weitere 1000 Arbeitsplätze sollen fallen
Die RAG-Stiftung hat in diesen Tagen etwas weniger zu lachen. Grund: sie ist Anteilseignerin von Evonik-Industries. Der erfolgsverwöhnte Chemieriese steht zunehmend unter Druck. Das Geschäft schwächelt. Die Dividendenzahlungen an die Aktionäre werden um 40 % gekürzt und das Personal soll um weitere 1000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Zwar betonte der ehemalige RAG-Chef und heutige RAG-Stiftungschef Bernd Tönjes, das die Dividende von Evonik trotz Kürzung immer noch hoch attraktiv und verlässlich ist, aber die Börse sieht das offensichtlich etwas anders. Diese betrachtete das operative Ergebnis und den Umsatzverlauf. Danach ging der Umsatz um 7 % auf 14,1 Mrd. Euro zurück und das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda genannt) landete bei 1.874 Mrd. Euro. Zuletzt hatte Evonik ein operatives Ergebnis noch von 1,9 Mrd. Euro erzielt.
der Motor stottert steckt auch die Chemieindustrie in der Krise ?
Nach Angaben von Evonik Industries hängt der weitere Stellenabbau vor allem mit drei Faktoren zusammen:
1. Schwache Nachfrage in wichtigen Industrien
Evonik liefert Vorprodukte für viele Branchen:
Automobilindustrie
Bauwirtschaft
Konsumgüter
Landwirtschaft
Diese Sektoren schwächeln seit einiger Zeit in Europa. Wenn dort weniger produziert wird, sinkt automatisch die Nachfrage nach Chemikalien.
2. Sparprogramm und Konzernumbau
Evonik versucht, Kosten zu senken und profitablere Geschäftsbereiche zu stärken.
Ziele des Programms:
Verwaltung verschlanken
Doppelstrukturen abbauen
Produktion effizienter machen
Rendite erhöhen
Dabei geraten besonders Verwaltung, Managementebenen und weniger profitable Geschäftsbereiche unter Druck.
3. Hohe Standortkosten in Deutschland
Ein wichtiger Punkt sind die im internationalen Vergleich hohen Kosten:
Energiepreise
Bürokratie
Umweltauflagen
Arbeitskosten
Bei allem Verständnis für ein Unternehmen, das im hart umkämpften Chemiemarkt um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit ringt, kann man angesichts eines Umsatzes von 14,1 Mrd. Euro und einem bereinigten Ergebnis von 1,874 Mrd. Euro nicht davon reden, das Evonik in einer wirklichen Krise stecken würde. Und da dem nicht so ist, aber trotzdem massiv weitere 1000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen und die RAG-Stiftung immerhin noch 47 % der Anteile an Evonik hält, müssen wir an dieser Stelle an die gesellschaftliche Verantwortung der RAG-Stiftung für den Konzern in Erinnerung rufen.
Wir halten daher also mal fest:
Die RAG-Stiftung ist Hauptaktionär von Evonik. Sie finanziert mit Dividenden aus dem Konzern die sogenannten Ewigkeitslasten des Bergbaus (z. B. die Grubenwasserhaltung).
Dadurch entsteht ein Spannungsfeld:
hohe Renditeanforderungen sichern die Finanzierung des Nachbergbaus
gleichzeitig erwartet die Region Beschäftigung und industrielle Stabilität
Der aktuelle Stellenabbau wirft deshalb politisch die Frage auf, wie stark sich die Stiftung auch für Arbeitsplätze im Ruhrgebiet verantwortlich fühlen sollte.
Bei jeder öffentlichkeitswirksamen Möglichkeit betont der Stiftungsvorstand, wie sehr sich die RAG und die RAG-Stiftung verantwortlich für das Ruhrrevier fühlt. Es sollte nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben.
In Bezug auf die Evonik könnte das konkret bedeuten: im Aufsichtsrat könnte die RAG-Stiftung ein präzises Standortkonzept einfordern. Zeitweise könnte sie auf höhere Dividenenzahlungen, verzichten, den Ausbau von Spezialchemie stärker unterstützen sowie Umschulungsfonds für Chemiearbeiter auflegen.
Darüber nachdenken ist erlaubt. Glückauf !
Quellenhinweise:
Börsen-Zeitung.de vom 05.02.2026; finanzen.net vom 05.02.2026; wiwo.de vom 05.20.2026; tageblatt.de vom 05.02.2026; handelsblatt.com vom 05.02.2026; Marler-Zeitung vom 08.02.2026; WAZ vom 05.02.2026; Manager-Magazin vom 13.12.2024 sowie RK-Redaktion vom 14.03.2026