Zum Inhalt springen

IM ERNSTFALL MUSS DER NEUE WELTERBE-PAVILLION WEICHEN

Nach dem die RAG im Rahmen des Grubenwasserhaltungskonzeptes entschieden hatte, das die zentrale Grubenwasserhaltung auf Zollverein XII in Essen-Katernberg aufgegeben und zum Sicherungsstandort umgebaut werden soll, begannen 2023 die Verfüllungsarbeiten am Schacht 2 und XII. Allerdings wurde Schacht XII nur teilverfüllt und mit Hüllrohren versehen, um für den Ernstfall drei Hängepumpen in den Schacht einhängen zu können. Der Deckel kam dann endgültig am 01.04.2025 auf Schacht 2 und 12 drauf. 

Die übertägige Fläche unter dem Fördergerüst von Schacht XII wurde freigeräumt. Auf dem 170 Quadratmeter großen Areal soll nun in Leichtbauweise ein neuer Pavillon mit Glasfassaden entstehen, der als neuer Anlaufpunkt für Besucher dienen soll. LED-Leinwände sollen die Besucher begrüßen. Die Baumaterialien wurden so ausgewählt, das sie bei einem späteren Rückbau entweder wiederverwendet oder fachgerecht entsorgt werden können. Gefördert wird der neue Eingangs-Pavillion wieder mal aus Steuermitteln. In Betrieb geht dieser zum Welterbetag am 07.07.2026.  

In diesem Zusammenhang sind wir der Frage nachgegangen, welcher Aufwand betrieben werden muß, wenn Schacht XII wieder als Grubenwasserhaltungsstandort im Rahmen des bestehenden Notfallskonzeptes reaktiviert werden muß.  

Zollverein_12_entseilt_-removebg-preview

Reaktivierungsoption ist gesichert wenn der Notfall eintritt

Nach aktuellen Prognosen hängt die Reaktivierung und damit der Abriss des neuen Pavillions davon ab, ob der natürliche Abfluss des Grubenwassers in Richtung des Netzwerks ehemaliger Bergwerke (insbesondere Prosper‑Haniel und Lohberg) funktioniert. Hierfür wurde prophylaktisch ein übertägiges Rohrleitungssystem installiert, das die überlaufenden Grubenwässer bis zum ehemaligen Schrägschacht auf Prosper-Haniel in Bottrop weiterführen und von dort wieder unterirdisch bis zur nächsten Grubenwasserzeche auf Haus Aden in Bergkamen weiterfließen werden soll.   Sollte der Abfluss nicht ausreichen und der Wasserstand auf ein bestimmtes Niveau steigen, würde der Sicherungsstandort Zollverein XII wieder in Betrieb genommen, um zu verhindern, dass das Grubenwasser:

  • mit höher liegenden Trinkwasserstockwerken in Kontakt kommt, oder

  • seine vorgegebene zulässige Grenze überschreitet.

Konkrete Schwellenwerte (laut Gutachten):

  • Der relevante Grenzwert ist ungefähr die Höhe von –600 m NN (Meter über Normalhöhennull). Liegt das Grubenwasser über diesem Niveau, würde die RAG dort wieder Pumpen einsetzen, um das Wasser zu kontrollieren.

Eine Machbarkeitsstudie berechnete, dass dieser Zustand frühestens ab ~2031 eintreten könnte, falls das Wasser schneller ansteigt als über die vorgesehenen Wege abfließt.

Die Grubenwasserleitwarte der RAG auf Pluto in Herne erreichen Sie Tag und Nacht unter der Tel.-Nr. 02325 - 593 666

Da die Grubenbaue der ehemaligen Zechen bis zu 150 km lang sind und sich über mehre Sohlen erstrecken, dauert es i.d.R. mehrere Jahre, bis das Grubenwasser sich der kritischen -600 Meter NN-Grenze nähert. Bei kritischem Verlauf von Niederschlangsmengen und Grubenwasseranstieg kann sich der Zeitraum verkürzen. Im Ernstfall wäre also genügend Zeit, um die Bergbehörde zu informieren und vorbereitende Arbeiten für die Errichtung eines Hebewerks über Schacht 12 durchzuführen. 

Innerhalb von 2-4 Wochen kann der modulare Erbe-Pavillon abgebaut und entfernt werden. Innerhalb  von weiteren 2 bis 3 Wochen könnte man die Schachtabdeckung wieder öffnen, die Hüllrohre, die Führung und Ihre Dichtungen überprüfen. Dann würde ein Stahlgerüst über Schacht XII aufgebaut werden, welches mit einer Seilführung und Pumpenanschlüssen versehen wird. 

Sodann würde der Einbau einer Steuerung für den Pumpenbetrieb, ein Stromanschluss und eine Wasserableitung folgen. 

Innerhalb weiterer 2-3 Wochen würde der Einbau und das Absenken von 3 Tauchmotorkreiselpumpen in die vorhandenen Hüllrohre erfolgen. Anschließend würde man einen Trockenlauf und eine Lastprobe vornehmen. 

Danach würden die Pumpen in den Regelbetrieb übergehen und von der zentralen Grubenwasserleitwarte auf Pluto in Herne gesteuert und überwacht werden. Die Wartungsmannschaft der RAG würde die Pumpen, die Steuerung und die Seile regelmäßig inspizieren. Der Zugang zum Schacht wäre dann wieder eingeschränkt. 

Noch ein kleiner Trost für alle Bergbaufreunde/innen: obschon auch Schacht 2 verfüllt wurde, bleibt der Betonförderturm erhalten. Er gehört zum denkmalgeschützten Gesamtensemble der Schachtanlage Zollverein. 

 

Quellenhinweise: 

hoga-presse.de vom 26.01.2026; hochstift-anzeiger.de vom 26.01.2026; bra.nrw.de (RAG-Sicherungsstandortkonzept Zollverein XII) o.J.; inherne.de vom 09.05.2018; vdi-nachrichten.de vom 07.10.2022; RAG.de vom 01.04.2025; WDR.de vom 01.04.2025; WAZ vom 07.04.2025 sowie RK-Redaktion vom 14.03.2026

Fotonachweise: 

Header: Zollverein XII bei Nacht: Youtube-Screenshot. Montage: Revierkohle. ; links darunter: pixabay.com; Montage und Gestaltung: Revierkohle; darunter: Mitte: Fördergerüst Schacht XII: Revierkohle; Piktogramm links darunter: stockdreams.ai   

Diesen Beitrag teilen
Summary
Grubenwasser-Notfallkonzept
Article Name
Grubenwasser-Notfallkonzept
Publisher Name
Berufsverband Revierkohle e.V.
Publisher Logo
Translate »