TransnetBW: Auswirkungen der Dekarbonisierung bis 2050

auf den Strombedarf, die Stromerzeugung und die Netzplanung

Von den Medien weitgehend unbeachtet blieb bisher eine brisante Studie vom April 2020 mit dem Titel „Stromnetz 2050.“ In dieser Studie entwickelt der Netzbetreiber TransnetBW einen Netzent-wicklungsplan unter den Bedingungen der Energiewende bis 2050 und erläutert, welche Folgen die derzeitige Energiepolitik für den Versorgungsbereich Baden-Württemberg haben könnte. Der GF von TransnetBW, Michael Jesberger, teilt das Ziel der Bundesregierung, dass Deutschland bis 2050 klimaneutral sein soll.

Unter dieser Prämisse analysieren die Autoren Schorn, Meinel und Matthes, wie eine bedarfsgerechte  Netzinfrastruktur aussehen müßte, damit die Energiewende gelingen kann. Diesem sportlichen Anspruch wollen sie aber nur unter der Bedingung gerecht werden, dass u.a. die Sicherstellung von Importstrom und ggf. strom-basierte Kohlenwasserstoffe von der Politik garantiert wird. An-sonsten steht der wichtige Aspekt der Versorgungssicherheit nicht im Fokus der Studie. 

grafik-eeg-umlagenentwicklung bis 2021
bitte wischen
grafik-eeg-umlagenentwicklung bis 2021

Unter diesen einschränkenden Bedingungen betrachtet die Studie die Weiterentwicklung des Energiemarktes, insbesondere die mögliche Entwicklung in Haushalten und in der Industrie, im Bereich der Wärmenachfrage und der Trassenentwicklung. Obschon sich der von TransnetBW gesponserte Lobby-Verein „Forum für Zukunftsenergien e.V.“ für einen weiteren Ausbau regnerativer Energieträger ausspricht, so wird doch erstmalig auch auf die Gefahren der Netzstabilität hingewiesen, die z.B. durch einen Blackout entstehen können. 

Zielprojektion Klimaneutralität

Ein Feuerwerk der Vernunft ?

Die Verfasser der Studie geben vor, vom Ende aus gedacht zu haben. Die Studienergebnisse zeigten aufgrund einer kon-kreten Konfrontation mit unterschiedlichen Auffassungen daher eine Robustheit, wie sie in den bisherigen 10-Jahres-Planungen nicht zu finden waren, so das Eigenlob der Verfass-er.

Wer diese Aussage allerdings in dem Sinne fehlinterpretiert, die Netzbetreiber haben tatsächlich die Folgen einer 100 % tigen CO2-freien Wirtschaft und Stromversorgung kritisch reflektiert, der wird enttäuscht werden.

Es wird zwar dargelegt, welche Folgen die geplante Sektorenkopplung auf die Nachfrage hat.  Auch wird ausführlich erläutert, warum die installierte Leistung von Windkraftanlagen verdreichfacht und warum grüner Wasserstoff importiert werden muß und das man zur Absicherung von Lastschwankungen mehr Gaskraftwerke benötigt. All dies ist aber nicht neu.

Und man räumt sogar ein, dass bei einem weiteren Zubau von regenerativen Energieträgern ab 2022 nicht mehr die Stromversorgungssicherheit rund um die Uhr gewährleisten könnte. Soweit bis 2030 weitere 13 GW an Kohlestrom vom Netz gehen sollten, würde die Importkapazitäten von rd. 18,5 GW nicht mehr ausreichen.

Letzteres ist wenigstens eine ehrliche Erkenntnis. Aber welche Konsequenzen haben die Autoren daraus gezogen? Antwort: keine. Sie haben die Frage nach der Versorgungssicherheit bewußt nicht beantwortet, um die Energiewendepolitik nicht zu kontakarieren und sie haben auch nicht die Frage beantwortet, ob die ausländischen Stromlieferanten bereit und in der Lage sind, unseren Versorgungsbedarf jederzeit decken zu können. Von den weiteren Kosten für den Bau von großen HGÜ-Gleichstromtrassen ganz zu schweigen. Auch ohne diese zusätzlichen Belastungen wird die EEG-Umlage von 2,4 Ct/kWh (in 2010) auf 8,0 Ct/kWh in 2021 nach Berechnungen der Bundesnetzagentur (siehe oben..) steigen.

Konfrontative Robustheit sieht unserer Ansicht nach anders aus. Die hätte nämlich die Frage, was passiert, wenn die Energiewende scheitert, mit berücksichtigen müssen. Aber das halten Leute wie Dr. Matthes, der Beirat dieser Studie, kaum aus. Schließlich ist er als Vertreter des Öko-Instituts Nutznießer der Energiepolitik. Da kann allzu viel Selbstkritik nur schaden…

Christian Schorn

Leiter

Anlagenbetrieb TransnetBW

Foto: Youtube, Freistellung u. Bearbeitung: Revierkohle 

Dr. Felix Matthes

Koordinator

Forschung, Öko-Institut e.V.

Foto: youtube. Freistellung:RK

Helmfried Meinel, Ministerialdirektor Umweltministerium Baden-Württemberg, Foto: Youtube, Freistellung u. Bearbeitung: Revierkohle
Michael Jesberger, GF TransnetBW, Foto: Youtube, Freistellung und Bearbeitung: Revierkohle

Quellenhinweise:

Schorn, Christian, Lotze, Jonas u.a.: Stromnetz 2050, TransetBW GmbH, Stutt-gart 2020, 86 Seiten; ET-News.de vom 21.04.2020; Verband für Energie-und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (Vfew-bw.de) ohne Datum; Energie.de vom 28.04.2020; topagrar.com vom 24.04. 2020, e-Mail-Stellungnahme von Dr. Ulrich Schrader, Kooperationszentrum Energie-sicherheit, IHK-Halle, vom 08.06.2020 sowie RK-Redaktion vom 14.07.2020

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Geschichte: der Bergbau im 3. Reich

Die sogenannten Betriebsführerschaften auf den Zechen folgten gerne den Nazis

Anlässlich zum Tag der Arbeit marschierte die NSDAP, die Werksfeuerwehr sowie Knappen im Bergkittel zur Kundgebung vor das Werkstor der Zeche Prosper-Haniel, Schacht 2 in Bottrop 1937 auf Foto: Montanhistorisches Dokumentationszentrum, Uni Bochum

Anknüpfend an unseren Beitrag „Zwangsarbeit im Ruhrbergbau“ in unserem Jahrbuch aus dem Jahre 2016 wollen wir dieses Kapitel weiter aufarbeiten, da die Situation der Zwangsarbeiter als aber auch das Verhältnis zwischen den Zechenbaronen und der NSDAP im 3. Reich in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet geblieben ist. 

In unserer neuen Podcast-Sendereihe werden wir daher dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte um die Episoden „Bergarbeiterstreiks im Bergbau“, „Bergbauinteressen im 3. Reich“ und „Bergbau und Zwangsarbeit im 3. Reich“ ergänzen.

Die Reihe sowie weitere Themen finden Sie in unserer Mediathek oder auf Podcaster, Apple-i-tune, Spotify, Podbean und Spreaker.   

Zwangsarbeiter aus Russland hinter dem Stacheldraht auf dem Gelände der Zeche Lothringen III in Bochum-Gerthe 1942, Foto: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Archiv; Layoutveränderung: Revierkohle
Reste der Zeche Lothringen
Zwangsarbeiter auf Lothringen und Constantin der Große
Reste der Zeche Lothringen

Wenn man sich die Frage stellt, welche Zechenbetreiber wie und mit welchen Motiven mit dem NS-Staat zusammen-arbeiteten, dann stehen ganz oben auf einer fiktiven Liste die Namen

   Thyssen, Krupp und Preussag

 

Wobei die Preussag AG mit ihren Hütten, Salinen, Bernsteinwerken  und Steinkohlenbergwerken besonders her-vortrat. Als ehemaliger preußischer Staatskonzern war die Firma schon vor Beginn der Machtergreifung Adolf Hitlers eng mit der NS-Politk verbunden. Daher war es für die NSDAP auch leicht, ihr restriktives Kontroll-und Überwachungssystem in den  Zechenbetrieben aufzubauen. Dies geschah zunächst durch die Auswechslung von Vorständen und Aufsichtsräten der Preussag AG durch NSDAP-Mitglieder.

Verbot freier Gewerkschaften

Anfang 1933 konnte sich die Partei und ihre Organe aber noch nicht auf allen Zechen durchsetzen. Bei den Bergarbeitern fand die NSDAP wenig Unterstützung. Der nächste Schachzug erfolgte, in dem freie Wahlen und freie Gewerkschaften verboten wurden. Dafür wurde eine Betriebszellenorganisation (NSBO) aufgebaut, die bei den Betriebsratswahlen im Mai 1933 starke Zuwächse verzeichnen konnte. Die Gewerkschaften wurden durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ersetzt und gleichgeschaltet.

Im Juli 1933 hatte der Regierungspräsident in Arnsberg die offiziell gewählten Betriebsräte abgesetzt und durch NSDAP-Arbeiterräte ersetzt. Die Bezirskregierung Arnsberg hatte sich zu dieser Zeit deutlich schneller mit den neuen Machhabern arrangiert als andere Bergbehörden.

Mit dem „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit “ vom Januar 1934 wurden die Betriebsräte ganz offiziell durch sog. Vertrauensleute ersetzt. Diese hatten zwar nur noch eine beratende Funktion, aber sie boten den Bergleuten die Möglichkeit, ihren stillen Protest gegen die neuen Machthaber im Betrieb zum Ausdruck zu bringen.

 

Betriebsführer und Gefolgschaft

Zum Beispiel durch die Abgabe ungültiger Stimmen. Das blieb bis 1936 so. Da diese Entwicklung aus Sicht der National-sozialisten enttäuschend war, fanden auf den Zechen ab 1936 keine Wahlen für die sog. Betriebszellen-Obleute mehr statt. Auch die NSBO ging in die Bedeutungslosigkeit über.  

Gleichzeitig wurde die Macht der Zechenvorstände gestärkt. Nach dem sog. Führerprinzip wurden diese dann als Betriebsführer bezeichnet. Und die Bergleute bildeten die Betriebsgemeinschaft bzw. Gefolgschaft. (analog zur Volks-gemeinschaft)

Damit die NS-Ideologie besser in die Köpfe der Bergleute gehämmert werden konnte, wurde die Parteipropaganda auch in die Betriebe hineingetragen. Als Gewährsleute für die NSDAP fungierten die Gauleiter. Diese organisierten zu-sammen mit den Betriebsführern auf den Zechen morgend-liche Betriebsappelle. Ab 1935 entwickelten sich die Betriebsappelle zu einem regelmäßigen Ritual als fester Be-standteil des Arbeitslebens auf den Schachtanlagen.

Neben der Einschwörung auf den Führer Adolf Hitler wurden diese Betriebsappelle auch dazu genutzt, über Forderungen der Zechen an die Politik zu berichten und die Erhöhung der Produktivität einzufordern.

Trotz der angespannten Lage im Steinkohlenbergbau, die ihren Anfang schon während der 20er Jahre nahm und nicht erst seit Beginn des Krieges 1939 sich verschärfte, wurden Jungbergleute trotzdem nur angelegt, wenn sie auch Mitglied der Hitlerjugend waren. 

Da die Produktivität wegen der schlechten Bezahlung, den harten Arbeitsbedingungen, fehlender Arbeitskräfte und der geringen Motivation kaum gesteigert werden konnte und viele Bergleute an die Front mußten, wurden auf den Schacht-anlagen ab 1942 auch Zwangsarbeiter eingesetzt.

Allein auf der Schachtanlage Preussag-Anthrazit-Ibbenbüren in Ibbenbüren waren 1944  von den 4054 Beschäftigten 41 % Zwangsarbeiter, davon 1341 sowjetische Kriegsgefangene, die in Lagern auf dem Zechengelände untergebracht waren. Ähnlich war es auch auf der Schachtanlage Lothringen III in Bochum und Constantin der Große sowie in vielen Stahlwerken an Rhein und Ruhr. 

Robert Ley (DAF) 1942:

Jede Tonne Kohle ist ein Baustein zum Sieg

Ostarbeiter 3
Ostarbeiter auf Minister Achenbach1940
Ostarbeiter 3

So schwadronierte der Reichsorganisationsleiter der Deutschen Arbeits-front, Robert Ley, auf dem Bergwerk Ibbenbüren, an-lässlich einer Ehrung für den Bergmann Konrad Grebe, der damals den Kohlenhobel erfand und damit die Arbeit unter Tage erheblich für alle er-leichterte.

Von Arbeitserleichterung-en konnten die rd. 100.000 polnischen Kriegsgefang-enen sowie die weiteren 215. 000 Ostarbeiter, die in deutschen Zechen als Zwangsarbeiter schuften mußten, dagegen nur träu-men. Ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft lag auf allen Zechen bei rd. 40 %. Ohne sie wäre eine Produktivitätssteigerung nicht möglich gewesen. Sie waren in  Baracken untergebracht, die sich auf fast allen Schachtanlagen befanden. Einige davon sind erhalten geblieben. So z.B. auf dem Gelände der ehem. Zeche Loth-ringen in Bochum-Gerthe.  

PH 2 Bottrop
in Vorbereitung
Prosper Haniel 1937

Quellenhinweise:

Blach, Bernhard: Zwangsarbeiterlager im Ruhrbergbau, in: Jahrbuch für Energiepolitik und Montankultur, Revierkohle (Hrsg.), Hamburg 2017, S. 84 ff; Westfalen-Nachrichten vom 21.01.2016; Böse, Christian, Farrenkopf, Michael, Wendl, Andrea: Kohle-Koks-Öl- Die Geschiche des Bergwerks Prosper-Haniel, Münster 2018, S. 107 ff; Wisotzky, Klaus: Am Vorabend des zweiten Weltkriegs, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Hft. 3, Jg. 30 (1982); Institut für Zeitgeschichte München (Hrsg.), Wikipedia (zur Fa. Preussag AG); Hering, Hartmut, Klaus, Michael: Und das ist unsere Geschichte- Gelsenkirchener Lesebuch, 3. Auflg.,Oberhausen 1987, S 221 f.; Tenfelde, Klaus, Jäger, Wolfgang: Bildgeschichte der deutschen Bergarbeiterbewegung, München 1989, S. 158 ff; Koch, Herbert Wilhelm: Das Ruhrgebiet so wie es war, Düsseldorf 1993, S. 162 ff   sowie RK-Redaktion vom 14.7.2020
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Grubenwasserhaltung: Haus Aden wird umgerüstet

Fördergerüst wird abgerissen und Hängepumpenbetrieb eingerichtet

Obschon auf der ehemaligen Zeche Haus Aden 1/2 in Bergkamen  seit 2001 keine Kohle mehr gefördert wird, war Schacht 2 bis April 2020 noch in Betrieb. Dort wurden jedes Jahr rd. 33 Mio. Kubikmeter Grubenwasser gefördert. Die Pumpen standen bisher in  923 m Tiefe und wurden regel-mäßig von den Mitarbeitern der RAG-Abteilung Technik und Logistikdienste gewartet. Doch damit ist nun Schluß. Die letzte Seilfahrt fand schon Ende 2019 statt. Der Betrieb ruht seitdem. Nun wird der Schacht bis Ende des Jahres mit Hüllrohren versehen und auf Hängepumpenbetrieb umge-stellt.       

bis Ende 2019 befanden sich die Kreiselpumpen auf der 900-Meter-Sohle auf Haus Aden- Foto: RAG
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Grubenwasserzeche Haus Aden, Schacht 2 in Bergkamen- Foto: RAG
GW-Haltung RAG Alt-StaO
bisherige Grubenwasserhaltungsstandorte
GW-Haltung RAG Alt-StaO
Neue Grubenwasserhaltung ab 2030
künftige Grubenwasser-StaO
Neue Grubenwasserhaltung ab 2030

Bedauerlicherweise unterstützt die RAG das Projekt „Wasserstadt  Bergkamen.“ Hierüber berichteten wir bereits ausführlich in 2001. Daher will die RAG bei der Umgestaltung des Grubenwasser-standortes Rücksicht nehmen auf die Gesamtplanung des ehemaligen Zechenareals. Und diese Rücksichtnahme erfordert offenbar ein neues Funktionsgebäude, welches sich harmonisch an die umliegende Gesamtarchitektur anpassen soll. Mit anderen Worten: der ehrwürdige Förderturm Haus Aden 2 soll fallen. Denn die Erhaltung ist mit den Planungen angeblich nicht vereinbar.

Wir glauben das nicht und halten diese Entscheidung für falsch. Denn auf den anderen Grubenwasserstandorten bleiben die Förd-ergerüste stehen. So sollte man mit der Industriegeschichte nicht umgehen. Schließlich ist Haus Aden die letzte Landmarke, die noch an den Bergbau in Bergkamen erinnert.

So wurde z.B. Schacht 1  bereits 2005 gesprengt. Von Schacht 6 ist nur noch eine Protegohaube zu sehen und an Schacht 7 erinnert nur noch ein mickriges Schachtrohr. 

Was soll die nachfolgende Generation da noch „mit allen Sinnen wahrnehmen“, um ihre Geschichte zu begreifen ? Das geht in der Tat am Besten nur im wortwörtlichen Sinne mit be“greifen.“ Also anfassen, staunen, Fragen, verinnerlichen,  lesen und weitergeben.

Die Dimension des Deutschen Steinkohlenbergbaus lässt sich nicht erfassen, wenn man nur auf einige verbliebene Museumszechen verweist. Jede ehemalige Bergbaustadt an Rhein und Ruhr sollte auf einen erhalten gebliebenen Förderturm verweisen können.

Denn die Fördertürme waren der Ausdruck von Prosperität, Wohl-stand und Solidarität. Die Städte waren Nutznießer. Es ist daher unbegreiflich, warum die Stadt Bergkamen und die RAG abermals so gedankenlos diese Chance vergehen läßt.

Und mit dem Todschlagargument „die Kosten sind zu hoch“ hätte überhaupt kein Bau architektonische und historische Bedeutsam-keit erlangt. Dann würden wir nur noch von langweiligen Funktionsbauten in Quadrat-oder Rechteckform umgeben sein. Dann wäre wahrscheinlich auch der Eiffelturm in Paris und viele andere Sehenswürdigkeiten nie gebaut worden.

Betriebswirte und Ingenieure sollten in industriegeschichtlich bedeutsamen Fragen daher nie das letzte Wort haben. Das hatte  vor längerer Zeit bereits unser Mitglied und Retter der Berg-arbeitersiedlung Eisenheim in Oberhausen, Prof. Dr. Roland Günter, erkannt und zahlreiche Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Unbedeutend ist diese Kritik daher nicht. 

Planerische Mitteilung wurde eingereicht

2 Tauchmotorkreiselpumpen des abgebildeten Typs werden ab 2023 das Grubenwasser auf Haus Aden heben- Foto: RAG

Damit der Grubenwasserbetrieb auf Haus Aden 2 wieder aufgenommen werden kann, muß man das Einleiten und Heben von Grubenwasser bei der Bergbehörde, Ab-teilung 6, Bergbau und Energie des Landes NRW genehmigen lassen. Dazu bedarf es eines Antrages.

Dieser nennt sich im umständlichen Amtsdeutsch „Planerische Mitteilung.“ In dieser Mitteilung muß die RAG langatmig erklären, warum sie mit der Grubenwass-erhaltung weitermachen will bzw. muß.

Die sog. wasserrechtliche Genehmigung wiederum ist Voraussetzung dafür, das Grubenwasser in die Lippe eingeleitet werd-en darf. Begleitet wird das ganze noch mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung, einer weiteren Anhörung von Trägern öffentlicher Belange, Expertisen von Wissenschaftlern und letztendlich noch mit der TÜV-Abnahme der Maschinen, der Hebetechnik  und der  Pumpen im neuen Pumpenhaus über dem Schacht.

FERTIG ?

Nicht ganz !

Danach muß Haus Aden 2 in das neue Gesamtkonzept der Grubenwasserhaltung eingebunden werden. Denn Haus Aden 2 wird das Grubenwasser in Zukunft zu-sammen mit den neuen Hängepumpen-betrieben Walsum in Duisburg, Heinrich 3 in Essen-Überruhr, Friedlicher Nachbar in Bochum und Robert Müser in Bochum über kilometerlange Rohrsysteme und über Steig leitungen das Grubenwasser zur zentralen Grubenwasserhaltungszeche Lohberg nach  Dinslaken weiterleiten.

Von dort soll es dann gehoben und in den Rhein bei Voerde verklappt werden.

Insgesamt werden dann im Ruhrrevier rd. 70. Mio. Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr gefördert. Hinzu kommen noch einmal 30 Mio. Kubikmeter, die am Standort Duhamel in Ensdorf aus dem ehem. saarländischen Revier hinzukommen. Der Standort Lohberg soll bis 2030 fertiggestellt werden.

Aus diesem Grund muß dass Grubenwass-erniveau nivelliert werden. Sprich: es soll bis auf 500 Meter und auf Haus Aden bis auf 630 Meter NN steigen. Auf diese Weise will man die Kosten für die Wasserhebung senken. Immerhin schlagen diese mit rd. 220 Mio. EUR pro Jahr zu Buche. 

Der Abstand zum Trinkwasser von 250 m muß dabei eingehalten werden, damit dieses nicht mit dem Grubenwasser in Berührung kommt. Denn Grubenwasser ist sauer, salzhaltig, mineralstoffhaltig und z.T. auch schadstoffhaltig.

Genauer erklären wir Ihnen das in unserem neuen Podcast, den Sie oben links oder in unserer Mediathek finden.  

Letztendlich handelt es sich aber um Regenwasser, welches Mineralien und Sedimente bei seinem Weg in die ehe-maligen Sumpfstrecken der stillgelegten Bergwerke mitreisst. Das Grubenwasser und das Trinkwasser wird daher regelmäßig kontrolliert und beprobt.

Alle Grubenwasserzechen werden von der neuen Grubenwasserleitwarte auf der ehem. Schachtanlage Pluto in Herne Tag und Nacht überwacht.

Und sollte einmal ein ganzer Pumpstandort komplett ausfallen, hält die RAG für diesen Fall weitere Sicherungsstandorte vor. Dazu gehören z.B. die Schachtanlagen Zollverein XII in Essen, Fürst Leopold in Dorsten,  Carolinenglück in Bochum und Prosper-Haniel in Bottrop. An diesen Standorten befinden sich Hüllrohre, in denen Pumpen eingelassen werden können.     

Was allerdings nie passieren darf: ein Stromausfall über mehrere Wochen. Das wäre dann allerdings weitaus schlimmer als die Corona-Pandemie dieser Tage.  

Quellenhinweise:

Machbarkeitsstudie Zentrale Wasserhaltung Lohberg, RAG AG (Hrsg.), Essen 2020; DMT-Stoffprognose Grubenwasser, Tabelle 2, Anlage 14, Bochum 2019; RAG-Pressemit-teilung vom 20.04.2020; Haus Aden- ein Standort der Grubenwasserhaltung, RAG AG (Hrsg.), Essen o.J.; Blach, Bernhard: zentrale Grubenwasserhaltung, in: Jahrbuch für En-ergiepolitik und Montankultur, Revierkohle (Hrsg.), Hamburg 2012, S. 30-37 sowie RK-Redaktion vom 15.07.2020

Headerfoto: RAG AG

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EEG Abgabenlast steigt

Das EEG: eine tickende Zeitbombe

Die Abgabenlasten für die erneuerbaren Energien werden weiter steigen

EEG Abgabenlast steigt

          Quelle: Bundesnetzagentur , Prognose 2020

Das das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG aus 2000) eine tickende Zeitbombe ist, haben wir in unserem Jahrbuch als auch an dieser Stelle schon seit Jahren vorausge-sagt. Und dazu braucht man keine tele-phatischen Fähigkeiten. Ein Blick in die Statistik reicht. Schauen Sie selbst.

 

Das die Abgabenlasten seit Einführung des EEG steigen, hat damit zu tun, dass die Wind kraft-und Photovotaikanlagen ständig weiter  ausgebaut wurden. Mittlerweile verschan-deln mehr als 32.000 Windkraftanlagen das Landschaftsbild.  

Der Ausbau wird bis heute großzügig vom Staat subventioniert, da die regenerativen Energieträger allesamt nicht marktfähig sind. Ebenso der Strom. Egal, ob dieser benötigt wird oder nicht. Es wird gezahlt und die Netzbetreiber müssen den nicht benö-tigten Strom auch noch bevorzugt an-nehmen. Unglaublich, aber wahr. 

Hinzu kommen die Kosten für den Netz-ausbau und diverse andere Umlagen. Und natürlich auch die Kosten für den Strom, der als Blindleistung ins Ausland verschenkt werden muß. Damit das Ausland den über-schüssigen, weil zur Unzeit produzierten, Strom überhaupt abnimmt, muß der deut-sche Staat dafür einige Mio. EUR jedes Jahr extra locker machen.

Dementsprechend stiegen die EEG-Subven-tionen nach Angaben des Bundeswirt-schaftsministeriums in 2018 auf 23, 1 Mrd. EUR und in 2019 bereits auf 24,2 Mrd. EUR.

 Und wenn dann noch die Großhandelspreise an der EEX-Börse fallen, wird der Differenz-betrag zur staatlich garantierten Vergütung für den nicht benötigten Öko-Strom größer. Dementsprechend steigen dann auch die EEG-Kosten. Es spielt Übrigens dabei keine Rolle, ob der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch mittlerweile schon bei über 40 % liegt. Was zählt, ist die gesicherte Leistung, wenn der Befarf ange-meldet wird. Und der ist bei Öko-Strom stets 0 %. Sollten Sie Öko-Strom-Befürworter sein, brauchen Sie das natürlich nicht glauben.     

Wahrscheinlich wird die Stunde der Wahrheit nach der 500 Mrd. EUR-Corona-bedingten Subvention zur Rettung der Wirtschaft im Oktober 2020 schlagen. Dann präsentieren die 4 Netzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW turnusgemäß die EEG-Umlagekosten. Da wird auch die ge-plante Absenkung der Stromsteuer um zwei Cent je kWh und eine vorübergehende Ab-senkung der MwSt wahrscheinlich nicht viel nutzen.

Kein Wunder, warum man im Bundeswirt-schaftsministerium die Entwicklung daher mit Sorge betrachtet. An der Energiewende will man aber trotzdem festhalten. Na denn. 

 

IGBCE

steigende Stromkosten werden zum sozialen Faktor

Etwa verklausuliert will der IG-BCE-Chef Michael Vassilliadis damit sagen, dass sich in Zukunft immer weniger Familien Strom leisten können, wenn die EEG-Umlagen weiter so steigen wie bisher. Das Herr Vassiliadis zu den steigenden Kosten selbst beigetragen hat, verschweigt er natürlich gerne. Es war aber die IGBCE unter Herrn Vassiliadis und die Gewerkschaft ver.di, die für den Auslauf des deutschen Steinkohlenbergbaus gestimmt und für den Ausbau regenerativer Energieträger geworben hat. Als Gegenleistung fielen dafür die Bergleute nicht ins Bergfreie. So etwas nennt man einen schlechten Deal.

Das der IGBCE nun ein solch fragwürdiges Votum im Spannungsverhältnis zwischen Energiewende, wirtschaftlicher Krise und Massenkurzarbeit im Nachinein auf die Füsse fällt, hat offensichlicht keiner der Verantwortlichen bedacht. Warnungen gab es aber genug.   

Der EEG-Spaß  hat dem deutschen Steuer-zahler seit 2000 bisher rund eine halbe Billion EUR gekostet. (500.0000.000.000 EUR!!) Heruntergebrochen auf die Strom-kosten je kWh hatte das zur Folge, dass der Strompreis von 14 Ct je kWh (in 2000) auf mittlerweile 31,37 Ct je kWh (Jan. 2020) gestiegen ist. Das Ziel, die CO2-Emissionen erheblich abzusenken, wurde trotzdem nicht erreicht.

Wenn man bedenkt, dass der CO2-Anteil an den Gesamt-CO2-Emissionen weltweit in Deutschland gerade einmal bei 2,08 % liegt, dann darf man doch wohl zu recht die Frage stellen, ob das ganze Unterfangen noch  verhältnismäßig ist.

Da wir schon seit Jahren die Ansicht ver-treten (und wir nicht alleine !), dass die vom Menschen verursachten zusätzlichen CO2-Emissionen (im Verhältnis zu den natür-lichen Emissionen, die immerhin 95 % aller CO2-Emissionen ausmachen) vernach-lässigbar sind, kann die Schlußfolgerung eigentlich nur lauten:

Hört auf mit dem Blödsinn und schafft das EEG endlich ab !

Wir hören schon den Aufschrei der zahlrei-chen Lobbyisten und der sog. Klimaretter. 

Quellenhinweise:

Wochenblick vom 19.06.2020; IG-BCE vom 30.04.2020; Handelsblatt vom 04.06.2020; Finanztip.de vom 26.06.2020; Welt vom 19. 11.2019; Computer-Bild vom 15.06.2020, ntv.de vom 29.12.2019, was-war-wann.de (Stromkosten 2000) sowie RK-Redaktion vom 15.07.2020

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