EIN SIGNAL, DASS POLITISCH KLEIN GEREDET WIRD
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist auf unter 40 Prozent gefallen. Nach Angaben des Verbandes der Gas-und Wasserwirtschaft liegt der Füllstand sogar unter dem Niveau des Krisenjahres 2022 (Corona; Ukrainekrieg). Für die laufende Heizperiode mag das rechnerisch noch ausreichen, vorausgesetzt, das es im Februar nicht noch knackig kalt wird, strategisch ist es jedoch ein Alarmsignal. Denn die Speicher sind kein Komfortpolster, sondern das zentrale Sicherheitsinstrument gegen Lieferausfälle, geopolitische Eskalationen und extreme Wetterlagen. Und gleichzeitig werden immer mehr Kohlekraftwerke abgeschaltet. Dass die Füllstände so niedrig sind, ist weder Zufall noch allein dem Winter geschuldet. Und schon gar nicht der sog. Klimakrise.
Warum die Befüllung unzureichend war
Die mangelhafte Befüllung der Speicher ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und marktwirtschaftlicher Fehlanreize.
Erstens wurden die gesetzlichen Füllstandsvorgaben schrittweise abgesenkt. Während und nach Beginn des Ukrainekriegs noch Füllstände von rund 90 Prozent vor dem Winter politisch eingefordert wurden, gelten inzwischen deutlich niedrigere Zielmarken. Das senkt kurzfristig Kosten und beruhigt Märkte, reduziert aber den sicherheitspolitischen Puffer erheblich.
Privathaushalte sind noch nicht gefährdet
Alles o.k. ?
Nein ! Denn die Preise sind um 20 % gestiegen !
Zweitens fehlten wirtschaftliche Anreize zur vorsorglichen Einlagerung. Die Gaspreise waren im Sommer und Herbst vergleichsweise moderat, der Markt setzte auf laufende Importe statt auf teure Vorratshaltung. Für Versorger war es ökonomisch rational, Speicher nicht maximal zu füllen – volkswirtschaftlich war es riskant.
Drittens wurde Versorgungssicherheit politisch zunehmend dem Ziel der Preisstabilität untergeordnet. Maßnahmen wie die Abschaffung der Gasspeicherumlage entlasteten Verbraucher, schwächten aber zugleich den Mechanismus, der eine strategische Befüllung finanzierbar gemacht hätte.
Verbrauch 2024 und 2025: hoher Bedarf, schwindende Reserven
Der Gasverbrauch in Deutschland ist entgegen vieler Erwartungen nicht dauerhaft gesunken. 2024 lag der Verbrauch bei rund 840 bis 850 Terawattstunden und damit höher als im Vorjahr. 2025 setzte sich dieser Trend fort, mit einem weiteren leichten Anstieg.
Treiber waren eine stärkere industrielle Nachfrage, witterungsbedingt höhere Heizverbräuche und der Umstand, dass Gas als Brückentechnologie weiterhin eine zentrale Rolle spielt – sowohl in der Stromerzeugung als auch in der Wärmeversorgung. Der gleichzeitige Abbau der Speicherreserven bedeutet faktisch: Deutschland lebt stärker von täglichen Importen und weniger von eigener Vorsorge.
Quellenhinweise:
Eike.de vom 27.01.2026; t-online.de vom 27.01.2026; NDR.de vom 23.01.2026; Bild-Zeitung vom 26.10.2026 sowie RK-Redaktion vom 14.0.22026
Fotonachweise:
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Die Rolle der Bundesnetzagentur: Beruhigung statt Risikokommunikation
Die Bundesnetzagentur betont regelmäßig, die Gasversorgung sei gesichert. Formal ist das korrekt. Deutschland befindet sich nicht in einer Alarm- oder Notfallstufe des Gasnotfallplans, die Importkapazitäten sind vorhanden, und aktuell fließt Gas.
Kritisch ist jedoch der kommunikative Fokus. Statt strukturelle Risiken offen zu benennen, wird die Debatte auf kurzfristige Versorgungssicherheit verengt. Niedrige Speicherstände werden relativiert, indem auf funktionierende Märkte und Diversifizierung verwiesen wird.
Diese Strategie soll Panik verhindern, hat aber eine Kehrseite: Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit verlieren das Bewusstsein dafür, wie schnell sich eine stabile Lage verschlechtern kann, wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig eintreten.
Notfallpläne: Was passiert bei einer echten Krise?
Der deutsche Notfallplan Gas sieht drei Stufen vor: Frühwarn-, Alarm- und Notfallstufe.
In der Frühwarnstufe wird die Lage beobachtet, ohne dass die Bundesnetzagentur in den Markt eingreift. In der Alarmstufe greifen marktwirtschaftliche Instrumente, etwa Preissignale und zusätzliche Beschaffung. Erst in der Notfallstufe übernimmt der Staat die zentrale Steuerung.
Dann wird Gas nicht mehr frei verteilt, sondern zugeteilt. Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und kritische Infrastruktur werden priorisiert. Teile der Industrie müssten ihre Produktion drosseln oder einstellen. Wirtschaftlicher Schaden wäre die zwangsläufige Folge.
Diese Pläne existieren – sie sind jedoch das letzte Mittel. Sie ersetzen keine vorausschauende Speicher-politik.
Szenario Katar: Ein unterschätztes Risiko
Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine in 2022 bezieht Deutschland kein Gas mehr aus Russland. Statt dessen wird teures Flüssiggas aus Katar bezogen.
Ein Ausfall von LNG-Lieferungen aus Katar wäre kein theoretisches, sondern ein reales geopolitisches Risiko. Deutschland könnte solche Mengen nicht kurzfristig vollständig ersetzen.
Die Folgen wären absehbar: steigende Preise auf dem globalen LNG-Markt, verschärfter Wettbewerb mit Asien, zusätzliche Belastungen für Industrie und Verbraucher. Technisch vorhandene LNG-Terminals lösen dieses Problem nur begrenzt, denn entscheidend ist nicht die Infrastruktur, sondern die Verfügbarkeit von Gas zu vertretbaren Preisen.
Ein längerer Ausfall Katars würde sehr wahrscheinlich eine Eskalation und damit den Notfallplan auslösen.
Die noch bestehenden Kohlekraft reduzieren dieses Risiko erheblich.
Glückauf !