Die RAG Stiftung und die RAG Aktiengesellschaft treiben die Digitalisierung des Grubenwassermanagements weiter voran. Im Rahmen des Projekts „BRYCK Water Cluster“ soll untersucht werden, wie sich der Betrieb der Hängepumpen und die Überwachung von Wasserzuflüssen in ehemaligen Bergwerken künftig effizienter gestalten lassen. Das erklärte Ziel: Kosten senken, Energie sparen und Wartungsmaßnahmen bedarfsgerecht steuern.

Auf den ersten Blick klingt das vernünftig. Schließlich verursacht die dauerhafte Kontrolle und Bewirtschaftung der Grubenwasserhaltung im Jahr rd. 200 Mio. Euro an Kosten,  die noch über Generationen hinweg anfallen werden.

So verbrauchen alle 18 Pumpen auf 6 Grubenwasserzechen ca. 6,6 GWh pro Monat und rd. 78, 8 GWh pro Jahr an Strom. Durch ein kontrolliertes Anheben des Grubenwasserspiegels sollen die Pumpen künftig weniger Energie verbrauchen. Gleichzeitig sollen digitale Überwachungssysteme und Prognosemodelle dazu beitragen, von regelmäßigen Wartungsintervallen abzurücken und stattdessen nur dann einzugreifen, wenn tatsächlicher Bedarf besteht.

Doch genau an dieser Stelle beginnen die Fragen.

alles unter Kontrolle ? jedenfalls so lange wie nichts passiert

Das Projekt setzt auf eine sechsmonatige Praxisphase unter Beteiligung mehrerer Start-ups. Besonders im Fokus steht dabei das österreichische Unternehmen baseflow AI. Es soll anhand historischer Niederschlagsdaten der ehemaligen Schachtanlagen Friedlicher Nachbar in Bochum und Walsum in Duisburg hydrologische Modelle entwickeln, die zukünftige Wasserzuflüsse in den stillgelegten Grubenbauen prognostizieren können.

Die zugrunde liegende Annahme lautet: Wer den Zusammenhang zwischen Niederschlag und Wasserzufluss ausreichend präzise kennt, kann Pumpenbetrieb und Wartung besser planen. Doch wie belastbar sind solche Prognosen tatsächlich?

Tauchmotor-Kreiselpumpen

Bereits die Klimaforschung zeigt, wie schwierig langfristige Modellierungen komplexer natürlicher Systeme sind. Trotz enormer Rechenleistungen, jahrzehntelanger Forschung und globaler Datennetze weisen selbst moderne Wetter- und Klimamodelle erhebliche Unsicherheiten auf. Die Entwicklung lokaler Niederschlagsereignisse gehört bis heute zu den größten Herausforderungen der Meteorologie.

Umso erstaunlicher erscheint die Erwartung, dass aus historischen Niederschlagsdaten zweier ehemaliger Zechenstandorte künftig zuverlässige Vorhersagen über Wasserbewegungen in einem hochkomplexen unterirdischen Grubengebäude abgeleitet werden können. Schließlich wirken dort zahlreiche Einflussfaktoren zusammen: geologische Strukturen, unbekannte Verbindungswege zwischen Grubenbauen, Veränderungen des Gebirges durch den Bergbau sowie klimatische Veränderungen, die historische Datenreihen zunehmend entwerten.

Wasserbeprobungen ermitteln eindeutige Ergebnisse - Prognosen eher nicht

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Das erklärte Ziel des Projekts ist ausdrücklich die Kostensenkung. Weniger Energieverbrauch und weniger Wartung bedeuten geringere Ausgaben. Doch gerade bei der Grubenwasserhaltung handelt es sich um eine Ewigkeitsaufgabe mit hoher sicherheits- und umweltpolitischer Bedeutung. Die Überwachung alter Schächte und Wasserwege dient nicht nur der Wirtschaftlichkeit, sondern vor allem dem Schutz von Mensch, Umwelt und Infrastruktur. Deshalb wird sehr gewissenhaft regelmäßig die Qualität und die Inhaltsstoffe von Grubenwässern kontrolliert und durch die Umweltbehörden überwacht.  

Deshalb stellt sich die Frage, ob Einsparungen tatsächlich der richtige Maßstab für Entscheidungen in diesem sensiblen Bereich sind. Wer Wartungsintervalle verlängert oder auf Basis statistischer Prognosen verschiebt, übernimmt zwangsläufig auch zusätzliche Risiken. Die Folgen einer Fehleinschätzung könnten im Ernstfall deutlich teurer werden als jede eingesparte Wartung. Der punktuelle Ernstfall wäre z.B. gegeben, wenn einnzelne Rohrleitungen korridieren und/oder die nicht flexiblen Flanschverbindungen durch Bergbewegungen im Liegenden bersten, wenn neue Wasserwege durch wechselnde Wasserstände entstehen, wenn der seitliche Gebirgsdruck zunimmt oder wenn mehrere Pumpbetriebe ausfallen.  

Prognoseberechnungen entstehen immer unter Unsicherheit

Innovation und Digitalisierung können wichtige Beiträge zur Optimierung technischer Prozesse leisten. Daran besteht kein Zweifel. Allerdings sollten die Erwartungen an künstliche Intelligenz und datenbasierte Prognosemodelle nicht höher geschraubt werden, als die tatsächliche Aussagekraft der zugrunde liegenden Daten rechtfertigt.

Falls die hydrologischen Modellierungen am Ende tatsächlich dieselbe Treffsicherheit erreichen sollten wie manche langfristigen Wetter- und Klimaprognosen, dann bleibt für das Revier immerhin noch eine Option: die Teil-Evakuierung. Allerdings müßten dann gleich mehrere Grubenwasserzechen komplett über längere Zeit ausfallen. Das dürfte (hoffentlich) unwahrscheinlich sein.

Glückauf ! 

Quellenhinweise: 

RAG-Presse-Info vom 26.05.2026; baseflow.ai; bra.nrw.de /Grubenwasserkonzept Bez.Reg.Arnsberg; (Abt. 6) 8. Sitzung der Regionalgruppe integrales Monitoring der Grubenasseranstiege im Steinkohlenbergbau NRW vom 7.5.2026; (grubenwasser-steinkohle-nrw.de); RAG-Kommunikation vom 10.09.2025; bryckstartupalliance.com, Essen; dielinke-herne.de vom 13.08.2021; (Brief an Herrn OB Frank Dudda zu den Risiken des neuen GW-Konzepts der RAG); Mining-Report vom 06.06.2026; N.N: Planerische Mitteilung zur Errichtung und zum Betrieb einer Grubenwassableitung für den zentralen Wasserhaltungsstandort Lohberg in den Rhei, RAG (Hrsg.) vom 13.03.2026 sowie RK-Redaktion vom 14.06.2026

Fotonachweise: 

Header: Hintergrund: pixabay.com; Vordergrund: Revierkohle; links darunter: Benno Bergmann, ehem. Gesamtverband Steinkohle,links darunter: Pumpe: KI-generiert; Mitte: pixabay.com, rechts: Elementor-Grafik 

 

 

 

 

Diesen Beitrag teilen
Summary
neues RAG-Grubenwassermonitoring geplant
Article Name
neues RAG-Grubenwassermonitoring geplant
Publisher Name
Berufsverband Revierkohle e.V.
Publisher Logo
Translate »
Nach oben scrollen