screenshot, Hamburger Energiewerke; HH-Flagge: pixabay.com, Montage: Revierkohle; links darunter: Rohrleitungsverteilsystem im Energiebunker: Youtube -Screenshot 

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