Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner drastischen Formulierung zur Energiewende vor allem eines geschafft: eine Debatte ausgelöst, die Deutschland seit Jahren verdrängt. Denn zwischen Windrad-Romantik, Solardach-Instagram-Sketchen und den physikalischen Realitäten eines Industrielandes liegt ein ziemlich großer Unterschied. Für die Äußerung sind wir ihm daher sehr dankbar.
Natürlich ist der Satz polemisch zugespitzt. Niemand wird buchstäblich „von der Energiewende umgebracht“. Und es gibt natürlich auch keine Klimakrise. Höchstens eine Geisteskrise bei den Alarmisten. Aber die eigentliche Frage dahinter ist ernst: kann ein hochindustrialisiertes Land seine Stromversorgung dauerhaft fast ausschließlich auf volatile Quellen wie Wind und Sonne stützen?
Die ehrliche Antwort lautet:
Nur mit enormem technischem Aufwand – und vermutlich nicht ohne gesicherte Leistung.
Begannen am 07.02.2007. An diesem Tag verständigten sich das Land NRW, das Saarland und die RAG auf die Beendigung des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahre 2018. Und am 25.02.2000 verabschiedete der Bundestag unter Bundeskanzler Gerhard Schröder und Umweltminister Jürgen Trittin das Erneuerbare Energien-Gesetz. Diese Gesetze haben der deutschen Volkswirtschaft bis heute einen Schaden im dreistelligen Mrd.-Euro-Bereich beschert. Darüber hinaus ist durch den ständigen weiteren Ausbau von Windkraftanlagen die Versorgungssicherheit ernsthaft gefährdet. Und das hat nicht nur mit den aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen zu tun.
In der politischen Debatte wird häufig mit gigantischen Zahlen rethorisch elegant hantiert:
Das klingt beeindruckend. Nur leider hilft die schönste installierte Leistung wenig, wenn sie gerade nicht verfügbar ist. Und der Bedarf ist mit 438 TWh pro Jahr riesig. Denn Wind und Sonne liefern keine „gesicherte Leistung“, sondern volatile Energie.
Und genau dort beginnt das Problem.
Das europäische Stromnetz läuft mit einer Frequenz von 50 Hertz. Diese Frequenz ist kein dekorativer Richtwert, sondern ein hochsensibles Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch. Steigt der Verbrauch plötzlich stärker als die Einspeisung, sinkt die Frequenz. Wird zu viel Strom eingespeist, steigt sie.
Normalerweise bewegt sich das Netz minimal um die 50 Hertz herum. Kritisch wird es erst bei deutlicheren Abweichungen – dann greifen automatische Schutzmechanismen, Kraftwerke oder Lastabwürfe ein. Ein großflächiger Frequenzabfall kann im Extremfall zu Kaskadeneffekten und Blackouts führen.
Man kann sich das vorstellen wie bei einem Fahrrad: solange genug Schwung da ist, bleibt es stabil. Fehlt die Energie plötzlich, beginnt das System zu taumeln.
Früher lieferten große Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke durch ihre schweren rotierenden Turbinen automatisch Stabilität für das Netz. Diese sogenannte Momentanreserve wirkt wie ein gigantisches Schwungrad.
Windräder und Solaranlagen speisen dagegen überwiegend über Leistungselektronik ein. Sie erzeugen Strom effizient – aber nicht automatisch dieselbe physikalische Netzträgheit.
Das heißt nicht, dass erneuerbare Energien nicht funktionieren. Aber es bedeutet: ein Netz mit hohem Anteil erneuerbarer Energien braucht erheblich mehr Regeltechnik, Speicher, Reservekraftwerke und einen neuen Netzausbau. Denn Windstrom liefert Gleichstrom. Die Stromnetze sind aber für Wechselstrom ausgelegt. Und so muß der Gleichstrom für teures Geld über Konverter in Gleichstrom umgewandelt werden, was gleichzeitig zu einem Verlust von Energie führt.
der Zaubersatz
Das ist der Punkt, an dem in Talkshows gerne das Zauberwort fällt:
Batteriespeicher.
Ja, Batteriespeicher werden enorm wichtig.
Ja, sie stabilisieren bereits heute Netze.
Ja, ihre Technologie verbessert sich rasant.
Aber:
Großbatterien können derzeit vor allem kurzfristige Schwankungen puffern – Minuten bis wenige Stunden. Eine wochenlange Dunkelflaute einer Industrienation vollständig über Batterien abzusichern, wäre derzeit gigantisch teuer und technisch extrem anspruchsvoll.
Deshalb setzen praktisch alle realistischen Energieszenarien weltweit weiterhin auf:
Und was immer mitgedacht werden muß:
Die Industrie braucht nicht nur Strom, sondern auch Prozesswärme. Ohne Prozesswärme können keine Produkte hergestellt werden. Ohne fossile Energie können keine Straßen und Häuser gebaut werden und kann kein Zement hergestellt werden. Aber auch die chemische Industrie ist dringend auf Teer, Amoniak, Benzol und Phenole angewiesen. Diese Stoffe fallen bei der Verkokung von Kohle zu Kokskohle an.
Glückauf !
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