VERBRENNER-AUS WIRD AUFGEWEICHT
Wir haben immer schon gesagt: Tote leben länger. Das gilt nicht nur für den nach wie vor notwendigen Rohstoff Kohle, sondern auch für das Verbrennerauto. Damit fallen längst überfällige ideologische Scheuklappen.
Technologieoffenheit statt Verbote: Warum die Neujustierung beim Verbrennermotor sinnvoll ist
Die Entscheidung der Bundesregierung, das politisch festgelegte Ende des klassischen Verbrennermotors neu zu justieren, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer realistischeren und wirtschaftlich tragfähigen Energiepolitik. In den vergangenen Jahren wurde die Debatte über die Zukunft der Mobilität häufig stark vereinfacht: Elektromobilität galt als einzige Lösung, während der Verbrennungsmotor politisch zunehmend aus dem Verkehr gezogen werden sollte.
Nicht, weil die sog. Klimakrise dies hätte erforderlich gemacht, die gab und gibt es bis heute nicht, denn das Klima kennt keine Krisen. Aber man war und ist beseelt von der fixen Idee, das der Ausstoß des Spurengases CO2 die Erde erhitzt und nach überschreiten eines ominösen Kipppunktes uns allen der Hitzetod droht. >>>
Dieser Glaubensatz verträgt sich weder mit wissenschaftlichen Erkenntnissen noch mit der Suche nach technischen Alternativen. Und wie die Entwicklung zeigt, gefährdet die E-Mobilität als einzige Alternative massiv die Versorgungssicherheit. Doch eine moderne Industrie- und Klimapolitik braucht mehr als nur eine Technologie – sie braucht Offenheit für Innovationen.
Das Prinzip der Technologieoffenheit ist deshalb zentral. Es bedeutet, dass politische Ziele – etwa die Reduktion von CO₂-Emissionen – (so unsinng das Ziel auch sein mag) klar formuliert werden, der Weg dorthin aber nicht einseitig vorgeschrieben wird.
Statt nur auf batterieelektrische Fahrzeuge zu setzen, können unterschiedliche Ansätze parallel entwickelt werden: effizientere Verbrennungsmotoren, synthetische Kraftstoffe (E-Fuels), Wasserstofflösungen oder hybride Systeme. Wettbewerb zwischen Technologien führt oft schneller zu Innovationen als politische Vorfestlegungen.
Die ursprünglich geplante EU-weite Regelung, die faktisch auf ein Aus für neue Verbrennerautos ab 2035 hinauslief, wurde von vielen Fachleuten früh kritisch gesehen. Auch, weil der Klimaschutz an sich infrage gestellt wurde – und weil ein pauschales Verbot mehrere Risiken birgt.
Erstens unterschätzt eine solche Regelung die technologische Dynamik. Gerade im Bereich klimaneutraler Kraftstoffe und neuer Motorentechnologien finden derzeit enorme Fortschritte statt. Wenn der Gesetzgeber diese Optionen vorzeitig ausschließt, könnten vielversprechende Lösungen gar nicht erst zur Marktreife gelangen.
Zweitens droht eine einseitige Strategie wirtschaftliche Nachteile für einen zentralen Industriezweig Europas zu erzeugen. Die Automobilindustrie beschäftigt Millionen Menschen und ist ein Kernbereich europäischer Innovationskraft.
Eine Politik, die ausschließlich auf eine Technologie setzt, um mit China mithalten zu können wird unserer Meinung nach verlieren. Internationale Wettbewerber zu stärken, die breiter aufgestellt sind, wäre die bessere Alternative.
Die Neujustierung bedeutet deshalb keinen Rückschritt beim Klimaschutz, sonderen ein sowohl als auch. China macht uns das vor: dort werden in Massen subventionierte E-Autos hergestellt, um die Abhängigkeit von China zu erhöhen. Gleichzeitig hält China an den fossilen Energieträgern fest und baut laufend neue Kohlekraftwerke. Ein schlaue aber auch politisch getriebene Strategie. Denn den Chinesen geht es nicht nur um die Marktführerschaft, sondern auch um die Machtfrage.
Eine pragmatische Klimapolitik sollte daher Innovation fördern, statt sie durch vorschnelle Verbote einzuengen. Technologieoffenheit schafft Raum für Wettbewerb, stärkt die industrielle Basis Europas und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass nachhaltige Lösungen tatsächlich weltweit Verbreitung finden.
IST ES SCHON ZU SPÄT ?
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer ihrer tiefsten Umbruchphasen seit Jahrzehnten. Der massive Strukturwandel hin zur Elektromobilität, steigender internationaler Wettbewerbsdruck und Unsicherheiten in der Energie- und Industriepolitik haben bereits deutliche Spuren hinterlassen. Viele Unternehmen haben ihre Investitionsstrategien radikal umgestellt, Produktionslinien geschlossen oder umgebaut und ganze Geschäftsbereiche neu organisiert.
Besonders hart trifft der Wandel die Beschäftigten. Der klassische Verbrennungsmotor ist technisch komplex und beschäftigt entlang der gesamten Wertschöpfungskette hunderttausende Menschen – von Motoren- und Getriebewerken über Zulieferbetriebe bis hin zu spezialisierten Ingenieur- und Entwicklungsdienstleistungen. Elektromotoren benötigen deutlich weniger Bauteile und damit auch weniger Arbeitskräfte in der Fertigung. Experten gehen seit Jahren davon aus, dass der Strukturwandel erhebliche Arbeitsplatzverluste mit sich bringen wird.
Vor diesem Hintergrund wirkt die jetzige politische Kurskorrektur ambivalent. Einerseits ist es sinnvoll, sich vom dogmatischen Ansatz einer einzigen Antriebstechnologie zu lösen. Technologieoffenheit kann Innovationen fördern und neue Perspektiven eröffnen – etwa durch klimaneutrale synthetische Kraftstoffe, Wasserstofflösungen oder hoch effiziente Hybridkonzepte. Andererseits stellt sich die Frage, ob diese Einsicht nicht früher hätte kommen müssen.
Glückauf !
Quellenhinweise:
Die Welt vom 29.11.2020 und 11.03.2026; Die Rheinpfalz vom 10.03.2026; Neue Züricher Zeitung vom 07.10.2025; ingenieur.de vom 11.09.2025; focus-online.de vom 19.09.2025 sowie RK-Redaktion vom 14.04.2026
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