Trotz 45 Mio. Euro KfW-Förderung für die sogenannte Klimaoffensive

Es gibt Tage, an denen die Energiewende besonders eindrucksvoll funktioniert. Der Wind weht. Die Rotorblätter drehen sich. Die Klimaziele stehen weiterhin stramm im Wind. Und irgendwo in Wiesbaden zählt jemand die roten Zahlen.

Willkommen bei ABO Energy, jenem Unternehmen, das 1996 als kleine Planungsgesellschaft von Jochen Ahn und Matthias Bockholt begann und inzwischen zu den großen deutschen Projektentwicklern für Wind, Solar und Speicheraggregaten zählt. Aus dem Zwei-Mann-Betrieb ist ein international tätiges Unternehmen geworden.

Nur beim Gewinn scheint die Energiewende gerade etwas Gegenwind zu haben.

95 Millionen? Das war erst die Aufwärmrunde

Im November 2025 kündigte ABO Energy zunächst einen Jahresfehlbetrag von rund 95 Millionen Euro an. Wer damals dachte, schlimmer könne es kaum kommen, hatte die Kreativität von Bilanzabteilungen unterschätzt.

Im Januar 2026 wurde die Prognose nämlich noch einmal kräftig nach unten korrigiert: Statt rund 95 Millionen Euro Verlust wurden nun rund 170 Millionen Euro Konzernjahresfehlbetrag erwartet. Als Gründe nannte das Unternehmen unter anderem Projektverschiebungen und weitere Wertberichtigungen infolge veränderter Marktbedingungen.

Man könnte also sagen: Die 95 Millionen waren nicht das Ende des Tunnels. Sie waren der Tunnel.

Und am anderen Ende warteten weitere 75 Millionen.

Dem subventierten Gipfelstürmer geht die Puste aus das Geschäft mit dem schlechten Gewissen von Klimarettern

Nun sollte man bei solchen Zahlen nicht vorschnell behaupten, jeder Euro, der in Wind- oder Solarprojekte geflossen ist, sei zum Fenster hinausgeworfen worden. Das wäre genauso simpel wie die Vorstellung, jedes Windrad könne ganz Deutschland zuverlässig mit Strom versorgen.

ABO Energy hat tatsächlich Projekte entwickelt, verkauft und errichtet. Nach eigenen Angaben wurden bislang Projekte mit mehr als 6.600 Megawatt Leistung veräußert, rund die Hälfte davon auch selbst errichtet. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 1.400 Menschen beziehungsweise weist in seinen aktuellen Unternehmensangaben rund 1.200 Mitarbeiter aus – je nach Abgrenzung und Aktualisierungsstand.

Das Geschäftsmodell ist also real. Die Frage ist nur, wie real die Rendite unter den inzwischen veränderten Rahmenbedingungen noch ist.

Und genau da wird es interessant. Denn die schöne Welt der erneuerbaren Projektentwicklung funktioniert nicht im luftleeren Raum. Sie hängt an Genehmigungen, Finanzierungskosten, Netzanschlüssen, Strompreisen, Ausschreibungsergebnissen, Projektverkäufen und – Überraschung! – an der Bereitschaft von Banken und Investoren, das alles zu finanzieren.

Früher hieß es Energiewende, heute heißt es Sanierungsprozess

ABO Energy selbst spricht inzwischen ganz offiziell von einem „laufenden Sanierungsprozess“. Ende Juli 2026 wurde die bestehende Stillhaltevereinbarung mit den Finanzierungspartnern bis zum 30. November 2026 verlängert. Das ist in der Sprache der Finanzwelt ungefähr die Variante von: „Wir müssen uns dringend unterhalten, aber bitte noch nicht alle gleichzeitig gehen.“

Für die Aktionäre ist das naturgemäß weniger romantisch. Denn ein Stillhalteabkommen bedeutet nicht automatisch Insolvenz. Es bedeutet aber sehr wohl, dass die Finanzierungssituation angespannt ist und die Banken dem Unternehmen Zeit für die Umsetzung des Sanierungskonzepts geben.

ABO Energy teilte Anfang 2026 außerdem mit, dass inzwischen die Hälfte des Grundkapitals verloren gegangen sei und deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden müsse. Gleichzeitig kam das vorläufige Sanierungsgutachten zu dem Schluss, dass das Unternehmen grundsätzlich sanierungsfähig sei – vorausgesetzt, es gelingt eine tragfähige Sanierungsfinanzierung.

Das klingt dann doch schon weniger nach „grüne Zukunft“ und etwas mehr nach „Bitte bleiben Sie noch einen Moment in der Leitung“.

Nun könnte der geneigte Kritiker natürlich sagen: Kein Problem! Wenn der Wind nicht reicht, hilft der Staat. Das hat in der Energiewende schließlich seit Einführung des Erneuerbare Energie-Gesetz (EEG) Tadition.

Seit Jahrzehnten werden erneuerbare Energien durch verschiedene Fördermechanismen, gesetzliche Vergütungen, Ausschreibungsmodelle und andere politische Rahmenbedingungen unterstützt. Die Behauptung, der Staat habe jedoch seit 2000 Milliarden in alle Projektierer gepumpt und diese vollständig am Leben erhalten, wäre als pauschale Tatsachenbehauptung etwas zu grob. Im großen und ganzen stimmt aber unsere Behautpung, das die gesamte Branche ohne staatliche Subvention weder auf einen grünen Zweig gekommen noch wettwerbsfähig wäre. De fakto ist sie das nicht. Das zeigen auch die zahlreichen bereits stattgefundenen Pleiten von Windkraftanlagenfirmen.

ABO Energy selbst verweist inzwischen auf ein schwieriger gewordenes Marktumfeld. Bei den deutschen Wind-an-Land-Ausschreibungen 2025 kam es nach Unternehmensangaben zu Überzeichnungen und deutlich reduzierten Einspeisevergütungen. Dadurch mussten Projekte neu bewertet und Wertberichtigungen vorgenommen werden.

Mit anderen Worten: Der Staat garantiert nicht automatisch, dass jedes Windprojekt ein gutes Geschäft wird.

Das hat offenbar auch die Wirklichkeit inzwischen bemerkt. Und das ist gut so. 

Hier wird die Diskussion mit unseren Gegnern in der Regel gerne besonders laut. Denn wir behaupten nach wie vor: 

Wind und Sonne produzieren Strom nicht nach dem Wunsch des Netzbetreibers, sondern nach Wetterlage. Daraus folgt eine zentrale systemische Herausforderung: Je höher der Anteil wetterabhängiger Erzeugung, desto wichtiger werden Netze, Speicher, flexible Verbraucher, regelbare Kraftwerke und andere Formen der Systemstabilisierung.

Daraus folgt aber auch, das nicht die installierte Leistung, sondern die tatsächlich eingespeiste Leistung zählt. Und da diese bei Windrkaftanlagen ständig schwankt, ist die Versorgungssicherheit immer wieder gefährdet. Wären da nicht unsere Grundlastkraftwerke mit ihrer regelbaren Energie, die diese Schwankungen ständig ausgleichen müssen, wäre unser Netz schon längst kollabiert.  

Aber Satire darf sich immerhin fragen: wenn eine Technologie den Strom produziert, wenn der Wind gerade Lust dazu hat – wer bezahlt eigentlich den Regenschirm für die windstillen Tage?

Die Antwort lautet schlicht:  unser Kraftwerkspark, bestehend aus Kohle-und Gaskraftwerken. Und dieser Park muß ebenfalls vom Steuerzahler finanziert werden, wenn ein Kraftwerk nur im Stand-By-Betrieb läuft, da es dann nur Kosten verursacht, ohne Strom oder Wärme zu produzieren. Für diese verordnete Zwangspause muß der Staat Ausgleichszahlugnen leisten. Und das Energiesystem ist bekanntlich eine Gemeinschaftsveranstaltung. 

Und dann gibt es noch die Börse.

Am 18. September 2026 schloss die ABO-Energy-Aktie auf Xetra bei 3,40 Euro. An anderen Handelsplätzen lagen die Kurse ebenfalls in dieser Größenordnung.

Am 21. September 2026 meldete das Unternehmen neue Zuschläge für drei deutsche Windprojekte mit zusammen 102,2 Megawatt. Die Projekte sollen zwischen Mitte 2028 und Anfang 2029 ans Netz gehen.

Das tote Pferd, von dem manche Kritiker bereits sprechen, scheint also zumindest noch gelegentlich mit dem Huf zu zucken.

Quellenhinweise: 

boerse-express.de vom 13.06.2026; abonergy.com; trading-treff.de vom 30.04.2026; taz.de vom 01.02.2026; boerse-global.de vom 18.08.2026; stock-world.de vom 02.06.2026; Handelsblatt.com vom 24.02.2026 sowie RK-Redaktion vom 21.09.2026

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